Der große Zecken-Guide

14. April 2014
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Die Zecke wurde einst zum gefährlichsten Tier gekürt, die Übertragung von Borreliose und FSME gehört zu ihrem Standardrepertoire. Der diesjährige milde Winter galt als extrem zeckenfreundlich - was hilft also gegen die kleinen Plagegeister?

Die ersten Fälle der Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) traten dieses Jahr bereits im Januar auf, berichteten Forscher auf dem 2. Süddeutschen Zeckenkongress an der Universität Hohenheim im März 2014. Die zunehmend milden Winter haben zur Folge, dass Zecken nicht nur im Sommer, sondern zunehmend ganzjährig aktiv sind. Der  Winter 2013/14 war extrem zeckenfreundlich. Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der FSME-Erkrankungen mit 420 Erkrankungen ein erneutes Hoch.

Zecken sind extrem zäh: sie können zwei Jahre lang hungern, auch eine Nacht im Gefrierfach bei minus acht Grad können sie überleben. Vollwaschgang bei 60 Grad? Kein Problem. Erst bei minus 20 Grad ist Schluss. Es gibt kaum vergleichbare Organismen, die so viele Parasiten und Erreger übertragen können. „In diesem Winter haben wir auf unseren über ganz Deutschland verteilten Zeckenstationen fast durchgehend Aktivität gemessen“, berichtet Dr. Olaf Kahl, Geschäftsführer der Informationsplattform Zeckenwetter.de. So ist es wenig verwunderlich, dass das Robert-Koch-Institut im Januar und Februar bereits fünf FSME-Erkrankungen gemeldet hat.

Zecke ist nicht gleich Zecke

Das Robert-Koch-Institut warnte vor einem „Neuzugang“ in der Zeckenfamilie: die Auwaldzecke (Dermacentor (D.) reticulatus). Der Name suggeriert zwar heile Bergwelt, doch der kleine Plagegeist ist die Zicke unter den Zecken und hat es in sich. Sie ist ursprünglich nach Deutschland importiert worden, jetzt hier dauerhaft heimisch geworden und breitet sich weiter aus. Wirtstiere sind Kleinnager, Hasen, Wildschweine, aber auch Hunde. Die adulte weibliche Auwaldzecke ist mit 3-5 mm etwa dreimal so groß wie ein Weibchen von Ixodes ricinus, vollgesogene Weibchen erreichen eine Länge bis ca. 20 mm. Neben Borreliose und FSME kann die Auwaldzecke Francisella tularensis, Coxiella burnetii, Rickettsien der Fleckfieber-Gruppe aber auch das in Sibirien endemische Virus des Hämorrhagischen Omsk-Fiebers übertragen.

Die Schafzecke (Dermacentor marginatus) ist unter anderem Überträger von Rickettsien. Diese Kokken befallen Endothelzellen von kleinen Blutgefäßen verschiedener Organe und verursachen dadurch eine Vaskulitis. Schwere Verläufe können auch zu einer Enzephalitis sowie zu ausgeprägten Hautschädigungen mit Nekrosen führen.

Die Taubenzecke (Argas reflexus) ist in Südeuropa beheimatet und wurde wahrscheinlich durch Zugvögel nach Nord- und Mitteleuropa verschleppt. In unseren Breiten kann sie allerdings nur in Gebäuden überleben. Der Stich einer Taubenzecke kann beim Menschen allergische Reaktionen vom Soforttyp hervorrufen. Diese treten als generalisierte Urtikaria (Nesselausschlag), Quincke-Ödem (schmerzende Schwellung im Unterhautgewebe) oder als Urtikaria-Angioödem-Syndrom, zum Teil mit Diarrhöen, auf. Urtikaria oder Ödem erscheinen aber, egal wo Argas reflexus gestochen hat, am ausgeprägtesten an Kopf und Hals. Folge sind dann vielfach Atemnot, Kreislaufbeschwerden, Herzrhythmusstörungen und anaphylaktischer Schock. Diese und andere Zeckenarten übertragen viele Infektionen. Am bedeutsamsten sind Borreliose und die FSME.

