Crystal Meth: Kristalle für alle

7. April 2014
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Mit Drogen assoziiert man jugendliche Kiffer oder heroinkonsumierende Junkies – so die Klischees. Erstmalig ist es einer Droge gelungen, aus der Schmuddelecke in die Arbeits- und Studentenwelt zu gelangen: Crystal Meth. Aktuelle Studienergebnisse zeichnen ein erschreckendes Bild.

Crystal hat noch viele weitere, umgangssprachliche Namen: Meth, Chalk, Bambinos, Dixies, Diamonds, Mao, Mollies, Jugs, Tina, Ups oder Crank. Je mehr Namen eine Droge in der Szene hat, desto skeptischer sollte man sein. Wenn „Ups“ zu vielen aufsehenerregenden Todesfällen geführt hat, benennen die Dealer die Substanz einfach um. Die Droge erinnert in reiner Form an Eiskristalle oder Glassplitter. Deshalb die Namen „Ice“ bzw. „Quarz“ und „Glass“. Der Name „Ice“ hat dabei eine Doppeldeutigkeit: Zum einen aufgrund des Aussehens und zum anderen aufgrund der Tatsache, dass in der Anflutungsphase nach dem Inhalieren den Körper ein starkes Kältegefühl durchzieht.

Sicherheitsbehörden warnen vor Ausbreitung

Crystal-User nehmen bei der ersten “Line” rund 100 mg der Substanz nasal auf, Abhängige bis zu 1,5 g. Laut Bundeskriminalamt wurden 2012 insgesamt 2.556 Menschen erstmals wegen der Droge bei den Behörden auffällig, das waren 51 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Sicherheitsbehörden warnen vor der Ausbreitung der Droge, die häufig in Tschechien hergestellt wird und deshalb bislang vor allem in Sachsen und Bayern ein großes Problem ist. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), will entschlossen gegen die Modedroge Crystal Meth vorgehen. „Die Gefahren von Crystal dürfen nicht verharmlost werden“.

Methamphetamin wurde 1919 in Japan hergestellt. In den 1930er Jahren ersetzte Amphetamin Kokain als Aufputschmittel. Traurige Berühmtheit erlangte das methamphetaminhaltige Pervitin® im 2. Weltkrieg als Wachhalte- und Aufputschmittel für Piloten. 1941 wurde die Substanz als Betäubungsmittel eingestuft. Seit den 1990er Jahren ist Meth auch in den USA ein großes medizinisches und soziologisches Problem. In einigen Landstrichen werden 70 Prozent der Straftaten im Crystal-Rausch verübt. Methamphetamin gehört zwar zur Gruppe der Amphetamine, ist aber viel neurotoxischer als das übliche D-Amphetamin. Kleinste Molekülveränderungen können das pharmakokinetische und pharmakodynamische Verhalten einer Substanz komplett verändern. Der Austausch einer kleinen Molekülgruppe macht aus Testosteron Progesteron. Heroinkonsumenten bleiben oft sozial integriert, während Crystal Meth nach kürzester Zeit den User radikal verändert. Die Hirnzellen “lechzen” nach der Droge, das Craving wird unerträglich und der ganze Tagesablauf dreht sich nur noch um die Beschaffung und den Konsum der Droge.

Rauscherlebnis

Meth wird aus Glaspfeifen geraucht, kann geschluckt, geschnupft oder gespritzt werden. Geschnupft tritt die Wirkung nach ca. 10-20 Minuten, geschluckt nach 30-45 Minuten, geraucht nach einigen Sekunden ein. Die Wirkungsdauer beträgt dosisabhängig 6 bis 70 (!) Stunden. Bei der Aufnahme durch Inhalation werden die Kristalle auf Aluminiumfolie oder in einer Glaspfeife erhitzt und die dabei frei werdenden Dämpfe eingeatmet. Erfolgt die Aufnahme der Droge durch Schnupfen, werden die Kristalle zu feinem Pulver zerkleinert. Häufig werden diesem Pulver noch feine Glassplitter zugesetzt, die Schnittwunden in der Nasenschleimhaut verursachen. Dadurch wird die Substanz schneller resorbiert. Folgende Wirkungen werden immer wieder festgestellt:

  • Gefühl der Stärke, Euphorie
  • Logorrhoe
  • psychisch stimulierende Wirkung
  • Stimmungsaufhellung
  • Verlust der Schmerzempfindung
  • verstärkte motorische Aktivität und erhöhte Leistungsbereitschaft

Amphetamine sind starke Psychostimulantien. Die Auswirkungen auf das Verhaltensmuster des Konsumenten sind denen von Kokain sehr ähnlich. Wenn ein weiterer Konsum keine Wirkung mehr zeigt, schlägt die Stimmung des Konsumenten um, man spricht nun von „tweaking“. Dabei kommt es zu extrem negativen Wahrnehmungen, paranoiden Vorstellungen und ähnlichen Phänomenen.

Stress- und Glück aus der Retorte

Die Einnahme von Crystal Meth setzt im Körper zwei Botenstoffe frei: Noradrenalin und Dopamin. Beim Konsumenten schnellt die Herzfrequenz hoch, der Blutdruck steigt und die Pupillen werden weit. Kein Hunger, kein Durst, kein Schlafbedürfnis – der Körper ist auf Hochleistung und Angriff oder Flucht eingestellt. Dadurch wird der Konsument wach und aggressiv. Wer flieht, muss Leistungsreserven freisetzen, kann nicht Essen und entwickelt Aggressivität.  Im dopaminergen System setzt Methamphetamin Dopamin aus seinen Speichern frei. Wird es freigesetzt, empfindet man ein “Gefühl der Zufriedenheit”. Auch eine Manie mit Zwangshandlungen kann die Folge eines Dopaminüberschusses sein. Außerdem wirkt Crystal Meth extrem neurotoxisch, d. h. es zerstört Nervenzellen ohne dass sie sich regenerieren können. Der Konsument verliert seine Merkfähigkeit, er verblödet.

Fliegen auf Meth

Bilder stark abgemagerter Menschen prägen die Antidrogen-Kampagnen in den USA. Im Tierexperiment an Fruchtfliegen haben K. R. Walters und Kollegen untersucht, wie der Energiestoffwechsel auf Methamphetamin reagiert. Nach der Gabe von Crystal Meth verbrauchten die hyperaktiven Fruchtfliegen mehr Energie als sie zu sich nahmen und verhungerten. Die Fliegen nahmen bis zu 80 Prozent weniger Nahrung auf, ihre motorische Aktivität nahm aber um das 2-fache zu. Die Fliegen schwirrten hektisch hin und her und verweigerten die Nahrungsaufnahme.  Die körpereigenen Energiedepots der Fliegen wurden innerhalb von 48 Stunden nach dem Konsum kontinuierlich entleert. Die durch Methamphetamin verursachte negative Energiebilanz wird bei den Fruchtfliegen nicht durch einen beschleunigten Stoffwechsel verursacht, sondern ist vor allem Folge eines Verhaltens, dass der Anorexie bei Menschen ähnelt, so die Autoren. Humane Meth-User ähneln auch Anorektikern. Ein weiterer Grund für den drastischen Gewichtsverlust sind die Verunreinigungen der Droge. Häufig ist Schwefelsäure enthalten, die beim Rauchen die Zähne innerhalb kürzester Zeit komplett zerstört. Dies schreckt die Konsumenten nicht ab.

Crystal-Studie bestätigt den Konsum neuer Userschichten

Priv.-Doz. Dr. med. Ingo Schäfer und sein Team vom Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg haben im Auftrag der Bundesregierung eine Studien über Methamphetamin durchgeführt und diese im März 2014 veröffentlich. Die Befragung von 400 Drogenkonsumenten ergab, dass Meth-User überwiegend in der Nähe zur tschechischen Grenze leben, wo die Droge billig produziert wird: in Nordbayern, Sachsen, Thüringen, zum Teil auch in Sachsen-Anhalt. Innerhalb der Gruppe der Methamphetamin-Konsumenten gab ein Drittel an, im letzten Monat nahezu täglich (an 20 bis 31 Tagen) konsumiert zu haben. In  der Gruppe der Amphetamin-Konsumenten wurde dies deutlich seltener berichtet. Für die Amphetamin-Konsumenten war hingegen ein ein- bis fünfmaliger Konsum im letzten Monat charakteristisch. Die Studie belegt, dass Crystal zunehmend als Leistungssteigerung im Berufsleben angewendet wird, besonders in Berufen, wo körperliche Leistung benötigt wird.

