Krebsrisiko: Blick auf Mundgesundheit

7. April 2014
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Eine Studie an Patienten mit Krebs der oberen Luft- und Speisewege zeigt, dass schlechte Mundgesundheit und unregelmäßige Zahnarztbesuche eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen. Zudem identifizierten die Forscher exzessiven Mundwasser-Gebrauch als mögliche Krebsursache.

Die europaweite Verbundstudie hat das Internationale Institut für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) koordiniert. Leiter der Studie an der Universität Bremen war Wolfgang Ahrens, stellvertretender Institutsdirektor des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) und Professor für epidemiologische Methoden an der Universität Bremen.

Die beteiligten Wissenschaftler identifizierten neue Risikofaktoren für Krebs der oberen Luft- und Speisewege (Mundhöhle, Kehlkopf, Rachen und Speiseröhre). Die Studie, die 1.962 Patienten mit Mundhöhlen- und Kehlkopfkrebs und weitere 1.993 gesunde Vergleichspersonen umfasste, wurde in 13 Zentren in neun Ländern durchgeführt und durch Mittel der EU finanziert.

Nicht nur Rauchen und Alkohol sind Ursachen für Krebs

In der Fachwelt als erwiesen gilt, dass Rauchen und Alkoholkonsum – besonders in Kombination – die Entstehung von Mundhöhlen- und Kehlkopfkrebs verursachen. Auch ein niedriger sozioökonomischer Status ist ein anerkannter Risikofaktor für die Krebsentstehung. Wolfgang Ahrens fasst es so zusammen: „Diese Ergebnisse sind sehr wichtig. Bisher war nicht klar, ob diese zahnmedizinischen Risikofaktoren unabhängig von den bereits bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol und niedrigem sozioökonomischen Status wirken.”

Erstmals sei es durch die methodische Vorgehensweise und die große Teilnehmerzahl gelungen, den Einfluss der einzelnen Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und niedrigem sozioökonomischen Status voneinander zu trennen. Und obwohl mehrere Risikofaktoren in Kombination natürlich die Wahrscheinlichkeit für die Krebsentstehung erhöhen, fanden die Forscher heraus, dass schlechte Mundgesundheit und unregelmäßige Zahnpflege als unabhängige Einflussfaktoren zu betrachten sind. Als Anzeichen für schlechte Mundgesundheit wurden in der Studie unter anderem häufiges Zahnfleischbluten und das Tragen von Zahnersatz angesehen. Als Anzeichen für eine schlechte Zahnpflege wurden insbesondere seltenes Zähneputzen und seltene Zahnarztbesuche bewertet.

Menschen, die Prothesen tragen und keine eigenen Zähne mehr haben, sollten nicht glauben, Zahnarztbesuche seien überflüssig”, sagt Dr. David Conway, Dozent an der Zahnklinik der Universität Glasgow und Mitautor der Studie. „Im Gegenteil, wer eine Prothese trägt sollte trotzdem regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolle gehen“, so der Wissenschaftler weiter. Die Häufigkeit der Zahnarztbesuche sollte vom Zahnarzt festgelegt werden. Bei Patienten mit niedrigem Risiko reicht einmal im Jahr, bei höherem Risiko kann hingegen ein halbjährlicher Besuch notwendig sein.

Exzessiver Gebrauch von Mundwasser erhöht Krebsrisiko

„Die ursächliche Rolle von Mundspülung bei der Krebsentstehung muss noch weiter untersucht werden“, so der Bremer Professor Wolfgang Ahrens. In der Studie konnte gezeigt werden, dass exzessiver Gebrauch von Mundwasser – mehr als dreimal pro Tag – mit einem erhöhten Risiko für Mundhöhlen- und Kehlkopfkrebs verbunden war. Es konnte allerdings nicht ermittelt werden, ob eine bestimmte Sorte von Mundwasser für die Risikoerhöhung verantwortlich ist. Dr. Conway empfiehlt Mundwasser nicht täglich zu benutzen. Das wichtigste sei das regelmäßige Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide in Kombination mit regelmäßigen Zahnarztbesuchen.

Originalpublikation:

Oral health, dental care and mouthwash associated with upper aerodigestive tract cancer risk in Europe: the ARCAGE (Alcohol-Related Cancers and Genetic-susceptibility in Europe) study
Wolfgang Ahrens et al.; Oral Oncology, doi: 10.1016/j.oraloncology.2014.03.001, 2014

21 Wertungen (4.29 ø)
Medizin, Onkologie, Zahnmedizin

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5 Kommentare:

MyDoom
MyDoom

HP Viren hat man hier ganz weggelassen obwohl bewiesen wurde, dass diese ebenfalls in der Mundhöhle krebs verursachen können.

#5 |
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Nach meiner Erfahrung korrelieren extremer Mundwasser- und Parfüm-Gebrauch bei Männern mit dem Alkoholkonsum und dienen dem Verdecken der Alkoholfahne bereits am Vormittag!

#4 |
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Biochemiker

Nachdem wir uns im Rahmen des Human Mircobiome Project bereits von den zahlreichen Interaktionen zwischen der intestinalen Mircoflora und dem Epithel bzw. Immunsystem in toto ueberzeugen konnten, liegt es nahe, auch einmal die Oralflora unter die Lupe zu nehmen. Eine Studie weist eine hohe Koinzidenz zwischen dem Pankreaskarzinom und einer oralen Fehlbesiedlung nach, wobei Neisseria elongata und Streptococcus mitis unterrepraesentiert waren, waehrenddessen Granuticatella adjacens hingegen in erheohter Zahl vorhanden zu sein scheint. Wenngleich auch die Kausalitaet noch nicht abschliessend geklaert ist, deutet doch einiges auf die Oralflora als prima causa hin.

#3 |
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Das Tragen von Zahnersatz ist kein Beweis für regelmäßige Zahnarztbesuche, denn erstens bekommen gut zahnärztlich versorgte “Alte” immer später und seltener Zahnersatz und zweitens ist der Zustand des Zahnersatzes bei manchen Zahnarztvermeidern erbarmungswürdig. Zahnersatz ist also eher ein Beweis für Karies und Parodontose, die leider nicht beherrscht werden konnten.

#2 |
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Heilpraktikerin

Das Tragen von Zahnersatz ist für mich der Beweis für Zahnarztbesuche!

#1 |
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