Bösartigen Nebennierentumoren auf der Spur

22. April 2014
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Einer europäischen Forschergruppe gelang es nun, neue Gene und Signalwege zu finden, die womöglich in Zusammenhang mit Nebennierentumoren stehen.

Eine Krebserkrankung im Bereich der Nebenniere stellt für die Betroffenen eine sehr große Bedrohung dar. Sie tritt zwar mit ein bis zwei Fällen pro eine Million Einwohner in Deutschland eher selten auf, dafür zeigt sie jedoch oft einen ungünstigen Verlauf. Mehr als die Hälfte aller Patienten, die einen bösartigen Tumor in der Nebenniere haben, sind nach fünf Jahren nicht mehr am Leben. Zum einen wird die Erkrankung oft spät erkannt, zum anderen ist sie in fortgeschrittenem Stadium schwierig zu therapieren.

Ein Schritt zu verbesserten Therapiemöglichkeiten könnten die aktuellen Erkenntnisse der europäischen Forschergruppe ENSAT (European Network for the Study of Adrenal Tumours) sein, wie Professor Martin Fassnacht von der Universität Würzburg berichtet. Er ist, gemeinsam mit den Franzosen Jérôme Bertherat, Guillaume Assié und Eric Letouzé, einer der Hauptautoren der Arbeit.

Fassnacht und Kollegen ist es gelungen, die genetischen Veränderungen bei der sehr aggressiven Krebsart ein Stück weit zu entschlüsseln. Dafür werteten die Forscher eine Vielzahl klinischer Daten und Tumorproben – viele davon aus dem Würzburger Uniklinikum – aus und kombinierten sie mit molekularbiologischen Daten. „Durch die Arbeit der verschiedenen Experten aus den einzelnen Bereichen war es uns möglich, das Genom genau zu untersuchen“, sagt Fassnacht.

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Untersuchung von 45 Nebennierenkarzinomen: Die Analyse der miRNA-Expression erlaubt die Zuordnung der Tumoren in drei Gruppen. © Grafik: M. Fassnacht

Dadurch kamen zu bereits bekannten Treibern der krankhaften genetischen Veränderungen auch neue hinzu. „Die Veränderung des Gens ZNRF3 beispielsweise fand sich bei einem Fünftel der Erkrankten“, sagt Fassnacht. Trotz dieser Entdeckung bleibt der Forscher jedoch kritisch und wirft den Blick bereits auf zukünftige Arbeiten. „Die genaue Funktionsweise vieler dieser ‚neuen Gene‘ ist noch nicht klar. Daher lässt sich aus unseren Ergebnissen derzeit auch leider noch nicht unmittelbar ein neuer Therapieansatz ableiten“, sagt der Mediziner. Dies sei aber die Hoffnung der Forscher für die Zukunft, weswegen hier auch in dem europäischen Verbund weitergeforscht werde.

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Kombination der Daten aus der miRNA-Expression mit weiteren molekularen Analysen ermöglicht dann die Einteilung der Patienten in 5 Gruppen, die jeweils sehr unterschiedliche Überlebenschancen haben. © Grafik: M. Fassnacht

Originalpublikation:

Integrated genomic characterization of adrenocortical carcinoma
Martin Fassnacht et al.; Nature Genetics, doi: 10.1038/ng.2953; 2014

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Medizin, Onkologie

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