Arzt-Burnout: Auch Niedergelassene brennen aus

10. April 2014
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Bisher hält sich der Mythos hartnäckig, dass Klinikärzte ein höheres Risiko für einen Burnout haben als niedergelassene Ärzte. Daniel Roberts und Kollegen der Mayo Clinic zeigten nun, dass Klinik- und niedergelassene Ärzte gleich häufig betroffen sind.

Ein Burnout beeinflusst das gesamte Leben – nichts geht mehr. Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger (1927-1999) prägte den Begriff „Burnout-Syndrom“ erstmals 1974. Wer gerade ausbrennt, wird zynisch, isoliert sich und arbeitet nicht mehr effektiv. Das kann besonders für den Arztberuf schwerwiegende Folgen haben.

Gerade Klinikärzte sind oft unvorhersehbaren Dienstzeiten ausgesetzt. Sie arbeiten mit schwer kranken Patienten und ihren besorgten Angehörigen. Ihr Privatleben wird teilweise erheblich beschnitten. Hohe Arbeitszeiten korrelieren mit der Rate der Burnouterkrankungen bei Internisten, Allgemeinärzten, Palliativmedizinern, jungen Assistenzärzten und Radiologen, wie eine Studie ergab. Außerdem sind Klinikärzte oft noch jung und unerfahren, was ihren Stress erhöht. Die starken Hierarchien im Krankenhaus und der Druck von oben kommen hinzu. Studien konnten zeigen, dass jüngere Ärzte aufgrund ihrer Unerfahrenheit tatsächlich häufiger von Burnout betroffen sind als ältere. Klinikärzte zeigten sich in Untersuchungen zudem besorgter als niedergelassene Ärzte, an einem Burnout zu erkranken.

Andererseits bietet die Arbeit im Krankenhaus auch in vielerlei Hinsicht einen Schutz vor Burnout: Werden Dienstpläne gut organisiert und eingehalten, sind sie ein verlässlicher Rahmen. Die sozialen Beziehungen zu den Kollegen schützen vor Isolation. Auch die Möglichkeit zu forschen, zu lehren und sich weiterzubilden, reduziert die Burnout-Gefahr.

Burnout und Unzufriedenheit im Job sind nicht dasselbe

Daniel Roberts und Kollegen stellten aufgrund der bisherigen Erkenntnisse die Hypothese auf: Klinikärzte sind häufiger von Burnout betroffen als Niedergelassene. Sie sammelten Studien zum Burnout bei Ärzten aus aller Welt. Aus über 1800 Artikeln wählten sie 54 Studien aus, die geeignet waren, ihre Hypothese zu überprüfen. Dabei betonen sie, dass „Burnout“ und „Depression“ nicht gleichgesetzt werden dürfen: Während das Burnout meistens einen Bereich, z. B. die Arbeit, betrifft, umfasst die Depression alle Lebensaspekte. Auch „Unzufriedenheit im Job“ ist nicht gleich „Burnout“: Eine Untersuchung bei operativ tätigen HNO-Ärzten zeigte, dass 97 Prozent von ihnen zufrieden mit der Arbeit waren. Aus der gleichen Gruppe fühlten sich jedoch 34 Prozent ausgebrannt.

Fragebögen erfassen Burnout

Um ein Burnout zu erfassen, stehen verschiedene Fragebögen zur Verfügung. Gängig ist das Maslach Burnout Inventory (MBI), bestehend aus 22 Items, das die drei Komponenten „emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und persönliche Leistungsbereitschaft/Leistungsfähigkeit“ erfasst. Auch das Copenhagen Burnout Inventory wird häufig verwendet: Es besteht aus 19 Items und fragt nach den Komponenten „persönliches Burnout, arbeitsbezogenens Burnout und kundenbezogenes Burnout“. Das „Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster“ ist ein 66 Items umfassendes Questionnaire, das nach professionellem Einsatz, Widerstand gegenüber Stress und emotionalem Wohlergehen fragt.

Beide Arztgruppen im Vergleich

Die Autoren werteten schließlich 54 geeignete Studien aus. 15 dieser Studien verglichen Klinik- und ambulante Ärzte direkt. 22 Studien fokussierten sich auf die Niedergelassenen und 17 Studien auf die Klinikärzte.

Die Autoren verglichen unter anderem 9 Studien direkt miteinander. Diese Studien umfassten 1390 niedergelassene und 899 Kinikärzte. Klinikärzte und Niedergelassene waren demnach etwa gleich häufig von emotionaler Erschöpfung betroffen: Auf einer 54-Punkt-Skala wichen die Werte nur um 0,11 Punkte im Durchschnitt ab. Auch litten die beiden Arztgruppen in etwa gleich häufig an „Depersonalisation“, also an dem Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein. Ebenso unterschieden sich die beiden Arztgruppen nicht in Bezug auf ihre persönliche Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft. Zwar zeigten einige Studien, dass die emotionale Belastung niedergelassener Ärzte höher war als diejenige von Klinikärzten, was besonders auf US-amerikanische Ärzte zutraf. Führten die Autoren die verschiedenen Studien jedoch statistisch zusammen, so zeigte sich kein Unterschied mehr.

Daniel Roberts und Kollegen widerlegten also ihre eigene Hypothese. Sie konnten zeigen, dass Klinikärzte und niedergelassene Ärzte ein etwa gleich hohes Risiko aufweisen, an Burnout zu erkranken.

81 Wertungen (4.1 ø)

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10 Kommentare:

Gast
Gast

Wer noch nicht unterzeichnet hat, der kann das hier tun:
https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-die-gewerkschaftsfreiheit-kein-streikverbot-per-gesetz

Im Sinne etwa der Begrenzung von Überstunden im Krankenhaus, auch wenn CDU und SPD (bzw. bestimmten Lobbyisten) die Arbeit des Marburger Bundes und anderer Berufsgewerkschaften ein Dorn im Auge zu sein scheint.

#10 |
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Diese Spirale kann ich nur bestätigen. Es kostet viel Kraft und Idealismus um nach 18 Jahren in diesem System nicht vor die Hunde zu gehen und es bis zu Rente mit 68 J. noch auszuhalten.

#9 |
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Hilfe findet man beispielsweise bei den hierauf spezialisierten Kolleginnen und Kollegen, den Psychiatern und Psychotherapeuten. Wohin überweisen Sie denn Ihre Patienten mit den entsprechenden Problemen?

#8 |
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Wer beschäftigt sich in Deutschland mit diesem Thema? Wo finden ärztliche KollefInnen Hilfe?

#7 |
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Ärztin

Ne, Burnout ist nicht Nullbock!

Burnout ist dann, wenn man wohl will, aber zu erschöpft ist, um zu können!
Man ist also leistungsbereit, aber nicht mehr leistungsfähig.

Nullbock dagegen ist nicht leistungswillig!

Das ist ein GROSSER Unterschied!

#6 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

was ist das genau mit dem “burn out”,
das was man früh 0-Bock nannte?

#5 |
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Dipl.-Heilpäd. Michel Fahnert
Dipl.-Heilpäd. Michel Fahnert

Das Ergebnis dieser Studie ist wenig verwunderlich. Die Gründe bei beiden Gruppen sind sicherlich etwas verschieden, hängen aber mit dem Arztberuf zusammen.

Der Klinikarzt hat lange Schichten, mehr Bereitschaften und oft auch die behandlungsbedürftigeren Patienten. Aber in vielen Kliniken (zumindest hier in und um Leipzig) gibt es genügend Assistenzärzte die auch Teile der Arbeit erledigen. Durch das Anstellungsverhältnis hat der Klinikarzt auch weniger Existenzsorgen weil eben ein geregeltes Einkommen da ist.

Der niedergelassene Arzt hat nur im Fernsehen ein ruhigeres Leben. In der Realität muss dieser die Sprechstunden und Hausbesuche allein abdecken und hat deutlich mehr Schreibarbeit. Außerdem ist es oft ungewiss, was am Quartalsende an Geld reinkommt. Im Gegensatz zum angestellten Arzt ist der Niedergelassene selbst Arbeitgeber mit den ganzen Risiken und Konsequenzen.

Letztes Jahr wurde ja verkündet, dass nun auch die Niedergelassenen mehr Geld bekommen und gleich stürzten sich die Medien drauf und starteten ihre einseitige Berichterstattung.

Heutzutage braucht man für den Arztberuf mehr Idealismus als noch vor einigen Jahren.

#4 |
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Genau das ist mir 1993 passiert. Die Gängelung durch Bürokraten hemmt die Entscheidungsfreihei dermaßen, das man ohne es richtig wahrzunehmen seinen patienten Schaden zufügen muß und besonders Rentner werden durch dann nicht mehr adäquate Versorgung in den Tod getrieben. Das hat unser seliger ärztepräsident Carsten Villmar damals als “das sozialverträgliche Frühableben” bezeichnet.
Ich wollte keinen Patienten mehr sehen undganz as dem Beruf aussteigen. Dann habe ich über die TCM zur Privatpraxis gefunden und hatte ab da ein völlig anderes Leben.

#3 |
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Das Deutsche Gesundheitssystem mit allen wahnsinnigen Regularien , treibt
unweigerlich ,die im System tätigen, in das Burn out Syndrom.
Von diesem Chos ,ausgelöst von unfähigen Politikern, Krankenkassen und
Ärztefunktionären ,geht früher oder später jeder in die Knie.
Ein krankes System macht krank. Schafft diese Idioten ab.
Das ist die Therapie.

#2 |
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Langer Text, wenig Inhalt. Was sollte uns das sagen? Wo sind die Ergebnisse?

#1 |
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