Arzthaftung: Alptraum Nachtwache

14. Mai 2014
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Nach einer plastisch-ästhetischen OP beging eine Medizinstudentin als Nachtwache folgenschwere Fehler bei der Medikamentengabe. Ihre Patientin liegt bis heute im Wachkoma. Jetzt haben Richter klargestellt, dass sowohl der Klinikbetreiber als auch die Studentin voll haften.

Aus medizinischer Sicht deutete viel auf erhöhte OP-Risiken hin: Bei einer Patientin, die an Diabetes mellitus litt, sollten Oberlider, Unterlider und der Hals in Vollnarkose gestrafft werden. Neben dem Operateur selbst war ein Anästhesist anwesend. Soweit, so gut – alles verlief ohne Komplikationen. Im Anschluss erhielt die wache, ansprechbare Patientin eine Kochsalz-Infusion. Später kamen Analgetika und Insulin noch mit hinzu. Als Wache war ab 20 Uhr ausschließlich eine Medizinstudentin im zehnten Semester vor Ort.

Postoperative Probleme

Um 20.15 Uhr meldete sich die Patientin mit Übelkeit. Sie erhielt etwas Joghurt und auf eigenen Wunsch zwei Einheiten Insulin. Dass es sich um postoperative Beschwerden handeln könnte, zog niemand in Betracht. Auf ihrer Medikationsliste stand zudem als Vermerk „Infusionsrest aus Op i.v.“, was sich auf einen Beutel Kochsalzlösung bezog, der schon verabreicht worden war. Die Studentin vermutete hier ein anderes Arzneimittel. Sie begab sich auf die Suche und fand im OP tatsächlich eine angebrochene Infusion mit milchig-weißem Inhalt, beschriftet als „NaCl“. Da die Patientin unter Erbrechen litt und schon viel Flüssigkeit verloren hatte, bekam sie die ominöse Lösung verabreicht. Kurz darauf trat bei ihr Atem- und Kreislaufstillstand ein. Der Beutel enthielt, wie sich später herausstellte, außer Natriumchlorid noch Propofol.

Gehirn irreparabel geschädigt

Um 21.29 Uhr setzte die Studentin einen Notruf ab. Sie selbst war nicht in der Lage, erfolgreiche Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten. Wie weit ihre Kenntnisse in Erster Hilfe reichten, ließ sich später nicht zweifelsfrei klären. Ein klinikinternes Notfallteam gab es jedenfalls nicht. Dem Notarzt gelang es nach anfänglichen Problemen um 21.42 Uhr, seine Patientin zu intubieren und schließlich zu reanimieren. Schließlich wurde sie in ein nahes Klinikum verlegt. Bis zu diesem Zeitpunkt war es ohne ausreichende Sauerstoffversorgung bereits zu irreversiblen Gehirnschädigungen gekommen. Seither liegt die Patientin im Wachkoma – laut Aussage ihrer Rechtsanwältin hat sich der Zustand bis heute nicht verbessert.

„Fatale Fehlentscheidungen“

Der Ehemann des Opfers klagte gegen alle Beteiligten. Er bekam vom Landgericht Mainz (Az.: 2 O 266/11) jetzt in weiten Teilen Recht. Die zur Nachtwache eingeteilte Medizinstudentin hätte „fatale Fehlentscheidungen“ getroffen, hieß es beim Prozess. Sie sei zur Ausführung dieser Tätigkeit „medizinisch nicht geeignet“ gewesen. Als Sachverständiger argumentierte Professor Dr. Z., eine Fachkraft hätte auf postoperative Übelkeit mit der Verabreichung geeigneter Präparate reagiert; Antiemetika standen zur Verfügung. Bereits damit sei die Studentin überfordert gewesen. Jedenfalls hätte ausgebildetes Personal keinesfalls angebrochene Infusionen aus dem OP verabreicht, allein schon aus Gründen der Sterilität. Eine milchige Lösung passte auch nicht zur Aufschrift „NaCl“. Professor Dr. Z. bewertete die Aussage „Infusionsrest aus Op i.v.“ in diesem Zusammenhang als unmissverständlich. Hinzu kommt, dass die Frau als Risikopatientin postoperativ von erfahrenen Ärzten beziehungsweise Pflegekräften hätte versorgt werden müssen – die Betreuung bei Diabetes sei eine „komplexe Aufgabe“. Im Laufe des Verfahrens zeigte sich, dass die Klinik bei derartigen Aufgaben vergleichsweise geringe Anforderungen hat.

Mysteriöses Medikament

Auch hatten Gutachter zu klären, ob Propofol tatsächlich hinter der Tragödie steckte – alle Beklagten bestritten dies vehement. Wie viel Wirkstoff sich tatsächlich noch in der Flasche befand, ließ sich nicht mehr exakt klären, da eine chemische Untersuchung zu spät vorgenommen wurde.  Als weitere Hinweise wertete Z. den muskulären Tonusverlust im Bereich des Unterkiefers inklusive Zurückfallen der Zunge. Operationsbedingte Komplikationen wie Schwellungen oberer Atemwege ließen sich als Ursache ausschließen. Dies sei weder mit dem Einschlafen noch mit plötzlich auftretenden Beschwerden vereinbar, argumentierte Z.

Klare Haftung

Nach entsprechenden Ausführungen hatten die Richter kaum noch Zweifel. Sie machten sowohl die Klinik als auch den Chirurgen und die Medizinstudentin haftbar. Entsprechende Forderungen des Ehemanns zur Pflege belaufen sich auf mehr als 800.000 Euro, wobei die genaue Summe noch festzulegen ist. Neben zivilrechtlichen Gesichtspunkten prüft die Staatsanwaltschaft Mainz, ob hier auch strafrechtliche Aspekte zum Tragen kommen, sprich fahrlässige Körperverletzung. Dem Anästhesisten wurden keine Verstöße zur Last gelegt. Er ist weder für den ordnungsgemäßen Betrieb besagter Klinik noch für deren Personaleinsatz verantwortlich und muss sich auf geltende Standards verlassen. Ihm sei nur Fahrlässigkeit anzulasten, weil er das Anästhetikum nicht entsorgt hatte, hieß es weiter.

254 Wertungen (4.26 ø)

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64 Kommentare:

Gast
Gast

Eine Frage die mich brennend interessiert: Wer verdünnt Propofol in NaCl weiter und zu welcher Anwendng? Wir geben Propofol nur pur.

