Amygdala und Hippocampus: Grenzregion kartiert

18. März 2014
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Einem Forscherteam ist es im Zuge einer aktuellen Studie nun erstmals gelungen, die Grenze zwischen den beiden wichtigen Gehirnstrukturen Hippocampus und Amygdala zu kartieren.

Tief im menschlichen Gehirn liegen zwei kleine, aber wichtige Strukturen dicht zusammen: Die Amygdala spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um Gefühle geht, der Hippocampus ist eine Schaltzentrale für das Gedächtnis. Wegen ihrer geringen Größe waren bislang diese Hirnbereiche beim lebenden Menschen schwer auseinanderzuhalten – die Amygdala ist gerade einmal so groß wie ein Mandelkern. Besonders die Grenze zwischen ihnen konnte mit bildgebenden Verfahren nicht dargestellt werden, weil die räumliche Auflösung nicht ausreichte, um die Grenzregion zwischen beiden darzustellen.

Dank des Einsatzes eines Hochleistungs-Kernspintomografen konnten Wissenschaftler aus Freiburg und Magdeburg nun erstmals die Grenze zwischen Amygdala und Hippocampus kartieren. Dies berichtet das Team um Dr. Tonio Ball vom Bernstein Center Freiburg und dem Exzellenzcluster BrainLinks-BrainTools der Universität Freiburg in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „Human Brain Mapping“.

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Die Grenze zwischen den wichtigen Gehirnstrukturen Hippocampus und Amygdala ist in hochaufgelösten Kernspintomografie-Bildern als feiner heller Streifen erkennbar. © Foto: AG Ball, Universität Freiburg

Das Team untersuchte sechs gesunde Probanden in einem 7-Tesla-Magnetresonanztomografen der Universität Magdeburg. Diese Geräte erzeugen ein vielfach stärkeres magnetisches Feld als die in Kliniken üblicherweise eingesetzten Scanner und liefern hierdurch ein deutlich exakteres Bild der Strukturen im menschlichen Körper.

Individuell vermessen

Bei der Untersuchung der Probanden machten die Wissenschaftler eine überraschende Entdeckung: Die Grenze zwischen Amygdala und Hippocampus verlief bei jeder Person deutlich anders und unterschied sich sogar zwischen linker und rechter Hirnhälfte. Da an dieser Grenze die Hirnbereiche im Austausch miteinander stehen, wenn es um Gefühle und Erinnerungen geht, könnten diese Variationen auch für Unterschiede in der Persönlichkeit verantwortlich sein. In Zukunft, so die Forscher, müssten diese Hirnstrukturen genau vermessen werden, wenn Menschen wegen psychiatrischer Erkrankungen wie Angststörungen untersucht würden. Die Studie zeige zudem, dass es keine standardisierten Karten des Gehirns im Bereich von Amygdala und Hippocampus geben könne. Für jeden Patienten müsse dieser Bereich individuell vermessen werden, um Fehldiagnosen durch eine falsche Zuordnung zu vermeiden.

Originalpublikation:

Visualization of the amygdalo–hippocampal border and its structural variability by 7T and 3T magnetic resonance imaging
Tonio Ball et al.; Hum. Brain Mapp., doi: 10.1002/hbm.22477; 2014

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Medizin, Neurologie

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1 Kommentar:

Nichtmedizinische Berufe

Es wurde eine abgrenzbare Struktur gefunden. Aber die Amygdala und der Hippocampus werden im Artikel als funktionelle Einheit beschrieben. Also ist der Artikel Lokalisationsdenken (Lokalisationstheorien – Funktion ist lokal abgrenzbar).
ABER: Inzwischen weis man doch, Funktion ist eben nicht lokal eingrenzbar. Deswegen wird die Konnektomforschung mit viel Geld gefördert.
FAZIT: Die gefundene Grenze ist Struktur. Und hell deutet auf myelinhaltige Fasern hin. An der Gefühlsbildung sind laut Konnektom die Amygdala und Hippocampus beteiligt.

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