Die Angaben der Befragten belegen den Wunsch nach Wachheit und Leistungsfähigkeit:

  • „Um wachzubleiben, weil es leistungsfördernd ist, mehr Leitung = mehr Geld“.
  • „Um zu beweisen, dass ich auch mit 54 noch fit bin für den Arbeitsmarkt.“
  • „Mehr Leistung zu bringen im Job, zudem dann jedes WE feiern zu gehen und die nächste Woche wieder arbeiten zu gehen“

Im Rahmen der Befragungen konnte gezeigt werden, dass insbesondere in Bezug auf Methamphetamin (ca. 50 Prozent), aber auch in Bezug auf Amphetamin (ca. 20 Prozent) berufliche Konsumgründe eine erhebliche Rolle spielen könnten“, so ein Ergebnis der Studie. Besonders Berufe aus der Gastronomie oder solche, die mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden sind, sind auffällig häufig vertreten. Aber auch die, die durch Fristen bedingte lange Arbeitszeiten haben, Schichtarbeit oder monotone Arbeitsabläufen durchführen müssen. Unter den Usern waren aber auch Handwerker, Floristen, Angehörige medizinischer Berufe und Studenten.

Im Osten was Neues

Hilfeangebote für Meth-Konsumenten sind rar, die Gruppe hat kaum eine Lobby. Dr. Peter Jeschke, Halle (Saale) hat eine anonyme Crystal-Sprechstunde etabliert, die von einer überwiegend jungen Zielgruppe mit Illegalem Drogenkonsum tatsächlich angenommen wird. Mitarbeiter sind insbesondere junge Menschen, die als geschulte Gesprächspartner akzeptiert werden: Studenten der Medizin und Sozialarbeit, die  unter Experten-Anleitung arbeiten „Konsumenten konfrontieren mit sehr spezifischen Problemlagen das gesamte psychosoziale Hilfesystem, das mit seinen bisherigen Routinen nicht angemessen auf diesen neuen Bedarf reagieren kann“, so Jeschke auf dem Forum Sucht in Kassel im März 2014. Unter Crystal-Konsumenten lassen sich sehr unterschiedliche Konsumentengruppen differenzieren. Es existiert auch eine große Gruppe, die lange Zeit sozial unauffällig bleibt, sich mit dem Konsum jedoch einem hohen Risiko von Schäden an ihrer physischen und psychischen Gesundheit. aussetzt. Diese gilt es rechtzeitig zu erreichen, zu Änderungen zu motivieren und ggf. zu behandeln.

Kristallines N-Methylamphetamin ist eine der gefährlichsten Drogen, auch weil sie so leicht herzustellen ist. Fünf Tonnen, schätzt die EU-Drogenbeobachtungsstelle, drückt Tschechien jährlich in den Markt. Erkältungs- oder Allergiemedikamente mit Ephedrin, die Kochanleitung aus dem Internet und legale Chemikalien, mehr braucht man nicht um Drogenchefkoch einer Giftküche zu werden. Meth ist kein lokales Problem mehr, die Droge hat nahezu Gesamtdeutschland erreicht.

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16 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Vielleicht sollte man sich drauf einigen, dass es sowohl substanzgebundene wie nicht substanzgebundene Sucht gibt,
wobei das Wort Sucht in der offiziellen Diagnose inzwischen verlassen wurde.

