Rivando24: Gefährlich gepanscht

28. März 2014
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Im Internet tauchen immer wieder Präparate mit riskanten Wirkstoffen auf. Jetzt warnt die Arzneimittelkommission vor Rivando24. Das vermeintlich pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel zur Potenzförderung enthält Sildenafil – und zwar nicht zu knapp.

„Rivando24 sind echt klasse (rezeptfrei und pflanzlich)“, heißt es in Foren. „Ich habe dann diesen pflanzlichen Cocktail in Pillenform bestellt und wollte bei einer geeigneten Gelegenheit das Erworbene probieren.“ Ein fatales Missverständnis, enthält so manche Kräuterpille weitaus mehr als im Kleingedruckten angegeben. „Der Verbraucher weiß nichts davon, da diese hochwirksamen Arzneistoffe nicht deklariert, aber risikobehaftet sind“, sagt Professor Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der AMK. „Kriminelle Fälscher gefährden bewusst die Gesundheit ihrer gutgläubigen Kunden.“ Er rät grundsätzlich vor Nahrungsergänzungsmitteln aus dubiosen Quellen ab. Jetzt warnt die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) Patienten dringend davor, Rivando24 einzunehmen.

Heiße Ware im Labor

Kollegen des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL) haben Rivando24 unter die Lupe genommen. Ihre Überraschung war groß, als im laut Hersteller „rein pflanzlichen“ Präparat 65 bis 90 mg Sildenafil pro Kapsel zu finden waren: die Obergrenze an Wirkstoff in verschreibungspflichtigen Präparaten. Daneben enthielten die Hartgelatinekapseln ein verpresstes Pulver pflanzlichen Ursprungs.

Überraschende Zusätze

Kein Einzelfall: In den letzten Monaten tauchten immer wieder pflanzliche Präparate auf, die einen synthetischen, nicht deklarierten Wirkstoff enthielten. Häufig waren Kräuterpillen mit dem umstrittenen Appetitzügler Sibutramin darunter – ein umstrittenes Molekül: Schon vor einiger Zeit hatten Forscher im Rahmen der Sibutramin Cardiovascular OUTcomes Trial (SCOUT) 10.000 Probanden mit regelmäßiger Sibutramin-Einnahme beobachtet und Hinweise für erhöhte Herz-Kreislauf-Risiken gefunden. Daraufhin empfahl der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur EMA, jegliche Zulassung ruhen zu lassen. Kurz darauf tauchten Sibutramin-haltige Kräuterpillen im Internet vermehrt auf. Schilddrüsenhormone und Katecholamine sind ebenfalls in vermeintlich harmlosen Präparaten zu finden. Die AMK stellt jetzt zum wiederholten Male klar, Verbraucher gingen hohe Gesundheitsrisiken durch gefälschte Präparate aus dubiosen Quellen ein.

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