#64 |
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Siven Relindise
Siven Relindise

@Brueck: stimme Kollege Kuehl voll und ganz zu. LOL angesichts der Tragik ist zynisch und fehl am Platz. Mein Mitgefühl der Pat. & ihrer Familie erstens. Aber auch der Studentin die sicherlich fürs Leben gezeichnet ist. Hoffe alle Beteiligten bekommen seelischen Beistand.
Finde: Leichtsinn, mangelnder Sorgfalt und Verantwortungsbewußtsein seitens der Klinik(+Profitgier) und der Studentin (+ Übernahmeverschulden).
Es war kein(e) Praktikum / Famulatur; eher ein bezahlter (Studenten-)Job und sie dachte womöglich sie muss “liefern”. NaCl und milchig? Klar, da ist was zusätzliches drin. Ich (AÄ) verabreiche nie was ich nicht selbst “gemixt” habe es sei denn es wird vor meinen Augen zubereitet oder wenigstens beschriftet. Bei kleinster Zweifel “nerve” ich lieber mit Nachfragen. Sonst verwerfen, Kurve konsultieren und selbst mixen. Auch Bluttransfusion: mache immer v.h. mein Bedside-Test selbst auch wenn vom Vorgänger schon gemacht und dokumentiert.
Finde: Verantwortung, Strafe, Entschädigung juristisch klären. Aber Berufsverbot (von einem frühen Kommentator)? Übertrieben. Dann dürfte ja kein Arzt praktizieren. Oder wie ein Kommentator: Oh Ihr Unfehlbaren, werfet den ersten Stein !
@Thomas.Steinke, # 52: stimme zu. und sie kommentieren differenziert und objektiv.
@Gast: stimmt, Tatsachen und Deutungen müss man trennen
@Stud. Edith Meyer: stud.med oder stud.jura?

#63 |
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Noch ein kurzes Addenum, auch in Bezug auf die Ausführungen der angehenden Kollegin Meyer:

Das “Krankenhaus” ist ein Zwei-Betten-Haus für ästhetische Chirurgie, der operierende Chirurg ist gleichzeitig Geschäftsführer. In der Nacht ist die Studentin komplett alleine im Haus gewesen, so dass Nachfragen bei examinierten Pflegepersonal nicht möglich gewesen sind. Ich bezweifle, dass es überhaupt eine Pflegedienstleitung im Hause gibt.

Mit freundlichen Grüßen
P.K.

#62 |
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Sehr geehrter Herr Dr. Bayerl,

Wer ich bin, spielt hier gar keine Rolle. Fakt ist, dass eine Krankenhausbetreuung Fachpersonal vorraussetzt. Fachpersonal heißt: Kranken- und Gesundheitspfleger, Arzt oder Ärztin in (realer) Reichweite. Das ergibt sich aus Abrechnungsrecht, Standesrecht, Berufsrecht, Haftungsrecht und auch dem Strafrecht. Die gesamten Ausbildungsordnungen, ja das komplette Medizinstudium und die sehr scharfen Regeln der Approbationsordnung sind ja von den Berufsverbänden und dem Gesetzgeber aus eben diesem Grund geschaffen worden.

Eine Behandlung von Patienten setzt immer vorraus, dass man nach den Regeln der Kunst arbeitet. Das setzt vorraus, das man die Regeln der Kunst auch kennt. Eine Medizinstudentin (gleich in welchem Semester) kann die Regeln der Kunst nicht (vollständig) kennen, sonst wäre sie ja Ärztin.

Interessant wäre es ja, wo Sie das anders sehen. Bin gespannt auf Ihre Replik.

MfkG
P.K.

#61 |
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Studentin der Humanmedizin

Bitte, gestatten Sie mir eine Vervollständigung meiner juristischen Fallanalyse, nachdem ich den Link des Herrn Dr Bayerl auf Nr 37 gelesen habe:
Es ist sehr wahrscheinlich, dass am Vorsatzdelikt des sorgfaltswidrigen Umgangs mit Propofol festgehalten wird, da, wie in der Medizin die höher angesiedelten Aerzte, die höchstrichterlichen Urteile wegweisend sind für Generationen. Dann resultiert es in diesem Fall in eine mittelbare vorsätzliche begehungsbetonte Täterschaft des Anästhesisten, insofern er der Pflege empfohlen hat, die angebrochene Infusion “im Fall der Fälle” neu zu legen. Die Medizinstudentin würde dann die Rolle der instrumentalisierten unmittelbare Täterin gespielt haben. Da sie unwissend war und keinen ausgereiften eigenen Willen gehabt haben könnte, würde sie eine Strafmilderung bekommen, was bis zur Straffreiheit führen kann.
Falls der Fall als vorsätzliches Unterlassungsdelikt beurteilt wird, dann würden die Garantenstellungen zentral stehen und abgestellt werden auf das völlig inadäquate Sozialverhalten aller Parteien und das daraus resultierende erhöhte Risiko des Eintretens des strafbaren Deliktes. Fahrlässigkeit spielt also gar keine Rolle, und ich finde das höchstrichterliche Urteil zum Thema Propofol einwandfrei.

#60 |
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Studentin der Humanmedizin

Danke, lieber Gast auf Nr 58.
Der Sachverhalt ist natürlich für jeden aussenstehenden Leser, wozu ich selber gehöre, zu mager um daraus ein Urteil generieren zu können. Aber in Jura-Prüfungen sind die Sachverhalte etwa ähnlich kurz und mager, sodass es mir ein wunderbarer Anreiz war, den Fall zu analysieren. Diese schöne Website ist speziell für Aerzte und Medizinstudenten, weshalb ich es ausnahmsweise mal so gemacht habe. Der Fall ist aber so prägnant und aussergewöhnlich, dass er einem Lehrbuch für Strafrecht entnommen sein könnte! Möge meine Fall-Analyse auch für den Leser ein Wenig interessant gewesen sein…

#59 |
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Gast
Gast

Verehrte @Stud Edith Meyer, als Jurist und auch als Gutachter, sollte man Tatsachen und Deutungen trennen.
Propofol ist hier vorgegeben, nur nicht wie viel.
Der Chirurg, falls ihm der Laden nicht gehört, eher selten,
ist für korrektes operieren verantwortlich, das war wohl auch überprüft und nicht beanstandet.

