P wie Professor: Das Lehrkörper-ABC

25. Juli 2012
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Sie motivieren, unterstützen und formen uns, aber manchmal frustrieren sie uns auch. Manche haben wir bereits zu Semesterschluss vergessen, von anderen werden wir unseren Kindern berichten. Die Rede ist von unseren Profs, denen wir uns nun mit einem kleinen Augenzwinkern widmen.

Vor kurzem berichteten wir über die Spezies des Studiosus medicinae, gemeinhin als Medizinstudent bekannt und die Klischees, die artfremde Studierendengattungen mit dieser verbinden. Diese Spezies würde jedoch nicht existieren, gäbe es da nicht eine weitere Gattung, die in einer Art Symbiose für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts von Lernen und Freizeitprogramm an den Universitäten sorgt: Die Lehrenden. Das Wort Professor entstammt dem lateinischen Begriff „profiteri“, was übersetzt soviel wie „sich öffentlich als Lehrer zu erkennen geben“ bedeutet. Wie sich unsere Profs, Privatdozenten (PDs) und Lehrbeauftragten tatsächlich zu erkennen geben und was sie charakterisiert, habe ich meine Kommilitonen aus verschiedenen Semestern gefragt und im folgenden zusammengefasst. Herausgekommen ist das kleine Professoren-Lexikon von A bis G:

A wie Antiprof: der Kumpeltyp

Äußere Merkmale: Legeres Auftreten in Jeans, Logo-T-Shirt und Sakko, Dreitagebart, Wuschelfrisur, hat oft eine Umhängetasche aus LKW-Plane über die Schulter geworfen, niemand würde ihn für einen Universitätsprofessor halten;
Vorkommen: Bevorzugt Anästhesie, Notfallmedizin, kleinere Fächer;
Verhalten: Betritt den Raum bereits mit einem lässigen Spruch wie „Vorsicht, ich mach das Licht an, jetzt wird es wieder hell!“, stellt sich gerne auf dieselbe Ebene mit seinen Studierenden und erkundigt sich bevorzugt nach den Partys, die das vorherige Wochenende stattfanden;
Lehrstil: Unkonventionell, viele Beispiele aus der Praxis, Gruppenarbeiten und Rollenspiele, unterhaltsame Seminare und Vorlesungen, denen man gut folgen kann und deren Inhalte sich gut behalten lassen;
Zitate: Witze, lockere Sprüche; z.B.: „Frauen sind wie Atropin, man bekommt große Pupillen und feuchte Augen.“
Tipps: Hilft gern weiter, auch bei fachfremden Problemen; in Prüfungen oft nicht so kumpelhaft wie es zuvor den Anschein hatte, also nicht allzu lässig nehmen: Auch er will seinen Studierenden etwas beibringen und Ergebnisse sehen;

B wie Bond, PD Bond: der “Alles-easy”-Typ

Äußere Merkmale: Immer schick gekleidet – Nivea-Beau à la Jogi Löw, rasierwasserduftend, oft weiße oder schwarze Lackschuhe, immer ein smartes Lächeln auf dem Gesicht;
Vorkommen: Bevorzugt Gynäkologie, Urologie;
Verhalten: Lässig, locker, dynamisch; hält meist eine kleine aufmunternde Story am Anfang einer Vorlesung bereit;
Lehrstil: Sehr strukturiert; versteht es, die Studierenden in seinen Bann zu ziehen und für sein Fach zu begeistern;
Zitate: Coole Konter; z.B.: PD Bond: „Und, was haben wir hier?“ Student: „Das ist der Larynx, auch bekannt als Pharynx.” PD Bond: „Gut, dann kriegen Sie jetzt eine 3, auch bekannt als 4!”
Tipps: Lässt mit sich reden; möchte, dass seine Studenten etwas lernen und den Spaß am Fach behalten; nicht durch seine lässigen Sprüche verunsichern lassen;

