Kolonkarzinom: Tumorrezidive näher beleuchtet

29. April 2014
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Bei der Analyse von Gewebeproben von Tumorpatienten konnten Forscher nun einen Genotyp identifizieren, bei dem die Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung verkürzt ist und der offensichtlich nicht von der Chemotherapie profitiert.

Patienten mit einem Kolonkarzinom haben heute eine gute Chance, durch eine Operation geheilt zu werden. Um die Überlebenschance weiter zu erhöhen, wird in vielen Fällen zusätzlich noch eine vorbeugende Chemotherapie verabreicht. Trotz aller Fortschritte in der Behandlung kommt es jedoch bei rund einem Drittel der Patienten nach wie vor zum Auftreten eines Tumorrezidivs. Bei der Analyse von Gewebeproben von Tumorpatienten konnten Grazer Wissenschaftler nun einen Genotyp identifizieren, bei dem die Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung verkürzt ist und der offensichtlich nicht von der Chemotherapie profitiert. Diese Entdeckung ermöglicht neue Einblicke in das Tumorwachstum und die Resistenzmechanismen von Chemotherapien.

Nicht alle Patienten profitieren von Chemotherapie

Kolonkarzinome sind die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Europa. Bei frühzeitiger Entdeckung und Therapie sind die Chancen für eine Heilung gut: So können bei einem günstigen Tumorstadium über 80 % der Patienten geheilt werden. Bei Patienten mit einem zwar lokal begrenzten aber dennoch weiter fortgeschrittenen Tumorstadium zum Zeitpunkt der Erstdiagnose ist die Heilungschance durch alleinige Operation deutlich geringer. Durch Zugabe einer, an die Operation anschließende, Chemotherapie können zusätzlich 15 % der Betroffenen geheilt werden.

Leider ist diese zusätzliche Chemotherapie nur bei einem Teil der Patienten tatsächlich erfolgreich. Andererseits kennen wir bis heute auch nicht jene Subgruppe an Patienten mit einem erhöhtem Risiko, der man die Chemotherapie und die damit verbundenen Nebenwirkungen ersparen könnte, weil sie ohnehin gesund bleiben werden. Es gibt bislang keine zuverlässigen Biomarker, um jene Subgruppe an Patienten mit erhöhtem Risiko zu identifizieren, die jedenfalls eine Chemotherapie benötigen, um bessere Heilungschancen zu haben.

Genvarianten in Stammzell-Signalwegen

Warum kommt es bei manchen Patienten zu einem Wiederauftreten der Erkrankung und bei anderen nicht? An der Klinischen Abteilung für Onkologie, Med Uni Graz, unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, gingen Wissenschaftler der Frage nach, ob es in Gewebezellen von Tumorpatienten bestimmte genetische Varianten gibt, die mit Tumorrezidiven assoziiert sind. Um in die Blutbahn eindringen und sich an anderer Stelle festsetzen zu können, muss eine Tumorzelle ihren ursprünglichen epithelialen Charakter verlieren und sich in eine Zelle mit mesenchymalen Eigenschaften transformieren. Eine entscheidende Rolle in diesem Prozess spielt die Aktivierung von bestimmten Stammzell-Signalwegen. Assoz.-Prof. PD Dr. Armin Gerger und seine Mitarbeiter untersuchten daher in der vorliegenden Studie bei Patienten mit Kolonkarzinomen im Stadium II und III Genvarianten in den Stammzell-Signalwegen Wnt, Notch und Hedgehog auf ihren Zusammenhang mit dem Wiederauftreten der Erkrankung. In dieser Studie wurden nicht nur einzelne Mutationen, sondern ganze Signalwege mit zahlreichen Genen analysiert. Insgesamt wurden in die retrospektive Studie 742 Patienten eingeschlossen.

Genotyp mit erhöhtem Risiko

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Genvarianten der Stammzell-Signalwege tatsächlich Auswirkungen auf den Verlauf der Erkrankung zu haben scheinen: Die Wissenschaftler fanden heraus, dass eine bestimmte Variante im Gen GLI1 bei homozygotem Vorliegen mit einer verkürzten Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung assoziiert war. „Die mutierte Variante beeinflusst den Hedgehog-Signalweg, der die Mobilität von Krebszellen steuert“, erläutert Prof. Gerger die Funktion des Proteins. Die Analyse der Daten ergab auch, dass Patienten mit dem homozygot mutierten Genotyp nicht von der Sicherheits-Chemotherapie profitierten. Die gefundene Genvariante hat also einen prädiktiven Wert, um das Wiederauftreten der Erkrankung und eine mögliche Resistenz gegen eine vorbeugende Chemotherapie vorherzusagen. Ob dieser Biomarker auch für den klinischen Einsatz geeignet ist, muss allerdings noch in weiteren Studien untersucht werden.

