Der Weg durch den Behördendschungel

1. August 2012
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Während des Studiums wird uns viel Organisatorisches abgenommen. Stundenplan und Prüfungstermine stehen, zu den Klausuren sind wir automatisch angemeldet. Doch dann geht's los mit der Bürokratie. Deshalb nun einige Fakten, die Euch das Überleben im Papierurwald erleichtern.

Im Lebenslauf steht jetzt Arzt drin, aber noch nicht auf dem Papier – Die Approbation ist sozusagen unsere offizielle Berufserlaubnis. Diese bekommen wir aber nicht automatisch mit unserem Zeugnis zugeschickt, nein, sie will separat beantragt werden. Der „Antrag auf Erteilung der Approbation als Ärztin/Arzt“, für den das entsprechende Formular im Internet herunterzuladen ist, wird an die Behörde des jeweiligen Bundeslandes gestellt, in dem das Hammerexamen absolviert wurde.

Die Voraussetzungen und benötigten Unterlagen sind jedoch überall einheitlich. Leider kostet uns diese Urkunde zwischen 150,- und 200,- Euro, was viele zu Recht als etwas fragwürdig empfinden. Die Überweisungsaufforderung erhält man übrigens zusammen mit der Urkunde. Laut § 3 der Bundesärzteordnung muss der Antragsteller unter anderem folgende Vorgaben erfüllen:

  • Abschluss der ärztlichen Ausbildung in Deutschland
  • Keine laufenden Strafprozesse oder Einträge ins Strafregister
  • Erfüllung der gesundheitlichen Voraussetzungen für die Ausübung des Arztberufes

Somit werden diese Unterlagen benötigt:

  • Der schriftliche Antrag (siehe oben).
  • Führungszeugnis: In der Belegart „O“ bei der Meldestelle zu beantragen und von dort aus direkt an die Behörde zu schicken; darf bei Antragstellung nicht älter als einen Monat sein (Kosten: 13,- Euro).
  • Lebenslauf: Lückenlos und kurz gehalten. Achtung: Bei längeren Auslandsaufenthalten immer vorsichtshalber nachfragen, möglicherweise sind zusätzliche Bestätigungen nötig; aus dem Lebenslauf soll lediglich hervorgehen, dass man sich nichts zu Schulden hat kommen lassen.
  • Beglaubigte Kopie des gültigen Personalausweises oder Reisepasses (Kosten: 5,- Euro).
  • Geburts-/ oder Abstammungsurkunde: Beim zuständigen Standesamt zu beantragen (Kosten: 5,- Euro).
  • Ärztliches Attest: Vordruck hierzu auch auf der Seite der jeweiligen Behörde; darf bei Antragstellung nicht älter als einen Monat sein; kann von jedem Arzt ausgestellt werden.
  • Gegebenenfalls zusätzlich: Nachweis über Namensführung, falls eine Änderung stattfand, Promotionsurkunde falls bereits vorhanden.

Tipps:

  • Bestenfalls reicht ihr den Antrag bereits vor dem schriftlichen Staatsexamen ein – das darf, kann und soll man, denn die Bearbeitungszeit beträgt zwei bis sechs Wochen oder länger – je nach Andrang. Ohne die Approbation in der Hand darf man in den wenigsten Kliniken eine Stelle antreten.
  • Verwendet die standardisierten Vordrucke der Behörden, dort sind auch nochmal die Rahmenbedingungen beschrieben.
  • Prüft nochmal, ob alles korrekt ausgefüllt ist und alle Unterlagen komplett sind.
  • Praktiziert ihr ohne ausgestellte Approbation, ist das eine Straftat. Deshalb gilt: Umgehend die paar Behördengänge erledigen!

Kein Undercover-Job – Die Meldung bei der Ärztekammer…

… muss jeder von Euch (ob praktizierend oder nicht) bei seiner jeweiligen Ärztekammer vollziehen.

Notwenige Unterlagen hierfür sind:

  • Schriftlicher Antrag: Das Formular befindet sich auf der Seite der jeweiligen Ärztekammer.
  • Amtliche Beglaubigung der Approbationsurkunde oder Erlaubnis gemäß § 10 BÄO.
  • Ggf.: Promotionsurkunde, Nachweis anderer oder ausländischer akademischer Grade, Ernennungsurkunde(n), Facharzturkunde(n), Schwerpunktbezeichnung(en), Zusatzbezeichnung(en).

Lassen sie mich durch, ich bin Arzt! – Der Arztausweis…

… ist praktisch unser „medizinischer Perso“, den wir im Geldbeutel tragen und mit dem wir uns in der Apotheke „rezeptfrei“ Medikamente für den Eigenbedarf holen können. Er wird beim zuständigen Kreis-/ oder Bezirksverband beantragt.

Hier werden folgende Unterlagen benötigt:

  • Das Passfoto mit Namen und Geburtsdatum auf der Rückseite.
  • Eine Kopie des gültigen Personalausweises oder Reisepasses.

Tipps:

  • Der Ausweis ist in Papierform kostenlos und in digitaler Form kostenpflichtig.
  • Er muss, wie ein Personalausweis, in regelmäßigen Abständen erneuert werden.

Rundum abgesichert

Gesetzlich oder privat will man als Arzt gut abgesichert sein. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, von Vorteil kann hier auch eine Beratung durch einen spezialisierten Ärzteberater sein.

Grundsätzlich gilt folgendes:

  • Gesetzliche Kranken– und Pflegeversicherung: Beträgt 15,5 % des Bruttoeinkommens, der Arbeitgeber beteiligt sich.
  • Gesetzliche Rentenversicherung: Beläuft sich auf 19,6 % des Bruttoeinkommens, die Hälfte trägt der Arbeitgeber; eine Alternative ist die Pflichtmitgliedschaft im ärztlichen Versorgungswerk.
  • Gesetzliche Unfallversicherung: Die Berufsgenossenschaft übernimmt diese, der Beitrag wird vom Arbeitgeber entrichtet.
  • Arbeitslosenversicherung: Diese beträgt 3 % des Bruttoeinkommens, die Hälfte davon trägt der Arbeitgeber.
  • Berufs- und Privathaftpflichtversicherung: Obligatorisch für alle Ärzte.
  • Rechtsschutzversicherung: Alternativ möglich durch eine Mitgliedschaft beim Marburger Bund.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Hier am besten beraten lassen, eine gute Absicherung ist für uns unerlässlich.

Arzt sucht Stelle

Zu guter Letzt also, damit sich all der Aufwand auch gelohnt hat, muss natürlich auch ein Job her! Und für den muss man sich bewerben. Am meisten Sinn macht es, Initiativbewerbungen an die Kliniken zu verschicken, für die man gerne arbeiten möchte. Die Fluktuation ist oft so hoch, dass offene Stellen gar nicht ausgeschrieben werden.

Notwendige Unterlagen und wichtige Inhalte:

  • Anschreiben
  • Lebenslauf: Diesmal etwas ausführlicher, am besten angepasst an das Jobprofil.
  • Zeugnisse: Verwendet alles, was mit dem Job und Eurer Ausbildung zum Arzt zu tun hat, am besten belegt Ihr alle Daten des Lebenslaufes mit Zeugnissen und Bescheinigungen.
  • Stand der Doktorarbeit
  • Auslandserfahrung
  • Praktische Erfahrung (auch Famulaturen und PJ), Berufserfahrung
  • Physikums– und Hammerexamenszeugnis

Tipps:

  • Eine gute Bewerbung verbessert Eure Chancen auf Euren Traumjob und Ihr könnt sie abgewandelt immer wieder verwenden, die Mühe lohnt sich also.
  • Passt Euer Anschreiben gezielt auf die ausgeschriebene Stelle an, Euer Chef will gleich sehen, warum genau ihr den Job bekommen solltet.
  • Achtet darauf, dass Ihr Eure Bewerbung wirklich an die richtige Person schickt. Falls Ihr Euch nicht sicher seid, ruft vorher noch einmal an und erkundigt Euch nach dem entsprechenden Ansprechpartner.
  • Beachtet die Form: Ist eine digitale oder postalische Bewerbung erwünscht?
  • Ein für mich hilfreicher Artikel: Der Vergleich dreier Bewerbungen.

You made it! – Die erste Stelle…

…herzlichen Glückwunsch! Ihr habt Euch von Eurer Schokoladenseite präsentiert und den Job bekommen. Nun heißt es Arbeitsvertrag unterzeichnen und einen Checkup bei der Arbeitsmedizin Eurer zukünftigen Klinik vereinbaren. Außerdem werden von der Personalabteilung meist noch folgende Unterlagen gefordert:

  • Approbationsurkunde, Zeugnisse (siehe oben), Geburtsurkunde, Nachweis über den Familienstand, ggf. Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, Polizeiliches Führungszeugnis, Lohnsteuerkarte, Sozialversicherungsausweis, Mitgliedsbescheinigung der Krankenkasse, Befreiungsbescheid der deutschen Rentenversicherung und Anmeldung bei der Ärzteversorgung.

Und wenn Ihr das dann auch alles hinter Euch gebracht habt, könnt Ihr das Arztdasein in vollen Zügen genießen! Also – viel Spaß und Erfolg bei Eurer Dschungelexpedition durch den Papierurwald.

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Studium

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1 Kommentar:

Melanie Göpfert
Melanie Göpfert

Generell sehr interessanter Artikel, allerdings sind wir in FFM nicht automatisch angemeldet zu Klausuren, Praktika, mündliche Prüfungen etc. Also da muss man auch schon im Studium sehr organisiert sein, damit man keine Anmeldung verpasst. Sonst heißt es Prüfung im nächsten Semester machen..

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