C wie Dr. Cox: der „Hart-aber-herzlich“-Typ

Äußere Merkmale: Tritt meist sehr professionell im Kittel auf und wirkt zunächst etwas einschüchternd; ein Lächeln muss man sich hart verdienen;
Vorkommen: Bevorzugt Innere Medizin, Neurologie;
Verhalten: Zackig, energisch und zielgerichtet; wenn er den Raum betritt, soll Ruhe herrschen, gequatscht wird nicht in seinen Veranstaltungen;
Lehrstil: Will seinen Studierenden etwas beibringen, koste es, was es wolle; vermittelt geradlinig sehr essentielle Informationen, seine Methode folgt der Evolutionstheorie – „Survival of the fittest“;
Zitate: weise Sprüche; z.B.: „Nur Druck macht aus Kohle Diamanten“
Tipps: schnell denken ist angesagt denn Pausen macht er nur zum Luftschnappen; hält sich meist an seine Lehrinhalte, in Prüfungssituationen also angenehm; will es aber ganz genau wissen; duldet kein „weiß ich nicht“ – mit ein wenig Nachdenken kommt jeder auf eine Lösung!; meint es aber eigentlich doch gut und liebt seine Studenten;

D wie Daniel Düsentrieb: Der „verwirrter Professor“-Typ

Äußere Merkmale: Zerzaustes Haar, schiefe Brille, oft Kaffee- oder andere Flecken auf der Oberbekleidung, die zur Hälfte in der Cordhose steckt und zur anderen Hälfte über den Bund hängt;
Vorkommen: Bevorzugt Biochemie, Mikrobiologie, Klinische Chemie, Pathologie
Verhalten: Immer in Eile und etwas nervös, oft zu spät; bemerkt beim Eintreten in den Hörsaal bereits, dass er die Hälfte seiner Materialien vergessen hat – aber das macht irgendwie nichts;
Lehrstil: Impro-Künstler; schafft es meist, die Studierenden mit Beispielen aus der Praxis zu begeistern, weil er darüber sehr leidenschaftlich referiert – auch wenn man, ab und an, leicht den Faden verliert; liebt es, über seine Forschung zu berichten;
Zitate: Leicht konfuse Ansagen; z.B.: „Wir haben ihr Semester in vier gleich große Hälften geteilt. Ähm. Oder so.“
Tipps: Absprachen bezüglich Prüfungen, Arbeiten und Terminen zum Schutz vor umfassender Vergesslichkeit immer schriftlich bestätigen lassen; vor mündlichen Prüfungen seine Forschungsschwerpunkte nochmals exakt durcharbeiten;

E wie Einstein: der allwissende Typ

Äußere Merkmale: Zunächst unauffällig, eher lockere Erscheinung;
Vorkommen: Bevorzugt Biochemie, Pharmakologie
Verhalten: Sehr selbstsicheres Auftreten, scheint oft, als ob ihm die Studierenden egal wären und er die Vorlesung für sich alleine halten würde;
Lehrstil: Ist allwissend und das soll auch jeder andere mitbekommen und honorieren; Studierendenkommentare sind hier nicht gern gesehen; redet am liebsten selbst. Aufgrund seines tatsächlich meist sehr umfangreichen Wissens, lässt sich jedoch viel Wertvolles aus seinen Veranstaltungen mitnehmen;
Zitate: Lässige Sprüche; z.B.: „Hat ihnen Kollege Dr. F. erklärt, wie der Zitronensäure-Zyklus funktioniert? Ja? Na dann erkläre ich ihnen jetzt, wie das wirklich ist.“
Tipps: Niemals zweifeln – immer zuhören. Möchte gern mit vollem Titel (Prof.Dr.Dr….) angesprochen werden; wenn man komplexe Fragen hat, beantwortet er diese mit Freude, jedoch ausführlich und mit eventuellen Rückfragen – Vorbereitung ist also alles, für Seminare wie Prüfungen;

