Leberzirrhose: Betablocker-Therapie zeitig beenden

15. April 2014
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Die Therapie mit Betablockern ist bei einer Leberzirrhose bis zu einem gewissen Krankheitsstadium sinnvoll, danach verschlechtert sie die Lebenserwartung jedoch deutlich. Bestehende Therapiepläne sollten daher angepasst werden. So die Kernaussage einer aktuellen Studie.

Im Rahmen einer  Studie untersuchte das Team der Vienna Portal Hypertension Study Group um Mattias Mandorfer und Thomas Reiberger an der MedUni Wien den Einfluss der Betablocker-Therapie auf das Auftreten von Komplikationen und das Überleben bei Patienen mit fortgeschrittener Leberzirrhose.

Erforscht wurden in der Arbeit die Effekte einer Betablocker-Therapie an 607 Patienten mit Leberzirrhose und Bauchwassersucht, einer schweren Komplikation infolge einer Leberzirrhose. Aufgrund der Studienresultate sollte bei Auftreten einer Bauchwasserinfektion eine sofortige Beendigung der Betablocker-Therapie erfolgen.

Therapeutisches Fenster für Betablocker-Therapie

Die Studienergebnisse zeigen damit, dass im Gegensatz zu bisherigen Empfehlungen die Therapie mit Betablockern nur bis zu einem gewissen Krankheitsstadium zu empfehlen ist. Um welchen Zeitpunkt es sich dabei handelt, erklärt Mandorfer folgendermaßen: „Die Arbeit zeigt, dass das Auftreten einer Bauchwasserentzündung das therapeutische Fenster der Betablocker-Therapie schließt. Andernfalls verkürzt sich bei dieser Gruppe von Patienten auf Grund von Nebeneffekten wie ausgeprägtem Blutdruckabfall und Nierenfunktionseinschränkung die Überlebensdauer deutlich.“

Betablocker: Wirkung und Nebenwirkungen

Bei der Reduktion des Blutdrucks im Pfortaderkreislauf handelt es sich um eine erwünschte Wirkung der Betablocker-Therapie, weshalb Betablocker seit Jahrzehnten zur Therapie des Pfortaderhochdrucks bei Patienten mit Leberzirrhose eingesetzt werden. Denn der Großteil der schwerwiegenden Komplikationen, die bei Patienten mit Leberzirrhose auftreten, wird durch die Entstehung eines Pfortaderhochdrucks ausgelöst. Neben der Therapie der Grunderkrankung sind Betablocker derzeit die einzige medikamentöse Behandlungsoption gegen Pfortaderhochdruck. 

Die Kehrseite der Medaille: Während Patienten mit einer frühen oder nicht sehr weit fortgeschrittenen Leberzirrhose in der Regel normale oder nicht maßgeblich erniedrigte Blutduckwerte aufweisen und dadurch über eine ausreichende Blutdruckreserve verfügen, leiden Patienten mit einer fortgeschrittenen Leberzirrhose in der Regel bereits ohne Betablocker-Therapie an einem deutlich erniedrigten Blutdruck.

Bauchwasserinfektion verstärkt die Belastung des Kreislaufs

Eine hinzutretende Bauchwasserinfektion verstärkt die Belastung des Kreislaufs erheblich. Thomas Reiberger dazu: „Die zusätzliche Entwicklung einer Bauchwasserinfektion stellt eine ausgeprägte Kreislaufbelastung dar. Patienten mit einer solchen Infektion wiesen in unserer Studie deutlich niedrigere Blutdruckwerte als Patienten ohne Betablocker-Therapie auf.“ Als Folge entwickelten Patienten mit einer Betablocker-Therapie zum Zeitpunkt der Bauchwasserentzündung deutlich häufiger lebensbedrohliche Komplikationen, insbesondere Einschränkungen der Nierenfunktion.

Originalpublikation:

Non-selective β Blockers Increase Risk for Hepatorenal Syndrome and Death in Patients with Cirrhosis and Spontaneous Bacterial Peritonitis.
Mattias Mandorfer et al.; Gastroenterology, doi: 10.1053/j.gastro.2014.03.005; 2014

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1 Kommentar:

Wilhelm Nonnenbruch beschrieb die terminale Niereninsuffizienz bei nierengesunden Leberpatienten als Hepatorenalsyndrom. Die Bauchwassersucht verkleinert das Herzzeitvolumen als Produkt aus Ventrikelvolumen, Ejektionsfraktion und Herzfrequenz. Jede Frequenzsenkung ist kontraindiziert, solange sie das Schlagvolumen nicht überproportional vergrößert. Mehr dazu auf meiner Website http://www.nierenfunktionseinheit.de

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