Placebos: Pillen mit Leerlauf

13. Mai 2014
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Placebos wirken nur, wenn der Patient nichts davon weiß. Schon länger ist diese These widerlegt. Aber möchte der Patient im Zweifelsfall auch ein Präparat ohne Wirkstoff? Eine kleine Studie aus der Schweiz hat die Frage untersucht.

Schon oft haben Placebo-Reaktionen Studienorganisatoren in die Verzweiflung getrieben. Denn häufig reagieren Patienten viel stärker als gewollt auf die Zuckerpille, Salineinjektion (reines Placebo) oder das Präparat ohne die spezifische Wirksamkeit des Analysestoffs (unreines Placebo). Was aber in Studien unerwünscht ist, setzen immer mehr Ärzte in ihrer täglichen Praxis ein, um zumindest kleine Wehwehchen zu kurieren, wenn der Patient eine angemessene Behandlung einfordert.

Was halten aber eigentlich die Betroffenen von einer solchen Scheinbehandlungspraxis? Fühlen sie sich getäuscht und lehnen das vermeintlich wirkungslose Medikament ab oder geht es mehr ums „Hauptsache, ich werde wieder gesund“? Das hat eine Studie untersucht, deren Ergebnisse vor kurzem in der Zeitschrift „Swiss Medical Weekly“ erschienen sind. Viele Ärzte sehen sich in einer rechtlichen Grauzone, wenn sie ihrem Patienten nicht genau sagen, dass die Beruhigungstablette bei der harmlosen Erkältung vom physiologischen Aspekt her gar nicht wirken dürfte. Auch das Vertrauen zwischen Arzt und sensiblen Kranken könnte bei dieser unvollständigen Aufklärung in die Brüche gehen.

Gedehnte Auslegung des Wahrheitsbegriffs

Mit strukturierten Interviews versuchten Ryan Tandjung und seine Kollegen von der Universität Zürich und einer Schweizer Krankenversicherung, die Meinung von 12 zufällig ausgewählten Frauen und Männern im Durchschnittsalter von 64 Jahren zum Thema „Placebo“ herauszufinden. Fast alle kannten den „Placebo-Effekt“, also eine Wirkung auch ohne den spezifischen Wirkstoff, waren aber der Überzeugung, dass ein solcher Effekt vor allem bei Krankheiten auftrete, bei denen die Psyche am Krankheitsverlauf stark beteiligt wäre, nicht jedoch etwa bei Krebserkrankungen oder Knochenbrüchen. Einige Teilnehmer waren der Meinung, dass es so etwas wie eine „Placebo-Persönlichkeit“ gebe, bei der eine solche Behandlung besser als bei anderen anspreche. Was ist ein Placebo? Die meisten Befragten assoziierten den Begriff mit einem „reinen“ Placebo, einem Präparat ohne pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoff, der vor allem über die Psyche wirke.

Das Dilemma einer unzureichenden Aufklärung des Patienten konnte aber auch diese Befragung nicht auflösen. Während zwei der zwölf jeglichen Placebo-Einsatz als Betrug ablehnten, stimmte der Rest einer Placebogabe zu, sofern das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient stabil wäre. Immerhin sieben von zehn könnten sich dabei auch mit einer etwas gedehnten Auslegung des Wahrheitsbegriffs zugunsten des Effekts abfinden, wenn etwa der Arzt ihnen sagen würde. „Dieses Präparat hat schon vielen anderen Patienten zuvor geholfen.“

Des Dilemmas bewusst

Schon vor drei Jahren hatte eine Studie dieser Arbeitsgruppe die Einstellungen unter knapp 500 Patienten und 300 Allgemeinärzten erfragt. Sieben von zehn Patienten wollten darüber informiert werden, ob sie mit einem unspezifischen Wirkstoff oder gar einer inhaltslosen Tablette behandelt würden. 90 Prozent der Ärzte sehen demnach im Placebo einen therapeutischen Sinn. In Deutschland setzt knapp die Hälfte der Allgemeinärzte reine Placebos mindestens einmal und im Schnitt fünfmal im Jahr ein. Arzneien, die nicht direkt gegen die Beschwerden des Patienten helfen, finden sich noch weit häufiger auf dem Rezeptblock: Im Schnitt rund 20 Mal. Die Studie von Autoren der LMU München aus dem Jahr 2012 bestätigt auch die Umfrageergebnisse von DocCheck unter Ärzten. Rund die Hälfte nutzt den Placeboeffekt in ihrer Praxis und erwartet, dass die Bedeutung von Placebos in der Therapie noch zusätzliche Bedeutung gewinnt. Die Meinung zur „Informationspflicht“ der Behandlung gegenüber dem Patienten: Eher nicht, auch wenn sie sich des Dilemmas, das durch ihre Verschwiegenheit entsteht, zumeist durchaus bewusst sind.

„Placebo-Persönlichkeit“

Bei welchem Patiententyp lohnt es sich, Placebos einzusetzen? Eine Studie von Jon-Kar Zubieta und seinem Team von der University of Michigan hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Die Zeitschrift „Neuropharmacology“ veröffentlichte vor eineinhalb Jahren die Ergebnisse. Zubieta legte seine Versuchspersonen mit unterschiedlichen Charakterzügen in den PET-Gehirnscanner und maß die Aktivität von Opioid-Rezeptoren bei einem Schmerzreiz und einem (vermeintlichen) Schmerzmittel. Subjektive Aussagen über den Schmerzpegel und der Kortisolspiegel im Blut gaben zusätzliche Auskunft, wie gut das Placebo wirkte. Der ideale Kandidat für die Gabe von Placebos ist demnach altruistisch, resilient und aufrichtig, aber nicht ärgerlich oder gar feindselig gesinnt.

…und bei welchen Krankheiten? Bisher gibt es keine umfangreiche Liste an „placeboempfindlichen“ Krankheiten. Jedoch verdeutlichen einige Zahlen, wie unterschiedlich Placebos etwa in verschiedenen Kulturkreisen wirken. So liegt etwa die placebobedingte Besserungsrate bei Magengeschwüren in Deutschland bei rund 40, in Brasilien nur bei 7 Prozent. Als Antidepressivum bei HIV-Infizierten hat es bei acht von zehn lateinamerikanischen Patienten Erfolg, jedoch nur bei halb so vielen Patienten mit afroamerikanischem und weißem Ursprung. Besonders starke Effekte, so erläutert der Placeboforscher Robert Jütte, gibt es bei allen Krankheiten, die mit Schmerzen zu tun haben. Dort reagieren im Schnitt etwa 40 Prozent der Patienten positiv.

Keine Verlegenheits-Option

Auch die Bundesärztekammer fördert inzwischen den Einsatz von Placebos unter bestimmten Bedingungen. Wenn etwa der Patient nicht auf die Standardtherapie anspricht oder mit schweren Nebenwirkungen reagiert oder gar keine spezielle Therapie für die betreffende Krankheit existiert, ist die Pille ohne den speziellen Wirkstoff gerechtfertigt. Jedenfalls sollte aber das Placebo nicht zu einer „Verlegenheits-Option“ verkommen und den Patienten „ruhig stellen“. Auch die amerikanische Gesundheitsbehörde spricht sich gegen den Einsatz von Placebos aus, wenn sie nur dem Arzt gerade zweckmäßig erscheinen und „anderen Zwecken als der Gesundung des Patienten“ dienen. Studien bestätigen auch, dass der Placeboeffekt umso höher ist, je mehr der Arzt selbst von der Wirksamkeit des Mittels überzeugt ist. Dabei wirken Placebos sogar dann, wenn der Patient um die Bedeutung ihrer Gabe weiß (DocCheck berichtete).

„Sprechende Medizin“

Ohne die begleitenden Worte des Arztes, auch das zeigen Untersuchungen, wirken Placebos deutlich schlechter als mit der Aufmunterung des Arztes. Somit ist die „Sprechende Medizin“ allein schon ein Heilmittel, das ähnlich wie bei Placebos in Tabletten- oder Spritzenform bestimmte Gehirnbereiche aktiviert und von dort aus zur Heilung beisteuert. Diese Art von Placeboeinsatz ist durchaus nicht auf die Schmerzmedizin beschränkt, sondern verlängert etwa auch das Leben von Patienten mit koronaren Herzerkrankungen, sofern der Arzt erfolgreich auf die Zuversicht des Patienten einwirkt.

Dass es beim Einsatz von Placebos auch einmal ganz überraschende Ergebnisse geben kann, zeigt die Geschichte eines Schweizer Herstellers eines neuartigen Lippengels gegen Herpes. Bei einer Studie des Gels mit dem Wirkstoff im Vergleich zum Gel ohne ihn schnitt das vermeintlich wirkungslose Produkt dreimal besser ab. Erklärung der Firma und von Dermatologen der Uni Zürich: Placebo-Effekt oder eine bisher unbekannte antivirale Wirkung der PEG-Salbenbasis bei Lippenherpes. Das Lippengel ohne den Wirkstoff ist inzwischen auf dem Markt und verkauft sich wohl sehr gut.

81 Wertungen (4.37 ø)
Allgemeinmedizin, Medizin

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25 Kommentare:

Chemiker

Zitat: Anzuerkennen, dass jahrtausende altes überliefertes Wissen möglicherweise besser ist als unsere “hochmoderne” Wissenschaft schmerzt sehr.

Jahrtausende alt ist bloß die “Schulmedizin”.
Wie alt die Homöopathie ist, steht in Wikipedia…

@Alexander Murr: “dummschütteln” = köstlich. Muss ja auch sein, weil auch “reines” Wasser Tausende von Stoffen enthält, die alle ihre Eigenschaften vergessen müssen. Gar nicht zu reden von all den Stoffen, die mal drin waren und rausverdünnt wurden.

#25 |
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Pflegewissenschaftlerin

Hier geht es doch wohl auch um das Nocebophänomen dies wurde empirisch untersucht. Der Artikel dazu findet sich im Deutschen Aerzteblatt Jahrgang 109, Heft 26,29.06. 2012. Verfasser: PD Dr. Winfried Häuser

#24 |
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Da gebe ich meinem Kollegen blankenstein aus Berlin recht.
Witzig und sehr amüsant ist er wirklich der Begriff des “dummgeschütteltem”.
Schade ist nur, das bei allen Foren es von fast fachlich – sachlich in absurd und teils beleitigend umschwengt.

#23 |
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Benno Mertens
Benno Mertens

ich kann mich dem Kommentag von Hrn Blankenstein nur anschliessen: Herr Murr, Danke für den neuen Begriff des “dummgeschüttelten” Wassers!

#22 |
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OA Dr. med. Felix Blankenstein
OA Dr. med. Felix Blankenstein

Lieber Herr Murr, lieber Herr Staudenmaier,

vielen Dank für Ihre Zuschriften, die mir die Zwischendurch-Kaffee-5-Minuten zu einem angenehmen Erlebnis machten! Ich werde mir diese hübschen Sentenzen merken, denn in Diskussionen sind fröhliche Argumente ähnlich erfrischend, wie so ein Zwischendurchkaffee!

#21 |
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Gast
Gast

Wenn ein Arzt mir ein Pacebo verschreiben würde,
würde ich ihn anzeigen

#20 |
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Wie bitte muß ich reines Placebo rezeptieren, damit ich es in der Apotheke auch bekomme? Vor vielen Jahren war es sehr schwierig Placebo zu bekommen. Jetzt soll es empfohlen sein? Und wenn ich Homöopathische Präparate verordne, verordne ich ein unreines Placebo? Viele Fragen, wenig Antworten. Vielleicht stehen einige im Buch der sechste Sinn.

#19 |
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Weitere medizinische Berufe

Alle Lager sollten mal dieses gegenseitige “meins ist aber besser” Vergessen und glücklich diesen Effekt nutzen, unterstützt von Placebo-Tabletten/Lösungen oder Globuli oder was auch immer.

