HIV-Prophylaxe: Rettungsanker im Muskel

14. März 2014
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Bisher lieferten Studien zur medikamentösen HIV-Prophylaxe niederschmetternde Ergebnisse. Das könnte sich mit intramuskulären Dreimonatsspritzen grundlegend ändern. Nach ersten Daten aus dem Tierversuch folgen bald klinische Studien mit Probanden.

Seit Jahren suchen Wissenschaftler nach Möglichkeiten der Präexpositionsprophylaxe bei Patienten mit HIV – ohne durchschlagenden Erfolg. Oral zu applizierende Wirkstoffe haben vergleichsweise kurze Halbwertszeiten im Körper. Mehrere Studien scheiterten schlicht und ergreifend an der mangelnden Compliance von Patienten. Sinkt der Plasmaspiegel, steigt auch das Infektionsrisiko. In Summe schwankte der Schutz zwischen 39 und 75 Prozent. Jetzt haben Virologen eine neue Strategie entdeckt.

Wirkstoffdepot im Muskel

Sie setzen auf den Arzneistoff Dolutegravir – eine in Wasser schwer lösliche Substanz. Daraus lassen sich galenische Zubereitungen herstellen, die in Muskeln injiziert und langsam freigesetzt werden. Studien haben gezeigt, dass sich entsprechende Formulierungen zur Präexpositionsprophylaxe eignen. Dazu verabreichte David D. Ho vom Aaron Diamond Research Center, New York, Makaken zwei intramuskuläre Injektionen im Abstand von vier Wochen. Zusammen mit Kollegen testete er, inwieweit ein hybrides HI-Virus in den Körper der Tiere gelangt. Die behandelten Makaken waren zuverlässig geschützt, während es in einer Kontrollgruppe zu Infektionen kam. Um herauszufinden, wie oft Dolutegravir-Formulierungen gespritzt werden müssen, folgte eine weitere Studie. Ärzte spritzten Makaken 50 Milligramm Arzneistoff pro Kilogramm Körpergewicht. Dann folgten einmal pro Woche hybriden HI-Viren, was nach sechs bis 17 Expositionen tatsächlich zu einer Infektion führte. Aus diesen Daten errechnete Ho, dass es ausreicht, den Arzneistoff alle drei Wochen zu injizieren.

Schutz für Hochrisikopatienten

Nach diesen vielversprechenden Ergebnissen planen Forscher jetzt Studien mit 175 Probanden aus verschiedenen Ländern, um zunächst die Sicherheit ihrer medikamentösen Postinfektionsprophylaxe zu testen. Daran schließt sich im besten Fall eine randomisierte Studie an. Ihre Fragestellung: Profitieren Menschen in Hochrisikogebieten tatsächlich von der Dreimonatsspritze? Da viele Patientinnen ohnehin alle drei Monate mit Depotpräparaten verhüten, wären Compliance-Probleme elegant gelöst.

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