Ovarialkarzinom: Gen für seltene Form identifiziert

8. April 2014
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Humangenetiker konnten das verantwortliche Gen für eine seltene Form des Eierstockkrebses identifizieren. Sie zeigten, dass Veränderungen des Gens SMARCA4 sowohl mit der erblichen Variante als auch dem vereinzelten Auftreten der Krebsart zusammenhängen.

Eine besonders aggressive Form von Eierstockkrebs, das kleinzellige Ovarialkarzinom vom hyperkalzämischen Typ, betrifft besonders junge Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei nur etwa 25 Jahren, auch Kinder können betroffen sein. In einigen Familien tritt die Krebsform gehäuft auf, was auf eine erbliche Veranlagung hinweist. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig diagnostiziert, ist die Prognose in der Regel schlecht.

„Obwohl selten, hat das kleinzellige Ovarialkarzinom vom hyperkalzämischen Typ eine große klinische Bedeutung“, so der Koordinator der Studie, Dr. Williams Foulkes, Leiter des tumorgenetischen Labors des Lady Davis Institute (LDI) des Jewish General Hospital und des Programms für Tumorgenetik der McGill Universität in Montreal, Kanada. Dies liege an der ungünstigen Prognose und am frühen Erkrankungsalter, die älteste bislang bekannte Patientin war 48 Jahre alt. „Durch die Identifizierung eines spezifischen genetischen Faktors haben wir jetzt die Möglichkeit für eine frühzeitige humangenetische Beratung und Diagnostik. Wir können Frauen mit einem erhöhten Risiko für diese Erkrankungen humangenetisch testen, bevor die Erkrankung entsteht. Dies eröffnet neue Möglichkeiten der Prävention und Therapie“, so Foulkes.

Bereits vor einigen Jahren konnten Wissenschaftler am Institut für Humangenetik der Medizinischen Fakultät der CAU, am Kieler Campus des UKSH, unter Leitung von Institutsdirektor Professor Reiner Siebert zeigen, dass Veränderungen eines bestimmten Gens, SMARCA4 genannt, im Zusammenhang mit einer erblichen Veranlagung für Krebserkrankungen stehen. Die Kieler Arbeitsgruppe entwickelte Tests zum Nachweis von Veränderungen dieses Gens. „Wir konnten im Jahr 2010 weltweit erstmals zeigen, dass erbliche Veränderungen im SMARCA4-Gen mit einer Veranlagung für sogenannte maligne Rhabdoidtumoren einhergehen, die bei sehr jungen Säuglingen auftreten“, erklärt Siebert, Co-Autor der jetzt publizierten Studie. „Die neuen genetischen Befunde beim kleinzelligen Ovarialkarzinom vom hyperkalzämischen Typ legen die Vermutung nahe, dass diese Form von Eierstockkrebs mit den Rhabdoidtumoren in seiner Entstehung verwandt ist.“

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Mit Hilfe einer bestimmten Technik, der sogenannten FISH-Analyse, können Humangenetiker den Verlust des SMARCA4-Gens beim kleinzelligen Eierstockkrebs vom hyperkalzämischen Typ nachweisen: Während bei normalen Zellen (oben im Bild) das Signal für das SMARCA4-Gen als gelber Punkt zu erkennen ist, fehlt es den Tumorzellen (unten im Bild). Blaue Signale dienen als Kontrolle dafür, dass der Test funktioniert. © Institut für Humangenetik, CAU

Für die jetzt veröffentlichte Studie sequenzierten die Wissenschaftler alle Gene des menschlichen Genoms bei Patientinnen mit kleinzelligem Ovarialkarzinom vom hyperkalzämischen Typ aus drei Familien. Sie konnten zeigen, dass in allen drei Familien Veränderungen des SMARCA4-Gens die Erkrankung verursachten. Die Analyse einer vierten Familie bestätigte diese Befunde. Es konnte außerdem nachgewiesen werden, dass in der nicht-familiären Form dieses Tumors das SMARCA4-Gen ausgeschaltet ist. Insgesamt zeigten über 90 Prozent der Tumoren dieses Subtyps eine SMARCA4-Inaktivierung. Die Bedeutung der SMARCA4-Inaktivierung für die Entstehung von kleinzelligen Ovarialkarzinomen vom hyperkalzämischen Typ bestätigten zwei zeitgleich publizierte Arbeiten amerikanischer Arbeitsgruppen.

Originalpublikation:

Germline and somatic SMARCA4 mutations characterize small cell carcinoma of the ovary, hypercalcemic type
Williams D. Foulkes et al.; Nature Genetics, doi: 10.1038/ng.2931; 2014

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Gynäkologie, Medizin, Onkologie

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