Borreliose

Der Mutter eines Patienten ist es zu verdanken, dass die Lyme-Borreliose ernst genommen wird und behandelbar ist. 1975 hat Polly Marray Daten über die Symptome der Erkrankung gesammelt, die für eine wissenschaftliche Studie verwendet wurden. Der Mikrobiologe Willy Burgdorfer entdeckte fünf Jahre später die Penicillinresistenz des nach ihm benannten Erregers (Borrelia burgdorferi). Polly stammt aus dem Städtchen Lyme, die der Erkrankung den Namen gab. Bei der Borreliose tragen zwischen 3 und 30 % der Zecken den Erreger in sich. Die Zahl der Borreliose-Erkrankten wird in Deutschland auf ca. 100.000 geschätzt. In einigen Bundesländern wurde eine Borreliose-Meldepflicht eingeführt.

Wenn Zecken ans Herz gehen

Im 1. Stadium kommt es zur lokalen Hautinfektion im Bereich des Zeckenstiches. Allgemeininfektionen mit akuten Organmanifestationen wie Myokarditis, periphere Neuritis, intermittierende Lyme-Arthritis folgen im 2. Stadium. Schließlich treten chronische Organschäden am Herzen und an den Gelenken auf.

Borrelieninfektionen heilen oft selber spontan ab. Die Erreger können jedoch auch in verschiedenen Geweben überdauern und selbst nach Jahren einen erneuten Krankheitsschub auslösen oder zu einer chronischen Entzündung führen. Wenn die Zecke nur kurz gesaugt hat, besteht kein Grund zur Panik oder Überreaktion. Erst wenn der Blutsauger mehr als zehn Stunden aktiv war, können Erreger über den Stichkanal übertragen werden.

Das Erythema migrans an der Stichstelle ist die häufigste Manifestation einer Lyme-Borreliose. Die Hautveränderung tritt 7 bis 10 Tage nach einem Zeckenstich auf und breitet sich innerhalb von Tagen bis Wochen aus. Die meist schmerzlose Veränderung ist oft kreisrund, sich ausbreitend oder bildet eine erythematöse Scheibe. Gelegentlich treten Fieber und andere Allgemeinsymptome auf.
Das Borrelien-Lymphozytom tritt vor allem bei Kindern und Jugendlichen meistens am Ohrläppchen oder an den Mamillen als rötlich-livide Schwellung auf.

Eine frühe disseminierte Lyme-Borreliose ist gekennzeichnet durch multiple Erytheme, schwerere Allgemeinsymptome oder Befall von anderen Organen als der Haut. Zu ihnen zählt auch die kardiale Lyme-Borreliose. Möglich sind Überleitungsstörungen und akute Neuroborreliosen mit Hirnhautentzündung und Paresen. Die in Europa seltene Lyme-Arthritis gehört zur Spätmanifestation. Einige Monate nach einem Erythema migrans treten Synovitiden von Kniegelenken auf.

Irrtümer weit verbreitet

Das unabhängige wissenschaftliche Institute of Medicine (IOM) äußert sich besorgt über „die weite Verbreitung von falschen Vorstellungen und Missverständnissen“ in Bezug auf die Infektion mit Borrelia burgdorferi.

Besonders problematisch finden Experten um Dr. John Halperin vom Overlook Medical Center in Summit, dass manche Ärzte zur klinischen Diagnose auch andere Symptome als das Erythema migrans heranziehen und die Serologie wegen „fehlender Aussagekraft“ außer Acht lassen. In einem Review  im American Journal of Medicine 2013 haben die US-Mediziner die häufigsten Irrtümer in Bezug auf die Borreliose sowie die entsprechende evidenzbasierte Datenlage zusammengestellt:

  • In späteren Stadien einer Borreliose besteht, wenn überhaupt, nur äußerst selten Seronegativität. Daher ist bei seronegativen Patienten mit Symptomen, die seit mehr als einem Monat bestehen, eine Borreliose-Therapie normalerweise nicht zu rechtfertigen.
  • Der Befund von isoliertem IgM in Patienten mit monatelanger Erkrankung ist fast immer falsch positiv. Tests auf spezifisches IgM sollten überhaupt nur in der Frühphase der Erkrankung verwendet werden.
  • Ein weiterer Irrtum ist, dass positive Antikörper-Tests nach antibiotischer Therapie anzeigen, dass nicht ausreichend behandelt wurde. Bei Patienten mit starker IgG– oder IgM-Reaktion können das Serum und sogar der Liquor selbst nach Jahrzehnten noch seropositiv sein.
  • Auch die Annahme, dass nach einer Antibiotikatherapie (wegen einer anderen Infektion) die Bluttests falsch negativ ausfallen, ist falsch.
  • Auch wenn die Symptome unter einer Antibiotikatherapie fortbestehen, ist eine Gabe von zwei bis vier Wochen ausreichend. In kontrollierten Studien hat eine längere Therapie auch bei anhaltenden Symptomen keinen Zusatznutzen erbracht.

