Ärztestatistik: Das alte Lied vom Mangel

7. Mai 2014
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Noch nie gab es so viele Mediziner wie im letzten Jahr, so die BÄK. Trotzdem klagen Patienten über lange Wartezeiten und Versorgungsengpässe – ein Widerspruch? Naheliegende Strategien wie mehr Arztstunden greifen zu kurz. Andere Länder zeigen, wohin die Reise gehen könnte.

Neue Trends schwarz auf weiß: Jetzt hat die Bundesärztekammer (BÄK) Zahlen zum Berufsstand veröffentlicht. So waren 2013 bundesweit 357.252 Kolleginnen und Kollegen ärztlich tätig – plus 2,5 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum. Auch tragen immer mehr Frauen einen weißen Kittel. Ihr Anteil stieg von 44,3 Prozent (2012) auf 45,0 Prozent (2013). Was auf den ersten Blick recht optimistisch klingt, ist nicht ohne gesundheitspolitischen Sprengstoff.

Gefährliche Tendenzen

So hat sich die Altersverteilung deutlich stärker zu höheren Lebensjahren hin verschoben. Zwar erhöhte sich der Anteil von Ärzten unter 45 leicht um 0,8 Prozentpunkte auf 18,0 Prozent. Zeitgleich gab es bei den über 59-Jährigen einen Anstieg auf 15,6 Prozent (Vorjahr: 15,4 Prozent). In den Bereichen von 40 bis 49 verzeichnet die Statistik einen Rückgang von 27,9 Prozent auf 26,6 Prozent. Allerdings traten in 2013 genau 3,8 Prozent mehr Ärzte ihren wohlverdienten Ruhestand an als noch in 2012. „Die Statistik belegt eindeutig, dass die demografische Entwicklung auch die Ärzteschaft erfasst hat“, sagt Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). „Seit Jahren nimmt das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte zu.“ Ein weiterer Aspekt: Junge Kolleginnen und Kollegen achten stärker auf ihre Work-Life-Balance als die Generation zuvor. Laut Informationen des Statistischen Bundesamts hat sich die Zahl an Medizinern in Teilzeit von 31.000 (2001) auf 54.000 (2011) erhöht. Montgomery: „Junge Menschen mit einer hochqualifizierten Ausbildung sind zu Recht nicht mehr bereit, ihren Lebensstil, ihre Lebensqualität und ihre Arbeitnehmerrechte an den Pforten der Krankenhäuser und Arztpraxen abzugeben.“

Mehr Arztstunden

Damit nicht genug: Laut BÄK würden allein schon wegen der „Zunahme der Behandlungsintensität in einer alternden Gesellschaft“ mehr Ärzte benötigt als je zuvor. Im ambulanten Bereich schnellten Behandlungszahlen um 136 Millionen nach oben, und im stationären Bereich waren es plus 1,8 Millionen – jeweils im Zeitraum von 2004 bis 2012. Montgomery weist auf zusätzliche Untersuchungen beziehungsweise Eingriffe hin, die aufgrund des medizinischen Fortschritts heute möglich seien. „Dies erfordert ebenso mehr Personal, wie die durch die wissenschaftliche Entwicklung bedingte zunehmende Spezialisierung der Medizin.“

Versorgungsrealität 2013

Bereits heute zeigen sich je nach Bundesland unterschiedliche Arztdichten. Besonders gut ist die Versorgung in Hamburg (151 Einwohner auf einen berufstätigen Arzt), Bremen (175) und Berlin (187). In Thüringen (249), Sachsen (255), Niedersachsen (261), Sachsen-Anhalt (262) und Brandenburg (276) sieht es eher schlecht aus. Eine mögliche Erklärung: Für viele Mediziner sind Großstädte attraktiv. Landarztpraxen in Flächenländern bleiben oft ohne Nachfolge, sollte ein Inhaber seinen Ruhestand antreten. Daran haben Gesetzesinitiativen der letzten Bundesregierung nur wenig geändert.

