Chronischer Schmerz: Behandlungsarten überprüft

4. April 2014
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Starke Schmerzmittel, die über einen längeren Zeitraum gegen chronische Schmerzen eingenommen werden, haben den gleichen Effekt wie eine Behandlung ohne Medikamente. So zumindest das Ergebnis einer aktuellen Meta-Analyse.

Unter chronischen Schmerzen, die nicht durch einen Tumor hervorgerufen werden, leidet nahezu ein Viertel der gesamten Bevölkerung. Ursache können beispielsweise rheumatische Erkrankungen wie Arthritis, Erkrankungen des Nervensystems oder Probleme mit Rückenmuskulatur oder Wirbelsäule sein. Die Möglichkeiten zur Behandlung dieser Schmerzen reichen von psychologischen und physiotherapeutischen Verfahren über leichte Schmerzmittel bis hin zu starken opioidhaltigen Medikamenten.

Das Ziel der Wissenschaftler war es, einen meta-analytischen Überblick zu den Langzeitwirkungen der unterschiedlichen Behandlungsarten von chronischen Schmerzen zu erstellen. Sie bewerteten die Ergebnisse aus insgesamt 3.647 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften. Von diesen 3.647 Studien wurden nur die randomisiert-kontrollierten Arbeiten in die weitere Analyse einbezogen. Letztendlich untersuchten die Forscher die Daten von insgesamt 10.742 Patienten. „Die Ergebnisse unserer Analyse haben uns selbst erstaunt, denn es zeigte sich, dass langfristig gesehen die schmerzlindernden Wirkungen von medikamentösen Therapieverfahren klinisch unbedeutend sind im Vergleich zu einem Placebo“, erklärt Prof. Christoph Stein, Leiter der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin am Campus Benjamin Franklin. „Man erzielt also über einen langen Zeitraum hinweg mit starken Schmerzmitteln die gleiche Wirkung wie mit nicht-medikamentösen physiotherapeutischen und psychologischen Verfahren“, fügt er hinzu.

Schmerzmedikamente, die über einen langen Zeitraum hinweg eingenommen werden, können schwere Nebenwirkungen, beispielsweise an den Nieren und im Magen-Darm-Trakt, hervorrufen. Die Ergebnisse der Meta-Analyse legen nahe, bei der Behandlung chronischer Schmerzen vor allem auf Vermeidung von schädlichen Arzneimittelwirkungen zu achten. „Bei der Behandlung chronischer Schmerzen, die nicht durch einen Tumor hervorgerufen werden, sollte ein multidisziplinärer Ansatz, also einer, der nicht nur die medizinischen, sondern auch die psycho-sozialen und physiotherapeutischen Aspekte berücksichtigt, im Vordergrund stehen“, betont Prof. Stein.

Originalpublikation:

Analgesic efficacy of opioids in chronic pain – recent meta analyses
Christoph Stein et al.; Br J Pharmacol., doi: 10.1111/bph.12634; 2014

47 Wertungen (4.09 ø)

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12 Kommentare:

Rosemarie Faber
Rosemarie Faber

Als langjährige betroffene kann ich Herrn Dreusicke nur Recht geben. Die Wirkung der Medikamente ändert sich auch nicht so wirklich. Aber, man nimmt den Schmerz im laufe der Zeit anders wahr. Es tritt einfach eine Gewöhnung ein. Dann kommt noch dazu, der “Schmerz” ist nicht lebensbedrohend. Also, nimmt man den Schmerz anders wahr. Mann verliert einen großen Teil der “Angst” vor dem Schmerz. Er wird einfach zu einem unbeliebten Gast.!! Ich rede mit dem “Schmerz”, und mache so was wie “Ablassvereinbahrungen”. Also, wenn Du mich das machen läßt, lasse ich “Dich” auch, und bekämpfe “Dich” nicht so sehr. Er ist ein Bestandteil meines “ICHS”. Sonst wird man verrückt. Die Apotheken sind voller Medikamente, die alle behaupten, wenn sie mich nehmen beginnt ein Leben ohne Schmerz. Alles leere Versprechungen. Die lindern nur. Da wir genetisch unterschiedlich sind, bleibt nur ausprobieren. Ich wünsche allen einen geduldigen Arzt, mir gutem Einfühlungsvermögen, und Kenntnissen wo der Wirkstoff andocken sollte, um “den” Schmerz zu lindern.

#12 |
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Unsinn, wenn hier Placebo mit Physiotherapie und Psychotherapie gleich gesetzt wird

#11 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Nun unser Prof. Christoph Stein, Leiter der Klinik für Anästhesiologie der berühmten Charite kann ja dann sicher ganz beruhigt seine Narkose mit Placebo machen.

Ich würde dann allerdings meine Patienten lieber in eine weniger berühmte Klinik schicken.

#10 |
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Physiotherapeutin

Über diese “Studie” kann ich nur den Kopf schütteln und vielen meiner Vorrednern hier kann ich mich nur anschließen…

Ich lebe mittlerweile selbst fast 15 Jahre mit einer chronischen, nicht entzündlichen Schmerzerkrankung (bei der sich die “Experten” streiten: neuropathischer Schmerz oder nicht) plus massiver Arthrose in mehreren Gelenken.

Ich bin mittlerweile selbst Experte, wie ich meine Schmerzen positiv beeinflussen kann. Fazit: Tramadol in höherer Dosierung, regelmäßig eingenommen – keine Magenschmerzen, keine angina-pectoris-artigen Beschwerden mit massiven Atemproblemen, nur extrem kurzfristige Wirkung – wie ich das unter NSAR erfahren habe. Dazu physikalische Therapieanwendungen und wenn möglich mäßiges Walking.

Schade, daß man Schmerzen nicht sichtbar bzw. objektivierbar machen kann. Außerdem würde ich gerne mal den/die Ersteller derartiger Studien meine Schmerzen fühlbar machen (und vielleicht auch den Verfasser dieses Artikels) – und dann kann man mir etwas erzählen zum Thema Placebo ;-).

#9 |
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Wenn das mal alles so einfach wäre.

#8 |
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Studentin der Humanmedizin

öhm … die originalstudie bezieht sich nur auf opiate.
also was genau will uns der doc check journalist sagen?
dass er ausser opiaten keine “starken schmerzmittel” kennt?

*daumenrunter*

#7 |
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Studentin der Pharmazie

Der Daumen geht nach unten….

#6 |
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Woher kommt die “Weisheit”, ein Viertel der Gesamtbevölkerung!!! leide an chronischen Schmerzen. Solche Untersuchungen gibt es überhaupt nicht. Und daß NSAR keine Schmerzmittel sind, sollten bereits Medizinstudenten wissen. Ein vollkommen überflüssiger und unseriöser Artikel.

#5 |
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Er sollte es besser wissen: NSAI sind keine Schmerzmittel, sondern Entzündungshemmer, und die sind ornaschädigend, nicht dagegen WHO-Stufe 3 –
Analgetika.
Und einer derart pauschalen Aussage kann ich nach 38 J.Schmerztherapie nicht zustimmen, da hier Menschen (Pat.) falsch eingeordnet werden können. Es ist halt wie im richtigen Leben: es gibt solche und solche! Oder steckt eine kassenpolitische Motivation dahinter– cui bono?

#4 |
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Gast
Gast

Natürlich sind physiotherapeutische- und psychologische Verfahren besser in der Schmerzbehandlung. Aber die müsste man frühzeitig einsetzen um eine Chronifizierung erst gar nicht entstehen zu lassen. Nur leider verordnen viele Ärzte aus Angst einer Budgetüberschreitung oft nur das Minimum einer adäquaten Schmerztherapie.

#3 |
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S.F.M. Wallner
S.F.M. Wallner

“” Was soll man sonst machen wenn man die Schmerzen nicht mehr aushält,
am besten gleich die Kugel geben? “”

Genau das ist die Frage , wenn man sie als chronischer Schmerzpatient stellt ,
heist die Antwort.

” Suchtverhalten ,chronischer Scherzmittelmissbrauch , ab in die Klinik .

Zu erst mal alle Schmerzmittel auf Null dann mit leichten wieder beginnen .

S.F.M. Wallner

#2 |
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Ursula Schulte-Heuthaus
Ursula Schulte-Heuthaus

Was soll man sonst machen wenn man die Schmerzen nicht mehr aushält,

am besten gleich die Kugel geben?

Ursula Schulte-Heuthaus

#1 |
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