Rückenschmerz: Erst mal ein MRTchen

26. März 2014
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Rückenschmerzen stellen Orthopäden auf die Probe, wollen sie doch möglichst schnell eine Lösung des gesundheitlichen Problems erzielen. Nicht immer profitieren Schmerzgeplagte von der maximal möglichen Diagnostik, wie neue Studien zeigen.

Deutschlands prominenteste Rückenschmerz-Patientin wird zurzeit in der Berliner Charité behandelt: Julia Timoschenko, ehemalige Regierungschefin der Ukraine. Bundesweit geht es etwa 20 Prozent aller Menschen nicht besser. Sie leiden an chronischen Rückenschmerzen, haben Befragungen mehrerer Krankenkassen gezeigt. Die Beschwerden gelten nach Atemwegsinfektionen als zweithäufigste Ursache für Arztbesuche. Laut BKK-Dachverband lässt sich jeder vierte AU-Tag auf Muskel-und Skeletterkrankungen zurückführen. Im DAK-Gesundheitsreport 2014 werden entsprechende Leiden sogar an zweiter Stelle aufgeführt. Dahinter verbirgt sich vielleicht ein Bandscheibenprolaps, eine Lendenwirbelfraktur oder sogar ein Tumor.

Kollege Computer

Bei Rückenschmerzen unklarer Genese folgt im Zweifelsfall ein lumbales MRT. Zwar raten Leitlinien davon ab, dieses Verfahren routinemäßig einzusetzen. Zahlen großer Versicherungen zeigen jedoch, dass amerikanische Patienten mit Rückenschmerzen immer häufiger in die Röhre geschoben werden. Ivan K. Ip von der Harvard Medical School, Boston, kritisiert in einem Fachbeitrag diese Tendenz auch unter dem Blickwinkel knapper Ressourcen. Er schlägt vor, Ärzte sollten vor MRTs eine Software als Entscheidungshilfe verwenden. Auf Basis von rund 1.200 Überweisungen inklusive Symptomatik hat Ip jetzt ein Tool präsentiert, das mit einem sogenannten Flaggenmodell arbeitet, wie auch vom Robert-Koch-Institut empfohlen. Begleitsymptome, Vorerkrankungen und psychosoziale Risikofaktoren führen zu elektronischen Warnhinweisen, sprich roten Flaggen (Red Flags), die ein MRT rechtfertigen. Dazu gehören Traumata, rasches Ermüden, Gewichtsverlust, Fieber, Schüttelfrost, starke Schmerzen, Lähmungserscheinungen, andere Erkrankungen jenseits der Orthopädie, aber auch Tumore in der Vorgeschichte. Ansonsten rät die Software, auf MRTs zu verzichten. Nach Implementierung virtuellen Entscheidungshilfen an einem Krankenhaus sank die Zahl an MRTs bei Rückenschmerzpatienten rasch von 5,3 auf 3,7 Prozent, das sind ganze 30 Prozent. Aus Zahlen der Gesundheitsversorgung errechnete Ip bei anderen Häusern Schwankungen zwischen 5,3 und 5,6 Prozent – ohne große Tendenz zur Veränderung.

Rote Karten für rote Flaggen

Das Prinzip, Warnhinweise als Rechtfertigung für diagnostische Maßnahmen einzusetzen, ist bei Ärzten und Wissenschaftlern recht umstritten. Zum Hintergrund: Rund 80 Prozent aller Patienten mit Rückenschmerz haben zumindest eine Red Flag, was internationalen Leitlinien zufolge weiterführende Untersuchungen rechtfertigen würde. Aron Downie von der University of Sydney hat zusammen mit Kollegen jetzt 14 Studien untersucht, um zu bewerten, welche Relevanz rote Flaggen hinsichtlich maligner Erkrankungen oder Frakturen tatsächlich haben. Viele Warnungen erwiesen sich als ungeeignet für die Praxis. Sein Fazit: Mit höherer Wahrscheinlichkeit lassen sich Wirbelkörperfrakturen über das Alter (9 Prozent), die Medikation – vor allem langfristige Kortikoidgaben (33 Prozent), Traumata (11 Prozent) sowie Kontusionen beziehungsweise Abrasionen (62 Prozent) voraussagen. Um abzuschätzen, ob maligne Vorgänge hinter Rückenschmerzen stecken, eigneten sich nur Malignome in der Vergangenheit des Betroffenen (7 Prozent). Wissenschaftler der Cochrane Collaboration raten deshalb zu wenigen, gezielten Fragen: Wie alt ist ein Patient, hat er regelmäßig Steroide eingenommen oder gab es traumatische Ereignisse wie einen Sturz beziehungsweise einen Unfall in der Vorgeschichte?

