Krümelmonster isst Gesundheitskarte

16. April 2014
Teilen

Die neue Gesundheitskarte mit Bild ist ein zuverlässiger Schutz gegen Versicherungsbetrug? Scheinbar nicht, denn ein findiger Softwareentwickler aus Berlin schaffte es, das Krümelmonster auf seiner Karte zu platzieren – Grund genug für DocCheck, einmal nachzuhaken.

DocCheck: Was war die Intention für die Aktion, Ihre Gesundheitskarte mit dem Bild des Krümelmonsters zu versehen?

Oliver: Ich sehe bis heute nicht ein, wozu ein Foto auf der Gesundheitskarte dienlich sein soll. Wenn man mir nicht glaubt, dass welche Karte auch immer meine ist, habe ich immer noch ein Dokument mit Bild – den Personalausweis. Nachdem telefonisches Protestieren bei meiner Krankenkasse nicht reichte, kam die Idee, ein anderes Bild einzusenden. Die Hotline verwies mich auf das Internetportal und dass ich das dort auch machen könnte. Dieser Weg erschien mir möglicherweise automatisiert genug, um dort ein beliebiges Foto durchzubekommen. Warum das Krümelmonster? Ich mag auch Kekse ;)

DocCheck: Gab es nach dem Bildupload keinen Kontakt seitens der Krankenkasse? Wurde die Karte ohne Rücksprache zugesendet?

Oliver: Nach dem Upload war 2-3 Wochen Ruhe und anschließend dann die Karte im Briefkasten. Keine Rückfragen oder ähnliches.

DocCheck: Haben Sie der Krankenkasse Feedback gegeben? Gab es Reaktionen zu Ihrer Aktion?

Oliver: Der Krankenkasse habe ich keine Rückmeldung gegeben. Ich habe die Karte fotografiert und das Foto getwittert, seitdem wurde es vielfach in den sozialen Medien geteilt. Ich bekam einige Rückmeldungen von Leuten, die ähnliches auch versucht haben, aber zurückgewiesen wurden. Und natürlich von vielen, die sowas auch gern hätten.

DocCheck: Sind Sie mit der Karte bereits bei einem Arzt gewesen?

Oliver: Zu einem Arzt habe ich noch nicht zwingend gemusst, ich sollte aber demnächst zu meinem Hausarzt, damit dort der letzte Besuch richtig abgerechnet wird und ich diesen nicht selbst bezahlen muss. Mit der alten Karte wird man ja nicht mehr “bedient”.

DocCheck: Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person: Oliver ist Softwareentwickler für Medizingeräte, 31 Jahre alt, aus Berlin und zahlendes Mitglied in der Piratenpartei.

 

38 Wertungen (4.79 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

9 Kommentare:

nun ja,die Älteren unter uns erinnern sich noch daran,wie sehr die Bedenkenträger die “einfache” Karte mit dem Magnetstreifen bekämpft haben.Wir hatten damals die Papierabrechnung und durften die Daten per Hand (oder Scanner) vom Papierschein in den Computer übetragen. Andere haben eine Woche zu gemacht und Scheine auf dem Tapeziertisch sortiert. Wie schnell geht dagegen das Einlesen der Daten mit der Karte. Also, bei aller Skepsis gegenüber sogenannten technischen Fortschritten – vor allem dem Datenschutz der junden Leute mit den eignenen Daten in Facebook, dem Mitteilungsdrang über Nichtigkeiten per SMS – die E-Karten sind schon eine große Arbeitserleicherung. Mit Bild – warum denn nicht? Krümelmonster auf Chipkarten sind schon echt lustig, könnte nur passieren, dass eine aufmerksame Praxismitarbeiterin mangels Ähnlichkeit mit dem Vorweiser die Annahme der Karte verweigern kann. Ohne Bild hätte man so etwas Lustiges wie das Krümelmonster auf der Chipkarte gar nicht erst realisieren können.

