Gedächtnis: Grüntee-Extrakt steigert Hirnaktivität

8. April 2014
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Grüner Tee zählt zu den meist untersuchten Lebensmitteln der letzten Jahre. Forscher fanden nun heraus, dass Grüntee-Extrakt die kognitiven Funktionen des Gehirns verbessert. Ihre Resultate haben großes Potenzial, die Behandlung von psychischen Störungen wie Demenz zu verbessern.

In der Vergangenheit wurden die Inhaltsstoffe von grünem Tee ausführlich von der Krebsforschung untersucht. Forscher interessieren sich nun auch für den Einfluss des Getränks auf das menschliche Gehirn. In verschiedenen Studien konnte der positive Effekt von grünem Tee auf die kognitiven Leistungen nachgewiesen werden. Bisher waren allerdings die neuronalen Mechanismen, die dieser Leistungssteigerung zugrunde liegen, noch unbekannt.

Besseres Gedächtnis

Die Forschungsteams um Prof. Christoph Beglinger vom Universitätsspital Basel und Prof. Stefan Borgwardt von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel haben nun herausgefunden, dass Grüntee-Extrakt die effektive Konnektivität, also den Einfluss, den ein bestimmtes Hirnareal auf ein anderes ausübt, steigert. Dieser Effekt auf die Konnektivität führte gleichzeitig auch zu einer Steigerung der Denkleistung: Die Testpersonen erzielten nach der Einnahmen des Extrakts signifikant bessere Testresultate, vor allem das Arbeitsgedächtnis verbesserte sich.

Für die Studie erhielten männliche Probanden einen Softdrink mit mehreren Gramm Grüntee-Extrakt. Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) untersuchten die Wissenschaftler dann den Effekt des Getränks auf die Hirnaktivität der Männer, während sie Gedächtnisaufgaben lösten. Das MRT zeigte eine deutlich erhöhte Konnektivität zwischen dem parietalen und frontalen Kortex. Diese neuronalen Resultate korrelierten ebenfalls positiv mit der verbesserten kognitiven Leistung der Probanden. „Die Studienergebnisse könnten auf einen positiven Einfluss von Grüntee auf die Kurzzeitplastizität, also die kurzzeitige Anpassung der Übertragungsstärke der Synapsen des Gehirns, hindeuten“, so Borgwardt.

Klinische Anwendung bei Demenz

Die Forschungsresultate haben großes Potenzial für die klinische Anwendung: Die Erforschung der Konnektivität zwischen den Hirnregionen während der Verarbeitung von Arbeitsgedächtnisaufgaben könnte helfen, die Effektivität von grünem Tee für die Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen bei neuropsychiatrischen Erkrankungen wie zum Beispiel Demenz zu beurteilen.

Originalpublikation
:

Green tea extract enhances parieto-frontal connectivity during working memory processing
A. Schmidt et al.; Psychopharmacology, doi: 10.1007/s00213-014-3526-1; 2014

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8 Kommentare:

Gast
Gast

Wie wär`s mit “Herr lass Gras wachsen, die Rindviecher werden immer mehr”

#8 |
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Naturwissenschaftler

@ Dr. Bihlmaier: “Softdrink mit Grüntee-Extrakt- ja geht es noch? Wie wäre es mit ganz normalem Grüntee- statt Aromastoffen, Zucker- und Farbstoffen?”
> mal den Artikel gelesen? : “…a milk whey-based soft drink…”

#7 |
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Medizinphysiker

….also nicht mehr “Herr lass Hirn regnen”, sondern “Herr lass Grüntee regnen”, weitaus angenehmere Vorstellung…..

#6 |
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Chemiker

Coffein ist für solche Effekte ja bekannt…

#5 |
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Dr. Corinna Spott
Dr. Corinna Spott

Nette hoffnungsstimulierende Studie, aber leider nur 12 Probanden …

@ Dr. Bihlmaier: Da es sich um eine Doppelblind-Studie handelt, musste der Grüntee sicher in etwas “versteckt” werden, so dass die Probanden nicht sofort merken, was sie zu sich nehmen. Ansonsten stimme ich Ihnen zu, Grüntee pur reicht.

#4 |
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Biologin

Hallo, auch für Menschen mit Down Syndrom wird eine verbesserte kognitive Wirkung beschrieben. Vor allem der Extrakt mit Polyphenolen soll im Vergleich zu reinem EGCG hilfreich sein.

#3 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Große Mengen der im grünen Tee enthaltenen Polyphenole können Leber und Nieren schädigen.
Bisher sind diese Stoffe eher als Schutzfaktoren bekannt: Sie sollen vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Forscher der Rutgers-Universität, New Jersey/USA, fanden aber heraus, dass sie im Übermaß genossen giftig sind. Bis zu zehn Tassen am Tag seien aber unbedenklich, beruhigen die Forscher.

#2 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Ein Softdrink mit Grüntee-Extrakt- ja geht es noch? Wie wäre es mit ganz normalem Grüntee- statt Aromastoffen, Zucker- und Farbstoffen?
Alle bisherigen, nachgewiesenen Wirkungen bei Grüntee sind mit 2-3 Tassen, sprich 0,5 l problemlos erreichbar.

#1 |
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