 Ärzte kommen, Ärzte gehen

In diesem Zusammenhang geht die Statistik auf ausländische Ärztinnen und Ärzte, die nach Deutschland kommen, ein. Von 1993 (10.275 Kollegen) bis 2013 (31.236) ist deren Zahl stetig angestiegen. Allein 2013 waren es 10,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt in Krankenhäusern. Noch ein Blick auf die Herkunftsländer: Besonders häufig kamen Mediziner aus Rumänien (3.454), Griechenland (2.847), Österreich (2.611) und Polen (1.830) zu uns. Nach Kontinenten aufgeschlüsselt, waren 73,3 Prozent aus Europa, 17,9 Prozent aus Asien, 5,1 Prozent aus Afrika und 2,9 Prozent aus Amerika. Engpässe lassen sich damit aber auch nicht nachhaltig lösen.

Neue Konzepte oder neue Kollegen

Deshalb fordern BÄK-Vertreter mehr Ärzte respektive mehr Studienplätze, ohne über deren Finanzierung zu sprechen. Tatsache ist, dass heute Überversorgung und Unterversorgung Hand in Hand gehen. Beispielsweise kommen in Berlin auf einen berufstätigen Arzt 187 Einwohner. Nur einen Steinwurf weit entfernt in Brandenburg sind es 276 Menschen. Selbst in der Bundeshauptstadt gab es eklatante Unterschiede: Während der hausärztliche Versorgungsgrad in Treptow-Köpenick 95,9 Prozent betrug, waren es in Charlottenburg-Wilmersdorf 170,7 Prozent. Dort gehen Senatsgesundheitsverwaltung, Kassenärztliche Vereinigung und Krankenkassen neue Wege. Ein gemeinsamer Zulassungsausschuss steuert anhand von Planungsdaten Umzüge und Neuansiedlungen von Praxen. Noch stehen Kinder- und Hausärzte im Fokus. Das Prinzip soll früher oder später auf 18 Facharztgruppen ausgeweitet werden. Für ländliche Gegenden mit Versorgungsengpässen könnte es sich lohnen, über Konzepte aus anderen Ländern nachzudenken. Bei Bagatellerkrankungen bietet der finnische Konzern Laastari Patienten die Möglichkeit, ohne große Wartezeiten eine „Walk-in-Klinik“ zu besuchen oder Ärzte per Video zu konsultieren. Ähnliche Angebote gibt es mittlerweile in vielen US-amerikanischen Einkaufszentren. Und Online-Praxen wie DrEd entlasten Ärzte beziehungsweise Patienten, sollte es um vergleichsweise harmlose Leiden gehen. Früher oder später wird sich Deutschland auch neuen Wegen öffnen müssen.

126 Wertungen (3.27 ø)
Medizin

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25 Kommentare:

Marcel Thra
Marcel Thra

Ich kann denen nur beipflichten, die bereits die Frage aufgeworfen haben, ob denn alle heute von Ärzten durchgeführten bzw. verantworteten Tätigkeiten auch von diesen übernommen werden müssen. Ich selbst arbeite als Advanced Nursing Practitioner, habe also ein zusätzliches Studium zusätzlich zur Krankenpflegeausbildung absolviert und arbeite in der internistischen Aufnahme und entlaste dort durch meine Tätigkeit den ärztlichen Dienst. Das erfolgt aber nicht als Konkurrenz, sondern ergänzend im Sinne einer Ablaufoptimierung. Dazu muss man aber bereit sein, neue Tätigkeitsfelder zu öffnen und den Begriff “äztliche Tätigkeiten” anders zu definieren als “Tätigkeiten, die ein Arzt durchführt”, so wie es derzeit noch Rechtslage ist. Mal abgesehen davon, dass die Rechtsgrundlage der ärztlichen Versorgung in der BRD noch aus dem Jahr 1939 stammt. Die interprofessionelle Zusammenarbeit sollte meiner Meinung nach verbessert werden und zwar nicht aus Sicht der Akteure, sondern aus Sicht der Patienten und der Notwendigkeiten.

#25 |
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Dr. Helma Siebers-Nguyen
Dr. Helma Siebers-Nguyen

Der altruistische selbstloser Arzt gibt es nicht mehr. An Vorbildern mangelt es an allen Ausbildungsstätten von der Universität bis zu den Lehrkrankenhäusern. Es gibt nur den erfolgreichen Wissenschaftler und den ökonomisch denkenden und handelnden Mediziner.
Trotz Mangeln an Generalisten werden an den Ausbildungsstätten vorwiegend Spezialisten ausgebildet
Gesundheitsfürsorgepflicht ist zum wichtigen Wirtschaftszweig erhoben worden, wo Profit im Vordergrund steht und erst hinterher das Wohl von Patienten und Mitarbeitern
Qualitätssichernde Maßnahmen wie Zertifizierung etc. sind teure nutzlose bürokratische Vorgänge
Studiertes Pflegepersonal ohne Bezug auf Patienten und Ärzten
Mehrklassenmedizin nicht nur ambulant sondern auch in allen Krankenhäusern …

Die Liste der Problemen sind noch länger zu führen.
Ich kann meine eigenen Kinder nicht mehr ermuntern, den Traumberuf der Eltern zu erlernen

#24 |
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Gast
Gast

Das gesamte sogenannte Gesundheitssystem stinkt doch zum Himmel! So lange Ärzte Syptome behandeln und nicht die Ursachen von Krankheit wird doch das Gejammer erhalten bleiben. Jeder halbwegs mündige Patient sollte doch heutzutage wissen, dass die kostentreibenden Faktoren unsere sogenannten Zivilisationserkrankungen sind, die in der Regel chronisch verlaufen.
Die Diskussion hier befasst sich genauso mit den Auswüchsen des kranken Gesundheitssystems auf Symptomebene.
Gesndheit bleibt, wer Schadstoffe und Gifte bestmöglich meidet, sich gesund ernährt, Bewegung hat und psychisch ausgeglichen ist – mehr braucht es nicht!!!

#23 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Danke Herr Allwicher! Sie sprechen mir aus dem Herzen, denn ich betreibe seit 20 Jahren einen Pflegedienst. Aber was delegiert werden darf entscheiden leider hauptsächlich die Krankenkassen. Die entscheiden auch, ob die Verordnungen hauslicher Behandlungspflege, ausgestellt von den behandelnden Ärzten, genehmigt werden oder die Behandlungspflegemaßnahmen unsinnig sind – weil Sachbearbeiter der Krankenkassen sich schließlich aufgrund ihrer medizinischen Fachkenntnisse besser in solchen Fragen auskennen als die behandelnden Ärzte. Und noch etwas, was ich in dem Artikel vermisse (oder hab’ ich es überlesen?): die Kassen entscheiden, wie viele Ärzte und welche Fachrichtungen sich niederlassen dürfen. Hier bei uns in Celle sind mir 2 Allgemeinmediziner bekannt, die bereits im Rentenalter sind und noch praktizieren, weil deren Kinder mit dem Medizinstudium noch nicht fertig sind. Niederlassen dürfen sich diese jedoch nur, wenn sie die jeweilige Praxis des Vaters übernehmen. Eine neue Zulassung, selbst wenn eine Praxis geschlossen werden sollte, wird nicht erteilt….

#22 |
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Volker Allwicher
Volker Allwicher

In anderen Ländern werden vor allem Aufgaben deutlich mehr an andere Berufsgruppen wie die Pflege delegiert. Das wollte jedoch der Autor in dem Artikel offensichtlich ungerne laut sagen…