F wie Foster Father: Der väterliche Typ

Äußere Merkmale: Lesebrille um den Hals hängend, kariertes Sakko, Ledertasche unter’m Arm, immer ein großzügiges Lächeln auf den Lippen, gebräuntes Gesicht vom Bergsteigen am Wochenende;
Vorkommen: Bevorzugt Anatomie, Pädiatrie, Dermatologie;
Verhalten: Immer pünktlich und ordentlich; sehr geduldig und hilfsbereit; möchte den Studierenden ein Vorbild sein, beantwortet sehr gerne und ausführlich Fragen; erzählt häufig Anekdoten aus seiner Freizeit oder seinem Familienleben;
Lehrstil: Übersichtlich, ein wenig verschult, aber sehr gut für den Überblick; teilt oft sehr hilfreiche Materialien wie Arbeits- oder Merkblätter aus;
Zitate: Nette Merksprüche; z.B.: „Treponema pallidum haut den stärksten Seemann um.“
Tipps: Sehr umgänglich; erwartet aber auch ein gewisses Maß an Disziplin und Mitarbeit; sehr angenehm in mündlichen Prüfungen, da er meist eine gewisse Ruhe verbreitet;

G wie Der Grinch: der “Do-it-youself”-Typ

Äußere Merkmale: Kommt immer in OP-Kleidung (auch von zuhause), nur um klarzustellen, dass er eigentlich wirklich Wichtigeres zu tun hätte, als Studierende zu unterrichten;
Vorkommen: Bevorzugt Chirurgischen Fächerkreis;
Verhalten: Meist hektisch, möchte sich umgehend wieder den „essentiellen Aufgaben“ des Arztberufes zuwenden;
Lehrstil: Ruppig, zügig, ohne viele Erklärungen, aber dafür meist mit viel Praxisbezug;
Zitate: Raue Sprüche; z.B.: „Uns hat das auch niemand beigebracht!“ oder „Bei mir im OP dürfen sie zwei Dinge halten: Meine Haken und ihre Klappe!“
Tipps: Ordnet man sich unter, kann man sicherlich viel lernen; hat man sich bei ihm Respekt verschafft, nimmt er einen womöglich sogar als Zögling unter seine Fittiche;

Es „menschelt“ überall

Jeder hat sicherlich schon den ein oder anderen Prof aus einer der oben beschriebenen Kategorien erlebt. Ich hatte beispielsweise einmal ein Erlebnis der Kategorie „Dr. Cox“ im OP: Der Chirurg sagte zu mir, „jetzt nähen sie, 1 Stich, 1 cm“, ich gab mir große Mühe, nähte mit großer Sorgfalt und mit Hilfe des Assistenzarztes eine kurze Naht, zum Ende war ich ziemlich stolz auf meine Arbeit. Als aber unser „Chef“ zurückkam, guckte er nur ernst und fragte: „Wann haben sie Geburtstag?“.

Ich war verwundert und sagte: „Am 8.Oktober, warum?“. Seine Antwort war, „weil ich ihnen dann ein Maßband schenken kann“ und ging wortlos von dannen. Ich ließ mich – nachdem mich Kollegen beruhigt hatten – nicht verunsichern und bekomme mittlerweile sichere 1 cm-Stiche hin – auch ohne Maßband. Rückblickend betrachtet, haben mich durch mein Studium größtenteils qualifizierte, kompetente und motivierende Lehrer begleitet, denen ich für ihre gute Vorbereitung auf die Tätigkeit in der Klinik sehr dankbar bin.

Nicht den Humor verlieren

Was man immer bedenken sollte: Alles will mit dem nötigen Quäntchen Humor betrachtet werden. Natürlich handelt es sich bei den sieben beschriebenen Typen um überhöhte, karikaturhafte Professorentypen, aber das ein oder andere Fünkchen Wahrheit steckt sicherlich auch in dieser überspitzten Darstellung.

Wer übrigens von lustigen Professorensprüchen nie genug bekommen kann, sollte sich diese beiden Seiten zu Gemüte führen:

Professorensprüche
Professorensprüche, die Zweite

Habt auch Ihr das ein oder andere lustige Dozentenzitat oder Professorenklischee auf Lager? Welche Skurrilitäten verbindet Ihr mit Euren Professoren? Tauscht Euch in den Kommentaren aus!

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