#58 |
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Studentin der Humanmedizin

Ich versuche hier mal als Jura-Studentin eine Ordnung zu schaffen im komplexen Delikt, das wohl strafrechtlich interessant ist, meine ich; wenigstens im schweizerischen Strafrecht. Kein Gewähr dafür, ob ich es richtig urteile.
Der Anästhesist hat Glück, dass nicht beweisbar war, ob die Infusionlösung Propofol enthielt. Er wird mangels Beweis höchstens in dubio pro reo freigesprochen werden, da die Unschuldsvermutung immer zu gelten hat, solange das Gegenteil nicht vorliegt.
Der Arzt, der en Auftrag der Patientin erhalten hat, sie zu operieren, hier der Chirurg, hat die Garantenstellung inne gegenüber der Patientin. Er haftet für seine Sorgfaltspflichtverletzungen, zB wegen des angebrochenen Infusionsbeutels, der keinesfall mehr hätte verwendet werden dürfen. Derjenige, der den Beutel falsch angeschrieben hat, hat wahrscheinlich keine Schuld, weil er unter der Aufsicht des Chirurgen steht, der den Beutel ohnehin hätte wegwerfen sollen. Das Falschbeschriften ist eine Zweit-Ursache für die fahrlässige schwere Körperverletzung durch die Medizinstudentin, weshalb diese Falschbeschriftung gar nicht mehr zum Tragen kommt. Die Sitzwache, hier die Medizinstudentin steht im Vertragsverhältnis zum Chirurgen, was aber vermutlich anders geregelt wird, wie in der Schweiz: Der Arzt ist nicht im Vertragsverhältnis zur Sitzwache, sondern der Pflegedienst-Leiter, der der Sitzwache den Dienst überlassen hat. Die Sitzwache ist der verlängerte Arm der Pflege-Verantwortliche für seine unterordnete Patientin. Sie ist der schweren Körperverletzung schuldig, weil sie ihre Sorgfaltspflicht verletzt hatte, indem sie den Arzt oder den Pfleger nicht rief, sondern selber die angebrochene Infusion legte! Ich beurteile es als ein Unterlassungsdelikt, nicht als ein Begehungsdelikt. Sie legte zwar die Infusion, was weniger wichtig einzustufen ist als die Unterlassung des Herbeirufens des Pflegers oder Arztes. Sie hat das Begehungsdelikt ja nicht vorsätzlich begangen sondern fahrlässig, wobei die Garantenstellung des Pflegers dann untergehen würde. M.E wäre die Studentin am wenigsten schuldig zu sprechen, sondern vor Allem der Chirurg oder der Anästhesist, der die Risiko-Patientin nicht besonders wachsam postoperativ überwachte! Die Kausalkette ist lang, aber im Grunde genommen so einfach, weil es die zwei Garantenstellungen im Fall gibt, und die drei Unterlassungen, die alle auf Sorgfaltspflichtverletzungen beruhen. Ich hoffe dass die Studentin nur eine Schürfwunde davon trägt, und nie mehr ihre Kompetenzen überschreitet. Ich war mit Herz und Seele selber Sitzwache während ein Paar Jahre, und als Sitzwache fällt man leicht zwischen Stühle und Bänke, da die Pflege nicht immer kommunikativ und freundlich ist, und die Aerzteschaft mit der Pflege ebenso nicht besonders gut auskommt. Die Aerzteschaft ist meistens nicht gut erreichbar, sodass man als Sitzwache die Neigung entwickelt, selbständig Entscheidungen zu treffen. Die Medizinstudenten sollen sich hüten vor Kompetenzübeschreitungen…
Der Anwalt des Klägers wird vermutlich das Spital angeklagt haben, da er dann mehr Chance hat, Bezahlungen zu erhalten zwecks Genugtuung, Kostendeckung
aller Kosten inkl. Gerichts- und Anwaltskosten. Der Chirurg wird soviel Geld nicht bezahlen können, wie es wenigstens bei uns in der Schweiz meistens der Fall ist. Aus dem Grund klagen die Anwälte die Arbeitgeber an, also die Spitaldirektion.
Wenn das Spital öffentlichrechtlich verwaltet wird, dann wird der Staat die Kosten tragen.

#57 |
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Andrea Bevc
Andrea Bevc

Sehr geehrter Herr Bayerl,
mir imponiert es sehr, wenn in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten, ein Arzt Wert darauf legt, dass Fachwissen tatsächlich vorliegt und auch glaubhaft gelebt wird. Relativ uninteressant ist für mich in diesem Zusammenhang, was die Lebenshistorie, die Wohnadresse und der sehr persönliche Lebenswandel ist oder war. Von größtem Interesse ist in meinen Augen allerdings die Handynummer und der mailaccount. Eine vielleicht -zugegebenermaßen-sehr feminine Sicht der Dinge…

#56 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Payam Katebini wer sind Sie, dass hier solche “Forderungen” aufstellen dürfen?
” … und zwar unabhängig von den Grunderkrankungen …”

#55 |
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Liebe Kollegin Bevc,

Nein, hätten Sie nicht. Die “Klinik” hat bereits mit der Beauftragung einer Medizinstudentin – und zwar vollkommen unabhängig von Ihrem Semester – als Nachtwache zur Betreuung einer Patientin – und zwar unabhängig von den Grunderkrankungen – eine grobe Fahrlässigkeit begangen.

Entweder die Patientin hätte ambulant verbleiben können, oder die Klinik muss eine examinierte Fachkraft anstellen, die der Aufgabe einer medizinischen Nachtwache gewachsen ist, und es muss sichergestellt werden, dass ein Arzt jeder Zeit erreichbar und auch willens ist, zu jeder Tages und Nachtzeit Anordnungen zu treffen, Fragen zu beantworten oder selbst einzuschreiten.

Das dies – und das ganz offensichtlich häufiger – aus Kostengründen unterblieben ist – ist der eigentliche Skandal, unabhängig von der Mitschuld der Studentin.

Findet
P.K.

#54 |
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Andrea Bevc
Andrea Bevc

Nach wie vor bliebt, wie ich in meinem Kommentar 46 vom lap top aus es dargestellt habe, OB der komatöse Zustand nicht auch so eingetreten wäre, hätten sich alle Beteiligten schulbuchmäßig korrekt verhalten.

#53 |
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Thomas Steinke
Thomas Steinke

Interesssantes Urteil. Die Tatsache, dass eine Privatklinik die postoperative Betreuung von Patienten nach einer 8 Stunden Operation einer Studentin – sprich medizinischem Hilfspersonal überlässt, ist der eigentliche Skandal.
Lt. Urteil trifft die Studentin kein Übernahmeverschulden, da sie aufgrund ihrer geringen Kenntnisse nicht einmal in der Lage war, die Überforderungssitutation zu erkennen. Nein, ihr wird (völlig korrekt) vorgeworfen entgegen den Anordnungen (der Infusionrest aus dem OP war schon durch, das NaCl hatte sie selbst abgehängt!), eine Infusion verabreicht zu haben. Die Studentin wusste sehr wohl, dass NaCl nicht milchig ist…hat sich aber selbst irgendwas zusammengereimt..anstatt ein Emetikum zu geben (wie bei Bedarf angeordnet)..anstatt zum Schrank zu gehen und einen Beutel NaCl zu holen …ODER einfach mal das Telefon in die Hand zu nehmen.
Der Anästhesist hätte das Propofol natürlich auch keinesfalls mit einer falschen Beschriftung hängen lassen dürfen.
Letzlich haben alle drei Parteien kläglichst versagt und wenn auch nur einer von denen verantwortungsbewusst gehandelt hätte, dann wäre alles nicht passiert…oder eben beim nächsten mal.
Auch schön, wie die Klinik im Prozeß versuchte alles auf den Narkosearzt und die Studentin abzuwälzen.
@ Gast unter mir: jaja, natürlich kann man die Studentin jetzt prima fertigmachen, aber seien Sie versichert, das macht SIE nicht zu einem besseren Menschen. Sie handelt in der Situation mit dem Wunsch zu helfen, die anderen wollten Kasse machen.
Und zuletzt die Erkenntnis; wer sich als Patient für solch einen komplexen Eingriff in so eine 2 Zimmer-Klinik begibt, muss ja eine tüchtige Portion Gottvertrauen mitgebringen….

