Hochschulmedizin: Gutachter sehen Nachholbedarf

12. März 2014
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Die „Expertenkommission Forschung und Innovation“ kommt in einem aktuellen Gutachten zu dem Ergebnis, dass Deutschland zwar über einige leistungsfähige hochschulmedizinische Standorte verfügt, dass aber keiner dieser Standorte eine internationale Spitzenposition einnimmt.

In ihrem aktuellen Jahresgutachten zeichnet die Expertenkommission ein durchwachsenes Bild der deutschen Hochschulmedizin. Deutschland verfüge zwar über produktive hochschulmedizinische Einrichtungen, die Qualität der Forschung erreiche allerdings nicht das Niveau internationaler Spitzenstandorte, zu denen neben den USA beispielweise auch die Niederlande und Kanada gehörten.

Mit Blick auf die führenden Medizinforschungsstandorte identifizierten die Experten die räumliche Nähe von Forschungseinrichtungen, Krankenhäusern und Unternehmen als eine zentrale Voraussetzung für exzellente Forschung und effiziente Translation. Die Experten sprachen sich daher nachdrücklich für eine regionale Konzentration medizinischer Forschungseinrichtungen und gegen eine weitere Fragmentierung der deutschen Forschungslandschaft aus: Spitzenleistungen in der Forschung erfordere eine bestimmte kritische Größe der hochschulmedizinischen Standorte. Neue Standorte sollten nicht eingerichtet werden, es sei denn, sie wiesen außergewöhnliche Innovationspotenziale auf. „Als Instrument des Regionalproporzes sind Hochschulklinika denkbar ungeeignet“, heißt es beispielsweise in dem Bericht. Vor dem Hintergrund des wachsenden Kosten- und Wettbewerbsdrucks sei es empfehlenswert, so die Expertenkommission, die Forschungsmittel in der Hochschulmedizin noch stärker auf besonders leistungsfähige deutsche Standorte zu konzentrieren.

Die Expertenkommission konstatierte weiter, dass die Hochschulklinika in Deutschland systembedingten Mehrbelastungen ausgesetzt seien, etwa durch die Ausbildung des Ärzte- und Forschernachwuchses und durch Extremkostenfälle. Diese würden durch das bestehende Vergütungssystem nicht angemessen kompensiert. „Es besteht daher die Gefahr“, so die Expertenkommission, „dass die finanziell defizitäre Krankenversorgung in den Hochschulklinika durch Mittel subventioniert wird, die eigentlich für Forschung und Lehre bestimmt sind. Die Medizinforschung an den deutschen Standorten wird auf diese Weise gegenüber vergleichbaren Institutionen im Ausland benachteiligt.“

Weniger attraktiv

Verbesserungsbedürftig sei auch die Situation der forschenden Mediziner. In Deutschland sei eine Karriere in der medizinischen Forschung weniger attraktiv als in anderen Ländern. Fehlende finanzielle Anreize, ausgeprägte Hierarchien an Hochschulklinika sowie die schwierige Vereinbarkeit von Patientenversorgung und Forschung meint die Expertenkommission als Hauptgründe identifiziert zu haben. „Unter den bestehenden Gegebenheiten droht der deutschen Medizinforschung der weitere Verlust talentierter Nachwuchskräfte und eine Schwächung der Forschungsqualität“, so die Warnung der Kommission.

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