Übergewicht: Esstempo geht auf die Hüften

9. April 2014
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Übergewichtige brauchen weniger Zeit als Normalgewichtige, um sich satt zu fühlen. Trotzdem nehmen sie mehr Kalorien auf. Das größere Esstempo könnte gemäß einer Studie beim Übergewicht eine wichtige Rolle spielen.

Seit 1980 hat sich die Zahl der Übergewichtigen weltweit verdoppelt. Wer den Vormarsch dieser Pandemie aufhalten möchte, ist auf genauere Kenntnisse der Entstehung von Übergewicht angewiesen. Mit diesem Ziel vor Augen hat eine Forschungsgruppe um Christoph Beglinger vom Universitätsspital Basel das Völlegefühl bei Normal- und Übergewichtigen verglichen. In ihrer Studie kommen die Wissenschaftler zum Schluss, dass Übergewichtige schneller essen: Sie brauchen weniger Zeit als Normalgewichtige, um sich satt zu fühlen, nehmen aber trotz der kürzeren Zeitspanne, die sie für die Nahrungsaufnahme aufwenden, mehr Kalorien zu sich.

Bis sich das Völlegefühl meldet

Das Team um Beglinger hat zwanzig Normal- und zwanzig Übergewichtige gebeten, morgens auf nüchternen Magen ein Ernährungsgetränk zu sich zu nehmen. Die Probanden durften so viel und so schnell trinken, wie sie wollten, und kreuzten alle drei Minuten an, wie satt sie sich fühlten. Im Schnitt gaben Übergewichtige schon nach zehn Minuten an, satt zu sein, fast vier Minuten früher als Normalgewichtige. Doch in diesen zehn Minuten konsumierten sie durchschnittlich ungefähr 85 statt wie die Normalgewichtigen nur etwa 50 Kilokalorien pro Minute. So nahmen sie trotz der kürzeren Zeitspanne der Nahrungsaufnahme etwa 140 Kilokalorien mehr zu sich, bevor sich ihr Völlegefühl meldete.

Langsam essen

„Schon 100 tägliche Kilokalorien über der empfohlenen Menge können zur Gewichtszunahme führen“, schreiben die Forscher in ihrer Studie. „Deshalb ist das hohe Esstempo ein Faktor, der möglicherweise zum Übergewicht beiträgt.“ Und auch wenn es schwierig ist, das Essverhalten zu ändern, so deuten die neuen Resultate darauf hin, dass in diese Richtung zielende Therapien richtig liegen. „Langsam essen ist nicht nur gesund, es dürfte auch beim Abnehmen helfen“, sagt Beglinger.



Originalpublikation:

Gastric and intestinal satiation in obese and normal weight healthy people
Anne C. Meyer-Gerspach et al.; Physiology & Behavior online, doi: 10.1016/j.physbeh.2014.02.043; 2014

20 Wertungen (4.25 ø)

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5 Kommentare:

@Andrea Van der Stap: …oh ja – auch ich gehöre zu den Überraschten. Kaum zu glauben, dass man schon vor dieser Studie das langsame, bewusste Essen und intensive Kauen empfohlen hat.

#5 |
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Diätassistentin

Sättigung entsteht nicht (nur) durch eine hohe Kcal-Zufuhr, sondern der Dehnungsreiz des Magens (Füllungszustand) sendet das Signal der “Sättigung”.

Barbara Contzen, Ernährungstherapie

#4 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Nein was die “ankreuzen” ist sowieso unbrauchbar, das Problem ist eher das fehlende Sättigungsgefühl, die essen einfach immer weiter, so lange etwas auf dem Teller ist.
Na klar essen die auch zu schnell.

#3 |
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Stefan Kelter
Stefan Kelter

Langsames Essen kann trainiert werden.
Dazu bietet sich zum Beispiel ein Training in Schmauen an, das von Jürgen Schilling entwickelt wurde.
Ich selbst habe einen Kurs gemacht und esse seitdem langsamer und bewusster.

#2 |
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Andrea Van der Stap
Andrea Van der Stap

Was für eine Überraschung

#1 |
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