#52 |
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Gast
Gast

Ich kann das Urteil voll und ganz für gut heißen.

Die Klinik hat hier ein Organisationsverschulden begangen, denn Sie hätte sich vom Kenntnisstand der Nachtwache vor dem Beginn des Dienstes überzeugen müssen. Das kann durch Vorlage der Approbationsurkunde oder durch eine Examensurkunde eines Pflegeberufs stattfinden. Der Studentenausweis mit dem Hinweis des 10. Fachsemesters ist meines Erachtens juristisch nicht ausagekräftig.

Die Medizinstudentin trifft in diesem Sinne eine doppelte Schlud. Erstens hat sie die Durchführungsverantwortung und muss für die korrekte fachliche Druchführung einer Infusion haften und dazu gehört auch die einwandfreie Prüfung der zu infundierenden Medikaments. Zweitens hätte sie auf Grund ihrers Medizinstudiums die Tragweite des alleinigen Nachtdienstes in der OP Nachbetreuung erkennen müssen und somit die eigenständige Durchführung Lege artis ablehnen müssen. Da sie beidem nicht hinreichend nachgekommen ist hat sie grob fahrlässig den Tod eines Menschen billigend in Kauf genommen und kann zurecht zivilrechtlich, starfrechtlich und standesrechtlich belangt werden. Ersteres ist mit dem Urteil schon geschehen. Ich bin darüber hinaus der Überzeugung, dass eine solche Verhaltensweise mit der Ausübung des ärztlichen Berufs nicht vereinbar ist und ihr standesrechtlich die Approbation verweigert werden sollte.

#51 |
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Gast
Gast

Die praktische Ausbildung im Medizinstudium ist extrem unterschiedlich. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Auch heute, als Stationssklave im Dauerdienst, kann ich von einigen Kollegen berichten, die unfassbar wenig Ahnung von ihrem Job und den wichtigsten Notfallalgorithmen haben…
…und natürlich haben wir trotzdem vor, ausländische Gastärzte aus Osteuropa usw. ohne Deutschkenntnisse und geregeltes Studium auf unsere Patienten loszulassen. Wenigstens können sich die Chefärzte dann sicher sein, dass die fatalen Fehler nicht korrekt dokumentiert werden…

#50 |
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Gast
Gast

@Dilek Kaya, ich kannte einen Herzchirurg in Bonn, der hat am liebsten nur dann kleine Kinder operiert,
wenn eine bestimmte Studentin auf der Intensivstation Nachtwache gemacht hat.
Die konnte die manuelle Beatmung besser als jeder Doktor.

#49 |
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Dilek Kaya
Dilek Kaya

Für das beste Geld der Welt solltet ihr Studenten alleine keine Nachtwache schieben. Ich habs nie getan. Im Notfall steht man alleine da. Theorie und Praxis sind zwei paar Schuhe.

#48 |
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siven relindise
siven relindise

Abc

#47 |
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Gast
Gast

Es ist sehr wichtig, wie ich finde, OB diese milchige Substanz letztendlich für den Eintritt der beschriebenen komatösen Situation ursächlich war. Sehr leicht können der Klinik und auch der Medizinstudentin im fortgeschrittenen Medizinsemester Versagen und auch Schuld vorgeworfen werden. Zu bedenken, bleibt dennoch, der allgemeine insuffiziente körperliche Zustand und die durch Krankheit und Alter vorliegende insuffiziente Herz-Kreislaufsituation der nun im Koma liegenden Person.
Ich würde daher raten, die Ursächlichkeit der postoperativen Situation neu gerichtlich überprüfen zu lassen.
Auch muss gesehen werden, dass heutzutage jede Klinik routinemäßig über die zu erwartenden Risiken vor und nach einer Operation informiert und von dem Operationswilligen hierzu eine Einwilligung in Anbetracht aller vorliegenden möglichen Risiken einholt. Hier einfach von vorliegender strafrechtlich relevanter fahrlässiger Körperverletzung auszugehen, ist meines Erachtens nur eine fatale Vereinfachung eines sehr komplexen menschlichen und juristischen Sachverhaltes nach Verwirklichung eines ungewünschten Risikos-nämlich dem Koma.

#46 |
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Rettungsassistent

Entschuldigung, aber WIE DOOF muss man sein, einem Patienten eine angebrochene Infusion – noch dazu mit unbekanntem Inhalt (dass eine “milchige Flüssigkeit” kein pures NaCl sein kann, erkennt jede Auszubildende im ersten Jahr ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft!) – zu verabreichen?

Wurden die zehn Semester Medizinstudium in einer Baumschule im Urwald absolviert?

Einfach nur tragisch – in erster Linie für die Patientin und ihre Angehörige!

#45 |
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Dr. Jochen Schaffner
Dr. Jochen Schaffner

An den Kollegen Albrecht:
Bischen statt bisschen ist ein beliebter Fehler. Gott sei Dank in diesem Fall nicht tödlich!

#44 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Vermutlich war die Sorge der Studentin vor einem Rüffel des Hintergrundarztes größer als die Sorge davor, was passieren könnte, wenn sie der Patientin eine Infusion verabreicht, von der sie laut eigener Aussage nur raten konnte, was da außer NaCl noch drin war. Diese Entscheidung war in jedem Fall hochgradig leichtsinnig und verantwortungslos, völlig unabhängig vom Ausbildungsstand.

#43 |
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Medizinphysiker

off the track: evtl. in Glucose 5% oder NaCl 0,9% verdünnen!

#42 |
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Gast
Gast

By the Way: hab es noch nie erlebt, dass Propofol in einer NaCl Infusion verdünnt wird!?

#41 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Christian Riedel, nein “man” sollte sich nicht zu Gemüte führen,
das ist ein völlig anderes Thema,
abgesehen davon, dass bei “Elektiveingriffen” der Sicherheitsstandard immer höher sein muss als bei “Noteingriffen”.
Hier geht es aber um einen banalen Behandlungsfehler.

