Jugendsuizid: Schützt autoritative Erziehung?

28. Mai 2014
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Forscher fanden heraus, dass der erlebte Erziehungsstil in der Kindheit entscheidend für die spätere psychische Gesundheit ist. Kinder, die sehr liebevoll, aber auch mit starker Kontrolle erzogen werden, hätten als Jugendliche ein geringeres Risiko, sich selbst umzubringen.

Die Forschergruppe um PD Dr. Carolin Donath vom Uni-Klinikum Erlangen konnte mit ihrer Studie zeigen, dass der autoritative Erziehungsstil „eine schützende Wirkung“ für Kinder hat. „Kinder, die sowohl starke Zuwendung als auch ein hohes Ausmaß an Kontrolle und Regeln durch ihre Eltern erlebt hatten, haben im Alter von 15 Jahren seltener schon einmal ernsthaft versucht, sich umzubringen als Jugendliche, die eine andere Erziehung erlebt hatten“, sagte Dr. Donath. Im Unterschied zum autoritären Erziehungsstil, bei dem Eltern von ihrem Kind in erster Linie Gehorsam erwarten, ihre Entscheidungen kaum diskutieren oder erläutern und Bestrafungen das bevorzugte Erziehungsmittel sind, schätzen die Eltern eines autoritativen Erziehungsstils den eigenen Willen des Kindes und berücksichtigen seine Interessen. Allerdings hat die elterliche Sichtweise Vorrang und der Elternwille wird durch Argumente durchgesetzt.

Im Gegensatz zum autoritativen Erziehungsstil konnte die Forschergruppe aufzeigen, dass sich das Risiko für Suizidversuche im Jugendalter bei einem in der Kindheit erlebten ablehnend-vernachlässigendem Erziehungsstil erhöht. „Das heißt, Kinder, die sowohl wenig elterliche Zuneigung als auch gleichzeitig wenig elterliche Kontrolle erlebten, hatten im Jugendalter ungünstigere Bedingungen für psychische Gesundheit“, erläuterte Dr. Donath. Ein autoritärer Erziehungsstil hatte dagegen keinen Einfluss auf Suizidversuche, war aber verbunden mit einem erhöhten Auftreten von Suizidgedanken.

 Weitere Risikofaktoren für Suizidversuche

Den Forschern gelang es auch, weitere Risikofaktoren für Suizidversuche bei Jugendlichen zu ermitteln. Dazu zählen das weibliche Geschlecht, ADHS, Rauchen, Rauschtrinken, Migrationshintergrund und Trennung der Eltern. Deutschlandweit haben 9 Prozent der 15-jährigen schon einmal ernsthaft versucht, sich umzubringen. Rund 40 Prozent haben schon einmal über einen Suizid nachgedacht. Grundlage der repräsentativen Studie war eine Fragebogenuntersuchung bei 44.134 Jugendlichen in ganz Deutschland.

Originalpublikation:

Is parenting style a predictor of suicide attempts in a representative sample of adolescents?
Carolin Donath et al.; BMC Pediatrics, doi: 10.1186/1471-2431-14-113; 2014

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3 Kommentare:

Kristina Walker
Kristina Walker

Klar, Jugendliche sind alle gleich, reagieren alle gleich und müssen folglich gleich behandelt werden – und was nun “berechtigte” Elterliche Sichtweisen sind, darüber ließe sich trefflich streiten.
Im Übrigen verursachen mir Ponyhof-Quotationen postwendend Nausea.

Kristina Walker
Ärztin und erfolgreiche Mutter

#3 |
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Dr Marianne Rinck
Dr Marianne Rinck

Kollege Kalmutzki : Ihren Worten ist nichts hinzuzufügen. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof

#2 |
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Den Kindern in der Erziehung Halt geben und das Durchsetzen berechtigter elterlicher
Sichtweisen, stärkt die kindliche Frustrationstoleranz. Das stabilisiert die Psyche und
feit die Jugendlichen vor unüberlegten Handlungen
.

#1 |
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