Krebs: Antikörper aktivieren Tumorkiller

23. Mai 2014
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Forscher fanden ein Signal, das T-Zellen des Immunsystems anregt, höchst effektiv Krebszellen anzugreifen. Mit Antikörpern aktivierten sie eine im Blut seltene T-Zell-Art, die γδ T-Zellen. Diese erkennen Stoffwechselprodukte, die nur Krebszellen freisetzen, und greifen Tumoren an.

„Mit unserer Methode haben die γδ T-Zellen in der Petrischale zwölfmal so erfolgreich Tumorzellen getötet wie mit bisherigen Aktivierungsverfahren“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Schamel, Teamleiter am Institut für Biologie III und am Exzellenzcluster BIOSS Centre for Biological Signalling Studies der Universität Freiburg. In Zukunft ließe sich so das Immunsystem von Patienten möglicherweise dazu anregen, Krebs wirksamer zu bekämpfen.

Immuntherapien zielen darauf ab, die natürliche Abwehr der Krebspatienten zu stärken, indem sie T-Zellen aktivieren. γδ T-Zellen sind für die Therapie besonders interessant, weil sie ein breiteres Spektrum von unterschiedlichen Krebsarten abtöten als die αβ T-Zellen, zu denen die meisten T-Zellen gehören. αβ T-Zellen reagieren auf Tumorantigene, die sich jedoch von Krebsart zu Krebsart und häufig von Patient zu Patient unterscheiden. γδ T-Zellen wiederum reagieren auf Veränderungen im Zellstoffwechsel, die viele Krebsarten gemeinsam haben. Das macht die γδ T-Zellen zum Krebskiller für viele verschiedene Krebssorten. Werden sie aktiv, vermehren sie sich und zerstören die kranken Zellen. Doch im Krebspatienten sind sie bisher oft nicht aktiv genug, um dem Krebs Herr zu werden.

Der T-Zell-Rezeptor erkennt Stoffe auf Krebszellen, die das Angriffssignal geben. Bindet einer dieser Stoffe an den Rezeptor, bewirkt das eine strukturelle Änderung des Rezeptors. Diese Konformationsänderung gibt das Signal an das Innere der T-Zelle weiter. Bisher konnten Forscher γδ T-Zellen zwar mit Stoffen anregen, aber keine solche Konformationsänderung des Rezeptors beobachten. Schamel konnte sie gemeinsam mit Prof. Dr. Paul Fisch vom Institut für Klinische Pathologie am Universitätsklinikum Freiburg erstmals mit Hilfe eines Antikörpers erwirken. Dem Team gelang es auf diese Weise, die Antitumorwirkung der Zellen zu verstärken.

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© Grafik: Wolfgang Schamel

Der Antikörper, mit dem die Forscher die Konformationsänderung bewirken, bindet an den T-Zell-Rezeptor und macht die T-Zellen zu Tumorkillern: „Die Pankreastumorzellen waren in vielen Versuchen nach fünf Stunden komplett abgetötet. Mit der Methode, die Forscher bisher anwendeten, um γδ T-Zellen aktiv zu machen, waren nach fünf Stunden nur 40 Prozent der Tumorzellen tot“, sagt Wolfgang Schamel. „Die Ergebnisse zeigen, dass Konformationsänderungen des T-Zell Rezeptors nicht zwingend für die Abwehrfunktionen im Körper benötigt werden, jedoch eine antitumorale Aktivität enorm verstärken.“

Originalpublikation:

The CD3 Conformational Change in the γδ T Cell Receptor Is Not Triggered by Antigens but Can Be Enforced to Enhance Tumor Killing
Wolfgang Schamel et al.; Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2014.04.049; 2014

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Medizin, Onkologie

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1 Kommentar:

Volker Allwicher
Volker Allwicher

Kleine Anmerkung zum Artikel…
laut Text bindet ein Antikörper an den T-Zell-Rezeptor und bewirkt die Konformationsänderung… in der Abbildung wird der Antikörper aber als “Antigen” bezeichnet, was etwas verwirrend ist.
Das Prinzip bleibt natürlich das Gleiche…

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