Apothekentests: Der nächste Volltreffer

9. Mai 2014
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Kritische Studien zur Bewertung öffentlicher Apotheken sind groß in Mode. Jetzt hat die Stiftung Warentest Ergebnisse einer Untersuchung veröffentlicht – mit negativen Resultaten, wie nicht anders zu erwarten war. Wieder nur das übliche Bashing oder ein Warnsignal, auf das Kollegen reagieren müssten?

Die Stiftung Warentest hat einmal mehr Apotheken unter ihre Lupe genommen. Scheinkunden untersuchten 17 Versandapotheken, die sie auf Basis einer Suchmaschinenabfrage identifizierten. Hinzu kamen 21 zufällig ausgewählte Vor-Ort-Apotheken aus den Großräumen Dresden, Frankfurt am Main und Hannover. Alle Ergebnisse erstaunen auf den ersten Blick nicht wirklich: „Apotheken beraten eher schlecht als recht.“

Vielfältige Fragestellungen

Zum Hintergrund: Testkäufer hatten sieben Aufgaben zu OTCs beziehungsweise Rx-Präparaten im Gepäck. Dazu gehörten Rezepte mit Wechselwirkungen, etwa Tamoxifen und Paroxetin. Kollegen mussten Arzneimittellisten auf Wechselwirkungen prüfen und Hinweise zur richtigen Einnahme von Alendronsäure geben – falls Kunden gleichzeitig noch Calciumsupplemente schluckten. Hinzu kam als Thema, mögliche Nebenwirkungen eines Phytoöstrogen-haltigen Pharmakons bei Wechseljahresbeschwerden zu interpretieren. Bei Umckaloabo sollte wiederum erklärt werden, dass das Präparat nicht bei Halsschmerzen geeignet ist. Und die Mutter eines Kleinkindes mit Brechdurchfall wollte Dimenhydrinat-haltige Zäpfchen sowie ein geeignetes Elektrolytpräparat. Bei einer Rezeptur zur Wundbehandlung musste erkannt werden, dass die Wirkstoffkonzentration zu hoch war.

Ohrfeige für Apotheken

Das Resümee: „Ob klassische Vor-Ort-Apotheke oder Versandapotheke: Beide Sparten kommen ihrer Beratungspflicht zu wenig nach.“ Die Redaktion äußerte sich in Teilaspekten durchaus positiv. Versender warnten eher vor Wechselwirkungen – dank automatisierter Prozesse im Bestellablauf. Auch verwenden sie laut Stiftung Warentest häufiger gängige Software, um Interaktionen zu erkennen. Im Gegenzug berieten Apotheker vor Ort besser zu OTCs. Sieben Versandapotheken und zwei Vor-Ort-Apotheken weigerten sich, eine Rezeptur herzustellen, weil sie die benötigte Substanz nicht bekamen. Unter dem Strich ergab sich aus allen Kriterien folgende Wertung: Vier Präsenzapotheken schnitten „gut“ ab, zwölf „befriedigend“, weitere fünf waren „ausreichend“. Von allen untersuchten Versandapotheken bekamen vier das Prädikat „gut“, sieben „befriedigend“, fünf „ausreichend“ und eine lediglich „mangelhaft“.