Protest am Brandenburger Tor

Das Aktionsbündnis gegen zeckenübertragene Infektionen Deutschland e. V. (OnLyme-Aktion.org) rief in Berlin am Brandenburger Tor zu einer Protestkundgebung auf. Die Patienten beklagen eine überaus schlechte Versorgungslage, mangelnde Forschungsanstrengungen und eine fehlende wirksame Therapie – insbesondere im Spätstadium. „Mit dem Motto: (Be)Handelt endlich! appellieren wir an die Verantwortlichen, diese weitverbreitete Multi-Organ-Infektion aus gesundheitspolitischen, sozialpolitischen, wirtschaftspolitischen und medizinischen Gründen nicht länger zu vernachlässigen“, sagt Susanne Lutz, eine Sprecherin des Aktionsbündnisses.

Antibiotika nach Zeckenstich?

Eine generelle Antibiotikaprophylaxe nach einer Zeckenattacke ist nicht sinnvoll. Lediglich Patienten, die grippeähnliche Symptome entwickeln, wenn der Zeckenstich erst nach mehr als ein bis zwei Tagen entdeckt wurde oder Schwangere sollten vorbeugend therapiert werden. Ein Impfstoff gegen die Lyme-Borreliose ist in Deutschland nicht verfügbar.

In Leitlinien werden übereinstimmend Doxycyclin und Amoxicillin für 14 bis 21 Tage oral empfohlen. Das hochpreisigere Cefuroxim-Axetil (2-mal täglich 500 mg) war in randomisierten einfachblinden Studien ähnlich wirksam. Geringer wirksam ist Erythromycin. In einer großen Doppelblindstudie war Azithromycin weniger gut wirksam als Amoxicillin. Außerdem waren Spätmanifestationen der Borreliose unter Azithromycin signifikant häufiger. Makrolide gelten bei der Lyme-Borreliose höchstens als Mittel der dritten Wahl. Bei der disseminierten Form der Borreliose führt die Gabe von Ceftriaxon oder Doxi zu einem 85 % Behandlungserfolg.

FSME: nicht kausal therapierbar

Für das Jahr 2013 wurden bundesweit etwa 400 Meldungen für die von Zecken übertragene FSME gemeldet, mehr als doppelt so viel wie im Jahr davor. Im Gegensatz zur Lyme-Borreliose kommt die Frühsommer-Meningoenzephalitis nur in bestimmten Gebieten vor. Obwohl ein Süd-Nord-Gefälle besteht, lassen sich Risikogebiete nicht befriedigend definieren. Der Erreger ist ein RNS-Flavivirus, der einen zweiphasigen Verlauf der Erkrankung auslöst. Ein bis zwei Wochen nach der Infektion kommt es zu mittelschwerem Fieber ohne Anzeichen einer ZNS-Beteiligung. Nach einer zwei- bis zehntägigen Remission klagen etwa ein Drittel der Patienten unter einer zweiten, ausgeprägteren Fieberphase mit Zeichen einer Meningitis bzw. Meningoenzephalitis. 
Erst wenn sicher ist, dass der Patient sich in einem Endemiegebiet aufgehalten hat und in den drei vorangegangenen Wochen von einer Zecke gebissen worden ist, ist eine sichere Diagnosestellung möglich. Außerdem müssen spezifische FSME-Antikörper und ein entzündlicher Liquorbefund vorhanden sein. Eine kausale Therapie ist nicht möglich. Analgetika und Corticosteroide lindern systemisch die Beschwerden. Der frühzeitige Einsatz von Immunglobulinen ist durch klinische Studien nicht hinreichend belegt.