Und die historische Bedeutung eher dem Begriff Krankheit entsprach.
(Fallsucht, Wassersucht, Fettsucht)

#16 |
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Gast
Gast

@ Gast (#12); Ihre Aussagen sind ja prinzipiell nicht verkehrt. Allerdings sind Ihre Argumente keine Widersprüche oder gar logischen Gegenargumente zu #9. Sie brauchen keine Sucht, um Entzugserscheinungen zu haben: die kriegen sie schon bei regelmäßigem Gebrauch. Sie können ja auch an Wassermangel sterben und haben trotzdem keine Wasser-Sucht (im psychiatrischen Sinne). Außerdem ist das Argument, dass sie körperliche Erscheinungen haben, kein Ausschluss für eine psychische Krankheit. Magersucht ist auch psychisch und man kann daran sterben.

Googlen sie mal dopamine toxicity, dann finden sie ganz viel.
Und auch hier wieder die nicht-logische Argumentation, dass es nicht toxisch sein kann, weil es in der Intensivmedizin eingesetzt wird? Das gilt auch für Atropin bei Bradykardie, heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass Atropin daher nicht giftig ist.

#15 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

hallo Frau @Petra Mikat, vielleicht hilft Ihnen der Hinweis, dass Alter heute medizintheoretisch besonders auf die Störung der Energieversorgung in jeder einzelnen Zelle zurückgeführt wird. Der Ort dafür sind die Mitochondrien nicht im Zellkern (Gene) sondern im Plasma. Wer die Mitochondrien stabilisieren oder reparieren kann,
kann die Alterung aufhalten. Sport gehört übrigens dazu. Ebenso sollte man sein Köpfchen im Training halten :-)

#14 |
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Gast
Gast

Was mich etwas befremdet ist das mangelnde Vorgehen gegen die Produzenten dieser gesundheitsschädlichen Drogen,
offenbar weis man doch woher die kommen (Tschechien).

#13 |
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Gast
Gast

@Dr. rer. nat. Phillip Grant, da Sie doch die “organischen” Folgen kennen, sollten Sie wenigstens schreiben:
“die Sucht ist nicht NUR eine psychische Erkrankung, …”
An einem heftigen (Entzugs-) Delir bei Alkohol kann man sterben.
Wenn das keine organische Abhängigkeit ist …
Was Sie über “Dopamin-Toxozität” geschrieben haben (Neurotoxizität) finde ich hoch interessant, beim googeln findet man eigentlich gar nichts darüber.
In der Intensivmedizin wird das doch peripher zur Kreislaufstabilisierung seit Jahrzehnten eingesetzt ???

#12 |
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Jörg Russig
Jörg Russig

RettAss und HP
Jörg Rußig

Schön zusehen dass sich jemand mal des Themas angenommen hat. Ein guter Artikel wie es bei Herrn Bastigkeit zu erwarten ist.

#11 |
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Heilpraktikerin

Ein wirklich guter Artikel! Ich habe einiges dazugelernt. Eine Frage bleibt allerdings offen: Meth-Abhängige sehen oft wesentlich älter aus. Das geht über die massive Abmagerung und den Verfall der Zähne noch deutlich hinaus. Was bedingt diesen drastischen körperlichen Verfall und frühzeitigen Alterungsprozess innerhalb kürzester Zeit?