#18 |
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HP Esther Trottmann
HP Esther Trottmann

Sehr geehrte Kollegen,
warum geht es in dieser Diskussion über die mögliche Wirksamkeit von Homöopathie? Der Artikel handelt doch von Placebos und nicht von Homöopathie. In diesem Zusammenhang möchte ich lieber den Nonceboeffekt ansprechen. Sind wir Diagnostiker / Therapeuten uns überhaupt bewusst, wieviel Informationen aus Gestik, Körperhaltung, etc. bereits während des Gespräches mit dem Patienten stattfindet und wie gut wir das steuern könnten? Bzw. was wir für einen Schaden anrichten können, indem wir nur mal ernst schauen, mit dem Kopf schütteln und sagen: “mmmmh, das sieht aber gar nicht gut aus…..” Soviel mir bekannt ist, wir der Aspekt der Gesprächsführung weder im medizinischen Studium noch in der HP-Ausbildung genügend beachtet

#17 |
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Medizinphysiker

Ja es kommt auf die Interpretation von Gedächtnis an. Wasser hat ein Gedächtnis, habe ich gestern am zu heißen Badewasser erfahren!

#16 |
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Gast
Gast

Es dürfte wohl eine Frage sein, wie man Gedächtnis interpretiert. Sogar Tiere haben ein Gedächtnis. Wieso geht es dann dabei um vermenschlichung?
Unsere Erkenntnisse von heute hätte den Menschen vor 100 Jahren auch sehr große Angst gemacht. Wir entwickeln uns nur deshalb weiter, weil es immer Menschen gab, die es gewagt haben das scheinbar Unmögliche zu denken.

#15 |
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Gast
Gast

Wasser hat kein Gedächtnis, wir sind hier nicht im Kindergarten,
oder was will die Vermenschlichung von Wasser bedeuten?
Manche glauben ja auch, dass Salz sich daran erinnern kann, dass es aus dem Himalaja stammt und deshalb einen höheren Verkaufspreis verlangen kann,
wohl wegen dem mühsamen Transport ins Tal.

#14 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

@ Gast, Kommentar Nummer 6

Ja, das ist vollkommen richtig, Wasser hat ein “Gedächtnis”, das lässt sich physikalisch nachweisen… nur, was gerne übersehen wird.. die “Merkdauer” des Wassers ist verschwindend gering
oder, betrachtet es man mal umgekehrt.. wenn Wasser “nicht vergisst”.. wie kann dann ein Homöopathikum mit auf dem Patienten zugeschnittener Wirkung generiert werden, da ja schon Gedächtnisinformation in der Flüssigkeit vorhanden ist? Dann würden ja mehrere evtl konkurrierende Informationen vorliegen? oder kann man Wasser “dummschütteln”???

#13 |
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Medizinphysiker

Lieber Herr Klaßen,
können Sie mir verraten, wie der Hersteller von Homöopathika seinen Tiegel reinhält bzw. reinigt, um den das Heilmittel als reinen Stoff herzustellen?

#12 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

“Placebo” ist ein Begriff der wissenschaftlichen Medizin um belastbare Aussagen machen zu können (prospektiv, randomisiert doppelblind)
wobei der “Vergleich” nicht nur mit Placebo durchgeführt wird.
Na klar gibt es immer “Verlegenheitsdiagnosen” wenn man nicht weiter weis.
In jede Richtung. Ich habe auch mal einen Patient, der mir zur Operation vom Fachneurologen zugewiesen wurde zum “rezeptierten” (ohne Berechnung) Schwimmen geschickt, worauf die Beschwerden am Ende völlig beseitigt waren (funktionelle Belastung).
“Ärztliche Kunst” erfordert, bitte nicht vergessen, neben Spezialisierung, die sich der Wissenschaftler leisten kann (Fachidiot) immer den “Generalisten”, der den Menschen als Ganzes sieht. Deshalb sehe ich die zunehmende “Leitlinienflut” eher kritisch im Sinne der Ausschaltung des Denkens.
Ich habe schon mal einem Patienten gesagt,
“was Sie in Ihrer augenblicklichen Situation dringender benötigen als einen guten Arzt, ist ein guter Rechtsanwalt”

Wichtig ist aus meinem Berufsverständnis,
da sind wir wohl nicht so weit auseinander, nicht die Dauerabhängigkeit des Patienten, sondern eher die Wiederherstellung seiner eigenen persönlichen Freiheit mit punktueller Problemlösung und Hilfe zur Selbsthilfe.

#11 |
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Psychotherapeut
Psychotherapeut

@Dr.Bayerl
Ist es nicht eher so, dass die “Schulmedizin” die Psychosomatik als Verlegenheitsdiagnose nutzt, wenn die “schulmedizinischen” Interventionen ausgeschöpft sind? Oder anders gesagt: Wenn der Arzt am Ende mit seinem Latein ist, ist es doch leider viel zu oft “psychosomatisch”.
Ich weiß nicht genau wie viele Patienten ich mit einer Panikstörung zur Abklärung einer Schilddrüsenproblematik ich zum Hausarzt geschickt habe, die dann berichtet haben die Untersuchung habe ergeben, dass alles in Ordnung sei. Und später stellte sich leider viel zu häufig heraus, dass die Ursache dann wohl doch Hashimoto ursächlich war.
Ich habe leider auch nicht die Vielzahl der Patienten gezählt, die mit angeblichen psychosomatischen “Erkrankungen” zu mir gekommen sind, bei denen sich durch eine umfangreiche Anamnese herausstellte, dass die Ursachen wohl eher somatisch waren.
Ich würde dafür plädieren, dass Mediziner sich bereits im Studium tatsächlich mit psychischen Prozessen auseinander setzen und Psychotherapeuten viel mehr medizinisches Grundlagenwissen erwerben. Dann würden wir vielleicht auch nicht über “den Placeboeffekt” reden, sondern ein sehr differenziertes Bild über die Zusammenhänge von Körper und Psyche entwickeln.
Die massiven körperlichen Auswirkungen von Stress sind doch in der Ärzteschaft hinreichend bekannt, aber leider gibt es kaum sinnvolle medizinische Therapieansätze.

#10 |
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Dr. Volker Alkemper
Dr. Volker Alkemper

Als Zahnarzt drehe ich bei Patienten mit zu starkem Speichelfluss oft den Speichel ab, indem ich dreimal an der Nase nach rechts drehe, sie bitte, den Speichel in den rechten, dicken Zeh zu schicken und anschließend mit der Hand auf dem Bauch zu verhindern, dass der Speichel wieder zurückkommt.
Während der Behandlung erkläre ich wortreich, dass der Speichel am Ende wieder aufgedreht werden muss und was zu tun ist, falls ich das mal vergessen sollte.
Dieses für jugendliche und erwachsene Patienten sehr durchsichtige Manöver funktioniert sogar häufig auch dann, wenn die Patienten mir wortreich, wenn gleich oft lachend, erklären, dass sie an so einen Quatsch natürlich nicht glauben.

#9 |
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Dr. Balla
Dr. Balla

zu #1: Auch wenn man sich mit der wissenschaftlichen Erklärung des Placeboeffekts schwertut, wird doch seine Existenz von der Schulmedizin nicht bestritten. Im Gegenteil sind es doch gerade die Anhänger der Homöopathie und anderer alternativer Heilverfahren, die den Placeboeffekt in Frage stellen, nämlich immer dann, wenn Studienergebnisse wieder einmal nahelegen, dass die therapeutische Wirkung genau auf einen solchen zurückzuführen ist.

#8 |
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Heilpraktiker

Lieber Herr Dr. Stamm, die Reduzierung der Homöopathie auf den Placebo-Effekt
ist eine beliebte Überheblichkeit der Schule. Wie erklären Sie denn die Wirkung der Homöopathie bei Tieren oder Babies, wo die “sprechende” Medizin mangels
Möglichkeiten entfällt?
Die sog. “sprechende Medizin” ist wohl eine Domäne der Naturheilkunde, welche
entsprechenden Zeitaufwand mit viel Erfolg betreibt. Die zusätzliche Mitnahme des daraus von Ihnen abgeleiteten auch wirksamen Placebo-Effekts wird in vielen Praxen sträflich vernachlässigt, vielleicht aus irregeleiter Sichtweise heraus.
Ist es wirklich so, dass der, der heilt, recht hat? (Siehe z.B. Semmelweiß)

