PTA-Schule: Ab morgen bleibt der Sessel leer

2. Mai 2014
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PTA leisten einen wichtigen Beitrag in öffentlichen Apotheken – darin zweifelt niemand. Allerdings sieht es mit dem beruflichen Nachwuchs gar nicht gut aus: Mehr und mehr Fachschulen schließen für immer ihre Pforten. Doch guter Rat ist im wahrsten Sinne des Wortes teuer.

Neue Hiobsbotschaften aus Hessen: Nachdem die Darmstädter Fachschule bereits geschlossen wurde, kämpft auch die Lehranstalt in Kassel um das nackte Überleben. Derzeit absolvieren dort etwa 100 Jugendliche ihre Ausbildung.

Fördergelder versiegen

Die finanzielle Schieflage hat ihre Gründe: Nachdem eine Förderung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) ausgelaufen ist, drehte auch noch das Land Hessen den Geldhahn zu. In Summe fehlen damit 125 Euro pro Person. Zwar greifen momentan noch Übergangsregelungen. Ohne finanzielle Perspektiven ist Ende 2015 jedoch Schicht im Schacht. Ab diesem Zeitpunkt können keine neuen Schüler mehr aufgenommen werden.

HAV: Gelder umwidmen

Jetzt macht ein Vorschlag von Dr. Hans Rudolf Diefenbach Schlagzeilen. Als stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands (HAV) ist ihm die Tragweite der Problematik bewusst. Diefenbach will deshalb beantragen, ABDA-Mitgliedsbeiträge zu senken. Die Differenz soll PTA-Fachschulen im jeweiligen Kammerbezirk zu Gute kommen. Seine Idee löste im Kollegenkreis ein eher zwiespältiges Echo aus. Befürworter sprechen von einer sinnvollen Verwendung, während Gegner den Staat stärker in die Pflicht nehmen wollen. Sowohl die PTA-Berufsausbildung als auch das Pharmaziestudium werden aus Steuergeldern finanziert – nur nicht die Fachausbildung. Beim nächsten Apothekertag ist mit kontroversen Debatten zu rechnen.

Ausbildung noch zeitgemäß?

In diesem Zusammenhang müssen Verantwortliche klären, ob die PTA-Ausbildung noch zeitgemäß ist – die letzte Novellierung geht auf die 1990er-Jahre zurück. Doch alle Bestrebungen sind bislang im Sande verlaufen: ADEXA fordert eine dreijährige Ausbildung, davon zweieinhalb Jahre in der jeweiligen Fachschule. Die Bundesapothekerkammer (BAK) will zwar Inhalte entstauben, hält jedoch an zwei Jahren fest. Dahinter steckt vor allem ihre Befürchtung, entsprechende Kosten seien kaum mehr handhabbar: ein Teufelskreislauf.

22 Wertungen (3.32 ø)

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2 Kommentare:

Dr.rer.nat. Klaus Schaible
Dr.rer.nat. Klaus Schaible

Ich bin auch der Meinung, eine grundsätzliche bundeseinheitliche Regelung müsste dringend her. Auch andere Ausbildungsansätze könnte man durchaus durchdenken. Kassel bietet für alle Varianten nahezu perfekte Voraussetzungen. Alteingesessen, zentral gelegen und bestens integriert in die bestehenden berufsbildenden Schulen. Nun müsste nur noch der letzte Schritt vollzogen werden. Leider fehlt dem Berufsstand die dazu notwendige politische Lobby!!!
Der Apotheker gilt leider immer noch als reich und überheblich. Das hat sich scheinbar auch in den Köpfen der Landesregierungen bis heute gehalten.

Ein Beruf schafft sich ab, die PTA ist erst der Anfang!!!!

#2 |
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Angestellte Apotheker

Es ist eine Crux!
ein Ausbildungsberuf, der zu fast 100% in eine Arbeitsstelle mündet, wird durch die “Nichtzuständigkeiten” zunichte gemacht. In Hessen und auch in anderen Bundesländern gibt es keine “Staatlichen Berufsschulen”. D.H. neben Fördergeldern leben die PTA-Schulen von dem Schulgeld, welches jeder Schüler leisten muss. In meinen Augen ein Unding in der heutigen Zeit. Die Schüler bekommen während der Ausbildung kein Geld, sondern sie müssen für eine Ausbildung zahlen. Der Ansatz der ABDA ist ein guter Ansatz.
Auf der anderen Seite möchte ich meine Berufskollegen fragen: “wenn eine PKA im dualen System ausgebildet wird, dann bekommt sie während ihrer Ausbildung Geld und wird an einer Schule unterrichtet. Wieso klappt das nicht im Beruf der PTA, die mittlerweile den Berufstand der PKA in vielen öffentlichen Apotheken verdrängt?”
Wie sieht es endlich mit staatlichen Schulen in diesem Berufsstand in Hessen aus?

#1 |
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