#10 |
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@ Sven Falkenhain/Robin Engert: Zum Glück ist das mit dem Zusammenhang zwischen Substanz und Sucht (F1x.2) nicht so einfach. Natürlich ist die Gefahr einen Abhängigkeit bei Substanzen, die schnell und stark wirken am höchsten (z.B. Heroin vs. Aspirin; wobei auch noch die Form der Einnahme eine Rolle bei der Wirkgeschwindigkeit spielt), dies bedeutet jedoch nicht im Umkehrschluss (wie häufig angenommen), dass eine solche Substanz bei jedem immer eine Sucht auslöst. In anderen Worten, die Sucht ist nicht umsonst eine psychische Erkrankung, d.h. es kommen noch viele andere individuelle Faktoren außer der reinen Frage nach der Substanz hinzu, die dafür verantwortlich sind, ob (!) und wann ein Patient vom (Mehrfach)gebrauch in den Abusus (F1x.1) oder gar die Abhängigkeit (F1x.2) gerät; sonst gäbe es ja auch keine nicht-substanzgebundenen Süchte.
Dementsprechend wird eine Person, bei der diese Faktoren fehlen, ggf. auch nach mehrfachem Konsum, nicht abhängig werden und dementsprechend kein “craving” ausweisen. Aufgrund der Prävalenzen im Meth- vs. Alkoholgebrauch, ist das also nicht so verwunderlich, dass Ihnen solche Leute (zum Glück) nicht die Tür einrennen :-)
Und abschließend: Unter der Annahme, dass nicht noch irgendwas anderes eine Verunreinigung hervorruft, ist ein THC-Toter praktisch unmöglich, da die LD50 so hoch und die THC-Konzentration in Produkten sowie die Resorption von THC durch den Körper jeweils niedrig sind, dass es bei natürlichen THC-Produkten nicht zur Einnahme einer tödlichen Dosis kommen kann.

Zum Artikel: Ich habe viele Jahre an pharmakologischen Schizophrenie-Modellen geforscht und arbeite immernoch an den Licht- und Schattenseiten u.a. des Dopamins. Daher kenne ich mich auch ein wenig mit Meth aus und bin dementsprechend heilfroh, dass die Gefährlichkeit dieses Dopamin-Releasers endlich bekannter wird! Vielen Dank.

#9 |
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Habe schon lange nicht mehr so einen informativen, spannenden Artikel gelesen. Danke

#8 |
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So lange man Methamphetamin oder Amphetamin in “therapeutischen” Dosen (in Bezug auf die berufliche Leistungssteigerung) konsumiert, ist die Appetithemmung üblicherweise nicht so stark, dass es mittelfristig zu einer kritischen Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen kommen würde. Langfristig sieht das natürlich anders aus, genauso bei recht hohen Dosierungen.
Auch die Neurotoxizität macht sich bei weniger exzessivem Konsum eher schleichend bemerkbar, ist aber leider trotzdem weitestgehend irreparabel.
Der Konsument merkt es leider oft zu spät, auch weil die gesundheitlichen Folgen bei den ihm bekannten weiteren Konsumenten nicht früh und drastisch genug eintreten. Wobei dies wohl auch nicht abschreckend genug wäre. Die negativen Folgen von Tabak- und Alkoholkonsum kennt eigentlich auch jeder und das hilft dort ja auch nicht.

Methylphenidat (MPH) würde ich mit (Meth-)Amphetamin aber trotzdem nicht in einen Topf werfen. Da MPH die Neurotransmitter nicht innerhalb der Neuronen freisetzt, ist das Schädigungspotenzial erheblich geringer.
Wenn man schon etwas braucht, um seine intellektuelle Begabung nutzen zu können, dann lieber nicht mit Amphetaminen.

#7 |
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Kay Kischko
Kay Kischko

Für mich war dieser Artikel einer der interessantesten seit langem.
Und die Diskussion dazu übrigens auch.
Als Zahnarzt hatte ich vor kurzem einen Patienten mit den typischen Zahnschäden. Übrigens ein Aussteiger- seit 4 Jahren trocken.
Mit dem Erwähnen der Schwefelsäure wurde meine bislang nicht beantwortete Frage behandelt, wie es zu den unglaublich extremen Schäden an den Zähnen kommen kann. Danke !

#6 |
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@ Sven Falkenhain: Sehr gute Frage. Die ständig wiederkehrenden Alkoholiker und die fehlenden Crystal Meth-Opfer im internistischen Bereich einer großen Notaufnahme kann ich bestätigen.

