Prävention: Ist Sport doch Mord?

20. Juli 2012
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Körperliche Bewegung gilt in Sachen Herz-Kreislauf-Prävention bisher als das Nonplusultra. Und dennoch: Bei mehr als jedem zehnten Menschen verschlechtern sich einzelne kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Aufnahme regelmäßiger körperlicher Bewegung. Warum?

In Zeiten, in denen die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung große Teile ihrer Lebenszeit in Bürostühlen verbringt, wundert es nicht, dass körperliche Ertüchtigung von vielen Menschen geradezu als Allheilmittel angesehen wird. Und aus medizinischer Sicht ist das ja auch nicht so verkehrt. Positive Effekte regelmäßigen Sports oder zumindest regelmäßiger Bewegung sind vielfach belegt. Beispiel Diabetes: In Studien wie der finnischen Diabetes Prevention Study oder dem US-amerikanischen Diabetes Prevention Program war die Diabetesinzidenz bei regelmäßiger körperlicher Betätigung um mehr als die Hälfte geringer. In der Framingham-Kohorte korreliert die Lebenserwartung über weite Strecken mit dem Ausmaß körperlicher Aktivität. Bei mehreren Tumorerkrankungen wurden günstige Effekte von Sport als Begleitung der Antitumortherapie beschrieben. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Gibt es Non-Responder auf körperliche Bewegung?

Entsprechend hat die Empfehlung „pro körperliche Aktivität“ längst Eingang in unterschiedlichste Leitlinien gefunden. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft bezeichnet körperliche Aktivität in ihrer Leitlinie zu körperlicher Aktivität und Diabetes mellitus als „kausale Therapie“ bei Patienten mit bei metabolischem Syndrom, gestörter Glukosetoleranz und Typ 2-Diabetes. Es gebe ausreichend Evidenz, dass Sport die Diabetesentwicklung verzögere oder aufhalte und die kardiovaskuläre Mortalität senke. In der Hypertonie-Leitlinie der Hochdruckliga klingt das ähnlich: „Patienten mit hohem Blutdruck [sollten] zu regelmäßiger körperlicher Aktivität ermutigt werden. (…) Diese Aktivitäten sollten drei bis vier Mal pro Woche über 30 bis 45 Minuten durchgeführt werden.“

Große Einigkeit von klinischer Seite also. Auf die Mechanismen, über die körperliche Bewegung ihren Nutzen generiert, wird in diesen Kontexten allerdings seltener eingegangen. Als Konsens gilt, dass körperliche Bewegung günstig auf eine ganze Latte von kardiovaskulären Risikofaktoren wirkt. Sie senkt den Blutdruck, steigert das HDL-Cholesterin, senkt den Nüchternblutzucker, senkt die Triglyceride und anderes mehr. Das führt dann zu der für das Patientengespräch durchaus relevanten These, dass körperliche Aktivität aufgrund dieser breiten Effekte letztlich jedem nutze und daher pauschal empfohlen werden könne. Aber ist das so? Oder gibt es auch bei der körperlichen Bewegung Responder und Non-Responder, vielleicht sogar Patienten mit paradoxer Reaktion?

Vorsicht Nebenwirkungen!

Eine vor wenigen Tagen von Dr. Claude Bouchard und Kollegen vom Pennington Biomedical Research Center in Baton Rouge, Kalifornien, in der Zeitschrift PLoS One (2012; 7(5):e37887) veröffentlichte Arbeit wirbt zumindest für eine etwas differenziertere Herangehensweise an das Thema Sport und Prävention. Die Wissenschaftler werteten die Ergebnisse von sechs Studien aus, in denen körperliche Betätigung bei insgesamt 1687 Probanden explizit und in gut kontrolliertem Design untersucht wurde. Sie konnten zeigen, dass sich bei 8 bis 13 Prozent der Probanden zumindest einzelne kardiovaskuläre Risikofaktoren als Folge der körperlichen Betätigung in die jeweils ungünstige Richtung veränderten. Bei 7 Prozent der Probanden verschlechterten sich zwei oder mehr Risikofaktoren.

Um es anschaulich zu machen und die Analogie zur Pharmakotherapie beizubehalten, sprechen die Forscher von den möglichen „Nebenwirkungen“ körperlicher Aktivität, die einen Teil der Probanden betreffen. Im Einzelnen sank der HDL-C-Wert in 13,3 Prozent der Fälle ab, die Triglyceride stiegen in 10,4 Prozent der Fälle, der systolische Blutdruck stieg in 12,2 Prozent der Fälle und die Insulinspiegel veränderten sich bei 8,4 Prozent der Probanden in ungünstiger Richtung. Bouchard und seine Kollegen hüten sich davor, daraus irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen: „Die klinische Relevanz dieser Befunde ist offen“, schreiben sie ausdrücklich. Sie weisen allerdings schon darauf hin, dass Patienten (und ihre Ärzte) nicht erwarten dürfen, dass sämtliche in der Literatur beschriebenen günstigen Effekte körperlicher Bewegung im Einzelfall auch wirklich bei ihnen eintreten.

Prävention à la carte statt Prävention à la PROCAM?

Was diese Arbeit suggeriert ist letztlich eine individualisierte Prävention, bei der Empfehlungen zu Arzneimitteln, Ernährung aber eben auch zu körperlicher Bewegung auf den individuellen Patienten zugeschnitten werden, und nicht nur auf sein Profil klassischer Risikofaktoren. Dafür müssten jene Faktoren identifiziert werden, die ungünstige Reaktionen auf beispielsweise bestimmte Arten der körperlichen Betätigung vorhersagen. Die „üblichen Verdächtigen“ sind hier bestimmte genetische und epigenetische Konstellationen, die freilich erst einmal genauer charakterisiert werden müssten.

Erste Daten dazu gibt es. So haben finnische Wissenschaftler im Rahmen der finnischen Diabetes Prevention Study Polymorphismen im TNF- und im Interleukin 6-Gen beschrieben, die einen Einfluss auf die antiinflammatorischen Effekte körperlicher Bewegung und damit möglicherweise auf deren präventives Potenzial haben. Die Macher der derzeit rekrutierenden Prädiabetes-Interventions-Studie des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. denken ebenfalls in diese Richtung und wollen individualisierte Präventionsstrategien entwickeln, die im Zusammenhang mit körperlicher Bewegung (auch) genetische Faktoren berücksichtigen.

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Medizin

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25 Kommentare:

Weitere medizinische Berufe

Mag sein, dass auch der Einsatz von Sport und Bewegung zur Gesundheitsvorsorge und zur Bekämpfung von Erkrankungen in der Öffentlichkeit wie auch in der Fachwelt einen unangebrachten und verzerrten Boom erlebt. Produziert wird dieser vornehmlich von unqualifizierter Seite durch Pauschalisierung, Dogmatisierung und wenig tiefgründiger Auseinandersetzung.

Neben den bereits erwähnten, fraglichen bzw. unklaren Konsequenzen der Ergebnisse in einem kritikwürdigen Betrachtungszeitraum aus der Studie von Bouchard (nicht umsonst wohl enthalten sich die Verfasser jeglicher Bewertung zur klinischen Relevanz) muss man zuerst mal feststellen, dass die Bereiche “Sport” und “Bewegung” i. S. einer Therapieanwendung allzu oft vermischt werden (ersichtlich auch hier wieder in vielen Kommentaren).
Denn in der Sporttherapie wird bisweilen deutlich differenzierter betrachtet, als hier suggeriert wird. Nur ein Bsp: Dass selbst gezielte und wohl dosierte Bewegung bei Krebspatienten nur dann positive Auswirkungen als adjuvante Therapieform hat, wenn die Teilnehmer überwiegend mit Freude bei der Sache sind, ist hinlängst bekannt und nachgewiesen. Zum Glück hält der Bereich des Sports diverse Betätigungsfelder auch als Therapie bereit, die den meisten Teilnehmern Freude bereiten können. Aus Gründen der Wissenschaftlichkeit muss eben die Therapie der Bewegung objektivierbar gemacht werden, was es oft auf die wenig sinnvolle/-hafte Essenz der Bewegung reduziert.
Ebenso verhält es sich mit der in den meisten Leitlinien berücksichtigten Tatsache, dass bereits erkranke Menschen nicht einfach mit irgendeinem Sport beginnen sollten, sondern anerkannte Vorgehensweisen hin zu einer aktiveren Lebensführung etabliert werden sollten.
Dazu ist (natürlich neben dem bereitwilligen Patienten) Fachpersonal notwendig, die nicht nur den aktuellen Wissenstand berücksichtigen, sondern auch die dahinterstehenden psychologischen und sozialen Mechanismen kennen und geeignetes pädagogisch-didaktische Instrumentarium mitbringen, um Menschen dazu zu “bewegen”, nachhaltige Änderungen in ihrem Leben zu vollziehen.
Leider wird dies bisher nur von wenigen Medizinern in Betracht gezogen und allzu oft die Formel “machen Sie (mehr) Sport” pauschal mit auf den Weg gegeben. Ich mag auch nicht leugnen, dass es wohl in einigen Fällen genügt – für denjenigen, der sich mit seinen Problemen/Beschwerden auseinander setzten möchte, noch nicht ernsthaft erkrankt ist, Informationen einholt, Erfahrungen mit seinem Körper gesammelt hat, dem Sport zugewandt ist,….. wer das in einem herkömmlichen Arzt-Patient-Gespräch herausfinden kann….Respekt!
Man kann dies jetzt als Lobbyismus bezeichnen (für die kaum vorhandene Lobby der Sportwissenschaftler Präv./Rehab.), aber ich erkenne hier die Notwendigkeit, jene Fachkräfte im Sinne aller gewinnbringend einzubinden, die solche Fähigkeiten (fernab von “pseudowiss. Heilkunde” @neptun63) mitbringen.
Insofern, ein Plädoyer für jenen Stand und die sportwissenschaftlich fundierte Bewegungstherapie!

#25 |
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Horst Rieth
Horst Rieth

mit oder ohne sport
einfach nur schwachsinn
vielen dank für die geistige anstrengung
vielleicht trägt sie ja früchte

#24 |
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Bin über die einzelnen Meinungen und Begründungen dieser Ansichten sehr erfreut. Teile vor allem die Thesen im Alter nichts zu übertreiben und alles mit einer gewissen Gelassenheit und Freude zu betreiben. Sei es bei der Arbeit und in der Freizeit. Lo chaim: auf die Gesundheit

#23 |
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Pardon, ich meinte natürlich Puls 130 mit Pulsmessgerät, was die Selbsteinschätzung zunächst mal stark nach unten korrigiert. Ohne dieses Hilfsmittel macht ein Laie kein Stoffwechseltraining sondern läuft im adrenergen Bereich.

#22 |
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Es gibt für Marathon und Triathlon professionelle Trainingspläne mit regelmässiger medizinischer Überwachung. Das kostet ca. 50,-e als Flatrate. Warum nicht für Risikopatienten?
Man vergleiche die Kosten mit einem Fitnessstudio, was viele bezahlen aber nur sporadisch nutzen.
Versuchen Sie mal ohne Pulsmessgerät Puls 130 zu laufen. Sie werden glauben es geht rückwärts. So langsam läuft kein Anfänger ohne explizite Anleitung. Man kann morgens den Ruhepuls messen – mit etwas Erfahrung – um nicht versehentlich in der Inkubationszeit eines Infektes zu trainieren. Die meisten machen das Gegenteil: Wenn es mal nicht so gut geht – erst recht und mit dem Kopf durch die Wand.
Man muss die Leute da abholen wo sie sind und ihr Unwissen voraussetzen. Ein paar Buchempfehlungen helfen auch.

#21 |
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Dipl.Tzt Ursula Eybel
Dipl.Tzt Ursula Eybel

Liebe Leute, trotz allem,ich geh jetzt laufen – und zwar weil es mir gut tut. Noch dürfen wir ja selbst bestimmen wie wir leben wollen.

#20 |
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Bewegung hat noch niemandem geschadet, Sport schon eher.
Wenn ich manchmalschwere ältere Männer verbissen und keuchend durch den Wald rennen sehe, denke ich, dass sie sich nicht unbedingt etwas Gutes für ihr Gerüst antun. Ein forsches Wandern brächte ein gleiches Ergebnis, würde die Gelenke schonen und sie hätten mehr von der Natur. Jeder sollte das machen, was ihm Spaß macht, vielleicht auch einen Mannschaftssport. Hier ist individuellen Wünschen Rechnung zu tragen. Wer sich bewegt, weil es ihm Freude bereitet, der gibt auch nicht so schnell wieder auf. Von Extremsport halte ich nichts. Retrospektive Studienauswertungen sind auch mit Vorsicht zu genießen. Da müsste man schon mehr erfahren über die Non-Responder.

#19 |
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“Pro entzündliche Grundbelastungen” bei Laboridealwerten (im erweiterten Screening), keinerlei Beschwerden, guter Kreislaufbelastbarkeit — und bumm di bumm- nach gefühlt nicht Sport bis zum Anschlag- heftige Infekte multilokal, nicht wirklich monokausal erklärbar.–Pragmatisch nicht ganz einfach Art und Dosierung der Bewegung individuell herauszufinden.
Genetik, ganz sicher, Bewegung weit überwiegend positiv—im Detail Diskussion ohne Ende-pragmatisch “probieren” mit halbwegs belastbaren “Grundvorstellungen”.

#18 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Warum so kompliziert :
die Atmungskette in den Mitochiondrien läuft nicht richtig , meine Gasotrnsmitter werden fehlgeschaltet( bs Schwefelwasserstoff ), die Interleukin/ Cytokinmuster sind nicht harmonisiert , es wurde bisher schon nicht genügend ATP produziert ( mind . die Hälfte brauche ich zum Öffnen u. Schließen die Ionen kanäle Das Ca- Cycling in der Muskulatur ist nicht ausreichend …

also eine gewisse Menge Nahrungsergänzunsmittel in Richtung Isoprenoide / Polyphenole müssten her +++++++

gerade bei Älteren gibt`s aus div. Gründen pro entzündliche Grundbelastungen ……………. wen wundert es also ???????????ß

#17 |
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Dipl.Ing. (FH) Egbert Witzlau
Dipl.Ing. (FH) Egbert Witzlau

Wer denkt eigentlich noch an den “Guru der deutschen Laufbwegung ” Dr. Ernst van Aaken. ……der langsame Lauf über längere Strecken ist ein Maß für die Dauerhaftigkeit des Menschen. Er braucht dazu nur einen Weg(meine Ergänzug, 1 + x -Paar gute Laufschuhe und Funktionslaufsachen) , und den festen Willen gesund zu bleiben oder gesund zu werden…! Es lohnt sich auf jeden Fall, eigene Grenzen auszuloten, seine Selbstbeobachtung und Selbstbewertung kritisch immer wieder neu zu bewerten,
unter Einschluss aller Rahmenbedingungen ( besonders Ernährung), frei von aufgepfropften Lifestyle und umsatzträchtigem Pseudowissen. Alles im Leben hat seine Zeit, und es bleibt für jeden spannend. Wer seine Eigenverantwortung kompromisslos abgibt hat bzw.ist verloren.Die Sichtweise von Guido Borrmann, trifft es auf den Punkt.Warum spricht eigentlich keiner über die ( Tiefen-)psychologischen Auswirkungen des Ausdauersportes. Hier gilt es altes Wissen mehr zu beachten, und mit neuen Erkenntnissen abzugleichen.Für mich ist das spannend, macht Spass und steigert die allgemeune lebensqualität !
keep on running, Egbert Witzlau

#16 |
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Silvana Beer
Silvana Beer

Was ich hier generell an diesem Artikel und der Studie begrüße, ist die heute (endlich) erkennbare Tendenz, den menschlichen Körper als etwas Individuelles zu begreifen. Die durchaus stark innovative technologische Entwicklung zwischen den 1950er und 80er Jahren hatte als “Nebenwirkung” zu Folge, auch den Körper wie eine Maschine zu behandeln. Wenn Studien ein signifikantes Ergebnis aufwiesen, wurde dieses gleich allen Patienten übergestülpt. Ungeachtet dessen, dass es sich nur um Durchschnittswerte handelt.
Was bei der heute nun begrüßenswerten Tendenz aber leider leider als Hindernis sich auftürmt, erleben die Leser tagtäglich in ihrer Praxis: es steht immer weniger (bezahlte) Zeit zur Verfügung, um umfangreich auf den Patienten einzugehen, wie sie solch wirklich individuelle Behandlung/Differenzierung erfordert. Und nun?

#15 |
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Sport ist eine relativ preiswerte Medizin-Nur wie bei jeder anderen Medizin gilt die alte Medizinerweisheit “Dosis facit venenum”. Der erste Marthonläufer ist schon tot umgefallen-deshalb habe ich meine Bedenken, dass Marathon oder andere Extremsportarten gesund sein sollen.
Zur “Sportfreundin” Nach den Endpunkten zu fragen erscheint mir relativ müssig. Die sind alle gleich-nämlich der Tod. Der bekannte Sportmediziner Prof. Richard Rost sagte einmal:”regelmäßig joggen verlängert das Leben im Durchschnitt um zwei Jahre. Wenn man die Zeit zusammenrechnet in denen man joggt sind das auch zwei Jahre.” Sie sollten also nur joggen, wenn Ihnen das joggen Freude macht.
Aber selbstverständlich ist ausreichend Bewegung-nicht unbedingt Sport-maßvoll ausgeführt -sehr wichtig für alle schon genannten Erkrankungen-vor allem bei den übergewichtigen Diabetiker. Dies erhöht sicher die Lebensqualität.
noch ein Satz von Richard Rost: “Der Sportler lebt nicht unbedingt länger, er stirbt aber gesünder”

#14 |
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Guido Borrmann
Guido Borrmann

“Sixty subjects were measured three times over a period of three weeks”

Eine differenzierte Betrachtungsweise ist ja sicher bei allen medizinischen Fragen stets richtig, jedoch wenn oben genannter Teil des Studiendesigns als Bemessungszeitraum für die Wirkung von Ausdauersport auf den Menschen und seine Risikofaktoren gesehen werden soll, so wage ich doch das als fragwürdig zu betrachten.
Sicher haben Sportler häufiger eine Absoluta, doch aus meiner Sicht meisst nur durch ein zu adrenerges Training, bezogen auf die HRV Messung.
Stress ist hier aus meiner empirischen Sicht der Auslöser.
Wir vergessen immer eine Tatsache, eigentlich sind wir noch nicht weit aus der Steinzeit heraus gekommen und dort war die Zahl 30 wichtig: 30 Jahre Lebenserwartung, bis 30 Gene weiter gegeben, 30 km pro Tag Bewegung.

Heute werden wir 80 , bewegen uns von 20 bis 40 so gut wie gar nicht, sitzen im Büro oder vor dem Fernseher. Dann plötzlich mit 40 / 50 kommt die Kriese und wir übertreiben es vom Start weg mit dem Sport , überschreiten die Grenzen unseres gealterten Körpers im Jugendwahn.
Wer würde einen 40 Jahre alten 911 Porsche aus dem Stand auf Tempo 200 beschleunigen ohne eine Warmlaufphase einzuplanen?

Alles moderat aber möglichst regelmässig mit angemessener kontrollierter Belastungssteigerung.
Dann ist Sport sicher das Beste in der Prävention von Herz Kreislauf Erkrankungen.
Schönes Wochenende
Guido Borrmann

#13 |
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Dr. med. Herbert Schultz-Gora
Dr. med. Herbert Schultz-Gora

Danke für die differenzierte Sichtweise!
Zu untersuchen wäre ergänzend, mit welcher MOTIVATION der Sport betrieben wird. Wenn dies “zwanghaft”, mit Unlust und großem inneren Druck geschieht, könnte die so gewonnene Bewegung mit so viel “Dys-Stress” einhergehen, daß die positiven Effekte konterkariert werden.

