Getriebe für Diabetes entdeckt

18. März 2014
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Forscher identifizierten ein Schlüsselprotein, das für das Absterben der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse verantwortlich ist. Ist dieses Protein einmal aktiv, greifen bio-chemische Reaktionen wie Zahnräder eines Getriebes ineinander und führen letztendlich zum Diabetes.

Kathrin Mädler und ihr Forscherteam von der Universität Bremen berichten in der neuesten Ausgabe des „Journals Nature Medicine“ zu ihren Ergebnissen. Ihre Studien zeigen dabei bereits neue Wege, wie durch gezielte Beeinflussung dieses Proteins das Fortschreiten von Typ-1- und Typ-2-Diabetes verhindert werden kann. Bisher sind Therapien, die die Betazelle schützen und damit der Ursache des Diabetes entgegenwirken, nicht verfügbar.

Betazellen sind in den Langerhans’schen Inseln angesiedelt. Sie sind Miniorgane in der Bauchspeicheldrüse und bestehen aus verschiedenen hormonproduzierenden Zellen, die maßgeblich an der Steuerung des Blutzuckerspiegels beteiligt sind. Sowohl im Typ-1- als auch im Typ-2-Diabetes führt ein Absterben dieser Zellen zu einem Mangel an Insulin.

Auf der Suche nach einem Protein, dessen Signalwege zur Zerstörung der Betazelle führen, stießen die Forscher auf MST1. MST1 ist in diabetischen Inseln aktiviert und führt zu deren Absterben und Funktionsverlust. Dabei wird eine Kettenreaktion über die Mitochondrien ausgelöst und die Regelung für die Insulinproduktion zerstört.

Gezieltes Ausschalten

Eine Hemmung von MST1 konnte die Betazellen in den Arbeiten der Bremer Forscher schützen, die Funktion und das Überleben in bereits diabetischen Betazellen wurden verbessert. In Modellen von Typ-1- und Typ-2-Diabetes verhindert ein gezieltes Ausschalten des MST1 den Ausbruch der Erkrankung. Daraus könnte erstmalig eine Diabetestherapie entwickelt werden, die wirklich die insulinproduzierenden Zellen schützt.

Originalpublikation:

MST1 is a key regulator of beta cell apoptosis and dysfunction in diabetes
Kathrin Mädler et al.; Nature Medicine, doi: 10.1038/nm.3482; 2014

31 Wertungen (4.39 ø)
Diabetologie, Medizin

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8 Kommentare:

Bernd Michael Botterbrodt
Bernd Michael Botterbrodt

Für mich stellt es keine Lösung des Problems dar, mir selbst und meinen Patienten durch Verzicht auf Sinnenfreude (und dies wäre für mich als carnivor genießenden Mischköstler eine vegetarische / vegane oder sonstig beschränkte Lebensweise) zu einem längeren Leben ohne Qualität zu verhelfen. Vernünftige Lebensführung mit Lebenszufriedenheit sollte das Ziel sein, – nicht das ein Jahr längere Leben, welches uns dann wie 10 Jahre Freudlosigkeit vorkommt…

#8 |
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PD Dr. med. Hartmut Otten
PD Dr. med. Hartmut Otten

Neue Ergebnisse und Erkenntnisse über die Funktion von menschlichen Organen kann ich nur positiv bewerten. Wie und ob wir dieses Wissen nutzen, ist natürlich eine weitere wichtige Frage.
Für mich stellt sich an dieser Stelle aber auf keinen Fall die Frage: vegan oder nicht vegan zu leben?

#7 |
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Ralf Schambach
Ralf Schambach

Vielleicht sollten wir uns an den alten Satz “die Dosis macht das Gift” erinnern?
Vernünftige Lebensführung mit viel Bewegung, Vermeidung von Übergewicht, Streß und unnötigen Umweltgiften und vor allem eine naturbelassene, vollwertige Ernährung sollten uns auch schon helfen.
Dann sind auch keine Ernährungsextreme wie “vegane Ernährung” nötig. Es gibt genug Untersuchungen, auf was unser Verdauungssystem ausgelegt ist. Oder haben wir uns in den letzten Jahrzehnten in Herbivoren verwandelt?

#6 |
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Es ist, wie es häufiger ist in diesem Forum, wenn etwas vorgestellt wird. Oft gibt es jemanden, der jetzt schon weiß, dass es dieses oder jenes nie geben wird. Die Geschichte lehrt jedoch etwas anderes. Gallileo war ja auch der Einzige, der sagte: Und sie bewegt sich doch…….

#5 |
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Am besten ist es, Diabetes durch gesunde Ernährung erst gar nicht entstehen zu lassen. Aber selbst bei einem manifesten Diabetes hilft eine vegane Ernährung sehr gut. Aber offensichtlich interessiert sich keiner für die Studien, die dies belegen: http://www.provegan.info/de/studien/kategorie/studien-diabetes/

#4 |
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Dr. med. Faribors Marktanner
Dr. med. Faribors Marktanner

Wolfgang Neher
Weitere medizinische Berufe

…und bis wann ist eine Therapie zu erwarten?
#1 | 18. März 2014 um 16:05
Meine Antwort: es wird keine solche geben, weil eine solche nicht geben kann.

#3 |
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Dr. med. Faribors Marktanner
Dr. med. Faribors Marktanner

will ich ja. Aber ich komme nicht durch
Dr. Marktanner

#2 |
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Weitere medizinische Berufe

…und bis wann ist eine Therapie zu erwarten?

#1 |
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