#40 |
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Christian Riedel
Christian Riedel

Man sollte sich bei der ganzen Sache dringend zu Gemüte führen, das es sich offenbar um eine elektive, selbstbezahlte plastisch-chirurgische Operation handelt… die Gewinnmarge ist hier sicherlich recht groß für den Arzt, kosmetische Chirurgie ist teure Luxusmedizin. Dass in diesem Fall dann aus Geiz noch am Personal gespart wird, ist entsetzlich. Oder sind wir etwa schon so weit, dass selbst die armen Schönheitskliniken nicht mehr mit dem Geld auskommen?

#39 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

pardon für die Tippfehler,
ich hoffe, es bleibt trotzdem eindeutig.

#38 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Wenn dieser Beitrag von Michael van den Heuvel überhaupt einen Sinn haben soll,
woran ich ehrlich gesagt zweifle, man kann ja nicht über jeden völlig unbestreitbaren medizinischen “Behandlungsfehler” noch lande diskutieren,
dann fehlt hier allerdings noch der Hinweis,
dass ausgerechnet Propofol überhaupt nicht “konserviert” werden darf, wenn es einmal angebrochen ist, es darf weder für eine zweiten Patient verwendet werden noch später noch einmal, sondern muss verworfen werden.
Darüber gibt es sogar ein Der BGH-Urteil von 2007, das einen derartigen Fehler als vorsätzliche Körperverletzung eingestuft hat:
http://tinyurl.com/kwrmf59

Gruß

#37 |
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Ich schließe mich Frau Liebler uneingeschränkt an. Hier ist ein bischen mehr als Fehl und Tadel geschehen.

#36 |
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Dr. Jochen Schaffner
Dr. Jochen Schaffner

Kommentar zu Britta Liebler:
Alte Schwedin!Der ohne Fehl und Tadel, werfe den ersten Stein!

#35 |
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Gast
Gast

Unterschied Nachtdienst Westdeutschland – Ostdeutschland

Habe auch erlebt, wie alle Last des nächtlichen Krankenhausdienstes auf den Schultern eines z.T. am Berufsanfang stehenden Assistenzarztes lastet. Dabei habe ich in meiner Arbeitserfahrung Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland kennen gelernt. Ich war verblüfft, dass an ostdeutschen Krankenhäusern Oberärzte im(!) Krankenhaus auch nachts bleiben und die Assistenzärzte präsent unterstützen und helfend-korrigierend eingreifen, wenn nötig.

In Westdeutschland – wie man es kennt: Die Oberärzte sind nachts NICHT im Krankenhaus, reagieren GRANTIG, wenn sie nachts von Assistenzärzten angerufen werden, reagieren noch GRANTIGER, wenn sie im Bereitschaftsdienst (zumal von außerorts) ins Krankenhaus kommen müssen und verschrecken so die z.T. berufsunerfahrenen Assistenzärzte – klar zum Nachteil der Patienten.

#34 |
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Nichtmedizinische Berufe

Dieser tragische Fall ist nicht der erste, der zeigt, dass man als Medizinstudentin oder Medizinstudent schon eine eigene Berufshaftpflichtversicherung haben sollte. Nicht weil ich glaube, das die Haftpflichtversicherung der Klinik bei der Studentin Regress nimmt. Aber im Zivilprozess hat sie sonst niemanden, der die Schadenabwehr in ihrem Sinne betreibt. Denn die Haftpflichtversicherung der Klink vertritt nur ihre eigenen Interessen, nämlich den Verantwortungsteil der Klink so gering wie möglich zu halten. Jeder kann Fehler machen und jeder muss dafür grade stehen. Deshalb schreibt der Gesetzgeber die Berufshaftpflichtversicherung für Ärzte verbindlich vor. Für Medinzinstudenten gibt es diese Vorschrift nicht. Aber die Richter scheinen hier nicht zu unterscheiden.

#33 |
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Kinderkrankenschwester

Alter Schwede!! 10.Semester Medizin und so daneben?!? Ich würde mal sagen, zivilrechtlich grob fahrlässig, weil sie aufgrund ihres Wissenstandes (eigentlich) niemals eine angebrochenen, unklare Lösung aus anderen Räumen hätte benutzen dürfen. Dabei ist es eigentlich egal, ob der Anästhesist die Reste zu entsorgen vergessen hat. Da frage ich mich doch, wie agiert die Frau, wenn sie fertige Ärztin ist?

#32 |
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Medizinphysiker

Nach Gröhe soll die Klinikbezahlung sich zukünftig am Erfolg der Behandlungen ausrichten.
Das heißt im vorliegenden Fall: weniger Geld für diese Klinik, dann kann sich diese überhaupt keine Nachtwache mehr leisten und wie man unschwer erkennt, wäre das für die Patientin auch besser gewesen!
Einfach schlüssig!

#31 |
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M.Bender
M.Bender

Ich habe als MTA viele Asssistenzärzte während den Notdiensten im Krankenhaus begleitet, die Verantwortung, die sie tragen mussten für die ganze Klinik war enorm. Ich hätte mit keinem von ihnen tauschen wollen, wir haben ihnen mit unserer Erfahrung geholfen so gut wir konnten, trotzdem fand ich es immer falsch die ganze Verantwortung auf deren Schultern abzuwälzen, hinzu kommt, dass die Hintergrundärzte meist sehr grantig reagieren, wenn sie angerufen werden, dies führt dazu jeden Anruf zu vermeiden, zu Lasten des Patienten. Mein Sohn wurde auch Opfer einer falsch berechneten Infusion durch unerfahrene Assistenzärzte, nachts, zu Weihnachten in einer Kinderklinik, an den Folgen wird er sein Leben lang zu leiden haben.

#30 |
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Doris Jakob
Doris Jakob

bin schon seit einigen Jahren aus dem Berufsleben als Stationsleitung, erinnere mich aber, dass nur eine Fachpflegekraft Patienten in und aus dem OP holen durfte. Selbst an der Schleuse mußte eine Fachkraft ein und ausschleusen. Und egal was ein PJler tat oder nicht tat, er niemals eigenverantwortlich an Patienten herangelassen wurde, geschweige denn etwas verabreicht hätte.
Ich bin entsetzt, dass eine Klinikleitung solch ein Verbot hintergeht und bin auch entsetzt, dass ein Medizinstudent sich gegen solche Aufgaben nicht wehrt. Das Recht wäre immer auf seiner Seite, auch wenn sich vieles geändert hat, das mit Sicherheit nicht.

