Pädophilie: Zerebrale Gesichtsverarbeitung im Blick

22. Mai 2014
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Forscher fanden mittels einer funktionellen MRT-Untersuchung bei einer Gruppe pädophiler Männer heraus, dass bereits die Wahrnehmung von Kindergesichtern eine erhöhte Aktivität im Gesichtsverarbeitungssystem und Hirnarealen, die sexuelle Reize verarbeiten, auslöst.

Bereits 2011 war es der Kieler Forschergruppe gelungen, mittels Messung der Hirnaktivität im Magnetresonanztomographen (MRT) pädophile Männer von nicht-pädophilen Männern zu unterscheiden. In der damaligen Studie, die in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Archives of General Psychiatry“ erschienen war, wurden den Versuchsteilnehmern für Sekunden Bilder von nackten Kindern und von nackten Erwachsenen gezeigt. Die mittels funktionellem MRT gemessene Hirnaktivität auf die jeweiligen Bilder wurde im Anschluss einem automatischen Klassifikationsprogramm zugeführt und erlaubt eine Zuordnungssicherheit von 95 Prozent. Man war bis dahin bei der Diagnose einer pädophilen Neigung vor allem auf die nur bedingt zuverlässigen Angaben der Betreffenden selbst oder auf die fehlerbehaftete Phallometrie, einem Verfahren zum Messen der Penisreaktion bei sexualmedizinischen Untersuchungen, angewiesen.

Studie zur zerebralen Gesichtsverarbeitung

Bei der nun veröffentlichten Studie zur zerebralen Gesichtsverarbeitung bei pädophilen Männern fanden die Wissenschaftler heraus, dass sowohl gesunde Männer als auch pädophile Männer bereits bei der Betrachtung von Gesichtern spezielle messbare Hirnaktivitäten zeigen. Dazu wurde ebenfalls die Methode der funktionellen MRT angewendet. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die menschliche Gesichtsverarbeitung auf die Erkennung sexueller Alterspräferenzen abgestimmt ist“, sagt Privatdozent Dr. Dipl.-Psych. Jorge Ponseti, Psychologe am Kieler Institut für Sexualmedizin.

Während gesunde heterosexuelle Männer bei der Betrachtung von Frauengesichtern in den entsprechenden Hirnarealen eine erhöhte Aktivität auswiesen, konnte diese bei pädophilen Männern während der Betrachtung von Kindergesichtern nachgewiesen werden. „Unsere Erkenntnisse könnten Auswirkungen sowohl für die Diagnose als auch für die Therapieplanung haben“, ordnet Ponseti die Ergebnisse ein. „Sollte durch diese Methode eine ähnlich hohe Zuordnungssicherheit möglich sein, könnten die ethischen Fragen, die durch das Zeigen von Abbildungen nackter Kinder aufgeworfen werden, zukünftig umgangen werden.“

Originalpublikation:


Human face processing is tuned to sexual age preferences
J. Ponseti et al.; Biol. Lett., doi: 10.1098/rsbl.2014.0200; 2014

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1 Kommentar:

Medizinjournalist

Den Verdacht habe ich schon eine Weile. Im Kindesalter haben Kindergesichter oder überhaupt Kinder eine besondere Präsenz (Anziehungskraft) im Gehirn von Kindern. Mit der Pubertät ändern sich die Präferenzen. Es kann nur drei geben. Männer, Frauen, Kinder. Bei der Vielzahl von Menschen klappt es nicht immer, wie eigentlich geplant. Mit diesen Fehlern lebt die Natur in allen Bereichen. In der Pubertät fallen Entscheidungen ohne willentliches Zutun, die können eben auch ein gesellschaftliches geächtetes Ergebnis haben. Da aus Sicht der Natur eher wenig Nachkommen aus den Fehlschaltungen erwachsen, sind Eliminationen gar nicht nötig. In Massengesellschaften fällt das aber wegen der allmählich entschwindenden Ausgrenzung des Themas in der Öffentlichkeit und der parallel zunehmenden Berichterstattung mehr ins Gewicht. Jetzt haben wir ein Problem, das wir schon immer um uns hatten, nur sehen wir es jetzt.

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