#5 |
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Vom hohen Suchtpotenzial (soll höher sein als bei Heroin, einmaliger Gebrauch soll genügen) und der enormen Zerstörungskraft der Droge habe ich auch schon gehört. Und die fulminanten Vorher- Nachher-Bilder von US-amerikanischen Usern sind ja auch sehr populär.
Wie kommt es aber, dass man das im klinischen Alltag so gar nicht erlebt? Die wenigen Patienten, die sporadisch bei uns (Innere Medizin) vorstellig werden, kommen eher selten, meist nur einmal. Von dem sagenumwobenen “Craving” merkt man nicht viel. Und sterben habe ich daran auch noch niemanden gesehen. Klärt mich jemand auf?
Alkoholiker kommen (gefühlt) IMMER wieder. Und die alkoholische Leberzirrhose ist eine häufige Todesursache. Auch einen THC-Toten hatte ich bislang nicht zu beklagen.

Guter Artikel, wenn auch etwas durcheinander, wenn ich das mal sagen darf.

#4 |
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Eine seit langem bekannte Droge ,die bei regelmäßigem Gebrauch zu einer starken Abhängigkeit führt und wie bei einigen anderen Drogen dieser Kategorie nach gewisser Zeit den sozialen.und körperlichen Zerfall des Betroffenen mit Sicherheit
zur Folge hat,mit allen Konsequenzen in der Peripherie und üblen Kollateralschäden.
Hierbei gibt es nichts schönzureden!

#3 |
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Dr. med Rudolf Winkler
Dr. med Rudolf Winkler

Für mich als Kinder-/Jugendpsychiater bester Beitrag seit langem. Zu empfehlen wäre ein “fachlicher link” zur Methylphenidat-Diskussion. Unter meinen Patienten habe ich auch einige, für die Amphetamin (liqu.) eine seriöse Alternative ist, nicht für’s Feiern und Leisten, sondern zur Nutzung der intellektuellen Begabung, die aus verschiedenen Gründen gehemmt sein kann.

Rolf Winkler
Arzt

#2 |
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Ziemlich guter Artikel, Kompliment. Ein paar Ergänzungen hätte ich aber doch noch…

Beispielsweise ist Crystal keineswegs die erste Droge, die es aus der „Schmuddelecke“ geschafft hat, das war genau genommen THC, das eigentlich schon immer in allen Abteilungen der Bevölkerung zu Hause war.
Die aus meiner Sicht auch heute noch am meisten unterschätzte Substanz ist Kokain, das eher den umgekehrten Weg gegangen ist: als „elegante“ und teure Droge aus der Business- und elitären Welt in die Heroin- und Methadon-Szene.

70 Stunden Wirkdauer mögen mal berichtet worden sein, in der Regel sind’s aber so etwa 12 bis zu auch nicht gesundheitsdienlichen 30 Stunden. Diese lange Zeit „Vollgas“ ohne Schlaf ist wesentlich für die recht schnell einsetzenden psychischen Nebenwirkungen verantwortlich (Halluzinationen und auch psychotische Zustände). Die klingen zunächst gerne wieder ab, bei häufigerem und intensiverem Konsum kann aber auch ein längerfristiger Zustand daraus werden.

Befragungen sind im Allgemeinen (und bekanntermaßen) eher unzuverlässige Instrumente. Ein anschauliches Beispiel dafür war die im Übrigen sehr sauber durchgeführte und lesenswerte DAK-Untersuchung zu Psycho- und Neuropharmaka (DAK Gesundheitsreport 2009). Will heißen: die Durchdringungstiefe von Crystal Meth ist derzeit noch schwer abzuschätzen, auch, weil der Herstellungs- und Vertriebsprozess noch nicht das bemerkenswert hohe Niveau des Kokain erreicht hat.

Und eine fiese „Nebenwirkung“ sollte nicht unerwähnt bleiben: Unter Crystal merkt der Konsument die Wirkung gleichzeitig konsumierten Alkohols nicht: Alkoholvergiftungen sind leicht möglich! (Zur Ergänzung: Alkohol wird gerne – z.B. bei Kokainkonsum – zum „runterkommen“ genutzt. Bei Kokain funktioniert das wegen der anderen Wirkdauer, bei Crystal nicht. Wenn dann Downers zum Einsatz kommen (z.B. Benzodiazepine) kann das richtig durcheinander gehen und der Kreislauf macht nicht mehr mit).
Karsten Strauß

#1 |
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