#29 |
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ZÄ Lina Melin
ZÄ Lina Melin

Ich habe selbst als Zahnmedizin Studentin Nachtwachen gehalten. Aber es war immer jemand im Hintergrund. Niemals durfte ich selbst Medikamente verabreichen . Die Studentin trifft definitiv keine Schuld. Sie hat null Ahnung davon im 10 Semester !

#28 |
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Dr.MED. von Sölder Manfred
Dr.MED. von Sölder Manfred

Ich bin selbst Arzt. Habe in meiner Ausbildungszeit als PJ und später x Nachtdienste versehen. Zu diesem Fall: so tragisch er auch sein mag aber die Medizin Studentin im 10 Semester (d.h. Null Erfahrung!!) trifft keine oder zumindest nur geringe Schuld. Man stelle sich vor: Nacht ,übermüdet,keine Erfahrung im Notdienst,maximaler Stress, der Hintergrund der möglicherweise nicht gestört werden will,diese Notsituation!. Ja wie kann man von einer Studentin erwarten dass sie das erfolgreich händelt? Da kann schon x was daneben gehen. Im Stress bemerkt so mancher Notarzt keine Trübung in einer Infusion! Und schliesslich war sie ja sicherlich nicht alleine sondern zumindest eine geschulte Krankenschwesterbmuss ja auf Station gewesen sein die ihr Hilfestellung leisten musste.hier liegt die alleinige Schuld bei der Klinikleitung und bei den Ärzten aber sicher nicht bei einer Studentin im 10. Semester! Mein Rat an die PJ Studenten: nehmt niemals so eine Verantwortung an macht eure Ausbildung nur in einem seriösen KH wo ihr auch von Tutoren begleitet werdet. Diese Medizin Studentin hat sich auf diese Weise leider ihre Zukunft vermasseln lassen!

#27 |
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Gudrun Kühlen
Gudrun Kühlen

@MD Brueck
Angesichts dieser Tragödie für alle Beteiligten ein “lautes Lachen” abzusetzen, halte ich für fragwürdig.

#26 |
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MD Michael B. Brueck
MD Michael B. Brueck

nach 5 Jahren studium sowas … lol… berufsverbot

#25 |
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Student der Humanmedizin

Hm…als in weniger als 5 Monaten examinierter Krankenpfleger und danach hoffentlich Medizin Student, stell sich für mich die Frage wieso eine Studentin im 10 Semester 1. Nicht weiss das Propofol milchig-weiß ist und 2. wieso Sie nicht wusste, dass sie zu wissen HAT wenn sie etwas appliziert was genau das ist. Sowas wird uns jedenfalls in der Ausbildung von Tag 1 eingetrichtert, denn natürlich ist man für das Verantwortlich was man appliziert bzw. zumindest sicherzustellen das es das richtige ist ( 5-R Fragen ). Desweiteren scheinen meiner Meinung nach auch viele weitere Fehler passiert zu sein. Zuerst einmal natürlich das schon von Carla Duckheim erwähnte nicht Ordnungsgemäße beschriften der NaCl, darüber hinaus hätte Sie wie schon im Artikel schon erwähnt die Infusion sowieso nichtmehr geben dürfen, da schon angebrochen sowie der zeitliche Rahmen des Anbruchs unklar. Weitergehend ist die gesamte Situation auch unzumutbar gewesen, da auch wenn schon im 10 Semester es jedoch um eine Ausbildungssituation handelte, in der Sie aufjedenfall einen Ansprechpartner gebraucht hätte. Außerdem wo waren die Pflegekräfte dort ? Eine examinierte Pflegekraft mit ein wenig Erfahrung sollte mühelos in der Lage gewesen sein, den Fehler der Medizin Studentin zu erkennen bzw. Sie darauf hinzuweisen, dass soetwas nicht geht. Aber warscheinlich war es so, wie ich es auch häufig erlebe, wenn Fehler bei Ärzten passieren z.B. nicht sachgemäße Verbandswechsel, oder merkwürdige Anordnungen von unerfahrenen Ärzten trauen sie manche Pflegekräfte nicht diese darauf hinzuweisen, bzw. meistens hilft einfach einmal ein : “Warum machen Sie das so oder wieso in dieser Dosierung ?” um auch Ärzte nochmal zum nachdenken zu bringen. Irrationale Kommunikationsbarrieren, zwischen den Berufen können manchmal schwere Folgen haben, “gott sei Dank” habe ich es aber auch schon auf vielen Stationen anders erlebt. Evtl. wäre so ein Vorfall vermeidbar gewesen, wenn die Kommunikation oftmals einfach besser ist und man grade nicht so strikte Hierarchien hat und dadurch Barrieren in Köpfen aufbaut !

#24 |
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Gast
Gast

Schön dass wir nun alles besser wissen und vergessen haben wie unsere ersten Schritte als Student waren, unsere ersten Nachtdienste als Arzt, allein auf uns gestellt (vielleicht den guten Rat einer Schwester erhaltend), die Beinaheunfälle oder auch Unfälle und auch den Rückhalt den wir nach diesen Situationen von unseren Vorgesetzten meist nicht erfahren durften. Schlimm für die Familie, aber auch schlimm für alle anderen Beteiligten, insbesondere für die junge Studentin, besonders wenn Sie hier manch einen dieser Kommentare liest. Hier ist es wie im Fußball, ein Heer von Trainern aber keiner stellt sich auf den Platz und spielt. Dieser Fall sollte für unser Handeln exemplarisch sein, alles zu hinterfragen aus welchem Grund wir etwas tun und was wir verbessern können um nicht ein solches Schicksal zu erleiden.

#23 |
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Dr. med. Stefan Krüger
Dr. med. Stefan Krüger

Die Hauptschuld trägt aus meiner Sicht ganz klar die Klinikleitung, die diese Personalentscheidung zu verantworten hat. Nebenbei sollte die Medizinstudentin noch ein IKEA-Regal zusammenbauen. Unglaublich!

Die Medizinstudentin hat sich meiner Meinung nach aber auch schuldig gemacht, nämlich des sog. “Übernahmeverschuldens”. Sie hat zudem schwer zu verstehende Fehler gemacht. Richtig ist aber auch: das Medizinstudium in Deutschland ist extrem theorielastig und sehr wenig praktisch ausgerichtet. Man lernt da nicht sehr viel, was man als PJler dann tatsächlich praktisch auf Station braucht.

Und: ich empfehle allen die mich fragen, sich keinen schönheitschirurgischen Eingriffen zu unterziehen. Sie sind im Gegensatz zu medizinisch indizierten Operationen nicht notwendig, beinhalten aber dasselbe Risiko. Risikofreie Operationen gibt es nicht. Auch nicht in Schönheitskliniken.

#22 |
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carla duckheim
carla duckheim

Wieso steht auf einer Infusionslösung nur NaCl , wenn propofol zugefügt ist ? Auch das lernt man schon sehr früh , das Zugaben zur Infusionen auf dieser vermerkt werden. Mal abgesehen davon das man nicht eindeutig zuordnungsbare Präparate nicht verabreicht werden ! Punkt .

#21 |
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Das ist alles schrecklch und es gibt wirklich nur Verlierer: Nur neu sind diese zustände nicht. Ich habe im Klinikum rechts der Isar auch als Student Nachtwachen gemacht. Das war in den 80er Jahren. Wir hatten da zwar eine Schwester, die wir auf der Nachbarstation fragen konnten, die aber eine Kratzbürste war. Trotzdem wage ich zu behaupten dass ich keine alte Infusion angehängt hätte. Das Problem Propofol gab es damals nicht. Aber im Ernst wo hat die famuliert oder Krankenpflegepratikum gemacht. Und zumndest damals musste man in der Vorklinik einen erste Hilfe Kurs machen. Vermutlich hatte sie nur ein 1er Abi.

#20 |
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Gast
Gast

Es ist natürlich schrecklich für die Pat.und ihre Angehörigen.Eine Klinik,welche Studenten im Nachtdienst beschäftigt handelt fahrlässig,da sogar PJ´ler heutzutage nicht in der Lage sind venöse Zugänge zu legen(Ich erlebe das tagtäglich in einer Notaufnahme)!
Examiniertes Pflegepersonal ist natürlich zu kostspielig und deshalb wird in solchen Kliniken so verfahren,daß man Aushilfspersonal für verantwortungsvolle Aufgaben einstellt.
In meinen Augen trägt die allienige Schuld nur der Geschäftsführender dieser Klinik sonst niemand.

#19 |
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Ich halte es für sehr bedenklich wenn eine Klinik – welche frisch operierte Risikopatienten beherbergt – im unmittelbaren postoperativen Zeitraum kein Personal für eine adäquate Beherrschung von Notfällen bereithält.

Die Entscheidungen der Medizinstudentin sind natürlich wenig nachvollziehbar, sie ist jedoch erst mal nur eine Studentin und keine EXAMINIERTE Ärztin oder Krankenschwester (= medizinisches FACHpersonal).

#18 |
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Gast
Gast

Ich stehe kurz vor der Approbation und bin zudem gelernter Lrankenpfleger und habe während meines Studiums nicht nur die letzten 12 Monate als Pfleger auf einer Intensivstation gearbeitet, sondern auch in solch einer (Tages-)Klinik alleine Nachtwachen gemacht. Wie gesagt, abgeschlossen Ausbildung als Pfleger mit OP-, Anästhesie- und Intensiverfahrung. Mich wundert es nicht, dass eine Studentin im 10. Semester solch eine Fehler macht. Ich kann mich nicht an eine Vorlesung erinnern in der gelehrt wurde wie man in einer Klinik arbeitet. Wie viele Medizinstudenten meinen sie könnten Infusionen richten, auf Station Verbandswechsel nach bestehenden hygiene-Richtlinien durchführen. Wir lernen es nicht PUNKT. Krass find ich die Klinik die lieber auf 450€ Basis einen Medizinstudentin einstellt, anstelle einer examinierten Fachkraft!!! Der Chirurg verdient sich sicherlich ne goldene Nase und spart am Personal.

#17 |
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Wäre so etwas vor z.B. 40 Jahren auch möglich gewesen??
Ich glaube es eher nicht…
In dieser Geschichte gibt es nur Verlierer…traurig…

#16 |
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Gast
Gast

Einmal ehrlich:
-so eine “angehende Ärztin” war definitiv fehl am Platze
Aber:
-sie wurde v. einer KLINIK eingestellt, bzw. beauftragt, die als Teil des SYSTEMS zu betrachten ist, für das schon längst das einzige Kriterium einer “guter”Arbeit im Endeffekt nur Gewinn, aber nicht das Wohl der Patienten ist.

#15 |
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Elke Neuwohner
Elke Neuwohner

Aus dem Urteil:
“Im Anschluss an die Operation erhielt die Klägerin von dem Beklagten zu 3 eine Infusion mit Kochsalzlösung. Die Klägerin war wach und orientiert und konnte sich selbst vom OP-Tisch auf die bereitstehende Liege bewegen. Sie wurde sodann gegen 18.45 Uhr in das Patientenzimmer verbracht. Gegen 19.00 Uhr erschien die Beklagte zu 4, zum damaligen Zeitpunkt eine Medizinstudentin im 10. Semester, die als einzige Nachtwache vorgesehen war.” und
“Aufgabe der Beklagten zu 4 war außer der Betreuung der Klägerin auch, den OP aufzuräumen, eine Medikamentenliste zu erstellen und – falls möglich – ein Ikea-Regal zusammenzubauen.”

3 ist der Anästhesist, 4 die Medizinstudentin, die alleine in der Zwei-Zimmer-Klinik Wache schieben durfte. Ich halte aus diesem Grunde das Urteil für skandalös; natürlich sollte man keine alten Infusionslösungen verabreichen, natürlich sollte man als Medizinstudentin den Unterschied zwischen Milch und NaCl-Lösung kennen, aber:
Eine Medizinstudentin alleine Nachtwache bei einer operierten Diabetikerin vornehmen zu lassen, halte ich an sich schon für grob fahrlässig. Aus diesem Grunde sollte die Strafe für den (geschäftsführenden) Chirurgen aus meiner Sicht höher liegen.

Findet
P.K.

#14 |
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Student der Humanmedizin

omg

#13 |
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Marc Kaufmann
Marc Kaufmann

Da stimmt doch etwas nicht. Wer geht denn bitte nachts von der Station in einen Op ( ich kann mir nicht vorstellen das die Studentin als Nachtwache weiss wer wo operiert wurde) und kramt irgendeinen angebrochenen Infusionsbeutel aus dem Müll und gibt das dann der Patientin?????? Häää???? Und das im 10. Semester!!

#12 |
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Gast
Gast

So viel zu den Zuständen in unseren Kliniken.

Wie kann man eine Studentin alleine die Nachwache in der Klinik halten lassen? Hier muss doch zumindest ein erfahrener (Not-(fall-))Arzt vorhanden sein…

Wieso räumen die ihren OP nicht auf? Mit Sicherheit sollten da keine Medikamente rumliegen…

Studentin hin oder her… wieso um Himmels Willen nimmt sie irgendwelche Medikamentenreste?