#12 |
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Muss gleich los, habe aber noch einmal neugierig hier reingeguckt.
Lieber Author, lieber Herr Graetzel, Sie sehen, welches Feedback Ihr Artikel erhielt.

Ich habe mir das natürlich durchgelesen. Bitte um Pardon, dass ich nicht einzeln eingehe. Wohlmöglich vergesse ich beleidigender Weise jemanden.
Auch, insbesondere (!) die Komm 2 (“Sportsfreundin”) mit der Frage nach den Endpunkten scheint mir wichtig. Was hilft denn wirklich, ein Leben zu verbessern und im Idealfall lebenswert zu verlängern?

Herr Kumm, ich gebe Ihnen vollkommen Recht: Oft ist ein frustraner Ansatz unserer Bemühungen durch Suchtverhalten gehemmt. Essverhalten, Lebensgewohnheiten …
Ja. Spielt sicherlich ganz wesentlich eine Rolle.

Nein, ich bin mehr für Aufklärung denn für restriktive Massnahmen. Es ist unsere Aufgabe, Aufklärung zu leisten _ auch über das nihil facere und deren potentielle Folgen.

Dennoch müssen wir unser Nichtwissen eingestehen. Da gibt es bzgl. der Atherosklerose z. B. die Hypothese der infektionösen Genese? Nicht alles spricht dafür, – ganz von der Hand zu weisen ist es auch nicht. Ich verfolge das mit Interesse, im Wissen unseres Unwissens. Frust!!!
Werden wir uns einmal, nach Klärung der Äthiologie so fühlen müssen, wie die Chrirugen, die unzählige Mägen umoperiert haben, – und sich anschließend – nach langem Streit mit den Internisten – über die HP-Infektion als Kausalfaktor für die Ulcera (>85 %) im Klaren wußten?

Ich akzeptiere insbesonde die Beiträge, welche die Individualität der Erkrankung ansprechen.

Herzliche Grüße an alle hier.

#11 |
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Dr. Günter Theis
Dr. Günter Theis

Endlich ein Artikel, der zusammenfasst, was uns allen doch längstens bekannt ist :
wieso, zum Teufel, haben gerade die Sportler mit dem erhöhten Vorhofflimmerrisiko zu kämpfen (Montt, Barcelona) ?
Was sag’ ich denn denen zum Trost – und zum weiteren Procedere ?
Manchmal ist halt nicht nur weniger mehr, sondern fast nichts schon fast alles !

#10 |
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Genetische Faktoren spielen sicher eine Rolle, nur ist denke ich die Förderung des Radverkehrs, gesunde betriebliche Ernährung und Schulspeisung deutlich besser hinsichtlch Gesamtkosten:Nutzen.

Einfache Screeningparameter wie BMI, RR, Ruhepuls können von Nichtmedizinern erhoben werden womöglich ergänzt durch nichtinvasives Glucosemonitoring.

http://thefutureofthings.com/pod/236/non-invasive-blood-glucose-monitor.html

#9 |
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Diabetesmanagement ist zu weiten Teilen kein medizinisches sondern ein psychologisches Problem. Bei BMI > 40 hat Ernährungsberatung keinen Sinn – weil in meiner Erfahrung psychiatrische Gründe und oft Süchte vorliegen.

“Die Leute da abholen wo sie sind” bedeutet m.E. daß Strukturen wie in der DDR notwendig wären als die Teilnahme an Diabetesgruppen staatsbürgerliche Pflicht war, unentschuldigtes Fehlen wurde als Sozialparasitismus betrachtet und notfalls geahndet.

Orale Antidiabetika sind m.E. mit Ausnahme des uralten Metformin schlicht überflüssig – -Glitazone führen zu Gewichtszunahme.

Ansonsten ist Prävention besser als Therapie. Das bedeutet Schulsport und rechtzeitige gezielte Hilfe für übergewichtige Kinder und ihre Eltern. Kochunterricht in der Schule ?! Vegetarisches Menü in den Kantinen ? Betriebssportgruppen ? Fahrradparkplätze und Km-Pauschalen ?

