Shisha: Nichts als Schad und Rauch?

10. Juli 2012
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Der Wunsch des Menschen, seine Wahrnehmung mit Rauschmitteln zu verändern oder Drogen als Genussmittel zu konsumieren, ist uralt. Auch das Rauchen von Tabakpfeifen hat eine lange Tradition. Doch wie gefährlich ist das Shisharauchen wirklich?

Der Trend, Wasserpfeife zu rauchen, hat in den letzten Jahren extrem zugenommen. 44 Prozent der Studenten im Libanon und Syrien, die täglich Wasserpfeife rauchen, bezeichnen sich selber als süchtig. Diese sogenannten Shishas erleben auch in Deutschland einen Boom, seitdem das Zigarettenrauchen in vielen Gaststätten verboten ist. Wie trendy Wasserpfeifen sind, belegt die Tatsache, dass namhafte Designerschmieden wie Porsche Geräte auf den Markt bringen, die weit über 1.000 € kosten.

Wasserpfeifen – gefährlicher als Glimmstengel?

In vielen Szenekneipen gibt es neben der normalen Speisekarte eine Karte für Tabakmischungen, die mit der Pfeife geraucht werden. Mit dieser Art des Rauchens verbindet man Orient, fremde Kulturen und exotische Basare. Je nach Herkunftsland werden Wasserpfeifen als Shisha, Boory, Narghile, Arghile, Hookha, Goza, oder Hubble-Bubble bezeichnet.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken bewertet. Es kommt zu dem Ergebnis, dass der Gebrauch von Wasserpfeifen kaum weniger schädlich ist als der Konsum von Zigaretten. Auch die Suchtgefahr ist vergleichbar. “Die wenigen bislang vorliegenden wissenschaftlichen Studien deuten sogar darauf hin, dass über den Rauch von Wasserpfeifen größere Mengen an Schadstoffen wie Teer und Kohlenmonoxid aufgenommen werden, als über filterlose Zigaretten”, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Das Institut empfiehlt, Wasserpfeifen in die Aufklärung über die Gefahren des Rauchens einzuschließen.

Mehr Schadstoffe als aus der Zigarette

Wasserpfeifen sind keine harmlose Alternative zur Zigarette. Im Gegenteil: es gelangt sogar mehr Teer und Kohlenmonoxid über den Rauch einer Wasserpfeife in die Lungen als über den Rauch von filterlosen Zigaretten. Im Rauch von Wasserpfeifen wurden außerdem krebsauslösende Substanzen wie Arsen, Chrom und Nickel in zum Teil hohen Konzentrationen nachgewiesen. Nach langjährigem Wasserpfeifenkonsum wurden unter anderem Verschlechterungen der Lungenfunktion und ein erhöhtes Risiko für Tumorerkrankungen beobachtet. Im Zigarettenrauch wurden mehr als 4000 Verbindungen identifiziert, von denen 69 krebsauslösend sind. Ein erheblicher Teil der toxikologisch relevanten Verbindungen, wie z. B. die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, entsteht erst während des Pyrolyseprozesses in der Zigarette. Im Gegensatz zur Zigarette wird der Tabak in der Wasserpfeife nicht direkt verbrannt, sondern bei niedrigeren Temperaturen erhitzt beziehungsweise verschwelt. Zur Erhitzung wird glühende Holzkohle verwendet, die damit auch zur Zusammensetzung des Rauches beiträgt.

Mehr Nikotin, mehr Teer, mehr Schaden?

Die Nikotinkonzentration im Wasserpfeifentabak weist erhebliche Unterschiede auf: der traditionelle Tabak (ohne aromatisierende Zusätze) enthält zehnmal mehr Nikotin als der weit verbreitete aromatisierte Tabak mit einem Gehalt von 3,35 mg Nikotin/g Tabak.
Die Resorption hoher Nikotinmengen und die damit verbundenen Sucht- und Gesundheitsgefahren sind nach heutigem Kenntnisstand das größte Problem bei der Nutzung von Wasserpfeifen. Der Rauch der Wasserpfeifen enthält zudem erhebliche Mengen an Teer. Dieser entsteht bei der Verschwelung in der Wasserpfeife. Aufgrund der deutlichen Temperaturunterschiede von Zigarette und Wasserpfeife unterscheidet sich die Zusammensetzung des Teers.

Feucht und schädlich

Nicht nur von Nikotin und Teer geht eine gesundheitliche Gefahr aus, auch die Hilfsstoffe können risikoreich sein. Damit der Tabak feucht bleibt, setzen die Hersteller ihm Feuchthaltemittel wie Glycerin und 1,2 Propandiol zu. Diese verdampfen beim Rauchen und werden beim Einatmen vom Raucher in erheblichen Mengen aufgenommen. Im Tierversuch haben diese Hilfsstoffe zu Veränderungen des Kehlkopfzellepithels geführt und die Nasenschleimhäute gereizt. Die Tabakverordnung begrenzt den Gehalt dieser Substanzen in Deutschland auf maximal 5 Prozent. Einige Konsumenten geben dem Tabak zusätzlich Glycerin hinzu damit er länger feucht bleibt.

Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum warnt: „Tabak ist in jeder Form suchtfördernd und krebserzeugend, die Wasserpfeife keineswegs ein harmloses Genussmittel.“ Über die Risiken durch Schadstoffe im Rauch und die Suchtgefahr hinaus kann die gemeinschaftliche Nutzung von Wasserpfeifen die Übertragung von Infektionskrankheiten begünstigen.

Wasser als Filter?

Häufig wird behauptet, dass das Wasser im Pfeifenkörper die Schadstoffe herausfiltert und somit diese Konsumform weniger schädlich ist. Nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung wird die Filterwirkung des Wassers möglicherweise überschätzt. Bei der Untersuchung der Inhaltsstoffe im Rauch von Wasserpfeifen und Zigaretten wurden hohe Schadstoffgehalte gemessen. Außerdem inhalieren Zigarettenraucher pro Zug ca. 35 ml Rauch, Wasserpfeifenraucher etwa 0,5 bis 1 Liter – bei durchschnittlich 100 Zügen pro Sitzung. Entsprechend höher ist die Nikotinanreicherung im Blut der Shisha-Konsumenten. Wasserpfeifenraucher, die zwei bis drei Tabakköpfe pro Tag rauchen, haben nach Angaben des BfR ein ähnliches Gesundheitsrisiko wie Zigarettenraucher, die täglich 20 bis 30 Zigaretten qualmen.

Eine Shisha = 100 Zigaretten?

Eine WHO-Arbeitsgruppe hat die Rauchvolumina, die Zigarettenraucher und Wasserpfeifenraucher inhalieren, miteinander verglichen. Ein Wasserpfeifenraucher inhaliert ein Rauchvolumen, welches dem Volumen von 100 Zigaretten entspricht. Ist eine Wasserpfeife also so gefährlich wie 100 Zigaretten? Vermutlich nicht, denn das Rauchvolumen sagt ja nichts über die darin enthalte Art und Menge der Schadstoffe aus. Aussagekräftiger ist da schon der Cotiningehalt, den Raucher nach dem Rauchen von Wasserpfeifen oder Zigaretten ausscheiden. Dieses Abbauprodukt von Nikotin hat eine Halbwertzeit von 16 – 22 Stunden und lässt sich gut im Blut und Urin nachweisen. Bei dem Genuss einer Shisha pro Tag findet sich im 24-Stunden-Harn ein Cotiningehalt der dem Konsum von 10 Zigaretten pro Tag entspricht. Wird die Wasserpfeife nur gelegentlich geraucht, ist der Cotiningehalt niedriger.

Recht: dürftig

Das Jugendschutzgesetz greift auch bei Shishas: Kein Rauchen in der Öffentlichkeit durch Jugendliche unter 18 Jahren und vor allem kein Verkauf von Wasserpfeifentabak an diese Altersgruppe. Der Kauf einer Wasserpfeife und deren Zubehör sind schon in einem jüngeren Alter möglich. Jedoch gibt es Verkaufsstellen, die im Rahmen ihres eigenen Verantwortungsbewusstseins einen Verkauf nur an Jugendliche ab 16 Jahren anbieten. Die Rechtlage ist in den Bundesländern nicht einheitlich. “Diesen deutschen Flickenteppich mit quarzenden Schlupflöchern darf es nicht länger geben”, betont Siegfried Ermer vom Bundesverein Pro Rauchfrei gegenüber der Zeitung Neue Westfälische.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat im Oktober 2011 das Rauchverbot für Shisha-Cafes gekippt. Voraussetzung ist allerdings, dass die Pfeife nicht mit Tabak befüllt wird. Alternativ eigenen sich getrocknete und aufbereitete Früchte zum Rauchen. Studien, wie sich getrocknete und gerauchte Pfirsiche, Pflaumen, Äpfel & Co toxikologische auf die Atemwege auswirken fehlen gänzlich. Ein „gerauchter Obstkorb“ trägt auf jeden Fall sicherlich nicht zur besseren Vitaminversorgung bei.

195 Wertungen (4.6 ø)
Medizin

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11 Kommentare:

Student der Humanmedizin

Ich finde den Artikel gut geschrieben, zumal die Thematik meiner Ansicht nach viel zu oft “unter den Tisch gekehrt” wird. Schon als Schüler hatte ich mich persönlich mit einem Schulfreund mit der Thematik 2006 in einer Jugend-forscht-Arbeit auseinandergesetzt, was zunächst auch hohe Beachtung fand. Leider verfliegen Versprechen von Persönlichkeiten, die politischen Einfluss haben, tatsächlich oft genau so schnell, wie sie ausgesprochen werden. Was bleibt, sind nachwievor Unwissenheit und Unwahrheiten (Die Wasserpfeife ist unschädlich, weil alle Schadstoffe im Wasser hängenbleiben…)

#11 |
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Prof. Dr. Hans Schweisfurth
Prof. Dr. Hans Schweisfurth

wARUM WURDE MEINE aRBEIT ÜBER DIE wASSERPFEIFE; aTEM:- lUNGENKRANKHEITEN; jUNI 2012 NICHT ZITIERT?

pROF: DR: hANS sCHWEISFURTH

#10 |
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Alfred Frohn
Alfred Frohn

“Wenn ich sterbe, will ich wenigstens krank sein und nicht gesund.” (Jack Nicholson)
Ansonsten Danke, Herr Dr. Kauer; alles gesagt.
Feuer frei und Guten Durst :)

#9 |
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Rettungsassistentin

Der Artikel ist sehr gut, er trifft direkt ins schwarze!
Die Kohlenmonoxid Vergiftungen sind nicht unerheblich, vor allem ist es kaum einem Bewusst!

#8 |
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Siehe auch Aktionen und Vorträge von Ärzten mit der “Deutschen Herzstiftung”, der Schaden ist eindeutig !!

#7 |
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Mitarbeiter Industrie

Sehr guter Artikel! Ich werde ihn mit meinen Kindern besprechen. Es gibt eindeutig keine gesunde Form des Tabakgenusses.

#6 |
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dr Alsairafi Mohammed
dr Alsairafi Mohammed

Ich hatte die Erfahrung von bestimmten Personen die Wasserpfeife
Die Milch und das Wasser in der Shisha, das Ergebnis
Links eine große Menge von Sputum haben

#5 |
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kay ayash
kay ayash

alles sinnlos für mich ich bin Arzt und Wasserpfeife ist nicht vorstellbar….. alle Artikel hier nur zu Titeln Dr. PRof. scheiß…..

#4 |
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Ärztin

Vielen Dank für die Bewertung. Ich wurde vor einiger Zeit von einer Patientin zum Thema befragt, konnte aber keine Aussage treffen, da man wenig darüber lesen kann.
Zu Dr. Kauer: Als Nichtraucherin und Ärztin kann ich das Zigarettenverbot in öffentlichen Gebäuden nur begrüßen. Ob das in jeder Gaststätte sein muss, ist die Frage. Wenn sozusagen an der Tür steht, ob ich eine Raucherkneipe oder eine Nichtraucherkneipe betrete, kann ich frei wählen, wie ich meine Freizeit gestalte.

#3 |
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Altenpfleger

Ich finde diesen Artikel sehr erhellend, was die Bewertung der gesundheitlichen Risiken des Shisha-Rauchens angeht. Dabei geht es erstmal nicht darum Verbote oder andere Konsequenzen daraus herzuleiten, wie sie Dr. Martin Kauer beschreibt. In der Tat darf sich jeder so gesund oder ungesund verhalten wie er es für sich für richtig oder vertretbar findet. Allerdings möchte ich als Nichtraucher vor der Körperverletzung durch Passivrauchen geschützt werden. Das ist keine schleichende Kriminalisierung. Soviel erwarte ich einfach von diesem Rechtsstaat und von den (Shisha-) Rauchern.

#2 |
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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

Es gibt keine suchtfreie Gesellschaft, es gab nie eine und es wird nie eine geben! Ausgehend von dieser Theses, die man als unumstößlich zunächst mal akzeptieren müsste, kann man nun versuchen, mit ihr “umzugehen”; wobei die Sucht”gewohnheiten” in verschiedenen Kulturkreisen durchaus sehr different sein können und damit auch die gesellschaftlische “Erfahrung” im Umgang mit ihnen. Man wird schnell erkennen, dass es in der jüngeren Geschichte stets zu einer “Verschlimmbessereung” der gesellschaftlichgen Situation kam, wenn politisch korrekte “Aufklärer” für eine Kriminalisierung “etablierter” Drogen sorgten … Markantestes Beispiel: Die Prohibition in den USA der 20er Jahre! Aber auch die schleichende Kriminalisierung des Tabakkonsums in der westlichen Hemisphäre trägt “Früchte”! Und dies sind nicht nur die exotischen Früchte “Shisha” + Co. Seit der massiven staatlich gelenkten Kriminalisierung des Zigarettenauchens geht die Kokainkurve signifikant nach oben! Zuletzt in Deutschland … früher schon bekanntes Phänomen in USA und Spanien. Das entbindet den Gestzgeber wohl nicht von seiner Pflicht zur Kontrolle des Umganges und der gesundheiltlichen Aufklärung, gleichwohl wäre etwas mehr Sensibilität in Verbotsverfahren aber mehr als wünschenswert! Die gebetsmühlenartige Wiederholung der Verbots-“Indikationen” sind dabei gleichsam dumm wie falsch: nämlich eine fiskalische Begründung mit Therapiekosten in Zusammenhang mit dem Tabakkonsum. Der (moralisch ebenso nicht haltbare!) Umkehrschluss lautet vielmehr: das klassische Lungen- / Bronchial- / Kehlkopf-Ca “stirbt” wenige Monate lang kurz vor Eintritt ins Rentenalter nach deftiger Beitragseinzahlung ohne hohen Verzehr derselben. Der “gesund Lebende” stirbt viele Jahre lang in hohem Alter nach höherem “Verzehr” von Sozialversicherungsbeiträgen, die die Einzahlung statistisch bei Weitem übersteigen! Als Nichtraucher würde es mich überhaupt nicht stören, wenn es z.B. in öffentlichen Gaststätten eine Wahl- und gleichzeitig aber auch Kennzeichnungspflicht bezüglich des Rauchens gäbe!

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