Und dass eine NaCl-Lösung nicht milchig weiß ist, sollte wohl jeder wissen, der schon einmal Nudelwasser aufgesetzt hat… und erst Recht eine Medizinstudentin im 10. Semester…

Auf der anderen Seite aber auch: Schön blöd, dass man sich als Diabetiker irgendwelchen Schönheitsoperationen unterzieht…

#11 |
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Nicolas Hohmann
Nicolas Hohmann

Das Urteil ist ebenfalls im Artikel verlinkt, wenn auch etwas versteckt: http://www.mjv.rlp.de/icc/justiz/nav/634/broker.jsp?uMen=634b82fe-d698-11d4-a73d-0050045687ab&uCon=4bd38102-2c36-5416-e243-084077fe9e30&uTem=aaaaaaaa-aaaa-aaaa-aaaa-000000000042

Für diejenigen, die am Fall interessiert sind, lohnt möglicherweise das konzentrierte lesen, denn hier stehen weitere Informationen und Erläuterungen zum Urteil. Insbesondere der vom Gericht bestellte Gutachter Prof. Z. führt die Sachverhalte gut aus.

Ich stand zunächst der Tatsache, dass die Medizinstudentin schuldig ist, der Anästhesist jedoch nur fahrlässig gehandelt habe, kritisch gegenüber, kann aber jetzt die Positon nachvollziehen. Im Wesentlichen:

1. Bereits angebrochene Infusionen wieder anzuhängen ist im Allgemeinen absolut unüblich.
2. NaCl 0.9% ist nicht milchig trüb. Das hat die Medizinstudentin richtig erkannt, sich aber mit einer ihr vermeintlich plausiblen Erklärung beruhigt, es sei wohl eine Nährlösung oder ein Medikament für den Diabetes mellitus beigefügt.
3. Sie hat weder bei Übelkeit der Patientin noch bei Feststellen der milchigen Trübung der Infusionslösung Rücksprache mit dem Chirurgen oder Anästhesisten gehalten (beide Tel.Nr. lagen vor).
4. Sie hat die Indikation zur IV-Volumengabe selbstständig gestellt; auch wenn “Restinfusion aus OP” auf dem Medikamentenplan stand.
5. Nach bewußtseinsverlust war sie nicht in der Lage Basic Life Support zu leisten.

Bezüglich des Anästhesisten wird festgehalten, dass er …

1. fahrlässig gehandelt hat, in dem er die Infusion nicht fachgerecht beschriftet und entsorgt hat.
2. …jedoch nicht damit rechnen dass ein solch schwerer Fehler passiert, insbesondere da er davon ausging, es handle sich um eine Krankenschwester (sprich: examiniertes Personal) und nicht um eine Medizinstudentin im 10. FS. Damit sei wohl die Kausalkette unterbrochen, die er ausgelöst hat.

#10 |
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Diese Medizinstudentin ohne praktische Erfahrung war heillos überfordert und hat in ihrer Überforderungssituation einen tödlichen Fehler gemacht – das wird sie nie wieder los !!!
Schrecklich auch für die Patientin und die Familie – eine Katastrophe für alle Beteiligten und natürlich muß die Patientin und die Familie finanziell versorgt werden.
Und die Studentin ?
Entweder Studium hinschmeißen oder ganz weit wegziehen, Examen machen und in die theoretische Medizin gehen ohne Patientenkontakt und psychotherapeutische Hilfe (Traumatherapie) holen.

#9 |
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Brigitta Schmidt
Brigitta Schmidt

Todesursache Nr. 1 vor Herz-Kreislauf und Krebs sind Medizinische Fehlentscheidungen und verabreichte Medikamente.

#8 |
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Gast
Gast

Ein schreckliches Ereignis.
Der Klinikbetreiber MUSS Fachpersonal stellen. Studentische Hilfskräfte sind Hilfskräfte.
Allerdings muß eine Med. Stud. im 10. Semester wissen, daß angebrochene Fläschchen, Lösungen u.s.w NIEMALS wiederverwendet werden dürfen. (Über wenige Ausnahmen rede ich jetzt nicht) Schon aus hygienischen Gründen ist das ein No-go. Erst recht nicht wenn eine NaCl-Lösung nicht mehr klar durchsichtig ist. Das schreit doch danach : Da ist etwas anderes mit drin!!
Ich fürchte , die Studentin hat nicht genug gelernt um ins PJ zu gehen. Wo ist die Erfahrung aus den Pflichtpraktika geblieben?? oder hat sie da nur Zeugnisse bekommen ohnd die Praktika absolviert zu haben??

#7 |
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Heilpraktiker

Ad 1.Schon ein Pflegepraktikant weiß, daß NaCl-Lösungen klar sind und daß man keine ominösen angebrochenen Reste verwendet werden. Reste müssen umgehend entsorgt werden.
Ad 2. Eine Studentin, egal in welchem Semester hat allein auf der Station nichts verloren und hier ist die Klinik in der Verantwortung und nicht unser System. Personalmangel kann nicht die Entschuldigung dafür sein.

#6 |
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Gast
Gast

Oh man, seit Michael Jackson weiß doch fast jeder das Propofol Milchig ist
und Kochsalz durchsichtig! Eine Tragödie auf ganzer Linie für alle Beteiligten.
Das Leben der Patienten ist verbaut, aber auch das Leben der Medizinstudentin, schuld ist das perverse System. Danke an die Politiker und Krankenkassen.

#5 |
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Aber jetzt mal im Ernst. NaCl ist nicht milchig, das weiß man doch schon nach dem Biochemiepraktikum bzw. KPP. Dann rennt man nicht in den OP um irgendwelche Reste zu suchen. Und das Mädel ist 10. Semester. D.h. die geht ins PJ. Das macht mir am meisten Angst. Natürlich ist es eine Tragödie die nicht passieren darf. Aber ich halte die Studentin für total unfähig, um ins PJ zu gehen.

#4 |
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Student der Humanmedizin

An wen ist denn die Erstübergabe postoperativ erfolgt??? Sollte dies schon gegenüber der Medizinstudentin passiert sein ist ebenso der Anästhesist mit in die Haftung einzuschließen. Den Standard soll mir dann mal jemand zeigen, in dem so etwas Rechtens geregelt ist.
Für solche Fälle sollte es ein Register geben, mit den Namen solcher Kliniken.
Mehr Fahrlässigkeit ist kaum möglich.
Es tut mir so leid für den Ehemann und die gesamte Familie.

Und für alle Medizinstudenten: Lasst euch nicht auf so etwas ein! Sobald keine qualifizierte Kraft hinter euch steht, sagt nein, dafür kann euch keine Klinik rechtlich Belangen.

#3 |
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Gast
Gast

Der Gutachter hat natürlich Recht!
Wie kann man nur.

#2 |
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Tom Butters
Tom Butters

Qualifiziertes Personal kostet! Wenn weiterhin unsere Kliniken Dumping-Löhne für Assistenzpersonal bieten, wird dies kein Einzelfall bleiben!

#1 |
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