„Recht auf eine gute Beratung“

Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbands, äußerte sich via Twitter zur Studie: „Gute Beratung der Versicherten ist Aufgabe der Apotheken und dafür werden sie gut bezahlt!“ Für jedes verschreibungspflichtige Medikament bekämen Pharmazeuten „auch für die Beratung gutes Geld aus den Portemonnaies der Beitragszahler“. Als Beispiele nennt er das Imatinib (Glivec®). Aus dem Fixzuschlag und der prozentualen Vergütung ergeben sich 253,89 Euro pro Packung für die Apotheke. Bei Asthmasprays mit Ipratropiumbromid plus Fenoterolhydrobromid (Berodual® N) sind es 8,29 Euro. Doch es gibt nicht nur kritische Stimmen. Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bewertete entsprechende Resultate nach erster Sichtung als Verbesserung im Vergleich zu früheren Untersuchungen. Gleichzeitig wird auf rund 3.100 Fortbildungsveranstaltungen der Apothekerkammern und -verbände sowie auf Pseudocustomer verwiesen. Die Zahl an Testkäufen variiert je nach Kammerbezirk zwischen 200 (Mecklenburg-Vorpommern) und 1.000 pro Jahr (Westfalen-Lippe). Dazu einige Zahlen: Bei rund 1.000 Testkäufen in Westfalen-Lippe waren etwa 67 Prozent aller Beratungsgespräche „umfassend“ beziehungsweise „angemessen“. In nur 31 Prozent der Fälle konstatierten Testkäufer eine „verbesserungswürdige“ Situation. Allerdings haben zwei Prozent der Apotheken keine Beratung angeboten, nicht einmal auf Nachfrage. Inwieweit Testkäufe unter Qualitätsaspekten zielführend waren, lässt sich schwer belegen.

Rechtsbeugung vor dem HV-Tisch

Doch zurück zur Stiftung Warentest: Rein rechtlich ist das Vorgehen selbst nicht über jeden Zweifel erhaben. Immerhin bekamen Scheinkunden von Ärzten nach Vorgaben der Redaktion 76 „Pseudorezepte“ ausgestellt, um damit zu arbeiten. Die Ärztekammer Berlin bewertet den Apothekentest deshalb als „berufsrechtlich bedenklich“. Sie behält sich eine genauere Prüfung der Sachlage vor, um gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten. Doch was sagen Apotheker vor Ort?

Ihre Meinung zählt

Jetzt mitdiskutieren: Sind Untersuchungen in Form von Tests sinnvoll oder verzerren sie die Realität? Warten wir auch den nächsten Test mit ähnlichen Resultaten ab oder sollten Verantwortliche handeln? Wäre es nicht an der Zeit, Rahmenbedingungen so anzupassen, dass Freiräume für eine qualitativ hochwertige Beratung bleiben? Oder sollten berufsständische Organisationen – wie vor Jahren im Kammerbezirk Westfalen-Lippe kontrovers diskutiert – eine Fortbildungspflicht durchsetzen? Lassen Sie uns wissen, was Sie über das strittige Thema denken: feedback_news@doccheck.com.

65 Wertungen (3.83 ø)

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16 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihre zahlreichen Kommentare.
Wir möchten Sie darum bitten, sachbezogen zu diskutieren und von persönlichen Angriffen abzusehen.

Ihre DocCheck News Redaktion

#16 |
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A.F.
A.F.

Herr Dr. Bucke, ich gebe Ihnen vollkommen Recht! Sind Sie für eine Kammer tätig?
Noch eine Anmerkung/Ergänzung meinerseits: die Testkäufe der Kammern könnten ohne große Kosten von den Pharmaziestudenten im 4. Ausbildungsjahr durchgeführt werden. Es schärft zum Einen Ihren Blick auf die Beratungs-/Sachlage und vermittelt ihnen Know-how im Apothekenalltag. Die Fallbeispiele können gut ins Fach Klin. Pharmazie integriert/ diskutiert werden.
Zum Anderen spart es Kosten. Es ist nur ein Mietwagen zu stellen. Ich selbst war Testkäufer in einem Pilotprojekt der LAK MV und es war auch für mich sehr spannend und lehrreich.
Gerade eben lief auf NDR auch ein “Apothekentest” zum Thema “Hausapotheke”. Prof. Glaeske gab dazu natürlich gern sein Konmentar ab…
Wer bezahlt ihn eigentlich? Und wer finanziert die ganzen Beiträge und Recherchen der Presse? DocMorris oder ein Großkonzern, der in den dt. Apothekenmarkt eindringen will???

