Resistenzen: Schweinerei mit Reserveantibiotika

21. März 2014
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Antibiotikaresistenzen greifen immer weiter um sich. Neben allzu freizügigen Verschreibungen bei Patienten gilt die Tiermast als riesiges Problem. Politiker ziehen die Notbremse und fordern, Reserveantibiotika nur noch in der Humanmedizin zu verwenden.

Eigentlich hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gute Nachrichten, nachdem jetzt Daten zur Antibiotikagabe in der Tiermedizin vorliegen. Wissenschaftler berichten, dass sich der Antibiotikaverbrauch in Tiermastanlagen etwas verringert hat. Betreiber setzten 87 Tonnen weniger ein als im Vergleichszeitraum – vor allem durch weniger Penicilline, Sulfonamide und Makrolide. Allerdings stieg der Einsatz von Fluorchinolonen um zwei auf zehn Tonnen an. Bei Cephalosporinen der ersten und zweiten Generation waren es drei Tonnen mehr.

Therapieerfolg gefährdet

Kein Wunder, dass bei Escherichia-coli-Isolaten immer häufiger Resistenzen auftreten, unter anderem gegen das Fluorchinolon Ciprofloxacin und gegen Cephalosporine. Damit wird der Therapieerfolg bei Patienten und bei Nutztieren gleichermaßen gefährdet. Im Bericht fordert das BVL deshalb, Antibiotika mit Bedacht einzusetzen.

„Grob fahrlässig“

Bärbel Höhn (Bündnis 90/die Grünen), Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, will diese Situation nicht länger hinnehmen. Sie kritisiert: „Wer die Vergabe von lebensrettenden Medikamenten nicht auf schwer kranke Menschen beschränkt, handelt grob fahrlässig.“ Jetzt sind neue Maßnahmen gefragt. „Die Bundesregierung muss endlich die Konsequenzen aus ihren wissenschaftlichen Analysen ziehen und ein Verbot von Reserve-Antibiotika in der Tierhaltung auf den Weg bringen“, so Höhn weiter.

Strategien, Pläne, Konzepte

Im politischen Berlin ist das Problem aber schon lange bekannt. Deshalb haben mehrere Bundesministerien gemeinsam eine Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) erarbeitet. Damit nicht genug: Die Novelle zum Arzneimittelgesetz verpflichtet Landwirte, jeglichen Antibiotikaeinsatz in Datenbanken zu dokumentieren. Tierärzte und Tierhalter müssen gemeinsam Konzepte entwickeln, um Antibiotikamengen – falls erforderlich – im Betrieb zu minimieren.

9 Wertungen (4.33 ø)

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3 Kommentare:

Gerti Stangl
Gerti Stangl

Gast
Danke, dass Sie dieses Thema auch aufgreifen. Ich habe gelesen, dass
GLOBAL 2000 im Februar 2012 Hühnerfleisch hat testen lassen. Untersucht wurden sieben Stichproben. In sechs Proben wurden 2 Keime gefunden, die für die menschliche Gesundheit relevant sind. Durch die häufige Gabe von Antibiotika in der Tiermast passen sich die Keime den neuen Gegebenheiten an und bilden Resistenzen. Antibiotika werden so wirkungslos
In Europa sterben jährlich um die 25.000 Menschen aufgrund dieser Nicht-Behandelbarkeit. Die Gesundheitskosten bewegen sich im Milliardenbereich. Das muss auch einmal gesagt werden. Und hoffentlich ändert sich da bald was.

#3 |
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Gast
Gast

Danke docchek, dass mal auf diesen Skandal wenigstens hingewiesen wird.
Das mit den Tonnen/pro Jahr darf man ruhig etwas genauer darstellen,
denn es ist ein echtes Medien-Tabu.

#2 |
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Die Fehlernährung allein reicht wohl noch nicht, um die Gesundheit der Bevölkerung zu unterminieren.

#1 |
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