#21 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Kopf oder Zahl?
Nach Köpfen hat die Arztdichte deutlich zugenommen. Nach Zahl (geleistete Stunden) sieht das anders aus. 1972 hatte ich bei meinem Hausarzt einen Termin um 16:00 Uhr (wie alle Patienten). Um 22:00 Uhr habe ich die Praxis verlassen. Durch die Budgetierung ist sicher der Anreiz zurückgegangen, die Leistungen auszuweiten. Statt für ein paar Euro mehr im Quartal lieber einen Skiurlaub dazwischen schieben (an der Praxistür steht dann wegen “Fortbildung”) ist nur zu verständlich.
Gibt es da aber nicht auch deutliche Ressourcen? Die Bestrebungen sind da, die “Verah” flächendeckend einzuführen. Arzthelferinnen gehen dann Blutzucker kontrollieren und Verbände wechseln (wofür ihre Qualifikation zumindest in RLP in der ambulanten Pflege nicht ausreichen würde!!!). Können die Ärzte nicht entlastet werden durch die Verlagerung der Anordnungshoheit? Kann ein Mediziner besser beurteilen als ein Physiotherapeut, welcher Rollstuhl geeignet ist, welche physikalische Anwendung sinnvoll ist? Hat ein niedergelassener Arzt, der vor 30 Jahren die Klinik verlassen hat einen Überblick über den aktuellen Stand zur Versorgung chronischer Wunden? Müssen die Diskussionen sein, dass das Heim vom MDK schlecht bewertet wird, weil der Arzt eine unzureichende Kalorienzahl für die Sondenernährung verordnet hat? Gebt die Verantwortung an die ab, die hier nicht weniger qualifiziert sind und lasst die verordneten Produkte (Wundauflagen, Sondennahrung etc.) aus dem Budget draußen. Überweisung statt Anweisung! Alleine die Reibungsverluste zwischen den Kompetenzen kosten Zeit und belasten die Krankenkassen. Aber da scheint bei den Ärztefunktionären die Devise “Besitzstandswahrung” zu gelten: Nur wir von Gottes Gnaden…. – oftmals zum Unmut der Frontkämpfer.

#20 |
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dr. jan markus kindermann
dr. jan markus kindermann

Für die BÄK heißt ärztlich tätig, dass auch präfinale ÄK–Mitglieder noch ärztlich tätig sein können. In der Kassenarztlandschaft sieht es aber immer noch so aus wie vor 20 Jahren! Dort wurde nämlich der offizielle Niederlassungsstopp für
Kassenärzte eingeführt!
Klartext: Es gibt noch genauso viele oder wenige Kassenärzte wie im letzten Jahrtausend!
Im Kreis Kleve fehlen heute alleine über 25 kassenarzttätige Hausärzte !
Trotz mehr Ärzten???????

#19 |
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Karl-Heinz Hildebrandt
Karl-Heinz Hildebrandt

Ist das alles so überraschend?
Die Kollegen, die uns ins Ausland verlassen, beweisen ein sehr feines Gespür für die “Wertschätzung” unserer Arbeit in diesem unseren Lande.
Bezahlt eure Ärzte anständig in Deutschland und unterlasst das tagtägliche Bashing als geldgierige “Abzocker”, “Pfuscher” u.ä. in den Medien, dann bleiben die jungen Kollegen auch hier im Lande und arbeiten wieder gerne in unserem wunderschönen Beruf.
Lasst den armen Rumänen und Kasachen ihre Ärzte. Die werden dort dringender benötigt

#18 |
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Dipl.-Ing. Christian Rosner
Dipl.-Ing. Christian Rosner

Wir brauchen nicht mehr Studienplätze, sondern mehr Absolventen, die nach dem Studium zum einen in Deutschland und zum anderen als Ärzte arbeiten. Dies könnte beispielsweise über eine Kopplung der Zulassung zum Medizinstudium mit der Verpflichtung gelöst werden, nach dem Studium mindestens bis zum Ende der Facharztausbildung als Arzt zu arbeiten oder anderenfalls die Kosten für das Medizinstudium aus eigener Tasche zu bezahlen. Schon damit wäre viel gewonnen.

#17 |
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Dr. med. Wolfgang Ballarin
Dr. med. Wolfgang Ballarin

Dr. Wolfgang Ballarin, Arzt für Allgemeinmedizin, Kassenzulassung ab 1.4. altershalber (über 65) zurückgegeben.

