Kaffee: Polyphenole kurbeln Autophagie an

14. Mai 2014
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Studien belegen, dass Kaffee bei verschiedenen metabolischen Erkrankungen positiv wirkt. Forscher konnten nun den molekularen Mechanismus hinter dem gesundheitsfördernden Effekt bestimmen. Die Zugabe von Milch schmälert jedoch die vorteilhaften Auswirkungen.

Jener Prozess, der im Mittelpunkt des Interesses von Univ.-Prof. Dr. Frank Madeo und Dr. Christoph Ruckenstuhl vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz steht, heißt Autophagie. „Es handelt sich dabei um eine Art Selbstverdauungsprogramm, das die Zellen reinigt und entgiftet. Ausgelöst wird diese zelluläre Müllabfuhr vor allem beim kontrollierten Fasten“, bestätigt Madeo. Gemeinsam mit Guido Kroemer, M.D. PhD., und Dr. Federico Pietrocola von der Universität Paris Descartes ist es den Grazer Forschern gelungen, Ernährungsweisen zu identifizieren, die die molekularen Effekte des Fastens anschalten, obwohl der Organismus isst. Kaffee ist zum Beispiel ein Autophagie-Auslöser, bestätigen die Wissenschaftler.

„Innerhalb von einer bis vier Stunden nach dem Konsum wurde in den Modellorganismen die zelluläre Autophagie aller untersuchter Organe – Leber, Skelettmuskulatur und Herz – stark angekurbelt.“ Dabei waren sowohl die dekoffeinierte als auch die herkömmliche Variante des Getränks gleich effektiv: „Wir vermuten daher, dass die im Kaffee enthaltenen Polyphenole – das sind sekundäre Pflanzenstoffe – die Autophagie hervorrufen“, so Madeo und Kroemer.

Kaffee: Am besten pur

Jedoch ist bei der Zugabe von Milch Vorsicht geboten: In einer parallel durchgeführten Studie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass tierische Proteine den Prozess der Autophagie hemmen können. „Eine begrenzte Aufnahme der Aminosäure Methionin – einem natürlichen Eiweißbaustein – führte im Modellorganismus Hefe zu einer beachtlichen Lebensverlängerung“, unterstreicht Ruckenstuhl. Methionin kommt verstärkt in tierischem Eiweiß vor: „Einschränkung beim Fleischkonsum sowie geringere Aufnahme von Milchprodukten und Eiern führen zu einer reduzierten Methioninaufnahme und wirken daher in verschiedensten Modellorganismen lebensverlängernd“, weiß Madeo. Er empfiehlt: „Trinken Sie deshalb Kaffee mit gutem Gewissen, aber am besten schwarz oder mit pflanzlich basierter Milch, wie Mandel- oder Kokosmilch.“ Eine allzu strenge vegane Lebensweise will der Wissenschaftler aber nicht propagieren: „Es geht darum, tierische Proteine in der Ernährung zu minimieren, nicht zu eliminieren. Dies könnte gerade dann wichtig sein, wenn man schon ein paar Stunden gefastet hat, nämlich nach dem Nachtschlaf.“

Originalpublikationen:

Lifespan Extension by Methionine Restriction Requires Autophagy-Dependent Vacuolar Acidification
Christoph Ruckenstuhl et al.; PLOS Genetics, doi: 10.1371/journal.pgen.1004347; 2014

Coffee induces autophagy in vivo
F. Pietrocola et al.; Cell Cycle; 2014

34 Wertungen (4.68 ø)

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9 Kommentare:

Gast
Gast

Frauen und Wissenschaft

#9 |
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Gast
Gast

Zu Methionin:
Also wer wie die Hefe länger leben will, sollte:
Sojabohnen,
Erbsen,
Sesamkörner,
Paranüsse,
Walnüsse,
Weizen-Vollkornmehl

dringend meiden!

viel besser ist Kuhmilch,
weniger Methionin hat auch
ein Hühnerei.

#8 |
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Gast
Gast

richtig,
wir sind der Hefe (yeast) wirklich verdammt ähnlich.
Vielleicht sollten wir auch viel mehr am Boden rumkriechen.

#7 |
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Heilpraktikerin

Gerda Hammer, HP
Zu Kommentar Nr. 2: Ich hoffe nur, dass “Milkamuh” bei einer ernsthaften Krankheit nicht von einer “Kurpfuscherin” behandelt werden muss, ob es ihm gefällt oder nicht! Diese Art von Kritik ist einfach nur dumm und selbstgefällig.

#6 |
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Heilpraktikerin

Tipp an die Redaktion:
keine anonymen Kommentare zulassen. Wer was sagen möchte, soll sich auch dazu bekennen.

#5 |
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Psychotherapeut

Beitrag nummer 3 finde ich gut. Bravo Gast

#4 |
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Gast
Gast

@ Milkamuh

Es gibt immer wieder Mitmenschen, die sich schon durch ihre Art der Kritik disqualifizieren….

#3 |
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Milkamuh
Milkamuh

Cadmium und andere Schwermetalle und Giftstoffe besonders in Bitterschokolade, Diabetes,
Herzrhythmusstörungen…warum wurden ausgerechnet SIE Ärztin? Heilpraktikerin oder Kurpfuscherin wären Ihre geeigneten Scharlatanerien.

#2 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Ergänzung: Das Gleich gilt für Schokolade. In Vollmilch-Version ist sie “nur” eine Nascherei, in dunkler Version ab 70% ist sie zusätzlich gesund, mit reichlich Polyphenolen. Wobei bei dunkler Schokolade noch deutlicher die Qualität den Geschmack verbessern kann, je höherwertiger der Kakao, desto aromatischer die dunkle Schokolade, wie z.B. in den “Drachensplittern”. Tipp: dunkle Schokolade nicht beißen, sondern lutschen, damit werden die Aromastoffe freigesetzt.

#1 |
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