#15 |
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Gast
Gast

Wer testet die Tester? Ist Stiftung Warentest oder wer auch immer gerade wieder testet wirklich besser als der ADAC? Wer bezahlt die Tests? Wie wird getestet? Wie stehen die Apotheken mit Ihren hochkomplexen und beratungsintensiven Produkten im Vergleich zu ähnlich niveauvollen Branchen da? Welche Branche hat überhaupt ähnlich hochkomplexe Produkt im Sortiment und wer arbeitet in diesen Branchen? Welche Gewinnmarchen gibt es dort?
Bevor dies alles nicht eindeutig geklärt ist ist dies ein Test mit dem nach Aufmerksamkeit im rauschenden Blätterwald gesucht wird, mehr nicht.
Ein erfahrener Apotheker

#14 |
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Apotheker

Tendenziell haben ja alle irgendwie recht. Das schreibe ich, um Aufreger zu vermeiden. Ich kann jedoch aus meiner recht umfangreichen Tätigkeit für das Apothekensiegel.de berichten, dass es nur ein bedingtes Vergnügen ist, als Testkäufer zu arbeiten. Aus mehr als 400 PseudoCustomer-Besuchen in verschiedenen Bundesländern ziehe ich die Erkenntnis: ein Drittel der Apotheke beraten gut bis sehr gut, ein weiteres Drittel macht einen anständigen Job mit Potential nach oben und ein letztes Drittel der Apotheken möchte ich hier nicht kommentieren. Unter den objektiv schlecht beratenden Apotheken sind lebhafte Center-Apotheken, gut frequentierte Ärztehaus-Apotheken, Stadtteil- und Landapotheken gleichermaßen vertreten, wie unter den sehr guten. Auffällig ist allerdings, dass häufig Apotheken mit erkennbarem Investitionsstau offenkundig nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind. Leider gibt es keinen tauglichen Apotheken-TÜV. Und es reicht m. E. heute nicht mehr aus, dass ein Apotheker qua Approbation die Grundvoraussetzung für eine Betriebserlaubnis erfüllt. Eine kaufmännische Zusatzausbildung und/oder ein betriebswirtschaftliches Kurz-Studium mit apothekenrelevanten Schwerpunkten könnte helfen, das Multi-Tasking eines Inhabers (Top-Einkäufer, Top-Controller, Top-Personalmanager, Top-Marketing-Experte, Top-Kommunikator UND Top-Pharmazeut) zeitgemäß zu meistern. Bei aller Diskussion über mangelnde Beratung werden einige Dinge immer wieder ignoriert: unsere Hobby-Politiker in unserer selbstgewählten Standesführung haben es zugelassen, dass wir unserer Eigenschaften als “Vollkaufmann” komplett beraubt wurden und dass wir als Marionetten der Politik und Krankenkassen ähnlich elegant agieren, wie die Kollegen aus der “Augsburger Puppenkiste”. Unsere eigenen Leute haben sich mit der Attitüde “es hätt’ noch schlimmer kommen können…” so von den Profis über den Tisch ziehen lassen, dass uns unsere Handlungsfähigkeit abhanden gekommen ist. Diese bürokratische Verwaltungsdödelei bindet derart viele Ressourcen, dass uns Stiftung Warentest bei schlampiger Beratung ertappt. Alles gleichzeitig geht eben nicht. Ich fordere die Rückbesinnung auf vernünftige Regelungen bei Dokumentationspflichten, die Abschaffung der patientenunfreundlichen Rabattverträge, die Offenlegung der Rabatte zwischen Industrie und Kassen, die Transparenz in den Verwaltungsapparaten der Krankenkassen und die Implementierung eines selbstverwalteten Gremiums, dass bessere Beratungsleistung in Apotheken sicherstellt. Und ich fordere, dass Apotheken – nicht über den Kammerbeitrag – ganz indviduell eine Art Stipendium für angehende PTA vergeben können, dass die PTA-Ausbildung aufgewertet wird auf das Niveau der früheren Vorexaminierten oder Pharmzie-Ingenieure. Und für ALLE Mitarbeiter inklusive PKA und InhaberInnen soll lebenslange Fortbildung in Kommunikation und Pharmazie zur Pflicht werden. Wenn es nicht gelingt, ausreichend Nachwuchs von der Universität in die öffentliche Apotheke zu bekommen und gleichzeitig PTA-Schulen schließen, weiß ich nicht, wen Stiftung Warentest in 10 Jahren noch in der Apotheke antreffen soll???

#13 |
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Apotheker

Zunächst einmal sollten sämtliche Kunden, die die Rabattvertragsregelung nicht begreifen wollen und uns alle von der eigentlichen Arbeit abhalten, zu ihrer Krankenkasse geschickt werden, denn diese Situation ist von uns nicht zu verantworten.
Zweitens sollten auch Pseudo-Patienten zu Ärzten geschickt werden, aber dann haben so manche dieser “Menschen” Angst , auf dem OP Tisch zu landen : wieder haben also die Apotheken voll schlechte Karten. Vom Operieren zum Obduzieren ist es bekanntlich ein sehr kleiner Schnitt…
Wenn man Rezeptursubstanzen nicht vorrätig hat, kann man auch keine Rezeptur herstellen.
Alleine die Beschaffung und Prüfung , von der wirtschaftlichen Seite abgesehen, sind nicht nebenbei zu bewerkstelligen.
Auch für exotische Rohstoffe sollten die Kassen den vollen Anbruch zahlen müssen; dann wären nämlich auch exotische Zubereitungen weg vom Fenster.
Hier haben wieder einmal die Vorort-Apotheken die A****-karte : für Rezepturen und BTM sind sie immer gut, insbesondere, wenn Rezepte kurz vor der Einlösefrist sind.
Beratung ist doch meistens ein Eigentor : solange diese nicht honoriert wird, zieht die beratende Apotheke Problemkunden an wie das berühmte gammelnde Mettbrötchen die ***Fliegen……
Wer Vertretungserfahrung hat, kann sicherlich dieses Phänomen bestätigen.
Wieder einmal geht, unter dem Strich betrachtet, die Apotheke in D für Industrie, Krankenkassen und Grossisten auf denselbigen………
Hope for the best…..
be prepared for the worst….and expect nothing !

#12 |
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A. F.
A. F.

Um nicht auf weitere negative Schlagzeilen der Presse bezüglich Testkäufen und Beratungsqualität der dt. Apotheken zu warten (und die werden sicher kommen), sollten die Kammern reagieren und versuchen, das Image der Apotheken UND deren Beratungsqualität zu verbessern. Sinnvoll wären hier PseudoCustomer Einkäufe der Kammern, möglichst pro Quartal in allen Apotheken (oder zumindest stichprobenartig). Die Kosten dafür sollten aus dem Kammerbeitrag finanziert werden, wenn nötig, müsste dieser erhöht werden. So hätte jede Apotheke die gleiche Chance, regelmäßig von Testeinkäufern der Kammern besucht zu werden. Die Ergebnisse müssen intern, also zwischen Kammer & Apothekenleiter, besprochen/ ausgewertet werden. Nach einer Frist (z.B. 2 Jahre) mit einer Möglichkeit zum Umstrukturieren, Fortbilden und Qualifizieren, sollten die Ergebnisse der Kammern auch berufsrechtliche Konsequenzen haben. Ich denke nur so entkommen wir der Negativ- Schlagzeilen- Spirale der Presse und zeigen der Öffentlichkeit, dass die Apotheken keine Testkäufe der Presse brauchen und fürchten!
Noch kurz zu Herrn Lanz: Dass sein Rechenbeispiel unverhältnismäßig zum betriebswirtschaftlichen Alltag der Apotheke ist, weiß jeder von uns. Dass die Apotheke in Vorleistung geht auch.
Und dass bei den Krankenkassen der meiste Einsparungsbedarf besteht (wurde mal ausgerechnet, wieviel der Verwaltungsapparat der GKV verschlingt?). Jeder normal Beschäftigte der GKV verdient mehr als ein studierter Pharmazeut! Und dann die Arbeits- und Urlaubszeiten…
Aber ich finde, das sollte hier nicht Gegenstand der Diskussion sein! Wir müssen ernsthaft überlegen, wie wir gemeinsam wieder zu mehr Ansehen in der Bevölkerung kommen und in der Öffentlichkeit in besserem Licht dargestellt werden. So dass Stiftung Warentest,Frontal 21 und, und, und keine Chance mehr haben, uns das Vertrauen und die Treue unserer Kunden zu zerstören!

#11 |
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Johannes Sagemüller
Johannes Sagemüller

Hätte ein Autohändler bei einem Neuwagenpreis von 10109,22 einen satten Gewinn von 253,89, wäre er nach 14 Tagen pleite!

#10 |
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Nichtmedizinische Berufe

Frau Treitmeier, ein Festgehalt bei einem Freiberufler? Das geht nicht. Es sei denn, man wendet sich vom bisherigem Modell ab und macht zentrale Medikamentenausgabestellen, die z.B. von den KVs oder staatlich betrieben werden.

#9 |
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Nichtmedizinische Berufe

Nun… Beratung. Ok. Was diese Art Studie verkennt ist, dass zu einer Beratung stets 2 gehören. Niemand kann gezwungen werden, sich anzuhören, was der Apotheker sagen will. Dazu muss erstmal Bereitschaft da sein, sich beraten zu lassen.

Ich habe 3 Apotheken, die ich besuche. Eine Apotheke ist gesegnet mit langen Warteschlangen, da sie extrem zentral gelegen ist und vermutlich auch viel von Touristen heimgesucht wird. Und… sie akzeptiert Kreditkarten. Für Beratung bleibt da wenig Zeit.

Alle drei Apotheken haben bei den vorgelegten Verordnungen jedoch eines gemein: Die Suche nach dem derzeit geltendem Rabattvertrag und das kann dauern. Dann habe ich noch meine Wünsche, damit die Präparate nicht zu oft wechseln. Und dann soll da noch beraten werden, wenn hinter mir bereits die nächsten Kunden ungeduldig mit den Füßen scharren?

Realität vs. Studie…

#8 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Und wie viele Apotheken gibt es deutschlandweit?
Das Ergebnis ist nicht repräsentativ!

#7 |
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Petra Treitmeier
Petra Treitmeier

Wie wäre es, wenn Apothekeninhaber ein Festgehalt bekommen. Dann wäre der wirtschaftliche Druck nicht so hoch, und mehr Zeit für eine gut fundierte Beratung. und glauben Sie wirklich das es eine alte Dame mit 90 Jahren versteht, wenn wir die Interaktionen und Nebenwirkungen erklären. Die geht zum verordnenden Arzt, beschwert sich wie er sowas gefährliches überhaupt verschreiben kann. Dann klingelt bei uns das Telefon, und wir bekommen den Frust des Arztes ab. Ich gebe zu, das das etwas überzogen formuliert ist, aber so oder so ähnlich läuft es doch ab. Ich finde eine gute Beratung essentiell, aber dafür brauchen wir Zeit, und keine Schikanen über Gesetze, Krankenkassen, Retaxationen. Herr Lanz führt den Gewinn bei Glivec auf. Was er nicht sagt, wenn wir auch nur eine Kleinigkeit bei der Kontrolle übersehen, retaxiert das die Krankenkasse und überweist nichts, d.h. dann nicht 250 Euro Gewinn sondern 10000,00 Euro Verlust. Wie wir den wieder rein bringen, daran will ich gar nicht denken.
Nur weiter so, dann haben wir irgendwann keine Vorort Apotheke mehr, dann gibt es nicht mehr das Problem einer überzogenen Beratung, wie es Stiftung Warentest will, sondern das Problem: wie komm ich an meine Medikamente, wenn ich über kein Internet verfüge?
PTA mit 30 Jahren Berufserfahrung

#6 |
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Selbstst. Apothekerin

Ich stimme voll und ganz dem Artikel von Frau Wahl zu. Es fehlt die kaufmännische Praxis.

#5 |
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Horst Wycisk
Horst Wycisk

@ Karin Wahl

Liebe Frau Wahl,

die Erklärung bezüglich der Personal-Decke erscheint mir nicht so sehr schlüssig.
Denn zum einen las ich vor wenigen Tagen erst eine Statistik nach der in den letzten Jahren wesentlich mehr Personal in den Apotheken arbeitet als zuvor, obwohl die Netto-Zahl an Betrieben konstant sinkt. Aus Kollegenkreisen höre ich auch quer durch die Republik, dass überall händeringend nach Personal gesucht wird. Also nur ältere, teure Mitarbeiter gegen billige, jüngere austauschen halte ich eher für nicht so wahrscheinlich.
Eher erscheint mir folgende Erklärung plausibler :
Bei all dem bürokratischen Daten-Mist der von uns verlangt wird, ist es nur normal, dass viele Mitarbeiter unserer Branche den Rücken kehren. Denn wie hat es die Kollegin Gabriela Aures auf DAZ-online so treffend formuliert:
“Wir haben Pharmazie studiert, nicht Verwaltungsdödel!”
Es klingt wie eine Entschuldigung ist aber Realität: wenn sie nach gefühlt stundenlanger Beschäftigung mit dem Rezept (Re-Import-quote,Rabattvertrag, Nicht verfügbarkeitsnummer-Aufdruck, Arztrückruf, etc.etc.) der Kunde endlich “bedient” fühlt, dann haben sie fast keine Chance mehr ihn noch gewünscht zu beraten. Die wollen alle nur noch weg! Halt – die Apotheken-Umschau, genannt “Rentner-BRAVO”, darf es schon noch sein.
Wenn dann noch Rezepturen dazu kommen, bei denen man einen unvergleichlichen Aufwand treiben muss, wo erfahrene Mitarbeiter fragen: “habe ich meine Ausbildung wohl umsonst gemacht?” – dann, ja dann bekommen sie den richtigen Frust für diesen Beruf. Dass Frust kein guter Ratgeber ist, ist mir auch klar. Aber wie wollen wir das denn abstellen? Unisono hören wir gerade aktuell von allen Politikern: in dieser Legislatur-Periode wird das wohl nix mit ‘ner Honorar-Erhöhung. Wie wollen Sie dann also, noch dazu mit weniger Geld, Mitarbeiter motivieren?
Mit den falschen Schwerpunkten in der Berufspolitik haben Sie dagegen sehr Recht! ‘Ne Leitbild-Diskussion führen, wo’s gerade ans Eingemachte geht, finde ich schon sehr dreist und naiv.

#4 |
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Theresia Bschorer-Krause
Theresia Bschorer-Krause