So lange in unserem Gesundheitssystem “der Fall” zählt, so lange werden weiterhin Patienten wegen Banalitäten regelmäßig jedes Quartal “zur Kontrolle” einbestellt; dies betrifft Hausärzte, aber besonders Fachärzte, die damit ihre Praxen füllen.
Bei einem dringenderen Fall “soll Ihr Hausarzt anrufen”, hängt dann aber ca. 5 min in der Warteschleife, oder faxen, was auch Zeitaufwand bedeutet. Eine Auflösung dieses Dilemmas habe ich nicht, außer einer intensive Aufklärung des Patienten, auch durch nichtärztliche Institutionen; die Kostenträger sind damit gefordert, da es ja auch ein Problem der Solidargemeinschaft ist. Ein anderes Vergütungssystem für unsere ärztliche Tätigkeit wäre auch eine Lösung.

#16 |
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Das deutsche Medizinsystem ,wird von Idioten regiert.
Nicht nachvollziehbare Reglementierungen geschaffen von Ärztefunktionären,Politikern und Krankenkassen. Das demotiviert die Leistungserbringer . Das deutsche Gesundheitssystem ist am Ende.
Leidtragende sind Patienten und Ärzte. Alle wissen das, nur werden wir
ständig belogen ,alles schön geredet. Ein Exportschlager sind deutsche
Ärzte .Warum ? Weil der Medizinstandart auf unterster Ebene angekommen ist. Das System ist unheilbar schwer krank im Endstadium. Aber die Funktionäre
belügen und betrügen uns alle vorsätzlich weiter.

#15 |
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Bettina Wachsmann Wachsmann
Bettina Wachsmann Wachsmann

Ich hatte gerade eine junge Frau in der Praxis, die sagte bereits mit einem Abiturschnitt von 1,6 sei es schwierig einen Studienplatz zu bekommen. Darüber müsse man laut NC ca. 6 Jahre auf einen Studienplatz warten. Sie versucht jetzt die Vorklinik in Ungarn zu machen, da sie nicht so lange warten wolle!
Wr brauchen schon mehr Studienplätze. Und wir brauchen Kompetenz für das qualifizierte assistenzärztliche Personal um die Ärzte zu entlasten. Dass mittlerweile in Praxis und Klinik hauptsächlich die wirtschaftliche Rentabilität ins Zentrum rückt, die letztlich ineffizient, teuer und gar schädlich für Patient UND den Arztberuf ist, ist nicht nur systemimmanent sondern hat auch mit unserem gesellschaftlichen Wertesystem zu tun!

#14 |
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Herr Kollege Heissler – Blutabnahme, RR messen, BZ messen – das sind bereits jetzt und schon immer Aufgaben der Arzthelfer/innen und Krankenschwestern -/pfleger, das war eigentlich nie Aufgabe des Arztes und ist es auch heute nicht; das ist alles delegierbar, sogar Hausbesuche dürfen die Arzthelferinnen bei entsprechender Weiterbildung machen für genau diese Tätigkeiten. Es ist das Problem der überbordenden Bürokratie und der Tatsache, dass wir, sobald wir mehr Patienten behandeln als im Jahr davor, diese Behandlung praktisch nicht bezahlt bekommen – ganz egal, wie groß oder klein die Praxis ist. Das ist nicht nur ein Hohn, es ist auch unwirtschaftlich, weil jeder Patient auch Kosten verursacht und wir diese Mehrkosten selber tragen müssen.

#13 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich habe es gerade wieder hinter mir… 1. Kardiologe: fast 3 Monate Wartezeit. Dafür IGEL-Broschüre auf dem Tresen. Keine Frage, worum es geht oder ähnliches. Nur Überweisung, Terminvorschlag in 3 Monaten. 2. Kardiologe 14 Tage für erste Konsultation, doch weiteres im August. Ein Kardiologe bot uns mal einen Termin in 6 Monaten an, obwohl es ziemlich dringend war. Irgendwie nicht der Hit.

Zeit beim Hausarzt i.d.R. 3 bis 5 min. Mittlerweile Info über Problem im Stenogrammstil. Gebe Zettel mit den derzeitigen Medikamenten. Kurze Einschätzung vom Arzt, Ausdruck ggf. bei der Schwester. Danke, dass wars.

Kann man wirklich so Menschen heilen?

Überall geht es nur noch um Geld, Kosten, Ertrag, Effizienz, doch wo bleibt der Mensch? Natürlich haben Ärzte Betriebskosten, müssen leben. Was die Bürokratie bei den Ärzten angeht…. Manchmal frage ich mich, ob es nicht einfacher wäre, ich gebe meine Beschwerden im Wartezimmer gleich selbst in den PC ein. Vielleicht sieht der Arzt mich ja dann mal an.

Aber: Ich bin nicht der Meinung, dass man die Ärzte dafür allein verantwortlich machen kann. Krankenkassen, die KVs/KZVs u.s.w., da geht einiges m.E. falsche Wege. Manchmal könnte man den Eindruck haben, dass niedergelassene Ärzte nur noch Scheinselbständige sind.

#12 |
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Michael Nickel
Michael Nickel

Frau Dr. med. Sylvia Metzner da haben sie vollkommen Recht. Ich denke gerade an das Prozedere beim Röntgen jetzt jedesmal nach dem Geburtsort fragen zu müssen etc.. Immer mehr Verwaltungs und Dokumentationsaufgaben, so das für das Kerngebiet immer weniger Zeit und Kraft übrig bleibt… Das is eigentlich kaum noch tragbar… Und Herr Dr. med. Franz-Ulrich Beutner, das ist ebenfalls ein schrecklicher Fall von Misswirtschaft seitend der Krankenkassen. Aber was will man erwarten, wenn die Verantwortlichen Vorstände alle paar Jahre wechseln und dann mit einer riesigen Abfindung weggehen, und der nächste einfach nur versucht in den paar Jahren kurzfristig möglichst viel Gewinn mit der Krankenkasse zu erzielen damit seine Abfindung auch schön hoch wird. So wird es nie zu einer zukunftsorientierten strategischen Langzeitplanung seitens der Kassen kommen, denn dort geht es nur noch darum die Aktionäre schön mit schillernden Zahlen zufriedenzustellen… Die Verantwortlichen tragen kein risiko und haften auch nicht für Ihre Misswirtschaft.. Und solange sich das nicht ändert, sind wir sozusagen die einsamen Kämpfer an der Front, die das ganze ausbaden müssen…

#11 |
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Dr. med. Franz-Ulrich Beutner
Dr. med. Franz-Ulrich Beutner

Jede Facharztpraxis bekommt nur eine gewisse Zahl von Krankenscheinen voll vergütet. Wenn ich, um die Wartezeiten zu verkürzen, mehr Patienten behandle, bekomme ich dafür weniger Geld (Abstaffelung). Es gibt also keinerlei Anreiz, die Wartezeiten durch Mehrarbeit zu verkürzen. Es ist billiger stattdessen Urlaub zu machen. Wenn die KV zusätzliche Scheine BESSER vergütete, würden sich die Wartezeiten automatisch verkürzen. Dr. Franz-Ulrich Beutner Nervenarzt zu Burgdorf.

#10 |
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Einen Aspekt habe ich vermißt: Die Belastung der Arzte und Zahnärzte durch eine überbordende Bürokratie.
Ich bin Zahnärztin, behaupte allerdings, dass es bei den Ärzten nicht besser aussieht und während alle über Bürokratieabbau reden, beschliessen sie immer neue Verordnungen und Durchführungsbestimmungen, die wieder ein Stück Zeit für Patientenbetreuung oder von der Freizeit stehlen.

#9 |
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@Herr Nickel Ihr Vorschlag käme insbesondere der Rentenvericherung zu Gute.

#8 |
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Student der Humanmedizin

Mehr Studienplätze kann keine Lösung sein!
Das Problem ist, dass zu wenige Absolventen auch tatsächlich in der Patientenversorgung tätig werden.
Teils wegen schlechter Arbeitsbedingungen, teils wegen fehlender Planungssicherheit im Falle einer gewünschten Niederlassung.
Hier sollte man versuchen mehr junge Ärzte für die tatsächliche Tätigkeit im erlernten Beruf zu begeistern!
Die Überflutung der Unis mit Studenten führt nach meiner Erfahrung vor Ort nur zu schlechterer Ausbildung für alle. Gerade im Bereich der praktischen Ausbildung fallen oft Veranstaltungen weg, weil diese eben nicht massentauglich sind.
Die Aussage “Sie sind so viele, da haben wir aus dem Praktikum eine Vorlesung / Kurs mit Frontalunterricht gemacht.” habe ich leider viel zu oft gehört. Wo sollen die ganzen Studenten auch hin? Wer soll ihnen etwas beibringen? Es ist keinem Patienten zuzumuten, dass er bei einer Praktikumsgruppe von 50-60 Personen von jedem Studenten zu Lehrzwecken untersucht wird. Die Stationsärzte sind bereits mit ihren Aufgaben in der Patientenversorgung voll ausgelastet, da bleibt keine Zeit mehr für Studentenunterricht am Patienten.
Zusammenfassend plädiere ich für weniger Studenten, die dann besser ausgebildet sind. Diese sollen nach dem Examen dann möglichst vollzählig für den Berufseinstieg in der Patientenversorgung motiviert werden.
Ich denke damit bekommt man mindestens die gleiche Zahl an Assistenzärzten wie wenn man einfach nur vorne mehr reinstopft und hinterher dafür nur wenige im Arztberuf anfangen, weil sie vom Massenstudium gefrustet sind oder die Arbeitsbedingungen realistisch einschätzen.

#7 |
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@Reiners. Diesen Berufsstand unter dem Arzt gibt es ja. Es ist die Karankenschwester, der Tettungssanitäter ….Meine klinischen Erfahrungen liegen nun schon etwas zurück. Da war aber der Trend, dass wenige High Heel Kostüm Schwestern eine Pflegedirektion aufgemacht haben und dafür gesorgt haben, dass Schwestern noch Medikamente gestellt haben (kann man automatisieren in der Apotheke), Betten geschüttelt haben und Essen verteilt haben (können auch 8,50€ Hilfskräfte)…. Alles was mit Veratwortung verbunden war musste ein Arzt machen. Das ist meines Erachtens der falsche Weg es sollte ein Pflegestudium an der FH geben mit hohen Praxisanteilen. Eine entsprechende Bezahlung und Verantwortung und dann kann man in der Tat vieles den Pflegern überlassen. Blut abnehmen etc. kann auch eine Schwester. Hier ist ei neuer Resortzuschnitt sinnvoll. Der konsequente Einsatz moderner Technik. Wir hatten noch einen Visitenwagen und füllten z.B. fürs Rö Scheine aus. Ich hoffe, dass das heute besser ist. Warum ist nih ein Labtop am Visitenwagen und man klickt den Rö Thorax für Pat X Diagnose etc. werden automatisch übernommen… Bei der Verordnung von Medikamenten wird automatisch gecheckt, ob es Interaktionen gibt, kein Blättern in der roten Liste …. Vielleicht ist die moderne Klinik heute so. Ich wünsche es den Kollegen.

#6 |
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K. Reiners
K. Reiners

Ich denke, dass wir konzeptuell überlegen müssen, ob langfristig wiederkehrende Kontrollaufgaben (Blutdruck, Blutzucker, psychische Stützung usw.) wirklich immer die Zuwendung eines voll approbierten Arztes brauchen. Die Zufriedenheit vieler Patienten mit anderen Heilberufen zeigt uns, dass dies nicht immer notwendig ist. Mein Vorschlag: Sofort einen Berufsstand unterhalb des Voll-Arztes einführen, also ein Arzt-Assistent/-in, der/die mit begrenzten Rechten ausgestattet die vielfältigen Kontrollaufgaben wahrnimmt, für die sonst ein Landarzt täglich hunderte Kilometer abfährt, sich gesundheitlich ruiniert und völlig ineffektiv sein hochspezialisiertes Wissen einsetzt, das er mit viel mehr Effekt pro Zeiteinheit in seiner Praxis anwenden würde. Wenn die Ärztekammern das Problem nicht erkennen und handeln, werden andere dies mit Verweis z.B. auf die doctor assistants in den USA tun und auf Fachhochschul-Niveau eine Konkurrenz heranbilden, die uns Ärzten nicht mehr genehm ist, weil als Konkurrenz, nicht als Unterstützer erzogen.