Ich hatte mal einen 16 jährigen Typ II Diabetiker mit komplett flachen ST-Segmenten, es soll 7 jährige mit TypII Diabetes geben.

#8 |
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Guten Abend,

danke für den interessanten Artikel.

Ich war am überlegen, ob mich die Anzahl der Non-Responder bzw. Patienten, bei denen sich die bekannten Risikofaktoren sogar ungünstig weiterentwickeln, wirklich überrascht.

Bei allem Wissen zu Risikofaktoren, Ko-Faktoren, welche sich u. a. durch körperliche Aktivität oft günstig beeinflussen lassen, bei allen detaillierten Kenntnissen zur Pathogenese der Gefäßerkrankungen / des metabolischen Syndroms etc¿ müssen wir uns ¿ Hand auf¿s Herz ¿ letztlich doch eingestehen, dass wir bezüglich der Äthiologie z. B. der Gefäßerkrankungen unverändert im Dunklen tappen. Eigentlich wissen wir nicht wirklich, ob und in welchem Ausmaß die bekannten Risikofaktoren / Laborwert-Veränderungen tatsächlich Ursache z. B. der Angiopathie oder Folge eines ¿Faktor X¿ sind, den wir nicht kennen.
Etwas ketzerisch ausgedrückt: Genau genommen wissen wir eben nicht wirklich, ob wir mit unseren Präventivmaßnahmen, Empfehlungen und Therapien tatsächlich kausal etwas unternehmen oder lediglich Symptome behandeln. Da wir bei vielen, der Mehrzahl der Patienten bekannte Risikofaktoren günstig beeinflussen können, dürfen, sollten wir bei unseren Empfehlungen bleiben. Aber¿

Mit freundlichen Grüßen

#7 |
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Ärztin

Danke Herr Dolgener für Ihren Kommentar. Dem ist nichts hinzuzufügen.

#6 |
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Ich vermisse in diesem Artikel Angaben über die Art des Sports und Angaben darüber wann die Probanden mit dem Sport begonnen baben,wurde bereits in der Jugend Sport getrieben oder hat mam erst später mit dem Sport begonnen.

#5 |
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Dr Ronald Weser
Dr Ronald Weser

Der Sportkult ist eben ein Kult.

Neu ist das nicht aber jetzt wissen es ein paar Leute mehr.

#4 |
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Sehr interessantes Thema und hoffentlich leiten diese Beobachtungen einen Paradigmenwechsel ein.Schien doch auch klinisch der individuelle Bedarf nach Bewegung sehr unterschiedlich und die Verträglichkeit sehr unterschiedlich. Stimme da Kommentar 4 zu, dem Bundestrainer wäre genau das für die praktische Arbeit nämlich empfohlen: nicht starre Leitlinien überzustülpen und Patienten damit noch zusätzlich zu stressen, sondern individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten zu fördern – dann geht die Sprechstunde auch schneller.

Interessant ist die Frage, welche Gene daran beteiligt sind, ob das Lebenszeitstabile traits sind, wie diese mit bekannten Hormonen interagieren, oder ob die Nachteile von Sport doch nur statische Boden- oder Deckeneffekte sind.

#3 |
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letztlich will uns dieser Artikel doch vor allem darauf hinweisen, daß unsere Patienten als Individuen zu betrachten und auch als solche zu behandeln und zu beraten sind. Patienten sind eben nicht “Behandlungsobjekt”, über die jedwede auf dem Markt befindliche Leitlinie ungefiltert drübergestülpt werden soll.

#2 |
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Weitere medizinische Berufe

Der Artikel läßt vieles offen, wird von mir nicht positiv bewertet, da er einerseits gewissen Specis die Ohren kitzelt, andererseits voreingenommene “wußte ich schon immer besser-wisser” auf den Plan ruft (siehe Kommentar 1). In jedem Fall braucht es keiner Studie um zu beweisen was längst hinlänglich bewisen ist, dass moderater Sport gesumndheitsfördernd ist.

#1 |
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