Eine Immunprophylaxe ist mit einem FSME-Impfstoff möglich. Zur aktiven Immunisierung wird der Impfstoff zweimal im Abstand von 14 Tagen bis 3 Monaten gegeben. Nach 9 bis 12 Monaten erfolgt eine Boosterimpfung und eine Auffrischimpfung nach etwa 3 Jahren. Auch eine Schnellimmunisierung ist machbar: 2 bis 3 Teilimpfungen an den Tagen 0, 14 bzw. 0, 7, 21, gefolgt von einer Boosterimpfung nach 9 bis 18 Monaten. Alle Personen, die sich aufgrund des Berufes oder aufgrund von Freizeitaktivitäten häufig in der Natur aufhalten oder Urlaubsreisen in Hochrisikoregionen antreten, sollten immunisiert werden, so die Empfehlung der STIKO und des RKI. Wer mehr als ein Jahr vor FSME geschützt sein will, sollte sich nach neun bis zwölf Monaten eine dritte Impfung verabreichen lassen. Deren Schutzwirkung hält mindestens drei Jahre. Nach vollständiger Impfung kann bei 99 % der Geimpften mit einem vollständigen Schutz vor FSME gerechnet werden
. Eine postexpositionelle passive Immunisierung mit einem FSME-Immunglobulin sollte gut abgewogen werden. Sie darf nur spätestens vier Tagen nach Betreten des Infektionsgebietes, nicht vier Tage nach Zeckenstich, erfolgen. Eine spätere Anwendung kann zu schwereren Verläufen führen. Mit der passiven Immunisierung erreicht man eine Schutzrate von 50 bis 60%.

Zecken haben kein Gewinde

Mit Klebstoff betäuben, gegen den Uhrzeigersinn drehen oder mit einer Zigarette thermisch nerven, all diese Tipps sind für die Tonne.

  • Zecken stets so früh wie möglich entfernen (Infektionsrisiko wird gesenkt).
  • Zecken nicht zerquetschen!
  • Zeckenzange aus Kunststoff oder Fingernagel, möglichst weit vorne anfassen, „Hinterleib“ der Zecke nicht komprimieren.
  • Zangen aus Metall sind nicht sinnvoll, da sie die Zecke zerquetschen können und so dazu führen, dass diese ihre Sekrete vor der Entfernung absondert.
  • Es sollte nicht mit oder gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden; die Beißwerkzeuge der Zecke haben kein Gewinde. Wichtig ist der Überraschungseffekt. Deshalb die Zecke zackig gerade herausziehen.
  • Zecken nicht ersticken! Oft findet man die Empfehlung, Arnicatinktur auf die Zecke zu träufeln. Kein Öl, kein Klebstoff, keine ethanolischen homöopathischen Tinkturen; all dies würde die Zecke dazu bringen, im Todeskampf ihre Sekrete zu entleeren.
639 Wertungen (2.44 ø)

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33 Kommentare:

sehr guter Artikel

#33 |
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Hp psych laut HPG jessica rosner
Hp psych laut HPG jessica rosner

Ich habe gehört, dass man gerade Plastik-Zecken-Zangen NICHT verwenden soll, da diese zu dick sind und man so den Zeckenkörper zwangsläufig quetscht. Es werden gebogene, ,metallene, dünne Zangen empfohlen. Auch das Ziehen mit den Fingernägeln ist problematisch, da man mit den Fingerkuppen die Zecke ebenfalls quetscht.
Was ist mit der Empfehlung die Zecke vor dem entfernen mit Eisspray in den Winterschlaf bzw. in die Kältestarre zu schicken?
Kann dies jemand bestätigen?
Mfg

#32 |
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Kay Wack
Kay Wack

Danke für die ‘Tonnen-Tipps’!

#31 |
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Apothekenhelferin

Ich habe Borreliose von einem WESPENstich bekommen!

#30 |
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onlymie
onlymie

Entschuldigung, meine Frage richtete sich natürlich an den Wissenschaftler “Gast” #12

Vermutlich lag es daran, dass mir Beitrag #20 ziemlich imponierte. Vielen Dank für Ihre Offenheit!

# 22 Das Zecken-Gel wäre nicht das erste gescheiterte Projekt. Bereits das 2005 von der Europäischen Union mit 1,5 Mio. Euro geförderte Projekt BOVAC zur Entwicklung eines Borreliose-Impfstoffes lief ins Leere. Aktuell fördert die EU das Projekt “Antidote – Anti-tick vaccines to prevent Tick-borne Diseases in Europe” zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen Zeckenbisse mit 3 Mio. Euro. Auch von “HILYSENS”, ein 2010 gestartetes, von der EU gefördertes Forschungsprojekt (neue Test-Technologie mittels Biochip) hört man leider nichts mehr.

Offenbar ist die Thematik doch nicht so einfach, wie man uns gerne glauben lassen möchte.