#5 |
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Heilpraktiker

Man könnte auch Heilpraktiker mit den Segnungen der gesetzlichen Krankenkassen beglücken, dann hätte man auf einen Schlag sicherlich genug Personal für eine bessere Versorgung… :)

#4 |
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RADIKALVORSCHLAG:
›Arzt / Ärztin im 8/6-Stundentakt!‹
In Krankenhäusern 3 x 8h, in den Praxen 2 x 6h!
(Natürlich im Rotationsverfahren.)
• Wir hätten keine 36h-Schichten mehr.
• Viele Männer und Frauen könnten sich mehr um die Familie kümmern (›work-life-balance‹).
• Wer mehr will, darf auch mehr. (Etwa zukünftige Chefarztaspitanten.)
• Statt gefährlicher ›Überlastung‹ mehr gewissenhafte ›Dienstleistung‹.
Wer in der ›Mühle‹ steckt, wird die Liste mühelos weiterführen können…
Allein, es fehlt sowohl der bundespolitische als auch standespolitische Wille zukunftsgestaltend ›das System‹ zu reformieren.

#3 |
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Insgesamt eine sehr gut recherchierte Publikation! Eine wichtige Hintergrundinformation – Ausgerechnet Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen, twitterte, als er die BÄK-Zahlen zwar gelesen aber nicht verstanden hatte, völlig unintelligent : “Selbst wenn hinter jedem Versicherten ein Arzt stünde, würden KBV und BÄK die Legende vom Ärztemangel erzählen”.

Ende 2013 gab es lt. Bundesärztekammer (BÄK) 357.200 berufstätige Ärztinnen und Ärzte mit unterschiedlichsten, auch völlig berufsfremden Tätigkeitsmerkmalen. Im Ruhestand bzw. o h n e Tätigkeit waren 113.000, im a m b u l a n t e n Bereich waren 145.900 tätig. Der stationäre, klinische Bereich hat sich wegen zunehmender Arbeitsteilung, Spezialisierung und Teilzeit-Tätigkeit auf 181.000 Kolleginnen und Kollegen erhöht. In Behörden, Körperschaften oder Ministerien (im Bundesgesundheitsministerium arbeitet derzeit nur eine Laienspiel-Schar) arbeiteten 9.600, in anderen Bereichen 20.000. Als niedergelassene Vertrags-Ärzte arbeiten nur noch 123.600 Kolleginnen und Kollegen für knapp 81 Millionen Einwohner in Deutschland.
Berücksichtigt werden muss, dass a l l e Ärztinnen und Ärzte, die jemals eine Approbation in Deutschland erhalten haben und noch nicht verstorben sind, mitgezählt werden. Auch diejenigen, die dauerhaft im Ausland arbeiten.

Um auf Florian Lanz zurückzukommen, der unglückseligerweise zur Vertragspartnerschaft aller Vertragsärzte, der KVen und der GKV-Kassen gehört: Ihm sei nochmals ins Stammbuch geschrieben, dass somit in Deutschland auf 1 Vertragsarzt/-ärztin 655 Einwohner kommen. Und d a s ist u n s e r medizinischer Versorgungsauftrag, n i c h t der des SpiBu!
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

#2 |
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Ute Schmidt
Ute Schmidt

Finnische Konzern Laastari
„Walk-in-Klinik“ Fast-in….fast-out. Wo bleibt die persönliche Ansprache, die Qualität der Versorgung? Doch vorher wird per Kreditkarte erst einmal kassiert. Sieht so die Zukunft aus? Ich will das nicht, doch ich muss akzeptieren, dass Burger King und Co. auch ihre Berechtigung haben. Daher werden diese Konzepte alle verteufeln, doch viele werden es nutzen, oder?

#1 |
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