Bürokratie: Amtsschimmel wiehern in der Offizin

11. April 2014
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Deutschlands Apothekenleiter müssen immer größere administrative Herausforderungen meistern, ergab eine aktuelle Umfrage. Das Spannungsverhältnis zwischen heilberuflicher Tätigkeit und rein kaufmännischen Aufgaben verstärkt sich weiter.

Mehr und mehr Apothekenleiter klagen über einen hohen Verwaltungsaufwand, berichtet das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH). An der Befragung nahmen 301 Inhaber teil. Sie bemängelten übereinstimmend, dass personelle Ressourcen häufig in nicht apothekerliche Tätigkeiten eingebracht werden.

Überbordende Verwaltung

Patienten stehen nach wie vor im Fokus. Auf die Kundenberatung entfallen 49,1 Prozent aller Kapazitäten. Chefs gaben jedoch an, 34,9 Prozent der Personenstunden für Verwaltungsaufgaben einzusetzen. Weitere 15,9 Prozent entfallen auf sonstige Aufgaben. Dazu zählen Rezepturen, Reinigung beziehungsweise Desinfektion, Botendienste, QMS, Fortbildung, Marketing und die Betreuung von Pflegeheimen.

Tendenz steigend

Darüber hinaus bemängelten 92,4 Prozent aller Teilnehmer, in den vergangenen fünf Jahren hätten administrative Tätigkeiten stark zugenommen. Weitere 5,6 Prozent sprachen von einem leichten Anstieg, und 1,3 Prozent sahen keine Veränderung. Lediglich 0,7 Prozent sprachen von weniger Verwaltungsaufgaben, verglichen mit früheren Zeiten.

Inhaber fordern Vereinfachung diverser Prozesse

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich nahezu jeder Apotheker Vereinfachungen bestehender Regularien wünschen würde. Besonders häufig trifft das auf Importe, Normpackungsgrößen und Rabattarzneimittel (98,7 Prozent Zustimmung) zu. Insgesamt kritisierten 95,6 Prozent, Rabattverträge der Krankenkassen erhöhten den Verwaltungsaufwand maßgeblich. Bürokratische Herausforderungen veranlassten mehr als jeden zweiten Apothekenleiter, in der Vergangenheit mehr Personal einzustellen. Ohne überbordende Administration würden Pharmazeuten mehr Zeit in die Kundenberatung investieren (93,4 Prozent) beziehungsweise sich generell stärker heilberuflichen Aufgaben widmen (95,3 Prozent).

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1 Kommentar:

Sven Larisch
Sven Larisch

Das in Deutschland gerne mal der Amtsschimmel wiehert und meist auch noch freilaufend in Herden weidet ist ja nun mal bekannt. Leider trifft das auch für die Apotheken zu. Ich würde eher den Kollegen zustimmen, die meinen der administrative Aufwand (QMS, Präqualifizierung, etc. ) hat enorm zugenommen. Das eigentliche Hauptaugenmerk- der Patient- ist nur noch ein kleiner Teil. So bleibt auch wenig Zeit für Fort- und Weiterbildung im Sinne des Patienten, damit dieser weiterhin gut beraten wird.

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