#29 |
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Martina Müller
Martina Müller

@#22: http://www.srf.ch/gesundheit/alltag-umwelt/antibiotika-gel-gegen-borreliose

Scheint, als würde das noch ein bisschen dauern. Bei den langen möglichen Latenzzeiten finde ich das vernünftig, wenn die Probanden lange beobachtet werden. Wär ja blöd, wenn nur das EM verhindert würde und die Krankheit dann in einem späteren Stadium ausbricht. Wie genau der Therapieerfolg bei den lausigen Antikörpertests kontrolliert werden soll, ist mir allerdings ein Rätsel, denn keins der späteren Symptome ist beweisend für eine Borreliose und es ist ja auch möglich, dass sich ein Proband zu einem späteren Zeitpunkt durch einen unbemerkten Zeckenstich mit Borreliose infiziert. Ich glaube kaum, dass die Probanden ein Natur-Kontaktverbot bekommen während der Studiendauer.

PS. Bin nur eine chronische Patientin, die die Forschung verfolgt. Habe nicht studiert. Aber die Borreliose war schon immer eine Sache der Selbsthilfe. Entdeckt hat die Lyme-Krankheit nämlich die amerikanische Hausfrau Polly Murray. Hätte es sie nicht gegeben, würde man Borrelia burgdoferi vielleicht heute immer noch nicht kennen wollen. Wenn wir Betroffenen die Forschung nicht verfolgen würden, würde sich gar nichts bewegen.

#28 |
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onlymie
onlymie

#20 Welche Fachinformationen bzw. Bücher halten Sie denn als Wissenschaftler für „RICHTIG“? Zählt nicht auch Unvoreingenommenheit zu den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis?

#27 |
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Tierärztin

Hallo Herr Kostro,
wir Tierärzte hebeln die Zecke nicht mit scharfen Instrumenten heraus. Mit der Zeckenzange oder Schlinge hat man die Ruckzuck heraus, ohne dass eine Wunde zurück bleibt. Ich entferne sehr viele Zecken bei Tier und Mensch und habe bisher noch jede innerhalb von Sekunden draußen gehabt.

#26 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

#23 gemeint ist natürlich die FSME-Impfung

#25 |
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Gast
Gast

#20 Sie sollten ihre eigenen Unkenntnisse “skandalös” bitte nicht generalisieren!

#24 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Joerg Kostro, Sie mögen ja gerne ein Skalpell benutzen und dem Patienten damit eine Wunde zufügen, die er vorher nicht hatte. Ich bevorzuge meine Spezialpinzette, so häufig habe ich das schon gemacht und dabei noch nie einen Kopf abgerissen.
Das Erithema migrans (EM) ist typisch und tritt ausreichend früh VOR schwerwiegenden anderen Schäden ein, so dass eine generelle Antibiotikagabe wirklich übertrieben wäre, die Serologie kommt im Zweifelsfall später auch noch infrage.
In einem Endemiegebiet empfielt sich zudem eine Impfung, wer sehr naturnahen Kontakt (Urlaub) plant.

#23 |
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Was mich noch interessiert hätte: Was ist denn aus der Zeckenstudie geworden, die eine Lokaltherapie mit einem Azithromycin-Gel ausprobieren wollte? Meines Wissens nach sollte die Studie doch 2012 beendet werden und dann irgendwann (hoffentlich) die Ergebnisse veröffentlicht werden – aber jetzt finde ich nichts aktuelles mehr. War das Ergebnis zu schlecht, um es zu veröffentlichen oder bin ich einfach zu ungeduldig?

#22 |
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Stefanie Raskop
Stefanie Raskop

Interessanter Artikel. Sie sollten auch einmal auf die Webseite von Frau Dr. Hopf-Seidel gehen,die viel Jahre Borreliose-Patienten behandelt hat. Ich empfehle bei Unsicherheit, ob es sich um einen Borreliose handelt oder nicht (in diesen seltenen Fällen) den LTT-Borreliose zu bestimmen.

#21 |
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Obwohl ich selber Ärztin bin, wusste ich so gut wie nichts über chron. Borreliose. So bin ich denn auch im Alter von nur 46 Jahren (unwissend) in die Berentung wegen 100%-iger Berufsunfähigkeit geschlittert. Die offiziellen Diagnosen waren damals Migräne und Fibromyalgie. Niemand – mich eingeschlossen – dachte an eine mögliche Zeckenanamnese. Diese Unwissenheit unter Ärzten ist skandalös – angesichts des unglaublichen Leidensdrucks, den diese Erkrankung auslöst. Nicht umsonst hat die Borreliose eine hohe Letalität durch Suizid !! Mir wäre ein jahrelanges Martyrium, in dem jede Sekunde eine Höllenqual war, erspart geblieben, wenn die Ignoranz dieser Erkrankung gegenüber nicht so unfassbar groß wäre. Und ich könnte noch meinem Beruf nachgehen …

