Mobilität im Alter: Schadet viel Bewegung im Job?

24. April 2014
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Im Rahmen einer Langzeitstudie konnten Forscher nun zeigen: Bei geringer körperlicher Aktivität am Arbeitsplatz ist das Risiko, im Alter Beweglichkeit einzubüßen, kleiner als bei mittlerer bis hoher körperlicher Aktivität. Durch viel Bewegung in der Freizeit lässt sich das Risiko verringern.

In der finnischen Langzeitstudie FLAME (Finnish Longitudinal Study on Municipal Employees) begleitete das Team des Gerontology Research Center and Department of Health Sciences der University of Jyväskylä 6.000 Teilnehmer über 28 Jahre. Timo Hinrichs und seine Kollegen werteten die Studie aus. Das zentrale und für die Forscher überraschende Ergebnis: Bei geringer körperlicher Aktivität am Arbeitsplatz ist das Risiko, im Alter Beweglichkeit einzubüßen, kleiner als bei mittlerer bis hoher körperlicher Aktivität. Verringern lässt sich das Risiko durch hohe körperliche Aktivität in der Freizeit.

Den negativen Effekt von viel Bewegung am Arbeitsplatz führt Hinrichs darauf zurück, dass Personen die Bewegungen zum einen oft den ganzen Arbeitstag über ausführen und die Tätigkeiten zum anderen häufig biomechanische Belastungen wie Heben, Tragen und Bücken umfassen. In der Freizeit können ähnliche Bewegungen dagegen positive Effekte auf die Knochendichte und die Muskelkraft haben, wenn sie kontrolliert und in dosiertem Maße ausgeübt werden.

Gesellschaftspolitische Aufgabe

Eingeschränkte Mobilität im Alter entwickelt sich über längere Zeit und kann bereits im jungen bis mittleren Erwachsenenalter entstehen. „Einschränkungen der Beweglichkeit nehmen mit dem Alter zu und führen zu Isolation, Hilfebedarf und verminderter Lebensqualität. Im Angesicht des demografischen Wandels stellt der Erhalt der Mobilität über die Lebensspanne eine wichtige gesundheits- und gesellschaftspolitische Aufgabe dar“, sagt Hinrichs.

Originalpublikation:

Inverse effects of midlife occupational and leisure time physical activity on mobility limitation in old age – a 28-year prospective follow-up study
Timo Hinrichs et al.; Journal of the American Geriatrics Society, doi: 10.1111/jgs.12793; 2014

23 Wertungen (3.52 ø)

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10 Kommentare:

Ärztin

Frau Behnke hat Recht. Die Definition bzgl. der schwere der Arbeit ist zu schwammig. So wie wirklich schwer arbeitende Menschen (z.b Maurer, Feldarbeiter Straßenbau) die Schwere ihrer Arbeit gerne unterschätzen, überschätzen insbesondere Freizeitsportler gerne ihr sportliches Pensum und vergessen, dass sie sich regelmäßig Regenerationszeiten gönnen. Kein Freizeit-Marathonläufer läuft seinen Marathon täglich 5 x die Woche und er läuft auch nicht 8 Stunden täglich!
Deshalb auch mein Beispiel mit den Berufsfußballspielern. Diese müssen täglich Leistung bringen und insbesondere mit fortschreitendem Alter wird der leistungsbedingte oxydative Stress immer größer. Gleichzeitig können die Regenerationszeiten bei diesem Sport-Beruf nicht mehr altersangemessen berücksichtigt werden- und das sieht man den Sportlern auch an. Alle sind vorgealtert! Darüber hinaus ist bei Leistungssportlern spätestens mit 30 Jahren Schluss (Ausnahmen gibt es natürlich), während der schwerarbeitende Berufstätige mindestens bis zum 50.Lebensjahr, meist länger täglich maximale körperliche Leistung bringen muss.
Wie sich die körperliche Leistungsfähigkeit mit fortschreitendem Alter vermindert und die Regenerationsbedürftigkeit steigt ist keine philosophische Frage sondern in Standardwerken der Sportmedizin nachzulesen.
Was in der Studie auch unterschlagen wurde ist der Unterschied des Leistungstypes und des dafür erforderlichen differenten Körperbau- und Leistungstyp bei Schwerarbeitern im Vergleich zu Freizeitsportler. Während alle schwerarbeitenden Berufe vor Allem kraftbetonte Tätigkeiten erfordern , die einen sehr athletischem Körperbau und entsprechenden Stoffwechsel bedingen, sind Freizeitsportler überwiegend leichtgewichtig im Ausdauersport unterwegs und haben völlig andere Stoffwechsel- und Ernährungsanforderungen. Hier werden “Äpfel mit Birnen” verglichen.
All diese schon seit langem bekannte Aspekte, alle in guter sportmedizinischer Literatur nachzulesen,(sofern man in der Lage ist Querzudenken und Gelesenes im Umkehrschluss zu verstehen) machen diese Studie überflüssig und lassen sie regelrecht “dumm” erscheinen.
Zum Schluss noch zum Aspekt Lebensstilfaktoren: Ist Doping gesünder als Bier? Ebensowenig wie jeder Sportler dopt trinkt jeder Schwerarbeiter übermäßig Alkohol. Das sind wohl eher Vorurteile.

#10 |
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Altenpflegerin

Interessant diese Studie aber m.E. nichtssagend, so wie
Dr. med. Wenzel Nieswiatowski es schon treffend ausgesagt hat. Was mich an dieser Studie stört bzw. irritiert ist, dass die Begriffe wie leichte oder starke körperliche Aktivitäten nicht näher definiert werden. Auch, wo fängt leichte körperliche Aktivität an und wo endet sie? Im Originalbericht wird beschrieben, das diese Studien per Fragebogen gemacht wurden, sofern ich es richtig verstanden habe. Demnach beruhen doch die Aussagen der Probanden mehr oder weniger auf subjektiven Aspekten. Und die Aussagen konnten demnach nicht überprüft werden oder? Ich bin seit mehr als 20 Jahren ex. Altenpflegerin und ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass ältere Bewohner , die früher “härter” arbeiten mussten, sei es auf dem Feld oder in der Fabrik, mehr ertragen oder aushalten konnten als wie Menschen die Hausfrauen, nichts für ungut, oder Menschen die Bürotätigkeiten ausübten. Sicher waren die schwerarbeitenden Bewohner körperlich kaputt aber mit Sicherheit nicht mehr als wie die weniger schwerarbeitenden Leute. Ich persönlich denke das nicht die frühere Belastung nur der Grund für die eingeschränkte Mobilität ist sondern die Grunderkrankungen wie Apoplex, Myokardinfarkte oder halt Krebs, um nur einige Beispiele zu nennen. Und anderseits, kann man sich seinen Beruf immer aussuchen????? Studie hin oder her ich lass mich da nicht verrückt machen.

#9 |
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wilma
wilma

Körperliche Bewegung am Arbeitsplatz ist etwas anderes wie körperliche Bewegung in der Freizeit. In der Freizeit bewegt man sich mit Freude und hat Spaß dabei. Nicht zu vergleichen mit einem sogenannten Knochenjob, wo auch noch Zeitdruck und dergleichen oft eine Rolle spielen. Ich denke durch den psychischen Druck bei der Arbeit kommt es zu Verkrampfungen der Muskulatur und dadurch schlchtere Durchblutung von allen Geweben.
Bewegung in der Freizeit dagegen hat nichts mit Hochleitungssport zu tun, sondern macht auch den Kopf frei und entlastet und entschleunigt.

#8 |
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PD Dr. rer. nat. Andrea Welling
PD Dr. rer. nat. Andrea Welling

Bei geringer körperlicher Aktivität ist doch sowieso nicht mehr viel einzubüßen.

#7 |
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Es dürften doch die Art der beruflichen Bewegung und auch die Ernährung erheblichen Einfluss auf die Altersmobilität haben. Die berufliche Mobilität etwa eines Briefzustellers, der zu Fuß oder per Fahrrad ohne Heben schwerer Lasten unterwegs ist, lässt sich kaum mit dem oft “unphysiologisch” fehlbelastenden Tätigkeiten eines Bauarbeites oder Möbelpackers vergleichen. Und ohne irgendwelche Klischees bedienen zu wollen, spielt gerade für die Gelenkgesundheit und natürlich die Körpergewichtsentwicklung eine große Rolle, wieviel Fastfood, Alkohol und auch Nikotin Abnutzungprozesse befördert.

#6 |
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Gast
Gast

klingt gar nicht so verkehrt aus der Erfahrung eines Orthopäden oder Sporterfahrenen.
Es geht gar nicht so um die “harte Arbeit”, Sportler leisten fast immer mehr,
sondern um die Einseitigkeit bzw. “Unnatürlichkeit” der beruflichen Belastung aus Sicht der körperlichen Bedürfnisse.

#5 |
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Ärztin

Und warum ist das so? Weil am Arbeitsplatz mit täglicher harter körperlicher Arbeit die Regenerationszeiten fehlen, die man sich beim Freizeitsport selbstverständlich gönnt. Schauen sie sich einmal den Alterungsprozess bei Berufsfußballspielern an. Auch diese sehen mit dreißig aus wie andere Menschen mit 40Jahren- und das ohne Alkohol und Zigaretten.
Aber auch übertriebener Freizeitsport führt zu vorzeitiger Alterung.
Die Dosis macht das Gift!

#4 |
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Sylvia Poppe
Sylvia Poppe

Werter Herr Doktor Nieswiatowski, ohne Ihnen zu Nahe zu treten : aber wenn ich den ganzen Tag heben muss, bücken und und und, und das alles immer in Zeitdruck, dann ist es doch sicher anders, als wenn ich daheim ohne Druck diese Tätigkeiten verrichten tu. Alles in Ruhe, bedacht es hebe, mich richtig bücke. Denn die wenigsten Pfleger tun diese Dinge unter emensem Zeitdruck richtig. Also eher Schmerzen, eher Abnutzung, eher Atrosen. Also ist doch was dran

#3 |
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Altenpflegerin

Ja, dann müssten die Altenpfleger aber gut entlohnt werden! Bin 58 Jahre alt und Altenpfleger und im Ambulantem Dienst , immer im Auto, immer Treppauf, Treppab.und das bei jedem Wetter. Und es stimmt, die Knochen spürt man da schon.

#2 |
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Nichtsagender kann kaum eine
Publikation sein wie diese.
Die vermeintliche Botschaft kann man als Klassischen Truismus abhandeln.

#1 |
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