KDS: Wenn das Spiegelbild unerträglich wird

17. März 2014
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Menschen mit Körperdysmorpher Störung (KDS) beschäftigen sich unentwegt mit ihrem Erscheinungsbild und empfinden ihr Äußeres als unansehnlich. Welche Gedanken Betroffene beim Betrachten ihres Spiegelbilds haben, war nun erstmals Gegenstand einer Studie.

Die Studienergebnisse von Diplom-Psychologin Dr. Ines Kollei aus der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen der FAU zeigen, dass der Aufbau positiver körperbezogener Gedanken und die Vermittlung von Strategien beim Umgang mit negativen Emotionen für den Erfolg einer KDS-Therapie wesentlich sind.

30 Minuten betrachten

Ausgangspunkt der Studie „Kognitiv-affektive Aspekte des Körperbildes bei körperdysmorpher Störung im Vergleich zu einer klinischen und nicht-klinischen Kontrollgruppe“ war eine Körperwahrnehmungsübung. Die Teilnehmer aus den unterschiedlichen Untersuchungsgruppen – jeweils 30 Personen mit einer Körperdysmorphen Störung, einer depressiven Störung und ohne psychische Störung – betrachteten sich 30 Minuten lang in einem Ganzkörperspiegel. Während der Übung sollten die eigenen Gedanken laut ausgesprochen („Think-aloud“-Methode) und die empfundenen Gefühle anschließend mithilfe eines Fragebogens protokolliert werden.

Kaum positive Einschätzungen

Dr. Ines Kollei und ihr Team stellten fest, dass zwar in allen Kontrollgruppen negative Gedanken, bei der KDS-Gruppe im Vergleich jedoch kaum positive Einschätzungen geäußert wurden, wie z.B. „meine Haare sind schön“. „Zudem erlebten KDS-Betroffene nach der Spiegelbetrachtung ein starkes Ausmaß an Ärger sowie Traurigkeit und grübelten nach der Übung über das eigene Aussehen“, so die Psychologin. Die Studienergebnisse enthalten wichtige Hinweise für die Behandlung der KDS.

Einschränkungen des Alltags

Bei Menschen, die unter dieser psychischen Störung leiden, spielt der Blick in den Spiegel eine besondere Rolle. Die Überprüfung des eigenen Aussehens erfolgt in vielen Fällen unverhältnismäßig oft. Die permanente Sorge um das äußere Erscheinungsbild und das ständige Gefühl, einen Makel zu haben, ist für die Betroffenen kräftezehrend und führt häufig zu Einschränkungen des sozialen und beruflichen Alltags.

Originalpublikation:

Body-related cognitions, affect and post-event processing in body dysmorphic disorder
Ines Kollei et al.; J Behav Ther Exp Psychiatry, doi: 10.1016/j.jbtep.2013.09.005, 2014

37 Wertungen (3.73 ø)

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2 Kommentare:

Sigrid Ernst
Sigrid Ernst

Was gibt es nun für “neue” Behandlungsansätze?

#2 |
  0
Medizinfotograf / Designer

das Ergebnis hätte ich auch so erwartet. Also was hat die Studie gebracht?

#1 |
  0


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