Schmerz, lass nach

Nach Ausschluss schwerwiegender Erkrankungen greifen Orthopäden oft zur Spritze und injizieren Steroide beziehungsweise Lokalanästhetika in den Epiduralraum. Sie versuchen unter anderem, eine Chronifizierung von Schmerzen zu verhindern, etwa nach einem Bandscheibenprolaps. Bislang war die Datenlage jedoch äußerst widersprüchlich: Manche Studien kamen zu dem Resultat, dass sich Beschwerden nach epiduralen Injektionen besserten – während andere Publikationen keinen Mehrwert fanden. Jetzt haben Wissenschaftler um Laxmaiah Manchikanti, Kentucky, 23 Veröffentlichungen mittlerer bis hoher methodischer Qualität neu ausgewertet. Wählten Ärzte einen kaudalen Zugang, profitierten Patienten vier von fünf Studien zufolge von der Arzneimittelgabe. Interlaminäre Injektionen führten in sieben von neun Studien zum Erfolg, und transforaminale Injektionen bei sieben von neun Arbeiten. Besonders gut schnitten Arzneimittelgaben unter fluoroskopischer Überwachung ab. Manchikanti  bewertete sowohl kurzfristige als auch langfristige Effekte. Als Kriterium galt, Schmerzen bei jedem zweiten Patienten um 50 Prozent oder mehr zu lindern. Er spricht vom qualitativen Erfolg dieser Methode, betont aber, dass sich entsprechende Effekte auf dieser Datenbasis nicht quantifizieren lassen.

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Medizin, Orthopädie

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22 Kommentare:

Robert Dettmann
Robert Dettmann

Na ja, wie ich bereits berichtete, wussten in den 1940er-Jahren Schweizer Neurochirurgen deutlich mehr zu heute international als oft übersehen dokumentierte Diagnosen, eben mindestens die wohl doch weiter verbreiteten spinalen intraduralen arachnoidalen Adhäsionen und Zysten.

Das Wissen und das Können dazu, müssen wohl in den Kriegswirren verloren gegangen sein.
Es wissen heute nach meiner langjährigen Erfahrung jedenfalls nicht viele Mediziner damit etwas anzufangen.
Und daher fehlt diese vielleicht wahrscheinliche “Volkskrankheit”, die sich schon durch banale Infekte wie Erkältungen dauerhaft bilden kann, generell in jedem Diagnosekatalog.

Dabei lässt sich die Erkrankung durch spezielle MRT-Technologie wunderbar nachweisen.
Leider ist die noch abzuzahlende Gerätschaft + Software + Ausbildung in den Radiologiepraxen aus so einer Sicht moderner Technologien völlig veraltet und taugt damit sowieso schon immer nicht den tagtäglichen Standardspruch eines Radiologen zu bemühen: “Da ist Nichts”.

Wie kann das nur behauptet werden, ist bei mir dutzendfach mit einer großen spinalen intraduralen Arachnoidalzyste geschehen, obwohl das Myelon komprimiert war und dieses in dem auffällig geweiteten Duralsack an dieser Stelle des oberen BWS-Verlaufes, viermal hätte durchgezogen werden können.

Wie kann also mit hoffnungslos veralteten Radiologierichtlinien und schlechtem Equipment überhaupt noch von Nachweis gesprochen werden?
Aber Halt: Es gibt da dann immer noch die ICD-F-Entsorgungsdiagnostik, mit der nun wirklich alles erklärt werden darf, obwohl sämtlich nur frei erfunden…

#22 |
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Hebamme

da essen wohl manche Patienten Zäpfchen, aber mit der Rechtschreibung ist es bei manchen Medizinern auch nicht weit her… ;-)

#21 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Dr. med. Maximilian Hornauer, nein, es geht ausschließlich darum dem Patient wirksam zu helfen,
das heist eine vernünftige Ballance zwischen (diagnostischem) Aufwand und dem Nutzeffekt für den Patient zu finden.
Gelegentlich verlangt auch der Kostenträger (BG) zu Recht einen (behaupteten) organischen Schaden sicher auszuschließen, wenn vorher bereits die Röntgendiagnostik keine Verletzung nachweisen konnte.

#20 |
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Ich befürchte, die wenigsten Kollegen die hier glauben, MRTs und PRTs sind unseriös, unwirtschaftlich und wirkungslos, haben je selbst eine PRT (im CT!) durchgeführt. Natürlich können wir weiter Barfussmedizin von 1940 weitermachen, mit noch mehr Heilpraktikern und weiter sinkendem Ansehen für (Fach-) Ärtze. Wer nichts weiß, muss halt glauben!

#19 |
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Robert Dettmann
Robert Dettmann

Ach, das mit dem MRTchen ist tatsächlich Nonsens.
Also zumindest jenes, das tagtäglich beim Radiologen um die Ecke, in Kliniken oder auch größeren Zentren angefertigt wird.
Nur mit speziellerer Ausrüstung, mit dazugehöriger Expertise und dem Training, könnten dann mutmaßlich andere Ursachen für Massenleiden sichtbar gemacht werden und zu erfolgreicher Behandlung führen.

Da gibt es z.B. die nicht im ICD 10 geführten intrakraniellen und spinalen Arachnoiditiden, ein durchaus haptischer Befund also, im Gegensatz zu den Phantasiegebilden der ICD-F-Gruppe oder manchmal auch damit infiltrierter anderer Gruppen, z.B. M mit der ebengleich erfundenen Fibromyalgie (Wo gibt es bis heute belastbares Studienmaterial zur abgesicherten Pathogenese?).

Komme ich zurück, so war schon in den 1940er-Jahren mindestens unter Prof. Dr. Krayenbühl und seinen Mannen sehr gut bekannt, dass die oftmals angeschuldigten Diskushernien u.ä., nichts anderes waren als heute mit sehr guter Prognose behandelbare Adhäsionen bis zu Zystenbildungen der Hirn-/Rückenmarkshäute.

Solche Strukturen sind aber in der spinalen Standard-Bilddiagnostik nicht sichtbar zu machen, da die Qualität der spinalen Bilddiagnostik ohnehin bis heute als zu schlecht gilt.
Die schon verbesserten CISS-Sequenzen, die wohl kaum eingesetzt werden, bringen da schon mehr Licht ins Dunkel, jedoch nicht genügend Sicherheit.

Selbst erlebt also nach langen Jahren der Beschwerden und stetiger Verschlechterung und den entsprechend vielen Fehldiagnosen, also über F bis M eben, konnte mit einer neuartigen Methode der Bilddiagnostik mit hochauflösenden Echtzeitbildern der Befund so exakt sichtbar gemacht werden, dass die Neurochirurgen hinterher berichten konnten, dass es im Operationsgebiet mit den verschiedenen Septen eben genauso aussah, wie auf diesen neuen bis dahin einmaligen Aufnahmen, vor nun mittlerweile fünf Jahren.

Auch die Arachnolyse, respektive Adhäsiolyse, wurde mit verbesserten Instrumenten mikrochirurgisch so erfolgreich durchgeführt, es war der Abschlussbefund einer großen spinalen intraduralen Arachnoidalzyste fast der gesamten BWS, brachte sofortige und bis heute nachhaltige Besserung der vielen Beschwerden.

So eine mir mal gestellte Entsorgungsdiagnose Fibromyalgie ist symptomatisch komplett obsolet in meinem Falle, von wegen dieser Quacksalberei der Tender-Points, die heute alle nichts mehr zu rückmelden hätten…

#18 |
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Ich war noch zur guten Zeit in der orthopädischen Kassenpraxis niedergelassen. Von den Naturheilverfahren ( Neuraltherapie, Chirotherapie , Osteopathie, Akupunktur, Phytotherapie, Homöopathie und Elektro-Akupunktur nach Voll und Kinesiologie ) beeinflußt, war eine gründliche körperliche Untersuchung zwingend. Dann war die Frage der Ursachen: toter zahn, Fehlverdauuung, böse Schwiegermutter zu eruieren. Bildgebende Diagnoszik nur zum Ausschluß gravierender Befunde, also keine Kontraindikation übersehen. Dann Behandlung der Ursachen. z.B. Symbioselenkung. Dann war das Problem meist gelöst. Denn immer daran denken: Schmerzen -auch die Lumbago- sind meist ein Symptom, das irgendwo anders seine Ursache hat. Causal therapieren ist die Kunst, nicht ein Bild zu begutachten.

#17 |
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Gast
Gast

Selbst der hartgesottendste “Organiker” muss bei etwas Erfahrung in der Therapie der schmerzhaften Wirbelsäule einsehen,
dass diese AUCH ein “vegetatives Organ” ist.
Die “innere Einstellung” kann man doch auch wunderbar an der Haltung und dem Gangbild ablesen.
Was mir nicht gefällt an dem Beitrag ist wieder der Hinweis auf komputerähnliche Handlungsempfehlungen, der Mensch ist kein Auto.

#16 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

dr.Sanwald u. Prof. Winkler kann ich folgen :
dh. erstmal Beckenstand u. Beinlänge Illiosakralgelenke kontrollieren – das klappt ja manchmal noch, zumindest wenn es überhaupt bedacht wird ;
aber wer vermag EXAKT zu korrigieren ohne Röntgen , Brettchen …da ist schnell das Ende der Fahnenstange erreicht u. für den dauerhafte Erfolg ist meist kollegiale Unterstüzung erforderlich .Am wenigsten halten eigenartigerweise die Berufsgenossenschaften in Ihrer Überheblichkeit davon .Denn die “neue” deutsche Mentalität im Gesundheitswesen lautet . ich weiß was für dich unmündigen Bürger gut ist .

#15 |
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“Die Schmerzteufelchen sieht man nicht auf dem Röntgen- oder MRT-Bild!” war der Spruch meines Orthopädie-Lehrers. Recht hat er – kann ich nach 20 Jahren Schmerzpraxis nur bestätigen. Bei mir gilt deshalb: “Keine Diagnose durch die Hose!”
Meine Rückenschmerzpatienten werden noch richtig angefasst und mit meinen Händen untersucht (Kibler, Spine, Vorlauf, Derbolowski,…)
Ok, ich bin ja eigentlich out of order – ich arbeite in einer Privatpraxis. Habe also Spass und Zeit. Sorry!

#14 |
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Stefan Kelter
Stefan Kelter

Bei mir sind Orthopäden auf der schwarzen Liste.
Ich habe bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht, angefangen von falschen Diagnosen in jungen Jahren über Spritzen ohne Einverständnis, bis hin zur Ignorierung der richtigen (!) Diagnose des Hausarztes im letzten Jahr. Statt dessen auch in die Röhre und danach nur die Empfehlung einer OP. (Der Orthopäde hätte operiert.) Als ich ablehnte, wurde er sehr suggestiv: die Schmerzen werden stärker, sie werden schnell wieder da sein und sich operieren lassen, etc. (Zum Glück habe ich als Hypnotherapeut ein gutes Ohr für Suggestionen.)
Durch Physiotherapie – die der Orthopäde mit Hinweis auf sein Budget ablehnte – und osteopathische Behandlung war ich schnell wieder beschwerdfrei. Und die Physiotherapeutin hat die erste Stunde nur zur eigenen Diagnose genutzt und diese deckte sich mit der des Hausarzt.
Die Kosten für die Röhre waren also umsonst.

#13 |
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Nach guter Sitte sollte
1. eine Schmerzanamnese erfolgen:
wo?
wann? am Tage? nachts?, frühe Morgenstunden?
wie?
Ausstrahlung?
Beeinflussung? Verstärkt bei Belastung? Im Sitzen? Beim Gehen?
Maximale Gehstrecke?
Hustenschmerz?
Besserung durch Wärme?
2. klinische Untersuchung
-die Diagnose steht schon, mehr oder weniger,
-MRT +- Röntgen sind lediglich eine Bestätigung der Verdachtsdiagnose
Motto: MRT wird nicht behandelt,
dauert auch seine Zeit und der Schmerzpatient will sofort therapiert werden.

#12 |
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Dr. med. Christian Reichstein
Dr. med. Christian Reichstein

Auch Patienten, welche die Zäpfchen essen würden, wenn wir sie nicht davon abhalten würden ( manche MIT dem Zellophan) “wissen”, dass “man” bei Rückenschmerzen ” in die Röhre ” MUSS ” !!!! Flagge hin oder her. Dass aber bei 90% auch nach dem zwanzigsten bildgebenden Verfahren immer nur Muskelaufbau – in welcher Form auch immer – die einzige wirksame Massnahme ist, wissen sie natürlich nicht. Und wollen es auch nicht wahrhaben, weshalb dies eben dann unterbleibt und der Weg sie zu einem neuen Therapeuten führt, der endlich die gewünschte (bequeme) Untersuchung veranlasst und den Grund der Pein findet und mit möglichst nur einer Spritze eliminiert. Frei nach Motto: “wasch mich, aber mach mich nicht nass.” Es ist aber der Patient, der Verantwortung, Engagement und Eigenanteil im Therapieprozess leisten muss.

#11 |
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Eine Medizin die konservative Therapien schlecht bezahlt . Ja bugetiert,
schafft sich chronische Schmerzpatienten. Sinnlose teuere Diagnostik, sinnlose
Akupunktursitzungen, sinnlose Empfehlungen für ein ein Muskelaufbautraining.
Schlecht bezahlte Physiotherapeuten ,die nicht richtig arbeiten können ,da sie
nicht leistungsgerecht bezahlt werden, etc.
Die rote Flagge den Ärztefunktionären,den Krankenkassen und den Politikern.
Die Ärzte arbeiten ausreichend ,wirtschaftlich ,erfolglos in diesem System.

#10 |
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Vielen Dank für diesen interessanten Artikel!

#9 |
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Dr. Hans Ulrich
Dr. Hans Ulrich

Als Orthopäde erlebe ich, dass die Patienten immer schon mit einem schönen Packen an MRT´s bei mir erscheinen. Und da man bei jedem Menschen über 40 im MRT immer irgend etwas sieht, sind diese dann leider auf irgendwelche bildgebenden Kinkerlitzken fixiert, die im – in aller Regel funktionellen – Prozess überhaupt keine Rolle spielen. Da muss man dann erst Mal lange reden, um die Dinge gerade zu rücken. Was mag nur der Kollege Wünsche aus all den schönen Bilderchen ableiten? “Sie haben da eine Arthrose L4/5”. Nutzt dem Patienten das irgend etwas? Es gibt ja so viele Kollegen, die den Patienten nicht einmal anfassen, also nichts von ihm wissen, zum MRT beordern, dann glauben, etwas zu wissen, dann zum Physiotherapeuten schicken, von dem sie nicht wissen, was er mit dem Patienten macht oder mit Analgetika vollstopfen ohne zu wissen, wo und wie und ob die in der Kausalkaskade eingreifen. Das ist alles so einfach wie überflüssig. Der Arzt als Untherapeut. Ich wünsche mir schon so lange ein Budget für bildgebende Verfahren, damit das System von dieser Geldvernichtung etwas entlastet wird.

#8 |
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Dr. med. Frank Giesecke
Dr. med. Frank Giesecke

> … und hinterher überall mit einer Nadel und Kortison hineingespritzt? …
… Seit die PRT nur noch auf Überweisung von Fachärzten mit der Weiterbildung spezielle Schmerztherapie abgerechnet werden kann…

Nein, eben nicht mehr, sondern nur noch die intraartikuläre Injektion.
Seit der KBV-Info 89/2013 existiert die “PRT” im eigentlichen Wortsinne faktisch im ambulanten kassenärztlichen Bereich nicht mehr.

#7 |
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Dr. med. Frank Giesecke
Dr. med. Frank Giesecke

> Manche Studien kamen zu dem Resultat, dass sich Beschwerden nach epiduralen Injektionen besserten

Das spielt für Deutschland – im ambulanten Sektor keine Rolle mehr, nachdem die KBV mit der Information 89/2013 darauf “hingewiesen” hat, dass für “periradikuläre, epiperineurale oder epidurale Anwendung” nicht “von der arzneimittelrechtlichen Zulassung” abgedeckt ist – nach vielen Jahren der stationären und ambulanten Anwendung weltweit.
Demnach ist diese Art von Therapie nicht mehr ambulant als Kassenleistung abrechnungsfähig. Das hält Krankenhäuser nicht ab, diese Leistung nun stationär, meist mit ein bis zwei Tagen Liegezeit anzubieten.
Danke, KBV. Fein gemacht.

#6 |
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Die genaue Lektüre der Publikation der australischen Studienautoren Aron Downie, “PhD student”, et al. führt zu der Erkenntnis einer gewissen Substanzlosigkeit. Sämtliche “red flags” bleiben auf der rein deskriptiven, die Symptomatik der Patientinnen und Patienten allenfalls erfragenden und beschreibenden Ebene. Jegliche Zuordnung investigativer, physikalisch-physisch untersuchender Ergebnisse und Befunde bleiben bei den zahllosen “red flag”-Listen außen vor. Das selbst in der deutschen S3-Leitlinie “nicht spezifischer Kreuzschmerz” [“patients with low back pain”] wesentliche Untersuchungskriterium “LOKALER DRUCK- ODER KREUZSCHMERZ DES PROCESSUS SPINOSUS” mit möglicher “radikulärer Symptomatik”, “Stauchungschmerz” und “Sensibilitätsstörungen” findet keinerlei Erwähnung in dieser Übersichtsarbeit, publiziert im British Medical Journal. http://www.bmj.com/content/347/bmj.f7095
Das Autorenteam scheint den immanenten Widerspruch zwischen lapidarem “low back pain” und s p e z i f i s c h e m Kreuzschmerz bei Malignomen und Frakturen [“Red flags to screen for malignancy and fracture in patients”] gar nicht begriffen zu haben. Daran ist möglicherweise die ‘studentische’ Sichtweise des korrespondierenden Erstautors schuld. Denn es handelt sich gar nicht um einen banalen Kreuzschmerz, sondern um ein hochgradig ernsthaftes Krankheitsgeschehen. Einige möglicherweise missverständliche Formulierungen der Autoren aus Sydney: Rücken-Traumata sind bei ihnen “Contusion” (Prellung), “bruise” (Quetschung). Das hier vom DocCheckNews-Autor Michael van den Heuvel unübersetzt verwendete Wort “Abrasion” ist im vorliegenden Zusammenhang Hautabschürfung, Schürfwunde (gyn. ‘Ausschabung’). An der Hautabschürfung sieht man die Unbedarftheit der australischen Autoren. Wie soll eine umschriebene Hautabschürfung o h n e klinische Untersuchung für sich alleine genommen ein “red flag”-Signal für Wirbelfrakturen und/oder Malignome sein? Und das führt zum Kernproblem: MRT-LWS-Untersuchungen werden in hochentwickelten Industrieländern sehr häufig kritik- und gedankenlos angesetzt, b e v o r eine fundierte Anamnese mit körperlicher Untersuchung und Beratung stattfinden kann.

#5 |
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Bei Blindflug mit Autopilot landet man manchmal mitten im indischen Ozean.
Wie oft höre ich nach einem lumbalen Mrt:”Ja, wieso wurde das MRT nicht
schon früher gemacht? Dann wäre alles schon früher in die richtige Bahn gelaufen”.
Wir sollten uns bei Therapien immer fragen, was weiß ich über die Ursache
der zu behandelnden Erkrnkung und welche Evidenz lege ich meinem Handeln zugrunde. Da ist ein MRT oft ein sehr guter Anfang, bringt enorme Vorteile
im Vergleich zu anderen Vorgehensweisen, die andere Kolleginnen und Kollegen
“gerne” wählen dürfen, wenn sie denn wollen.

#4 |
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zu #1
– Der Autor schrieb “fluoroskopischer Überwachung”, nicht “fluorskopische Überwachung”
– Was ist an “fluoroskopisch” nicht übersetzt? Hätte er “dynamische Röntgenbilddarstellung auf einem Monitor” schreiben sollen?

#3 |
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Die Ursachen von akuten und auch chronischen Lumbalgien sind nach meiner Erfahrung (20 Jahre Vollerwerbspraxis, DO.CN-Lizenz des ACOn e.V.) häufig muskulär oder faszial. Nach Ausschluss der “red flags” z.B. bei massivem BSV kommt man mit der osteopathischen Evaluation oft den Ursachen auf den Grund und kann ursächlich therapieren. Nötig ist m.E. ein Wechsel der Sichtweise.
Aude sapere

#2 |
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Was ist denn “fluorskopische Überwachung”???? Wenigstens die korrekte Übersetzung ins Deutsche kann man bei Fachjournalisten doch erwarten….
Ansonsten, das was wir alle Jahre hören, es wird zu viel Bildgebung eingesetzt, die Leitlinien raten zu einem anderen Vorgehen und die Red Flags, die seit Jahren in den Büchern stehen sollten beachtet werden. Für periradikuläre Therapie gibt es kaum Indikatione mit guter datenlage. Und warum wird tagein tagaus ein MRT nach dem anderen gemacht und hinterher überall mit einer Nadel und Kortison hineingespritzt? Weil es Geld bringt. Da müssen wir uns doch alle an die eigene Nase fassen.
Seit die PRT nur noch auf Überweisung von Fachärzten mit der Weiterbildung spezielle Schmerztherapie abgerechnet werden kann, wird die CT gesteuerte PRT als IGEL Leistung angeboten, auf die Idee eine Behandlung mit Strahlenbelastung als Selbstzahlerleistung anzubieten muss man erst mal kommen.

#1 |
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