Originalpublikation:

A Functional Germline Variant in GLI1 Implicates Hedgehog Signaling in Clinical Outcome of Stage II and III Colon Carcinoma Patients
Joanna Szkandera et al.; Clin Cancer Res., doi: 10.1158/1078-0432.CCR-13-1517; 2014

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5 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Bitte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten! Es ist keine Frage, dass ein “histologisch” R0- reseziertes Kolon nicht selten (bis zu 60%) ohne onkologische Zusatzbehandlung “geheilt” sein kann. Stadienabhängig, auch mit regionalen LK (N1) heist einfach, dass wirklich ALLES entfernt ist.
Allerdings haben sehr empfindliche Untersuchungen gezeigt, dass bei so einem R0-Eingriff sowohl im Peritoneum, als auch sogar im PERIPHEREN BLUT, LEBENDE einzelne Tumorzellen nachgewiesen werden können, was beweist, dass “der Körper” damit fertig werden kann (Immunologie).
Insofern ist eine generelle adjuvante Chemotherapie, sagen wir ab N1positiv nicht für alle Patienten notwendig.
Wenn ich allerdings meine Rezidivfreiheit von 50-60 auf 90% erhöhen möchte (N1-Stadium) bleibt mir nur die Möglichkeit die hier gut verträgliche Chemotherapie bei allen anzuwenden. Ich habe selbst an einer solchen Multicenterstudie mitgewirkt und empfehle das auch entsprechend.
Eine erst später (nach Rezidivnachweis) durchgeführte Chemotherapie, also bei größeren Tumornestern ist dagegen vergleichsweise wirkungslos.

#5 |
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Lieber Herr Kollege Brunner!
Vielen Dank fuer Ihre Entgegnung! Selbst wenn ich zu den 15% gehören sollte, garantierte mir diese flankierende Therapie keine Genesung oder Lebensverlaengerung oder Verbesserung der Lebensqualität.

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Dr. med. Gerd Brunner
Dr. med. Gerd Brunner

Nein Herr Gschwender, da steht nicht, dass die böse Chemotherapie Tumorstammzellen erzeugt, die Mutation war schon vorher vorhanden. Ich wäre vorsichtig von der Dummheit der Ärzte zu sprechen, wenn man selbst zu dieser Gruppe gehört. Lieber Herr Richter, wenn Sie zu den 15% gehörten, die von der flankierenden Chemotherapie profitierten, wären Sie vermutlich froh, dass die Behandlung nicht nur bei Lymhomen angewandt wird.

#3 |
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Da haben wir wieder das Problem. Chemotherapie erzeugt Tumorstsmmzellen!
Deshalb sind die “Recidive” so fatal tödlich, weil Stammzelltumoren gegen Chemotherapie und Strahlen resistent sind. Wann werden endlich diese längst bekannten Erkentnisse ernst genommen? Warum weiterhin tausende von Krebkranken zu Tode quälen nur damit die Pharmaindustrie ihre maßlos überteuerten sogenannten “Krebsmedikamente” weiterhin vertreiben kann.Leider ist gegen die Dummheit auch bei Ärzten kein Kraut gewachsen.

#2 |
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Dr.Alfred Richter

Habe einen Patienten , der vor 6 Jahren wegen eines Colon-Ca mit multiplen lokalen Lymphknotenmetastasen operiert wurde. Eine nachfolgende Chemotherapie wurde abgelehnt. Noch heute erfreut sich dieser Patient (79 Jahre) bester Gesundheit und Wohlbefindens. Ich selbst warte – und hoffentlich werde ich es noch erleben – auf den Tag, an dem eine Chemotherapie (ausgenommen bei “Krebserkrankung” des lymphatischen Systems ) als obsolet betrachtet wird. Offensichtlich befindet sich mit Erkennung der Krebsstammzellen auf den Weg dort hin.

#1 |
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