#20 |
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Petra
Petra

Ich bin immer wieder aufs Neue entsetzt, wie gerade in der Medizin so wenig Wert auf Fortbildung gelegt wird
Arme Patienten

#19 |
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Heilpraktiker

@ # 12 (Gast) Ich möchte als HEILPRAKTIKER darauf hinweisen, dass die Geschäftemacherei mit (scheinbaren und tatsächlichen) Borreliose-Patienten überwiegend durch Ärzte betrieben wird.
Andererseits kenne ich kaum ein Thema, das so emotional und unsachlich geführt wird, wie die der Borreliose-Thematik.
Für die Diagnostik stehen uns, wie schon von Frau Wilk richtig beschrieben, PCR´s auf Borrelien in der Zecke, über ELISA IgG und IgM und ANSCHLIEßENDER Ausdifferenzierung über einen Westernblot (und nicht zu vergessen auch die Cell-Spots) zur Verfügung. Erst wenn diese Strategien ausreichend berücksichtigt wurden UND ein klinisches Bild vorliegt, kann man anfangen an eine manifeste Borreliose zu denken.

#18 |
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Dr. med. vet. Esther Wilk
Dr. med. vet. Esther Wilk

Was in diesem Artikel leider nicht erwähnt wurde, ist die Möglichkeit auch die Zecke auf Borrelien untersuchen zu lassen! Eine Leistung, die bisher soweit ich weiß nicht von den Krankenkassen bezahlt wird, einen aber durchaus einiges ersparen kann.

#17 |
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onlymie
onlymie

“Makrolide gelten bei Lyme-Borreliose höchstens als Mittel der dritten Wahl”. Nach erfolgloser Standard-Therpaie mit Doxi, danach erfolglose Behandlung mit Ceftriaxon brachte bei mir ein Makrolid (mit Quensyl) den Durchbruch. Die größte Schwierigkeit für Borreliose-Patienten ist allerdings immer noch, überhaupt einen Arzt zu finden, der nach erfolgloser Standard-Therapie ursächlich weiterbehandelt. Auch verharmlosende Berichte wie dieser bei DocCheck tragen dazu bei, dass bei Patienten nur noch Symptome behandelt werden, nicht selten mit Psychoparmaka. Kaum verwunderlich, dass damit keine Besserung einkehren will. Eine weitere ursächliche Therapie wird diesen Patienten verwehrt! Nicht zuletzt deshalb fordert das Aktionsbündnis (Be)Handelt endlich!

#16 |
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Martina Müller
Martina Müller

@#12: Ihnen kann ich nur wünschen, dass Sie eine chronische Borreliose am eigenen Leib erfahren müssen. Ich selbst war schon mindestens 6 Jahre im Stadium 3 mit Acrodermatitis chronica atrophican. Die Serologie zeigte nur positive IgM. Die PCR (Nachweis von Erreger DNA/DNS) aus Haut war positiv und die Histologie zeigte auch entsprechende Merkmale. Von vier weiteren mir bekannten ACA-Patienten haben nur drei eine positive Serologie. Eine Hautborreliose ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Unbehandelt treten mit der Zeit viele invalidisierende Symptome auf. Ich konnte z.B. unter anderem im Alter von nur 37 Jahren vor Schwäche ohne Gehhilfe nicht mehr weiter gehen als 20 Meter. Eine schlimme Situation, wenn man überall her zu hören bekommt, das sei lediglich psychisch.

Somit sehe ich Ärzte, die uns Patienten trotz fehlender belastbarer Daten, völlig ungerechtfertigt in die Psychoecke stellen und uns jegliches Recht entziehen, selbst zu entscheiden, welchen Leitlinien wir vertrauen möchten, wenn es uns so dreckig geht. Lesen Sie doch mal den aktuellsten Artikel in der Ärztezeitung, wie sensitiv die lausige Antikörper-Diagnostik ist.

Dass jemand, der nicht studiert hat, automatisch auch eine gestörte Körperwahrnehmung hat, ist jedenfalls auch ziemlich unwissenschaftlich, mal davon abgesehen, dass die Mitglieder der Deutschen Borreliose Gesellschaft auch in diversen Fachgebieten studiert haben.

#15 |
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Vielleicht sollte man erwähnen, daß Zecken nicht von Bäumen fallen. Sie klettern höchstens ca 1 m an Sträuchern hoch.
Dr. Rätz

#14 |
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@#6 + #1: bezüglich Nosoden war ich schon immer äußerst skeptisch (habe noch Dr. Voll, den Apostel der Elektroakupunktur, persönlich erlebt): wie, um Himmels Willen, soll der Strom durch das Glasfläschchen hindurchgehen? Und noch dazu in einem Becherchen, das nur parallel zum eigentlichen Stromkreis geschaltet ist? (Von der Fragwürdigkeit der Methode – ohne dieses Becherchen – als theoretische Diagnostik-Möglichkeit, die mir zunächst als durchaus interessant erschien, ganz abgesehen). – Aber mittlerweile ist die ganze Geschichte doch völlig obsolet!
@#5: gute Idee mit dem Garn, leuchtet absolut ein!

#13 |
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Gast
Gast

Als Wissenschaftler kann ich all den “Betroffenen” nur raten, sich unter nachfolgenden Varianten die passendste auszusuchen:
a) Medizin studieren und sich selbst ein Bild verschaffen
b) Biologie oder Biochemie studieren und sich selbst ein Bild verschaffen
c) die RICHTIGEN Fachinformationen und Bücher lesen
d) einen Psychotherapeuten zur Evaluation der hypochondrischen Persönlichkeitsstruktur aufsuchen.

Liebe Petra,
ich sehe keine weltweite Lyme-Borreliose-Verschwörung. Aber ich sehe eine Menge “Heilpraktiker”, die große Summen mit der vermeintlichen Diagnostik einer Erkrankung umsetzen, die am Ende doch nur ein somatisches Syndrom gewesen ist…sorry für die klaren Worte!

#12 |
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Petra
Petra

Als Betroffene kann ich nur jedem Arzt raten eine Fortbildungsveranstaltung der Deutschen Borreliose Gesellschaft zu besuchen, wie unlängst in Erfurt mit hochkarätiger Besetzung, wie z.B. Prof. Christian Perronne!

Eine umfassende Sammlung wissenschaftlicher Studien zur Lyme-Borreliose finden Sie auch hier:
http://forum.onlyme-aktion.org/forumdisplay.php?fid=49&page=3

30 Jahre nach Entdeckung des Krankheitserregers der Lyme-Borreliose gibt es immer noch keine standardisierte zuverlässige Diagnostik, keine sicher heilende Therapie, keinen Impfstoff und kaum Forschung!
Nur durch das inzwischen weltweite millionenfache Aufbegehren der Kranken und ihrer Angehörigen und der unermüdlichen medienwirksamen Aufklärungskampagnen etlicher betroffener US-Stars, wie Kevin Bacon, Jane Alexander, Yolanda Foster, Karen Allen, Amy Tan, Ally Hilfiger, Daryl Hall uvm, beginnt nun endlich ein Wandel!

Worldwide Lyme Protest
Lyme-Borreliose-Betroffenen demonstrieren weltweit am 17. Mai, um auf diese katastrophalen Missstände hinzuweisen. In Deutschland organisiert OnLyme-Aktion.org Protestaktionen in Hamburg, Sulingen, Köln, Hanau und Berlin!

#11 |
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Joerg Kostro
Joerg Kostro

Dem Herrn Dr. Bayerl möchte ich als Patient bitte nicht in die Finger geraten – selten hat es jemanden gegeben, der so viel geballte Inkompetenz in gerade einmal vier Sätze packen konnte.

Die einzige Art wie man eine Zecke wirklich chirurgisch sachgerecht entfernt, ist etwas unter die Beisswerkzeuge der Zecke zu bringen, z.B. eine Kanuelenspitze oder die Spitze einer Skalpellklinge no.11 und das Tierchen damit herauszuhebeln, Das – und nur das – verhindert, dass sich irgendetwas aus der Zecke in die Bisswunde entleert.
Der empfohlene Tropfen Öl verstoppft in der Tat die Atemwege der Zecke und löst damit geradezu exemplarisch den zu vermeidenden Todeskampf aus, bei dem alles möglich aus den Speicheldrüsen und dem Darm der Zecke in die Bisswunde gelangt.

Lassen Sie das Entfernen von Zecken bitte lieber von jemanden durchführen, der was davon versteht….vielleicht den örtlichen Tierarzt?

#10 |
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Susan Gubitz
Susan Gubitz

Endlich ein Artikel, der klar und deutlich mit dem Mysterium Zecke aufräumt und in einfachen Worten deren sachgerechte Entfernung erklärt! Vielen Dank.

#9 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Es gibt schon Gegenden, in denen Zecken im Sommer rel. häufig vorkommen.
Natürlich brauchen NICHT alle Antibiotika, auf ein kleines typisches Erythem kann man schon warten und damit seine Kompetenz demonstrieren.
#5 Beim Entfernen ist rein chirurgisch (Infekt) wichtig, dass der Kopf nicht abreißt,
da hilft eine kleine Vorbehandlung mit einem Tropfen Öl, das den Zecken die Luft nimmt und sie dann eher “loslassen”. Dabei leichtes Drehen empfohlen.

#8 |
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Gast
Gast

Der schöne Satz: “Ich glaube nur der Statistik die ich selbst gefälscht habe!” hat noch mehr an Bedeutung gewonnen, seidem das RKI diese für den Gesundheitssektor und die dazugehörigen Todesfälle an sich gezogen hat.

@M. Schlager:” …alljährlich 10.000 Grippetote …”?
Für den Winter mit 30.000! Grippetoten konnte das Bundesamt für Statistik in Wiebaden noch nicht einmal 400 Tote melden und davon waren über 80% älter als 85 Jahre!
Bei Zahlen ist höchste Vorsicht geboten! Die Pharmaindustrie und leider auch das RKI treiben die Zahlen die ja niemand überprüft gerne zu kommerziellen Zwecken in die Höhe. Dies gilt auch für das Schreckgespenst “Zecke”, das alle Jahre wieder durch die Presse getrieben wird..

Die Zweifel von Dr. Xenitidis sind aller Erfahrung nach mehr als berechtigt.

#7 |
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Zur Nosoden-Therapie: Die Borreliose-Nosoden sind nur noch zur Diagnostik (mit EAV, Kinesiologie oder anderen bioenergetischen Testmethoden) zugelassen. Insider wissen jedoch, dass sie weiterhin so hergestellt werden wie zu den Zeiten, als sie noch zur Therapie zugelassen waren. Die Anwendung funktioniert, aber die Verantwortung bei Misserfolgen liegt jetzt beim Behandler. Der Patient muss also sehr gründlich aufgeklärt werden.

#6 |
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Wie entfernt man eine Zecke? Ganz einfach: aus einem dünnen Faden (Nähgarn, Zwirn o.ä.) wird eine Schlinge gebildet, zwischen Zecke und Haut gelegt, zusammengezogen und die Zecke durch Zug entfernt. Sekrete können dann nicht mehr entleert werden, da der Stechrüssel komprimiert wird.

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@ Dr. med. Xenitidis: Die Patienten kommen unter dem Einfluss zahlreicher verschiedener Medien, Internet und von Angehörigen und anderen Spezialisierten Patienten, die schon mal so was hatten, wegen Gelenkbeschwerden und Z.nZeckenbiss zum Hausarzt.
Wenn man da kein Blut abnimmt, ist man gleich unglaubwürdig. Die Patienten sind stark verunsichert. Ich glaube es ist weit verbreitet, dass sofort Antibiotika gegeben werden.
Man kann sich vielleicht in der Klinik diesem Trend entgegenstellen, aber im ambulanten Bereich gelten andere ungeschriebene Gesetze. Man bekommt eine negative Mundpropaganda wenn man sich da anders verhält.

#4 |
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Hier wird sicherlich mit Haien oder grüne Mamba verglichen.

#3 |
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420 Fälle von FSME bei einem Volk von 82 Mio und 4,4 Mio Übrnachtungen von ausländischen Touristen pro Jahr. Da muss man mal die Relationen beachten.

Borreliose: In 10 Jahren Tätigkeit als Kliniker in versch. rheumatologischen Häusern habe ich noch nicht eine echte Lyme-Arthritis gesehen. Trotzdem bestimmt eine große Zahl der ein- und überweisenden Hausärzten gebetsmühlenhaft und fast als erstes die Borrelienserologie. Da stimmt doch etwas nicht!!

#2 |
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Markus Schlager
Markus Schlager

Zweifellos sind FSME und Boreliose gefährliche Krankheiten. ABER: 100.000 Borreliose-Erkrankte oder doch Rheuma? 2013 – 400 klinische Krankheitsfälle, 193 mit tödlichem Verlauf. Im Vergleich zu 10.000 Grippetoten alljährlich fast eine Randgruppe und der ganze Impfzauber ein grandioser Coup der Pharma-Industrie! Ist eigentlich bekannt, dass es Abhilfe durch Nosoden geben kann? (sogar Prophylaxe!) Oder hat man uns die auch schon verboten?

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