#9 |
  0
Arzt
Arzt

@Peter Michael Kohn, ja, heraus mit der Sprache.

#8 |
  0
Marion Wiese
Marion Wiese

Hach, Herr Kohn
worin besteht denn der Sinn und zukunftsweisende Zweck der eGK?
Doch nicht die Verhinderung des Betruges????
Schildern Sie doch mal bitte die Vorteile.

#7 |
  0
Peter Michael Kohn
Peter Michael Kohn

Das ist ja beileibe nichts Neues und auch kein Ruhmesblatt. Der Code ließ sich bisher knacken bzw, umgehen, auch die sichersten bei Banken. Es gibt immer Chaoten, die sich einen Spaß daraus machen und Kriminelle, die aus solchen Aktionen Pfofite ziehen. Das schmälert die Vorteile der G-Karte in keiner Weise und verdammt diese auch nicht. Die “schon-immer-Gegner” der G-Card werden sich jetzt wieder auf die Schultern klopfen, obwohl sie den Sinn und Zukunftszweck der Karte noch nie verstanden haben.
Der Versursacher der Aktion aber hat allen einen Bärendiesnt erwiesen und sich selbst disqualifiziert.

#6 |
  0
Marion Wiese
Marion Wiese

Ich find Krümelmonster und Taliban richtig gut! *Applaus!

Kann mir mal jemand sagen, wie gigantisch hoch denn der Schaden der Versicherungen durch Leistungserschleichungen mittels falscher Versichertenkarte war? Also im Verhältnis zum Gesamtumsatz…
Verrmutlich nur ein vorgeschobenes Argument auf dem Weg zur Totalüberwachung.

Identitätsprüfungen mittels Personalausweis halte ich nicht für unbefugt, aber auch jedenfalls für Unfug!

Datenschutzrechtlich erachte ich die eGK als Sündenfall.

#5 |
  0
Dr. med. Herbert Schultz-Gora
Dr. med. Herbert Schultz-Gora

Die eGK ist ein dilettantisches Projekt, das den Kassen von der IT-Industrie aufgeschwätzt wurde und ansonsten nur unnütz kostet. Ärzte samt Helferinnen sind nicht zu “Identitätsüberprüfungen” ihrer Patienten befugt, das darf m. W. nur die Polizei und der Zoll.
Wirklich wichtig ist, daß von Seiten der Ärzte und der Patienten verhindert wird, daß medizinische Daten aller Art, von der Wiege bis zur Bahre, aus ambulanter wie stationärer Behandlung auf zentralen Serven gespeichert werden und mit Hilfe der eGK online abgerufen werden können.
Denn daß solche Daten niemals sicher sein können… dürfte inzwischen niemand mehr bezweifeln…

#4 |
  0
Student der Humanmedizin

Habe auf meiner Karte auch ein offenbar nicht geprüftes “Talibanbild” mit einem jungen Mann mit langem Bart und schwarzem Gesicht, das sich offenbar keiner angesehen hat – obwohl ich das, ebenfalls nach langen Protesten, in einem Couvert eingeschickt habe …

#3 |
  0
Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Persönliche Daten sammeln ist eine gefährliche Krankheit der heutigen Gesellschaft.

#2 |
  0
Dipl. Ing. agr Rainer Libal
Dipl. Ing. agr Rainer Libal

Witzig, aber es wäre nur ein Argument gegen das Lichtbild, wenn jemand Oliver mit dieser Karte behandelt. Das Bild auf der Karte ist vor allem dann nutzlos, wenn ähnliche Personen die Karten gemeinsam benutzen oder untereinander weitergeben (Brüder mit gleicher Haar- und Augenfarbe, koreanische Zuwander/innen etwa gleicher Körpergröße), welcher Mitteleuropäer kann die schon unterscheiden, wenn die nicht nebeneinander stehen. Und selbst dann habe ich damit Probleme… Da nützt kein Bild…

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: