Tag der Apotheke: Kraut und Rüben beim Patienten

9. Mai 2014
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„Sicher isst sicher“: Unter diesem Motto informieren Deutschlands Apotheken am 5. Juni über Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Lebensmitteln: ein Thema, das vielen Verbrauchern gänzlich unbekannt ist, Gefahren inklusive.

Seit 1998 ruft die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände einen bundesweiten „Tag der Apotheke“ aus. Ziel ist, über ein wichtiges Thema öffentlicher Apotheken zu informieren und Leistungen stärker in das Bewusstsein von Bürgern zu rufen. Die Chance für Inhaber: Kunden auf besonderen Kompetenzen aufmerksam machen, vor allem hinsichtlich der Beratung. Dieses Jahr geht es um den Einfluss von Speis´ und Trank auf die Pharmakotherapie.

Geringere Bioverfügbarkeit…

Denkbar sind Effekte durch die Nahrung selbst, beispielsweise Veränderungen der Resorption, der Bioverfügbarkeit sowie der Pharmakodynamik. Wer Bisphosphonate direkt zum Frühstück einnimmt, muss mit einer zehnprozentigen Resorption rechnen. Zum Vergleich: Zwei Stunden vor der morgendlichen Mahlzeit sind es 44 Prozent, zwei Stunden danach immerhin noch 34 Prozent. Bei Chinolonen verringert sich die Bioverfügbarkeit durch Komplexe mit Calcium- und Magnesiumionen in der Nahrung. Antidepressiva beziehungsweise Neuroleptika vom Phenothiazin-Typ wiederum reagieren mit gerbstoffhaltigen Getränken wie Schwarztees oder mit Eisenionen unter Bildung schwerlöslicher Ausfällungen.

… oder stärkere Effekte

Das Gegenteil ist auch bekannt. So verzehnfacht sich die Aufnahme des Calciumantagonisten Lercanidipin durch eine fettreiche Mahlzeit. Felodipin ist ähnlich problematisch. Damit nicht genug: Als Klassiker gelten Effekte durch Grapefruitsaft. Naringin und Bergamottin wirken als potente Inhibitoren der Cytochrom-P450-Isoformen CYP1A2 beziehungsweise CYP3A4. Dadurch verzögert sich der Abbau etlicher Arzneistoffe, und die Wirkung verstärkt sich. Einen gegenläufigen Effekt zeigt Naringin im Darm. Es hemmt das Anion-Transportpeptid OATP1A2. Bei Pharmaka, die über diesen Mechanismus in unseren Körper gelangen, werden teilweise keine therapeutischen Plasmaspiegel mehr erreicht. Kein Einzelfall: Es gibt Hinweise, dass Granatäpfel und Cranberrys ähnlich wirken, zusätzlich aber noch das Isoenzym CYP2C9 blockieren.

Hypovitaminosen beachten

Medikamente haben manchmal auch Einflüsse auf unsere Nahrung und auf deren Verwertung. So erhöhen ASS, Glucocorticoide beziehungsweise Tetracycline die renale Ausscheidung von Vitamin C. Und Protonenpumpeninhibitoren verschlechtern den Vitamin-B12-Status. Viele Einzelfälle, von denen Patienten ohne entsprechende Beratung nichts erfahren.

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Das gehört alles auf den Waschzettel, man muss den armen Apotheker auch nicht überfordern.
Der Doktor sollte es aber wissen, wenn er es verschreibt.

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