Depressionen: Wie Magnesium wirkt

19. Mai 2014
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Magnesiummangel kann beim Menschen depressive Wirkungen entfalten. Wissenschaftler stellten sich nun die Frage, welche Neurotransmitter-Rezeptorkomplexe in der Gehirnregion Hypothalamus/Amygdala bei einem Magnesiummangel betroffen sind.

Zur Untersuchung des Wirkungsmechanismus führten die Forscher um Gert Lubec, Leiter der Grundlagenforschung/Neuroproteomics an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien, zunächst im Tiermodell einen Magnesiummangel herbei. Danach untersuchten sie die Auswirkungen auf das Verhalten sowie die Rezeptorkomplexe im Gehirn. Als Folge der Magnesiumrestriktion zeigten die Tiere erwartungsgemäß ein depressives Verhalten. Als Ursache wurde mit dem N-methyl-D-aspartat-Rezeptor-GluN1-Komplex ein Rezeptorkomplex gefunden, dessen Funktionen durch den Magnesiummangel eingeschränkt werden.

Dazu Lubec: „Wir konnten eine klar negative Wirkung von Magnesiummangel auf ein ansonsten wohldefiniertes Rezeptorsystem feststellen. Das ist nicht nur vom Grundlagenaspekt her interessant, sondern auch von pharmakologischem Interesse.“ Konkret sind damit spezifische Studien möglich, welche die Wirkung von Magnesium auf den beschriebenen Rezeptorkomplex näher untersuchen. Als Resultat sind in weiterer Folge neue Magnesium-Medikamente denkbar.

Originalpublikation:

Brain Structure and Function
Dietary magnesium restriction reduces amygdala-hypothalamic GluN1 receptor complex levels in mice
Gert Lubec et al.; Brain Struct Funct., doi: 10.1007/s00429-014-0779-8; 2014

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Medizin, Neurologie

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7 Kommentare:

Stefan Kelter
Stefan Kelter

@ Frau Arnold: Ich habe das mit den Magnesium-Fußbädern wirklich ernst gemeint. Und der Rat kommt auch nicht von einer dubiosen Quelle, sondern vom Hausarzt und wurde gut begründet.
Danach nimmt die Haut sehr gut Magnesium auf. Und aus diesem Grund sei auch das “Baden” im Toten Meer für viele Menschen positiv.
Ansonsten können Sie ruhig aus meinem Kommentar eine kritische Haltung gegenüber der Pharma-Industrie heraus lesen, deren oberste Priorität nicht die Heilung sondern die Geldvermehrung zu sein scheint. Siehe dazu auch die Pressemitteilung: http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/aktuellesvideo-lemtrada100.html (Hat zwar nichts mit dem jetzigen Thema zu tun, aber bestärkt meine kritische Haltung.)

#7 |
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@Frau Arnold
Vermutlich haben Sie recht, da Sie durch andere Kommentare des Users einen Informationsvorsprung haben….mir fehlte es schlichtweg an Phantasie ;-).
Die Pressemeldung – ist positiv ausgedrückt – stark vereinfacht, aber das ist man ja fast schon gewöhnt.

#6 |
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@Hr. Kohlmann: Könnte man denken, ja, aber angesichts anderer Kommentare dieses Users habe ich geschätzt, dass er es doch ernst meint. Und das wirklich Ärgerliche ist doch diese schluderige Pressemeldung!

#5 |
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@Frau Arnold
Ihre Antwort auf Herrn Kelter’s Einlassung hat mir richtig gut gefallen, allerdings glaube ich, dass er die Variante mit den Fußbädern nicht wirklich ernst gemeint hat.

#4 |
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Nichtmedizinische Berufe

Guten Tag Frau Dr. Arnold,

Sie haben mir heute Abend – trotz Depression – ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert. Vielen Dank dafür.

Warum:
Zitat: “… sie konnten die Mäuse schließlich nicht fragen, ob sie sich deprimiert fühlen…”

Allerdings könnte ich mir die Antwort einer Labormaus vorstellen… Ja. Eventuell sogar in einer Art Endzeitstimmung.

Depressionen sind ein so komplexes Thema, dass wird sich mit Magnesium allein nicht beheben lassen. Wenn sich der Herr mit seinen Fußbädern dann wohler fühlt, dann dürfte das allein ein reines Gefühl sein. Lassen wir ihm den Glauben, wenn es hilft. Aber eine Regel würde ich daraus nicht ableiten.

#3 |
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Viel Spaß, Herr Kelter, die Fußbäder wirken sicher sehr entspannend, vor allem wenn schmale Schuhe zu depressiven Verstimmungen führen (“Warum habe ausgerechnet ich Spreizfüße???”).

Hier geht es um die Auswirkungen von Magnesium*mangel*. Damit ist absolut nicht gesagt, dass Magnesiumüberschüsse gegen Depressionen wirken. Über die anderen Stolpersteine (Hautgängigkeit von Mg, die vielen anderen Ursachen von Depressionen etc.) brauchen wir gar nicht zu reden.

Wenn Sie sich den Originalabstract anschauen, dann werden Sie merken, dass die Autoren nur von “depression-like behaviour” gesprochen haben – sie konnten die Mäuse schließlich nicht fragen, ob sie sich deprimiert fühlen. Es ist, auch wenn dieser Artikel das nicht klarstellt, noch nicht wirklich von Depression die Rede. Zweitens sehen die Autoren die Behandlung nicht in Magnesiumgaben (“… indicating targets downstream of the NMDA receptor”), sondern weiter unten in der Signalkette soll eingegriffen werden – auch wenn diese Pressemeldung auch dies nicht klarstellt, sondern von “Magnesium-Medikamenten spricht.

Ihre Fußbäder werden also nicht besser wirken als Placebo. Irgend ein Aquaristik-Händler wird halt ein wenig reicher.

#2 |
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Stefan Kelter
Stefan Kelter

Warum auf neue Magnesium-Medikamente warten?
Außerdem ist bei oraler Einnahme nicht gewährleistet, dass das Magnesium auch aufgenommen wird.
Dabei gibt es doch eine Möglichkeit, die sicher und preiswert ist: Ich kaufe mir in einem Aquariumgeschäft Magnesium (für Meeresaquarien) und mache Fußbäder.
Die genaue Menge und Zeitdauer kann ich googlen.

#1 |
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