Und nun? … wie oft eigentlich noch?
Hat sich was grundlegend geändert? Nein. Warum nicht? Weil es keinen Sinn macht alle Jahre wieder mehrere Tests um die Ohren gehauen zu bekommen.
Das Apothekenpersonal macht sich von Tag zu Tag die Mühe all die z.T. abstrusen Regelungen (z.B. Rabattverträge oder Hilfsmittelbelieferungen) zu beachten. Klar es gibt überall Unterschiede und das auch bei den Krankenkassen (oh je – wirklich?), doch werden wir Leute (Leiter und Angestelle) die den Sinn von Fort- und Weiterbildungen nicht einsehen mit keinem Pseudocustomer oder Test der Welt zu Beratung zwingen.
Gemein ist allerdings das Statement von Herrn Lanz. Dies zeigt einmal mehr, dass die GKV, deren Repräsentant er ja darstellt, kein Interesse an einem sachlichen Diskurs hat. Die Wahrheit bzgl. seiner Aussage könnte auch so aussehen:
Gliven 400mg 90 Fta von Novartis Pharma: –> Relevanz in der Praxis – keine
Verkaufspreis: 10.109,22€ incl. MwSt. (PZN 01755203) – Belastung Kasse
Umsatzsteuer: 1.614,08€ – das nimmt sich der Staat ohne Aufwand
Anteil Apotheke: 253,89€ – das sind 0,032% Aufschlag – wer arbeitet so?
Anteil Großhandel: noch geringer
Anteil Novartis: 8.200,95€ – die dürfen dafür auch Forschen!
Gehalt Herr Lanz: vielleicht fürstlich????? – zahlen die Versicherten zu 100%
Beratungsbedarf bei der Abgabe: eher gering und von Ärzten nicht gewünscht.

zu meiner Person:

Krause Robert (Dipl.Betriebswirt) 17 Jahre in Apotheken tätig
und noch selbstständig denkend

#3 |
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Apothekerin

Mir fehlen die Worte angesichts des Kommentars von Herrn Lanz!!! Die Beratung orientiert sich doch nicht am Wert eines Medikaments, wir beraten doch auch bei Paracetamolzäpfchen! Und bei einem VK von z.B. 1,26€ brauchen wir über Honorierung ja wohl nicht zu sprechen! Glivec ist gleich eins der teuersten Medikamente, wo bleibt denn da die Verhältnismäßigkeit?

#2 |
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Apothekerin

Die schlechten Egebnisse bei Testkäufen in Apotheken sind ein Dauerbrenner seit Jahrzehnten! Es liegt ganz sicher nicht an den Fortbildungsangeboten, die es fast inflationär gibt. Es fehlt am richtigen Training des HV-Personals und häufig an dessen Qualifikation. Wir alle wissen, dass auf grund der ständigen Kostensparprogramme die Kollegen aus betriebswirtschaftlichen Gründen sowohl weniger Personal vorrätig halten als auch mehr jüngere unerfahrene PTAs und Pharmaziepraktikanten in den HV stellen. Ältere erfahrene Mitarbeiter werden durch jüngere preiswertere ersetzt.
Es ist doch jedem klar, dass eine PTA nach 2 Jahren Schule und vorhergehender mittlerer Reife viel mehr Training braucht als ein studierter Pharmazeut! Und der studierte Jungpharmazeut hat in der Regel am Anfang Schwierigkeiten mit den ganzen Abläufen im HV und den HV-Beratungsprodukten wie Umckaloabo etc., weil das wiederum im Studium selten gelehrt wird.
Jeder weiß auch, dass man vom nur Zuhören bei einem Vortrag nicht in die Lage versetzt wird, das dann auch aktiv in einem Beratungsgespräch wiederzugeben, wenn man nicht bereits über eine Berufsroutine verfügt. Also mehr aktives Training in Beratungssituationen und auch in Gesprächsführung.
Den Kommentar von Herrn Lanz oben finde ich nicht sehr hilfreich, denn in der Beratungssituation denkt ein Mitarbeiter ganz sicher nicht an den Gewinn des gerade besprochenen Medikamentes!
Immer häufiger erlebt man die Ablehnung in Apotheken, Rezepturen herzustellen. Die neue ApoBetrO hat da sicher auch noch ein Stück weit dazu beigetragen, aber eben auch der große Aufwand und das auf Kante genähte Personal. Ein Ärgernis für alle, die noch Rezepturen gewissenhaft machen und das ausbügeln, was andere verweigern.
Da nützen die schönsten Leitbilddebatten nichts, wenn es dann an der grundsätzlichen Organisation im HV und Ausbildung von HV-Kräften schon hapert!

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