Pflegestudium: Mehr als „Master of Bettpfanne“?

23. April 2014
Teilen

Seit Jahren wird die Akademisierung von Pflegeberufen hierzulande vorangetrieben. Dies soll den Krankenhausalltag zusätzlich professionalisieren und die Berufe attraktiver für Berufsanfänger machen. Jedoch birgt dieser Prozess auch Risiken bei der Umsetzung in der Praxis.

Inzwischen gibt es schon über über 90 Pflegestudiengänge (darunter Pflegewissenschaft, -management, -pädogik u. v. m.). Einige davon werden an Universitäten angeboten, die meisten an Fachhochschulen. Jedoch deckt die Anzahl der Absolventen, 1.754 im Jahr 2012, noch lange nicht die vom Wissenschaftsrat empfohlene 10–20 %ige Akademisierung eines Ausbildungsjahrgangs ab. Bei vielen handelt es sich um duale Studiengänge, bei denen der Student abwechselnd die Hochschule besucht und die praktische Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger im Krankenhaus absolviert.

Goldene Zukunft dank wachsenden Bedarfs?

Dadurch dass Pflegeberufe als Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschluss angeboten werden, erhofft man sich, dass zukünftig mehr Abiturienten Interesse an dem Beruf finden. Es gibt immer mehr Menschen, die Pflege benötigen, da einerseits die Menschen älter werden und anderseits die Bereitschaft der Angehörigen, zu Hause zu pflegen, sinkt. Es besteht schon heute ein großer Mangel an Pflegekräften. Der Notstand in der Pflege ist ein großes gesundheitspolitisches Problem und es müssen unbedingt Nachwuchsinteressenten für die Pflegeberufe im Gesundheitswesen begeistert werden. Außerdem könnte das Ansehen der Gesundheits- und Krankenpfleger, das in Deutschland durchaus ausbaufähig ist, durch ein Studium steigen. Viele Menschen assoziieren mit dem Pflegeberuf immer noch vorrangig oder ausschließlich Bettpfannen und Fäkalien.

Heutzutage ist jedoch das, was von den in Pflegeberufen Tätigen verlangt wird, um einiges komplexer. Durch die alternde Gesellschaft gibt es immer mehr multimorbide Patienten, die ein komplexes Behandlungskonzept in der medizinischen und pflegerischen Versorgung benötigen. Auch die Arbeitsbelastung der Ärzte ist sehr hoch. Deshalb wird es immer wichtiger, dass Ärzte mit den Pflegern eng zusammenarbeiten, dass die Pfleger aufmerksam sind, mitdenken und mitentscheiden. Aber nicht nur die älteren Patienten benötigen stärkere Aufmerksamkeit durch qualifizierte Gesundheits- und Krankenpfleger. „Die Uniklinika arbeiten schon heute mit berufsübergreifenden Teams und behandeln besonders komplexe Krankheitsbilder mit innovativen Verfahren. Entsprechend hoch ist unser Bedarf an akademisch qualifiziertem Pflegepersonal, zum Beispiel in der Neonatologie“, sagt Professor Michael Albrecht, Erster Vorsitzender des VUD. Der VUD-Vorsitzende sieht die Zukunft der Pflegestudiengänge jedoch vorrangig an den Unikliniken.

Ausbildung zum Schreibtischpfleger?

Ein Ziel für die Zukunft ist es sicherlich, dass die studierten Pfleger den Arbeitsablauf im Stationsalltag überprüfen und gegebenenfalls verbessern. Durch Fächer wie Gesundheitsmanagement und Gesundheitsökonomie sollen sie z. B. die Aufgaben einer Stationsleitung besser ausführen können und sich an Problemlösungen beteiligen und neue Ideen einbringen, wie die Arbeit effizienter und ohne Überlastungsspitzen ausgeführt werden könnte. Durch bessere Abläufe könnten auch Kosten eingespart werden. An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg wird z. B. der duale Studiengang Pflege im Bachelor und Master angeboten. Die Beschreibung des Studiengangs spricht unter anderem davon, dass eine Aufgabe der Absolventen darin besteht, bei der Weiterbildung und der Einbeziehung der klassisch ausgebildeten Pfleger mitzuwirken. „Als akademisch ausgebildete Pflegende kommt den Absolventen die Verantwortung zu, Pflegende geringerer Qualifikation, aber auch Laienpflegende und pflegende Angehörige zielgerichtet in die Versorgung einzubeziehen, sie anzuleiten und deren Handlungen zu überwachen.“

Ziel der Akademisierung sollte es aber in keinem Fall sein, dass die Studierenden weiter vom Patienten entfernt werden und zu Schreibtischmanagern werden. Die Arbeit muss auch weiterhin sehr nah am Menschen ablaufen und die Studenten sollten lernen, alle Schritte der Pflege durchzuführen und dies auch weiter im Beruf auszuführen. Deshalb erscheinen gerade die dualen Studiengänge sinnvoll. Auch Heinz-Jochen Hinze, Vorsitzender des Ausschusses Medizin des Wissenschaftsrates, begrüßt die Akademisierung des Pflegepersonals. Vor allem seine Erfahrungen in Schweden, wo alle Pfleger ein Studium absolvieren, hätten ihn darin bestätigt. Jedoch sei es für ihn von großer Bedeutung, dass die Studierten weiterhin den Patienten pflegen: „Wir dürfen die nicht vom Patienten wegqualifizieren“.

Die Situation in anderen Ländern

Zwar mag für die deutschen Ärzte und Pfleger oder für die Bevölkerung die Akademisierung der Pflege noch Unstimmigkeiten aufwerfen, jedoch ist die Situation in den meisten europäischen Ländern seit langem klar. Bettina H. studiert an der Fachhochschule Bielefeld im Master „Berufspädagogik Pflege und Gesundheit“ und arbeitet neben dem Studium als Honorardozentin in der Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflegern sowie Altenpflegern und hat sich auch mit dem Thema befasst. „Es muss eine Veränderung in der Ausbildung geben. Vor allem in der Altenpflege wäre besser qualifiziertes Personal wertvoll. In anderen Ländern wie beispielsweise Frankreich, Skandinavien und den Niederlanden genießen die Krankenschwestern und –pfleger eine akademische Ausbildung und haben anspruchsvollere Aufgaben im Krankenhausalltag, eine verantwortungsvollere Zusammenarbeit mit den Ärzten, ein besseres Ansehen und dadurch insgesamt eine größere Zufriedenheit.“

Doch laufen wir nicht auch Gefahr, dass unsere neu qualifizierten Pflegekräfte ins besser bezahlte Ausland abwandern könnten, genau wie es auch viele Ärzte schon vorgemacht haben? In der Schweiz ist das Gehalt der Krankenpfleger viel höher (66 %) als in Deutschland, in Norwegen der Personalschlüssel um einiges besser (vier Patienten auf einen Pfleger, verglichen zu zehn zu einem in Deutschland), in den Niederlanden sind die Pfleger gesünder und zufriedener (ein Drittel der deutschen Pflegekräfte sind Burnout gefährdet, in den Niederladen nur ein Zehntel). Bei solchen Aussichten und der heutigen Situation in Deutschland, kann man die potentiellen Auswanderer sicherlich nicht verurteilen.

Wo viel Licht, da auch viel Schatten

Da die Akademisierung der Pflegeberufe hierzulande erst so langsam ins Rollen kommt und die Erfahrung mit studierten Pflegern somit gering ist, gibt es noch Unklarheiten beim Einsatz in der klinischen Praxis. Die erste Problematik besteht in der Frage des Gehalts. Es gibt noch keine eigene Tarifgruppe für die Pfleger mit Uni-Abschluss, die verständlicherweise mehr Gehalt erwarten, als wenn sie den Ausbildungsweg eingeschlagen hätten. Die Krankenhäuser stellen sie wiederum wegen Angst vor höheren Kosten zum Teil ungerne ein oder bieten das gleiche Gehalt, wie sie es nach einer Ausbildung zahlen würden. Nur in einigen Privatkliniken werden die studierten Krankenpfleger mehr wertgeschätzt und bekommen auch schon ein höheres Gehalt.

Hinzu kommt, dass es Ungewissheit in der Aufgabenverteilung gibt. Viele fragen sich, welche zusätzlichen Aufgaben die studierten Pfleger aufnehmen sollen bzw. können. Einige Ärzte und ausgebildete Pfleger könnten sich in ihrer Autorität eingeschränkt fühlen. Außerdem haben viele motivierte Krankenschwestern und -pfleger jahrelange Erfahrung auf einer Station und dadurch großes Wissen in ihrem Gebiet und in der Fachrichtung und arbeiten heute schon sehr gut mit den Ärzten zusammen. Wenn dann ein frischgebackener Student, der einen akademischen Abschluss in der Pflege anstrebt, meint, er könnte die Stationsarbeit neu erfinden, kommt dies möglicherweise nicht ganz so gut an.

Es stellt sich auch die Frage, ob sich weniger Jugendliche für Pflegeberufe entscheiden würden, wenn in Zukunft bevorzugt Abiturienten in den Kliniken angestellt würden oder aber, ob der Lernaufwand eines Studiums junge Menschen abschrecken könnte, den Weg einzuschlagen. Möglicherweise auch Menschen, deren persönliche Eigenschaften ideal wären, um in einem Pflegeberuf zu arbeiten. Denn ein Abitur zu haben, bedeutet sicherlich nicht im Umkehrschluss, dass man für einen solchen sozial, körperlich und psychisch anspruchsvollen Beruf besser geeignet sei als ohne.

Umsetzbarkeit im Praxistest

Eine zunehmende Akademisierung der Pflegeberufe kann viele Vorteile mit sich bringen, wie eine steigende Anzahl an Interessenten, ein höheres Ansehen des Berufsfeldes, die Verbesserung alltäglicher Arbeitsabläufe und eine reibungslosere Zusammenarbeit mit den Ärzten. Das zeigen auch die gut funktionierenden Gesundheitssysteme anderer Länder. Jedoch muss die Zukunft zeigen, wie gut die Umsetzung in Deutschland funktioniert und ob es wirklich mehr Menschen zu dem Beruf zieht, was natürlich ein sehr großer Zugewinn wäre.

41 Wertungen (3.93 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

13 Kommentare:

Torsten Hardegen
Torsten Hardegen

Aufstieg ist der Normalfall

Zusammen mit der Steinbeis Hochschule Berlin bietet die also- Akademie für Leitung, Soziales und Organisation in Heidelberg einen Studiengang für Berufstätige im Bereich Pflegemanagement an. Der Regelfall bei unseren Absolventen ist nach Studienabschluss ein beruflicher Aufstieg. In manchen Fällen wurden sogar neue, attraktive Stellen geschaffen. Das besondere an unseren Absollventen ist, dass alle bereits vor Studienbeginn eine Berufsausbildung in der Pflege haben und Berufspraxis mitbringen.
So gelingt dann auch der berufliche Aufstieg – und der Bachelor reicht dabei sogar. Näher Infos: http://www.also-akademie.de/studiengaenge/

#13 |
  0
Gesundheits- und Krankenpfleger

Deswegen sind viele Kampagne entstanden und die Notauflage in der Pflege aufmerksam zu machen…eine davon ist diese Petition.
https://www.openpetition.de/petition/online/herr-gesundheitsminister-stellen-sie-mehr-personal-und-bessere-bezahlung-ein

#12 |
  0
Kinderkrankenpfleger

Liebe Kolleginnen/ Kollegen,
die Akademisierung der Pflege wird nicht das Allheilmittel für eine höhere Atraktivität der Pflege sein.
Ich glaube schon, dass die KollegInnen mit einer akademischen Ausbildung ein Gewinn für uns in der Pflege sein können (Übernahme und Einführung von wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen in den Pflegealltag (wobei nicht zu vergessen ist, dass diese Erkenntnisse schon längst in die aktuellen Pflegeausbildungen einfließen), …), aber dazu muss sich noch eine ganze Menge im Bewusstsein in den Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Pflegeunternehmen tun.
Vor allen Dingen muss dringend dafür gesorgt werden, dass mehr Personal für die anfallende Arbeit zur Verfügung steht. Die Pflege in Deutschland muss genauso gut gestellt werden wie z.B. in den Niederlanden, in Skandinavien, usw. Bzgl. der “Mehrausgaben” wäre einmal zu untersuchen, ob dies wirklich soviel mehr Geld kosten würde, wenn man in Rechnung stellen würde, was wir einsparen könnten durch eingehaltene Hygienestandards, intensivere Patientenbetreuung (u. a. Zeit haben für den Patienten!!!). Dazu gibt es doch bestimmt schon Zahlen – oder? Niedrigere tägliche Arbeitsbelastung, ausreichend Zeit haben für die “eigenen” Patienten, wertschätzender Umgang im Behandlungsteam, Pflegeleistungen patientengerecht anbieten … DAS würde mit Sicherheit die Attraktivität und Anerkennung der Pflege steigern. Denn zufriedene Pflegekräfte strahlen dann auch ihre Berufszufriedenheit aus – das macht m. M. einen Beruf attraktiv.
Die Patienten/ Bewohner anerkennen unsere Leistungen sehr wohl an – nur der “gesunde” Rest der Bevölkerung (einschließlich der Politik) weiß nicht unseren Wert wirklich zu schätzen. Es sei denn, es ist mal wieder eine Sonntagsrede fällig ;-). Aber die brauchen wir nicht. Wie viel u. a. den Arbeitgebern unsere Leistung wert ist, haben wir ja mal wieder bei den letzten Tarifverhandlungen demonstriert bekommen. Und was wir der Gesellschaft wert sind, wird in den Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen demonstriert!

Um die KollegInnen mit akademischer Ausbildung wirklich sinnvoll im Gesundheitssystem einzubinden, bedarf es aber noch einer landesweiten Diskussion innerhalb der Pflege (traditionell und akademisch gebildet) (da ist noch eine Menge Arbeit zu leisten) und zwischen Pflege und Politik. Wir professionell pflegenden müssen hier an die Überzeugungsarbeit – Anfänge sind ja schon zu sehen und zu erahnen – wir können uns auf keine andere Berufsgruppe hier stützen. Allerdings dürfen wir die Wortführung nicht den ausbildenden Universitäten und Fachhochschulen überlassen – auch wir traditionell ausgebildeten Pflegefachkräfte müssen uns einmischen.

#11 |
  0
dipl. Pflegefachfrau
dipl. Pflegefachfrau

Liebe Kritiker..
Um Bettpfannen zu leeren und Betten zu machen braucht es ja auch keine gelernte oder studierte Pflegende..! Diese müssen die Aufgaben der Planung und Koordination übernehmen. Sie übernehmen das gesamte Assessment, erstellen Pflegediagnosen und planen Pflegemassnahmen. Viele Pflegeverrichtungen am Bett, müssen dann aber bei stabilen Patienten nicht unbedingt von einer gelernten Pflegeperson durchgeführt werden! Der Arzt führt ja auch nicht alle seiner Verordnungen selbständig aus. Es muss ein Umdenken stattfinden, um die Ressourcen der vielen verschiedenen Pflegeausbildungen optimal nutzen zu können. Nur so kann die Effizienz gesteigert werden! Aber dies wird wohl noch viel Zeit benötigen.. ;)

#10 |
  1
Gast
Gast

Es gibt nur einen Topf aus dem die Kosten im Gesundheitswesens bestritten werden. Je mehr einer aus dem Topf haben will je weniger bekommen die Anderen. – Ich glaube das Profitstreben ob beim Arzt den Krankenhausbetreibern oder dem Pflegepersonal (Reinigungskräften usw….) geht immer zu Lasten der Patienten. Reglementierte Patienten – Pfleger Schlüssel muss her – aber woher denn nehmen es sind ja jetzt nicht genug Bettpfannen-träger da. Selbst Hilfskräfte sind Mangelware – Es fehlt der Respekt für den Berufsstand. Das ist zwar traurig aber wahr. Gerechte Umverteilung ist eben weniger Profit. Da muss der Gesetzgeber tätig werden. Was mag da wohl die Lobby der Ärzte sagen?

#9 |
  0
Altenpfleger

“Nach taxifahrenden Geisteswissenschaftlern wären studierte Pflegekräfte die schlechtbezahltesten Akademiker der Welt.” (Zitat eines Kollegen)

Ich kann mich den meisten Dingen, die meine Vorredner angmerkt haben nur anschließen. Ohne eine massive Steigerung der Gehälter (ich denke da an 100% mehr) und damit des Ansehens, das Pflege hier “genießt” wird die Akademisierung unseres Berufsstandes den Pflegenotstand drastisch verschärfen. Welcher Abiturient will schon einen schlechtbezahlten Job mit teilweise extrem hoher Arbeitsbelastung machen, der noch nicht einmal Ansehen verspricht? Ich unterstelle mal: wer heutzutage Pflege studiert strebt doch häufig einen Job im Management der Pflege an, mit einer möglichst kurzen Zeit in der praktischen Pflege.
Schön wäre es auch, wenn wir Pflegekräfte uns selber mehr für unsere Arbeitsbedingungen stark machen würden. Resignation, Anpassung und Arbeiten bis zum Burnout sind leider an der Tagesordnung.

#8 |
  0
Ein Pflegestudent aus Hessen
Ein Pflegestudent aus Hessen

Was ich noch nicht gesagt hatte: Die Akademisierung IST notwendig, um weiterzukommen.

#7 |
  0
Ein Pflegestudent aus Hessen
Ein Pflegestudent aus Hessen

Als Pflegestudent im dualen Studiengang kann ich mich dem vorigen Kommentar von Frau Naber anschließen.
Das Problem, welches sich meinen Mitstudenten und mir stellt, ist die Unsicherheit, was man mit der neu erworbenen Qualifikation anstrebt.
Die mir bekannten Studiengänge und Modulhandbücher sind in sich gut durchdacht. Jedoch fehlt der Bezug zwischen den Systemen Bildung und Betrieb.
Es bleibt die Kluft zwischen erbrachter Leistung und gerechter Entlohnung.
Es fehlt oft eine angepasste Gratifikation bei erweiterter Kompetenz.
Wie soll man dabei zusätzlich akademisches Wissen bei Personalmangel und Zeitdruck anwenden? – Da hilft auch keine Optimierung von Zeitabläufen.

Weiterhin treten stets die gleichen Fragen auf, die manch einen Akademiker veranlassen, die ‘Pflege am Bett’ zu verlassen:

Wo will die Pflege in Deutschland hin? – hier ein kleiner Seitenhieb zum Streitthema ‘Pflegekammer’.
Wer bestimmt die Entwicklungsrichtung? – Politik, Medizin, oder mal die Pflege selbst?
Wie ist die Pflege als semi-professioneller Berufsstand in Zukunft aufgestellt?

Um zum Thema Pflegestudium zurückzukommen: Wie kann eine Reihe engagierter, gut ausgebildeter Pflegestudiumsabsolventen auf so einer Basis eine Orientierung finden?
Es besteht Unsicherheit darüber, was der akademische Titel bringt, wenn die durch Studium erlangten Kompetenzen durch die eigene Berufsgruppe oft kaum (positiv) wahrgenommen werden.
Diese Kompetenzen werden darüber hinaus, hier schreibe ich nur aus eigener Erfahrung, durch die eigene und durch andere Berufsgruppen wie Medizinern, in einzelnen Fällen gering geachtet und übergangen.

Der nächste Gedankengang als Antwort auf diese Fragen macht mich traurig, kann aber real werden.

Da rettet man sich vielleicht in eine Uni, in die Forschung, in die Wirtschaft zu Medizinprodukteherstellern, in externe Beratertätigkeit, zu Krankenkassen, in die Krankenhausverwaltung, oder sogar ins Ausland. Damit besteht dann die Möglichkeit den oben genannten Fragen auszuweichen. Man steht nicht mehr direkt im Kampf um die Selbstbestimmung der Pflege.

Die Pflege am Menschen kann darunter leiden. Das ist mehr als schade. Ich biete hier keine Lösung an, aber mit dem aktuellen, so diversifizierten und ungeordneten Vorgehen zur Akademisierung der Pflege, braucht man bis zu einem zufriedenstellenden Ergebnis noch eine lange Zeit.

#6 |
  0
Pflegewissenschaftlerin

Durch die vielen neuen Studiengänge in der Pflege und im Gesundheitswesen überhaupt sind nicht nur in Krankenhäusern sondern auch im öffentlichen Gesundheitswesen Unsicherheiten entstanden, welche Kompetenzen die Absolventen mitbringen, wo sie sinnvoll eingesetzt werden können und wie sie zu bezahlen sind.
Für die Absolventen der neuen Pflegestudiengänge ist dringend zu klären, wie Kompetenzen im Krankenhaus (neu) verteilt werden müssten, damit sich alle gerecht behandelt fühlen – sowohl die Absolventen als auch das bisherige Pflegepersonal. Erfahrenes Pflegepersonal dürfte dabei auf keinen Fall schlechter gestellt werden als die neuen Akademiker. Im Grunde wird hier ein neues System auf ein bestehendes gestülpt. Das muss zwangsläufig zu Unstimmigkeiten führen. Über die Konsequenzen hätten sich die Leute, die diese Studiengänge konzipiert haben, mehr Gedanken machen müssen.
Es wäre sehr schade, wenn die neuen Pflegestudiengänge für die Absolventen zu einer Sackgasse würden.

#5 |
  0
Toxikologin

Das klappt doch schon seit Jahrzehnten in den USA. Warum muss in Deutschland alles so kompliziert und negativ sein?

#4 |
  0
Krankenpflegehelfer

Die Pflege wird also akademisiert. Schau an.
Ich bin der festen Überzeugung, daß hier am Problem vorbei reformiert wird.
Den Verantwortlichen sei in ihrer Akademisierungswut ins Stammbuch geschrieben: wir brauchen keine studierten Bettpfannenleerer, wir brauchen generell MEHR Pflegekräfte und BESSERE Arbeitsbedingungen, sowie eine leistungsgerechte Bezahlung!
Als ich vor immerhin mehr als 30 Jahren in den Pflegeberuf eingestiegen bin, kannte ich noch Isolierzimmer (mit EIGENEM Personal – und wehe, wenn die Pflegekraft dort sich in ein anderes Zimmer vorwagte!) und Infektionsstationen.
Die Profitgier hat beides nahezu ausgerottet.
Bevor wir also an eine Akademisierung der Pflege ernsthaft herantreten, sollten zunächst einmal die Arbeitsbedingungen grundlegend optimiert werden.
Übrigens darf ich den Schlüssel von 10:1 zumindest in den Häusern, die ich persönlich kenne, ins Reich des Wunschtraumes zurückschicken:
ich habe in Krankenhäusern bereits auf Stationen gearbeitet, auf denen ich insgesamt PRO SCHICHT 48 bettlägrige Patienten von 3 Stationshelfern, 3 KPH und EINEM volldiplomierten betreut gesehen habe – und das ohne Not und Krankenstände. In der Nacht war dann nur mehr 2 Helfer, 1 KPH und eine volldiplomierte für die gleiche Patientenzahl da…
Wenn wir ernsthaft die Attraktivität steigern wollen, brauchen wir deutlich mehr Personal auf den Stationen. Das gelingt uns aber nur durch familienfreundliche Arbeitszeiten und attraktivere Bezahlungsmodelle. Ein akademischer Titel oder Grad zur Berufsbezeichnung ist hier nur als Kosmetik zu bezeichnen.

Ein Bonmot zum Schluß:
mein älterer Sohn hat eine Fachschule abgeschlossen und verdient als Facharbeiter im zweiten Berufsjahr bei 32 Wochenstunden NETTO um 60% mehr als ich mit 32 Berufsjahren und 40 Wochenstunden einschließlich Nacht- und Wochenenddienste BRUTTO verdiene. Wo liegt der Fehler nun??

Meine Kinder waren für meinen Beruf in keinster Weise zu begeistern, meinen Enkeln werde ich einmal davon abraten.
Zu meinen damaligen Einstiegsbedingungen würde ich jederzeit wieder in die Pflege gehen; heute würde ich diesen Berufsweg definitiv nichtmehr antreten!

#3 |
  2
Gesundheits- und Krankenpflegerin

Liebe Kollegen,ich finde den Gedanken sehr erstrebenswert,durch eine Akademisierung unseres Berufsstandes wie es im europäischen Ausland schon praktiziert wird eine Aufwertung zu erfahren.Allerdings,sollten auch die Gehälter und der Stellenschlüssel angehoben werden,sonst bleibt der Pflegenotstand bestehen.

#2 |
  0
Gast
Gast

@Charlotte Rohlwink, wer soll denn nun die ungeliebte Bettpfanne “bedienen”???

#1 |
  1


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: