Tarifstreit: Mammon bleibt schnöde

23. Mai 2014
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Seit August 2013 profitieren Apothekeninhaber von Pauschalen für ihre Nacht- und Notdienste. ADEXA fordert, notdienstleistende Angestellte stärker zu beteiligen, was der Arbeitgeberverband ADA kategorisch ablehnt.

Bereits zum 31. Dezember 2013 hatte der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) den Bundesrahmentarifvertrag gekündigt. Das Dokument gilt für fast alle Kammerbezirke. Lediglich in Nordrhein hat ADEXA eigene Tarifverträge mit der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL Nordrhein) paraphiert, und Sachsen ist ohne Tarifbindung. Die Apothekengewerkschaft argumentiert, es sei weder nachvollziehbar noch gerecht, dass Approbierte, Pharmazie-Ingenieure oder Apothekerassistenten nach dem Willen des ADA nicht an der verbesserten Honorierung teilhaben sollten. Momentan lägen die Gehälter im Nachtnotdienst unter dem geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

Notdienstpauschalen – wofür?

Am Rande des 51. DAV-Wirtschaftsforums forderte ADEXA den ADA jetzt zu weiteren Verhandlungen auf. Arbeitgeber sind zwar prinzipiell bereit, den Dialog fortzusetzen. Allerdings gebe es kein Mandat, über höhere Vergütungen im Nacht- und Notdienst zu sprechen. Die Mitgliederversammlung hatte sich deutlich gegen diese Art der Honorierung ausgesprochen. Sie argumentierten, auch in Nordrhein sei ein Gehaltstarifvertrag abgeschlossen worden, der Angestellte nicht an Notdienstpauschalen beteilige. Aus Sicht des ADA seien entsprechende Honorare vom Gesetzgeber als Strukturkomponente für öffentliche Apotheken gedacht.

Blick über den Tellerrand

ADEXA entgegnete, Mitarbeiter in öffentlichen Apotheken erhielten zurzeit 35 Prozent ihres Stundenlohns für nächtliche Notdienste. Ärzte in kommunalen Krankenhäusern und Universitätskliniken bekämen dagegen im nächtlichen Bereitschaftsdienst von 21.00 Uhr bis 6.00 Uhr morgens – abhängig von der Inanspruchnahme – 60 bis 95 Prozent. Zum Vergleich mit Nordrhein weist die Gewerkschaft darauf hin, dass der Rahmentarifvertrag dort noch nicht gekündigt sei.

Nachwuchs abgeschreckt

Ein Schritt weiter: Mit diesem Disput tun sich Apotheker unter dem Strich keinen Gefallen. In Zeiten des Leitbildes geht es immer wieder um die Frage, wie Jugendliche motiviert werden können, Pharmazie zu studieren und später in öffentlichen Apotheken zu arbeiten. Dabei spielen finanzielle Perspektiven die zentrale Rolle.

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