Lactoferricin: Antibiotikum aus der Muttermilch?

14. Mai 2014
Teilen

Wissenschaftlern ist es nun gelungen, das in der Muttermilch vorkommende Lactoferricin in seiner natürlichen antibakteriellen Aktivität zu verstärken und dessen Wirkmechanismen aufzuklären. Ihre Forschungsergebnisse könnten einen Beitrag zur Entwicklung innovativer Antibiotika leisten.

„Körpereigene Peptide – kleine Eiweißmoleküle – haben in der Abwehr von Bakterien einen Vorteil gegenüber herkömmlichen Antibiotika: Sie wirken direkt und schnell auf die Zellmembran, die Hülle des Bakteriums, und zerstören diese, noch bevor sich Resistenzen bilden können“, erklärt Ass.-Prof. Dr. Dagmar Zweytick vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz, Hauptautorin der aktuellen Studie zu Lactoferricin.

Dieses antibakterielle Peptid kommt in der Muttermilch vor. Allerdings ist es in seiner natürlichen Form zu schwach, um schwere Infektionen erfolgreich zu bekämpfen, daher wurde es im Rahmen eines EU-Projektes um Karl Lohner modifiziert. In Kooperation mit Kollegen der Universitäten Ljubljana und Houston/Texas hat Dagmar Zweytick dazu beigetragen, die Wirkmechanismen der Peptidvarianten aufzuklären.

1420_Muttermilch_block

Elektronen- (l.) und Fluoreszenzmikroskopie (r.): Zellen des Bakteriums Escherichia coli ohne Einwirkung von Peptid (o.) und unter Einwirkung einer acylierten Variante von Lactoferricin (u.). © Dagmar Zweytick / Uni Graz

Acylierte Peptide stören Vermehrung der Bakterien

Die Forscher haben die Aminosäure-Sequenz von Lactoferricin verändert und die Peptidderivate acyliert, sprich eine Fettsäurekette angehängt. Die anschließenden Untersuchungen zeigten, dass sowohl die acylierten als auch die nicht-acylierten Varianten die Zellmembran des Bakteriums Escherichia coli, das als Modellorganismus herangezogen wurde, stark schädigen. Die positiv geladenen Peptide docken an die negativ geladenen Lipide der Bakterienzellmembran an und brechen diese auf. Darüber hinaus stören die acylierten Peptide auch die Zellteilung und damit die Vermehrung der Bakterien. Die Peptidvarianten wurden bereits international patentiert.

Originalpublikation:

N-acylated Peptides Derived from Human Lactoferricin Perturb Organization of Cardiolipin and Phosphatidylethanolamine in Cell Membranes and Induce Defects in Escherichia coli Cell Division

Dagmar Zweytick et al.; PLoS One, doi: 10.1371/journal.pone.0090228; 2014

25 Wertungen (4.2 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

7 Kommentare:

Dr. med. Andrea Antolic
Dr. med. Andrea Antolic

Andrea Bevc: Muttermilch ist “Igitt”, aber Kuhmilch, Fleisch von Tieren ist okay?
Sehr traurig, was Sie wohl dazu gebrachthaben mag

#7 |
  0
Gast
Gast

zu# 1 Meinen Sie jetzt die Blutgruppe AB?
also ich persönlich finde B besser.

#6 |
  0
Gast
Gast

Das erklärt auch die Beobachtung, dass Säuglinge sterben wie die Fliegen, wenn man sie vegetarisch ernährt.

#5 |
  0
Gast
Gast

Andrea Bevc sind Sie Fegetarierin?

#4 |
  0
Andrea Bevc
Andrea Bevc

… mich schüttelt das Entsetzen, wenn ich nur daran denke als Erwachsener
Antibiotika aus Muttermilch zugeführt zu bekommen.
Igitt.

#3 |
  0
Gast
Gast

Wir brauchen alle mehr Muttermilch ……

#2 |
  0
Gast
Gast

Hallo,
eine Frage, die mir sofort in den Kopf gekommen ist: Welche Wirkung hat MuMi denn noch, wenn es zu Resistenzen auf dieses AB kommt? Was bedeutet das für die Babies?

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: