Erfolglose Betriebsführung: „Die Apo bin ich“

22. April 2014
Teilen

Apotheken erfolgreich gründen und leiten: Inhaber kennen Ratgeber dieser Art nur allzu gut. Dr. Dr. Christian A. Pongratz geht einen anderen Weg. Er zeigt, wie es Chefs garantiert gelingt, ihren Betrieb an die Wand zu fahren: ein humoristischer Leitfaden mit wahrem Kern.

Dr. Dr. Christian A. Pongratz ist Unternehmensberater und Wirtschaftskabarettist – eine explosive Mischung, um sich in betriebswirtschaftlichen Minenfeldern zu bewegen. Er hat Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre studiert, war Gastprofessor an der Università Commerciale Luigi Bocconi in Mailand und lehrte an der Donau-Universität Krems sowie an der Fachhochschule Kärnten, Campus Villach. Gegenüber DocCheck gibt Pongratz Einblicke in die grandiose Kunst des Scheiterns.

1417_Pongratz_block

Foto: Hans Jost, www.fotojost.at

DocCheck: Herr Pongratz, wie schaffen es Apothekenleiter, gute Bewerber erfolgreich abzuwehren oder ihnen zumindest den Start im neuen Job möglichst schwer zu machen?

Pongratz: So wie jeder andere Manager auch: Verlangen Sie Unmögliches, halten Sie sich für den Besten und lassen Sie dies alle wissen. Sehen Sie die Kompetenz neuer Mitarbeiter als das, was diese wirklich sind: die größte Gefahr für Ihre Allmacht als Boss. Darüber hinaus hilft, wenn man sich nicht für Menschen interessiert, sondern in Angestellten bessere Sklaven sieht, die froh sein sollten, überhaupt arbeiten zu dürfen. Für einen üblen Start kann man Berufsanfängern noch auf den Weg mitgeben, dass sie Jahre brauchen werden, um dieses hochkomplexe Geschäft von Arzneimitteln gegen Rezept und Geld in Verbindung mit der Pharmaindustrie und deren Kernkompetenz überhaupt verstehen zu können. Und nicht zuletzt: Zahlen Sie Hungerlöhne.

DocCheck: Kommunikation wird doch völlig überbewertet: Wie gelingt es Chefs, lästigen Kontakt mit ihren Angestellten zu vermeiden?

Pongratz: Verhalten Sie sich wie ein absolutistisch regierender Monarch. Nach dem Motto „Die Apo bin ich“ geben Sie sich keinesfalls mit diesen Unwürdigen ab und grüßen Sie nie. Das offene Wort sollte tunlichst vermieden werden. Eine praktikable Option: Lassen Sie Ihre Meinung durch andere übermitteln. Sie stehen an der Spitze, und der Rest der Welt darf zu Ihnen aufsehen und Sie bestaunen. Ziehen Sie dieses Programm konsequent durch, und die gewünschten Ergebnisse werden auf Sie herabregnen wie ein Monsun.

DocCheck: Was tun, wenn trotzdem motivierte Mitarbeiter das Ruder an sich reißen?

Pongratz: Hier ist Mitarbeiterdemotivation Ihr Schlüssel zu heftigem Versagen in nahezu allen Bereichen. Machen Sie als Führungskraft Ihren Mitarbeitern bei jeder Gelegenheit klar, dass nur Sie selbst etwas entscheiden dürfen. Warum dem Team nicht völlig widersinnige Aufgaben zur dringlichen Erledigung überantworten? Erfreuen Sie sich an der Hektik und Gereiztheit, und helfen Sie niemals. Genauso wichtig ist, jegliches Lob zu vermeiden. Wenn Sie es bereits getan haben, hören Sie sofort damit auf! Besser ist, Mitarbeiter vor Kunden kleinzumachen oder Witze auf deren Kosten zu reißen. Dafür spricht auch, dass Sie schnell zur Zielscheibe der Aggression werden. Bleibt als professionelle Lösung, rasch ein paar Kündigungen auszusprechen.

DocCheck: Mitarbeiter sind nur eine Sache. Kunden im Handverkauf nerven ebenfalls, und Großhändler rufen ständig an. Ihr Patentrezept, um Störenfriede an den Rande des Wahnsinns zu treiben?

Pongratz: Endkunden reagieren am besten auf schlecht getarnte Betrügereien und auf Unfreundlichkeit. Mit den richtigen Mitarbeitern könnte es klappen. Wenn Sie der betagten Dame von nebenan noch eine Antibabypille andrehen, ist die Welt wieder in Ordnung. Nutzlose Zusatzverkäufe haben sich ebenfalls bewährt. Großhändler bedürfen einer gänzlich anderen Behandlung, da es sich ärgerlicherweise um Sachverständige handelt. Verlangen Sie massive Skonti, unmögliche Lieferkonditionen sowie verkaufbare Warenmuster ohne Rechnung oder sonstige Dokumentation. Versuchen Sie es mit Reklamationen und verschwundenen Lieferungen. Erlaubt ist, was gefällt.

DocCheck: Stichwort Betriebsübergabe: Ein Inhaber plant, die Apotheke an seine Nachkommen zu übereignen, die nach ewigem Studium tatsächlich ihre Approbation bekommen haben. Wie kann man hier den größtmöglichen Schaden anrichten?

Pongratz: Sprechen Sie jahrelang über die geplante Übergabe, doch übergeben Sie niemals, die Jugend muss noch soviel lernen! Niemand wird das Geschäft jemals so gut beherrschen wie Sie. Wer weiß, welchen schädlichen oder wahrscheinlich sogar ruinösen Einfluss die Schwiegerkinder haben werden. Gründen Sie eine Stiftung oder warten Sie, bis auch Ihre Kinder ins Pensionsalter kommen. Wer wird Sie noch grüßen, wenn Sie Ihre Position aufgegeben haben? Wehren Sie diesen Anfängen und halten Sie sich am Sessel fest …

DocCheck: Viele Fragen – sollten sich Inhaber nicht besser zum Thema fortbilden?

Pongratz: Unbedingt! Blättern Sie doch einmal in das Buch „erfolgLOS. Anleitungen zum Scheitern mit Stil“, um sich nicht dauernd der Gefahr des Erfolgs auszusetzen. Und „betriebsDESASTER“ gibt profunde Ratschläge zum eigenen Untergang. Fortbildungspunkte für das freiwillige Zertifikat der Apothekerkammern werden Sie dafür jedoch nicht bekommen.

DocCheck: Vielen Dank für das Gespräch!

70 Wertungen (4.09 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

7 Kommentare:

So gut…..!!

#7 |
  0
Apotheker

Offensichtlich haben viele Kollegoiden/Kollegoidinnen diese Ratschläge 1:1 umgesetzt
und diesen Beitrag nicht als Real-Satire erkannt.
Es fehlt noch der Hinweis, daß der /die erfolgreich selbständige approbierte Sonnenkönig/-königin, davon lebend, daß fleißige / selten Urlaub machende Aufschreiberlinge im Umfeld tätig sind, jede Nacht bei geöffnetem Fenster schläft, um ja nicht den Ruf zum Nobelpreisempfang für Wirtschaft zu überhören…….-

#6 |
  0
Gast
Gast

Unternehmensberater sollte man sein

#5 |
  0
Margarete Gaßner
Margarete Gaßner

ich bestell die Bücher sofort und mach die zur Pflichtlektüre für meine Mitarbeiter!
nur so wissen die, WIE gut sie es haben ;-))

#4 |
  0
Apotheker

Mir scheint, die Krankenkassen haben diese Bücher schon vor langer Zeit gelesen? :-)

#3 |
  0
PTA Christiane Seidl
PTA Christiane Seidl

hat viel wahres, es finden sich in der Praxis immer mehr “schöne Beispiele”.
Augen auf, Ohren auf und dann genügend Zeit es zu geniesen.
Das geht nicht nur in der Apotheke, sondern zB. im Baumarkt mit meinem Mann.
Zum schiessen: was kostet den das Schloß?: “oh das ist teuer”!. : “gibts die in einem Set für`s ganze Haus?: ” ja — dann werd`s ja richtig teuer.” dreht sich um und verschwindet. // den Preis Wissen wir bis heute noch nicht.
— ohne Worte.

#2 |
  0
Selbstst. Apothekerin

Ich werde mir das Buch sofort bestellen, denn ich kenne auch so eine Chefin, die ihre Angestellten wie Leibeigene betrachtet.

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: