Parasiten-Interaktion: Tatort Nahrungsquelle?

13. März 2014
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Manchmal befallen gleich mehrere Parasiten zugleich den Menschen. Die Behandlung solcher Koinfektionen ist schwieriger, weil sich die Erreger gegenseitig beeinflussen können. Forscher haben nun viele Möglichkeiten zusammengetragen, wie die Parasiten interagieren können.

Über 1.400 Arten von Parasiten – Viren, Bakterien, Pilze, Darmwürmer, Protozoen – können den Menschen befallen. Die richtige Arznei gegen einen Parasiten kuriert den Patienten in den meisten Fällen. Leidet er aber gleichzeitig an einer Infektion durch zwei oder mehrere Parasiten-Arten, werden Diagnose und Behandlung schnell schwieriger. Der Krankheitszustand kann sich durch eine Medikation sogar verschlimmern, wenn dadurch zwar der eine Erreger abgetötet wird, der zweite sich aber umso stärker vermehrt. Ein Grund dafür sind die noch vielfach unverstandenen Interaktionen der Parasiten, die sich im gleichen Wirt aufhalten.

Ein internationales Forschungsteam um Prof. Owen Petchey vom Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich stellt nun in einer Studie ein Netzwerk vor, das erklärt, wie sich verschiedene Krankmacher und Parasiten-Gruppen im menschlichen Körper gegenseitig beeinflussen. Die Biologen stellen überraschenderweise fest, dass die Parasiten wohl hauptsächlich über die Nahrungsquellen, die sie sich teilen, interagieren – und nicht über die Immunantwort oder direkt über den Kontakt mit anderen Parasiten.

Komplexe Übersicht mit klaren Mustern

Koinfektionen kommen sehr häufig vor, ein gleichzeitiger Befall von verschiedenen Darmwürmern zum Beispiel betrifft weltweit rund 800 Millionen Menschen. Um wirksame Behandlungsansätze für Koinfektionen zu entwickeln, müssen gemäß Owen Petchey die Strukturen der Parasiten-Gruppen in einem Wirt – in diesem Fall im individuellen Menschen – und die Interaktionen zwischen den Parasiten besser verstanden werden. Die studienbeteiligten Ökologen der Universitäten Zürich, Liverpool, Sheffield und Edinburgh haben in einer Meta-Studie 305 Parasiten-Arten, 124 Ressourcen im Wirt und 98 Komponenten des Immunsystems zusammen getragen – und schließlich in bisher einzigartiger Weise über 2.900 Verbindungen zwischen all diesen Faktoren analysiert.

Das Netzwerk lässt klare Muster erkennen: Der befallene Körperteil und die gleiche Nahrungsressource sind die häufigsten Berührungspunkte, die bei den verschiedenen Parasiten zu einer Wechselwirkung führen können. „Wir fanden doppelt so viele Parasiten, die um dieselbe Energiequelle kämpfen, als Parasiten, die die gleiche Reaktion des Immunsystems hervorrufen und sich so beeinflussen können“, führt Petchey aus. Die Art, wie das Immunsystem auf die einzelnen Erreger reagiere, scheine von untergeordneter Bedeutung zu sein, obwohl genau dies andere Studien postulierten. Ebenfalls seltener sei die direkte Beeinflussung von Parasit zu Parasit, mit Ausnahmen etwa von HIV, Staphylococcus aureus und dem Hepatitis-C-Virus, die bekannterweise mit anderen Erregern direkt interagieren.

Personalisierte Medizin im Fokus

Der neue netzwerkartige Überblick über die vielfältigen Interaktionen von Parasiten, die dem Menschen schaden können, geht über die übliche Betrachtung von Parasiten-Paaren hinaus. Owen Petchey hofft, „dass seine Erkenntnisse als Grundlage für die Entwicklung von neuen, personalisierteren Behandlungsschemata für Infiziierte dienen können“. Der Biologe ist nun daran, seine Hypothesen aus der Meta-Studie mit verschiedenen Organismen zu überprüfen.

Originalpublikation:

Analysis of a summary net-work of co-infection in humans reveals that parasites interact most via shared resources
Owen L. Petchey et al.; Proceedings of Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2013.2286; 2014

23 Wertungen (3.74 ø)
Forschung, Medizin

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5 Kommentare:

Gast
Gast

Statt “personalisierte Medizin”, ja wer würde das nicht immer wünschen (außer der AOK), ist nach dem Artikel eher strengere Überwachung der Nahrungsquellen angesagt.

#5 |
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Horst Rieth
Horst Rieth

man sollte besser von koinfektionen sprechen,
bakterien und viren gehören per defintion nicht zu den parasiten !
viren und nahrungsquelle, aua :)
kein wunder dass da niemand verantwortlich zeichnet :)

#4 |
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Dr. Matthias Günther
Dr. Matthias Günther

Sehr geehrte Frau Gleicke,

von dem oben besprochenen Artikel “Analysis of a summary net-work of co-infection in humans reveals that parasites interact most via shared resources” den Bogen zur Bioresonanztheorie zu ziehen, erscheint mir – gelinde ausgedrückt – etwas gewagt. Oder wie ist Ihre Frage “Was halten Sie von Bioresonanztherapie?” in diesem Zusammenhang zu verstehen?

Sofern mittels einer alternativmedizinischen Methode “Diagnosen” gestellt werden, die sich der Nomenklatur der klassischen Medizin bedienen (z.B. Befall mit Parasiten XY) und sich dann unter Anwendung der Methoden der klassischen Medizin signifikant häufig nicht verifizieren lassen, haben wir ein Problem. Insbesondere dann, wenn Patienten mit solchen “Diagnosen” zur Behandlung an einen eher schulmedizinisch orientierten Kollegen verwiesen werden. Von Fragen nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis dieser Bemühungen einmal ganz zu schweigen.

#3 |
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Arthur Scheepers
Arthur Scheepers

Es ist toll zu sehn das die Forschung ind die richtige Ricjhtung geht ;-)

#2 |
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Annette Gleicke
Annette Gleicke

Was halten Sie von Bioresonanztherapie?

#1 |
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