#7 |
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Gast
Gast

Wenn man denn bedenkt, dass sich sogar ödes H2O strukturiert und formiert (wissenschaftlich bewiesen), dann ist doch der Weg zu einer Erklärung von Homöopathie auch nicht mehr so weit. Vielleicht ist es mehr eine Frage von “Hardware” und “Software”. Und Hardware nutzen wir doch auch alle, um ganz unterschiedliche Informationen zu transportieren. Und ob nun die sprechende Botschaft vom Arzt oder doch anderswo herrührt wird wohl Glaubensfrage bleiben und ist wohl auch ein wenig von den beteiligten Persönlichkeiten abhängig. Zumindest ist der Grundsatz “keine Wirkung ohne Wirkstoff” nicht mehr diskutabel.

#6 |
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Dr.Stamm
Dr.Stamm

Ich ahne einen Sturm der Entrüstung nach meinem Kommentar:
die Wirksamkeit homöopath. Arzneimittel, insbes. ab z.B. D30-Verdünnungen, dürfte vor allem auf die “sprechende Medizin” zurückzuführen und nur bei “Placebo-Persönlichkeiten” zu beobachten sein.
Und “blöd daran” ist: damit wird ohne große Forschung in der Pharmaindustrie doch viel Geld verdient; Schüßler-salze einbezogen. Denn sonst müßte man bei Schlucken von Meerwasser , das ja alle diese Mineralien, je nach Mittelmeer, Ost- oder Nordsee, in unterschiedlichen Konzentrationen enthält und je nach Wind und Wellenschlag unterschiedlichem “Schütteln” ein kostenloses, wirksames homöopath. Mittel oder ein Schüßlersalz haben. Alle Gebrechen wären besonders bei Küstenbewohnern dann doch unbekannt! Leider habe ich das bisher noch nicht beobachten können, auch bei mir nicht.
Placebowirkung könnte man ja erwarten, aber es fehlt wohl die “sprechende Medizin” dazu. Die Balneologen sollte man hier doch einmal auf die Spur setzen, das zu praktizieren. Wir akzeptieren doch: wer heilt, hat recht.

#5 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Was ist denn so überraschend an der Psychosomatik?
Gehört doch zur “Schulmedizin”.

#4 |
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Gast
Gast

Wenn man in der Medizin denn endlich verstehen würde, dass unser Organismus keine Ahnung davon hat, dass Körper und Psyche oder meinetwegen auch noch Seele und Geist aber auch die Umwelt Dinge sind, die miteinander nichts zu tun haben und getrennt voeinander betrachtet werden können, dann wären wir der Gesundheit der Menschheit tatsächlich einen Quantensprung näher gerückt.

Aber es ist ja auch tröstlich, wenn man sich dieser Erkenntnis zumindest in extrem kleinen Schritten annähert, deshalb vielen Dank für Ihren Artikel.

#3 |
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Gast
Gast

Anzuerkennen, dass jahrtausende altes überliefertes Wissen möglicherweise besser ist als unsere “hochmoderne” Wissenschaft schmerzt sehr.
Schade, dass es in Deutschland einen so großen Widerstand gegen alles gibt, was nicht die Kassen der Pharmaindustrie füllt.

#2 |
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Gast
Gast

Das eigentlich “blöde” am Placebo ist doch, dass sich nicht vorhandene Wirkstoffe nicht patentieren lassen und damit von der Pharmaindustrie auch kein Geld zu verdienen ist.
“Blöd” ist ja auch, dass dieser komische Placeboeffekt doch arg an den Grundsätzen unserer modernen Medizin kratzt und das gesamte System in Frage stellt. Dieser Effekt ist im wissenschaftlichen Wertesystem unserer Medizin einfach nicht gut erklärbar. Wenn sich ein Phänomen mit einem wissenschaftlichen Modell nicht erklären lässt, sollte man das Modell wechseln – und das hätte fatale Folgen.

#1 |
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