Wässrige Nanopartikel statt Nadel und Faden?

28. April 2014
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Blutungen stoppen oder Organe vernähen — alltägliche Herausforderungen im medizinischen Alltag. Forscher stellen nun eine Methode zur Kontrolle von Blutungen und Reparatur von Organen vor, die auf wässrigen Nanopartikel-Lösungen basiert.

Das Team um Ludwik Leibler vom Laboratoire Matière Molle et Chimie (CNRS/ESPCI Paris Tech) und Didier Letourneur vom Laboratoire Recherche Vasculaire Translationnelle (INSERM/Universités Paris Diderot) testete jetzt einen neuen Ansatz zum Kleben von lebendem Gewebe im Tierversuch: Tröpfchen einer Lösung mit Nanopartikeln auf die Wunde geben und etwa eine Minute zusammendrücken. Das Prinzip ist simpel: Die Nanopartikel breiten sich auf der Oberfläche aus und haften aufgrund von Anziehungskräften an das molekulare Netzwerk des Gewebes. Da sehr viele Nanopartikel vorhanden sind, halten Abermillionen von Verbindungen die beiden Oberflächen fest zusammen. Eine chemische Reaktion ist nicht notwendig. Für die Versuche verwendeten die Forscher Siliciumdioxid- und Eisenoxid-Nanopartikel.

Künstliche Barrieren und Gewebeverletzungen vermeiden

Weil Nanopartikel so klein sind, entsteht keine künstliche Barriere, sondern ein direkter Kontakt der beiden Wundseiten und der Wundheilungsprozess könnte somit weniger beeinträchtigt werden. Ebenso ließe sich die Lage der Gewebeseiten zueinander korrigieren, ohne den Wundverschluss zu öffnen. Mit wässrigen Nanopartikellösungen gelang es außerdem, Wunden der Leber unter blutenden Bedingungen zu reparieren, bei denen Nähen das Gewebe verletzen würde. Entweder wurde die Wunde geschlossen und die Wundränder durch die Nanopartikel verklebt oder, bei Teilentfernungen der Leber, wurden Blutungen durch das Aufkleben eines Polymerstreifens über eine Nanopartikellösung gestoppt. Den Forschern gelang zudem, eine bioabbaubare Membran an ein schlagendes Rattenherz zu kleben. Das öffnet neue Perspektiven: So könnten medizinische Geräte zur Dosierung von Wirkstoffen, Stützen für verletztes Gewebe und Gerüste für die Gewebezucht angeklebt werden.

Originalpublikation:

Organ Repair, Hemostasis, and In Vivo Bonding of Medical Devices by Aqueous Solutions of Nanoparticles
Ludwik Leibler et al.; Angewandte Chemie, doi: 10.1002/ange.201401043, 2014

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5 Kommentare:

Gast
Gast

@Dr. Andreas Herrler “Silizium” = Siliciumdioxid (Quarz) ist oberflächlich (Haut) entzündungshemmend, wenn “klein” genug, überaus positiv biologisch aktiv und an der Wundheilung beteiligt, sowohl extrazellulär strukturell, wie intrazellulär “energetisch” (Mitochondrien) und damit ein unterschätztes Spurenelement.
“Toxisch” ist eher das Eisen, weswegen es biologisch nie ungebunden (an Eiweiß) vorkommt.
Es gibt bereits “flüssiges” Klebepflaster mit SiO2 als Wundverschluss bei geringer Spannung. Wenn Sie mal auf Medikamentenzusatzstoffe achten, werden Sie für die “Galenik” sehr sehr häufig “fein disperses SiO2” finden.
Trotz allem sehe ich hier KEINE ernsthafte Perspektive:
Immer muss die Wunde “von selbst” heilen und der wichtigste Aspekt neben der Sterilität ist die simple MECHANISCHE “Adaptation” beider Wundflächen!
Ohne die geht gar nichts.

#5 |
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Dr. Andreas Herrler
Dr. Andreas Herrler

Und wie reagiert der Körper/ das Gewebe darauf? Gibt das keine Entzündung (besonders Silicium)?

#4 |
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Pat Rychel
Pat Rychel

Faszinierende Entwicklung! Danke für den Einstieg in ein Thema, das die Arbeit im OP stark verändern könnte.

#3 |
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Klingt sehr interessant
Ergebnisse klinischer Versuche mit Spannung erwartet!

#2 |
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Dr. med. Anton Lehr
Dr. med. Anton Lehr

guter Artikel Praktischer Tip

#1 |
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