Impfstoffversorgung: Politik in der Kritik

22. April 2014
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In Deutschland komme es immer wieder zu Lieferengpässen bei vielen Impfstoffen, so die Gesellschaft für Virologie. In einer Stellungnahme fordert sie nun die Gesundheitspolitiker der Länder und des Bundes auf, umgehend Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

„Schuld daran sind die Monopolisierung der Hersteller, die Globalisierung der Impfstoffmärkte und die Rabattvertragspolitik der gesetzlichen Krankenkassen“, kritisiert die Gesellschaft für Virologie (GfV). Sie warnen: Das ohnehin zu geringe Forschungsinteresse nehme so immer weiter ab. Die aktuellen Entwicklungen gefährden aber vor allem die Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoffen.

Eine kritische Monopolbildung

Weltweit agieren immer weniger Impfstoffhersteller auf dem Markt. „Wir erwarten eine kritische Monopolbildung“, sagt Professor Dr. med. Hartmut Hengel, Vizepräsident der GfV. Bereits jetzt werden die meisten Standardimpfstoffe nicht mehr in Deutschland hergestellt. Es sei nun Aufgabe von Bund und Ländern, die nötigen Schritte einzuleiten, um diese Entwicklung aufzuhalten. Nur so könne verhindert werden, dass Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln in Europa aufgrund von Lieferengpässen bei Impfstoffen wieder vermehrt auftreten.

Neue Methoden der Kostenkontrolle eingeführen

In der aktuellen Stellungnahme hat die GfV Forderungen an die Gesundheitspolitiker von Bund und Ländern gestellt: Unter anderem muss die zuständige Bundesoberbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut, Lieferengpässe systematisch erfassen. Rabattverträge sollen abgeschafft werden, so dass Ärzte und Patienten wieder frei zwischen Impfstoffen wählen können. „Stattdessen müssen in Deutschland neue Methoden der Kostenkontrolle eingeführt werden“, ergänzt Professor Dr. med. Thomas Mertens, Präsident der GfV. Die Forschung benötige Anreize, neue Impfstoffe zu entwickeln und auch die Schutzwirkung bereits zugelassener Impfstoffe zu vergleichen. „Dafür wäre mehr finanzielle Unterstützung nötig, aber auch zusätzliche Förderinstrumente etwa des Bundesministeriums für Bildung und Forschung oder der EU würden helfen“, so Hengel. Auch Impfstoffhersteller und Krankenkassen sollten Verantwortung für das Gemeinwohl und eine moderne Vorsorgemedizin übernehmen.

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2 Kommentare:

Apotheker

Glaxo Smith Kline hat vor einigen Tagen den Stop seiner Aktivitäten “Ausbau Impfstoffproduktion in Dresden” bekannt gegeben.
Grund: nicht wirtschaftlich wegen Preiskampf im deutschen Markt, Rabattverträgen und harter Sanktionen der Krankenkassen bei Vertragsverletzungen
Impfstoffe herstellen und auch Errichtung und Betrieb einer solchen Produktionsstätte sind vielschichtige Tätigkeiten mit hoher Fehleranfälligkeit, d.h. es kann schnell zu Ausfällen, Chargensperrungen oder Verzögerungen kommen.
Das interessiert unsere “hochqualifizierten” Gesundheitspolitiker und extrem smarten Kassenfürsten nicht …
Wenn aber im Januar/Februar Impfstoffe knapp werden oder Reiseimpfungen wegen Engpässen am Markt nicht durchgeführt/aufgefrischt werden können – dann ist das Geschrei groß und keiner versteht warum es SO KOMMEN MUSSTE!

#2 |
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Gast
Gast

Die “Schuld” sollte man bitte brüderlich teilen.

#1 |
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