Entkopplerproteine: Auskunft über Zellzustand

6. März 2014
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Zellen verfügen über einen Stoffwechsel, der je nach Funktion und Bedarf verändert werden kann. Ist dieser gestört, kann das zu Erkrankungen des Organismus führen. Forscher fanden heraus, dass zwei Entkopplerproteine in verschiedene zelluläre Stoffwechselarten involviert sind.

Die UCPs, auch Uncoupling Proteins oder Entkopplerproteine, kommen in Mitochondrien vor. Es gibt fünf verschiedene UCPs (1-5), wobei die eindeutige Funktion bisher nur für UCP1 aufgeklärt werden konnte. UCP1 ist für die Wärmeerzeugung ohne Muskelaktivität bei Babys und winterschlafenden Tieren verantwortlich. Ein Forscherteam der Abteilung für Physiologie und Biophysik an der Vetmeduni Vienna liefert erstmals ein grundlegendes Erklärungskonzept für die Funktion von UCP2 und UCP4. Beide Proteine sind in unterschiedliche Stoffwechselarten der Zelle involviert.

UCP2 in Stammzellen und Krebszellen

Erstautorin Anne Rupprecht zeigte bereits in früheren Studien an Immunzellen, dass UCP2 in einen erhöhten Stoffwechsel involviert sein könnte. Embryonale Stammzellen besitzen genau so einen erhöhten Stoffwechsel, da sie sich rasch und fortwährend teilen, genau wie Krebszellen. Rupprecht suchte also nach verschiedenen UCPs in embryonalen Stammzellen von Mäusen und fand lediglich UCP2. „Ein sehr hoher UCP2-Gehalt zeigte sogar einen besonders stark angekurbelten Stoffwechsel an. Auch in Krebszellen wurde UCP2 in anderen Studien bereits nachgewiesen“, so Rupprecht.

Im Gegensatz zu UCP2 kommt UCP4 nur in Nervenzellen vor. Nervenzellen haben einen ganz anderen Metabolismus. Sie teilen sich im Gegensatz zu Stammzellen und Krebszellen kaum. Das Forscherteam um Prof. Elena Pohl ließ deshalb embryonale Stammzellen in der Petrischale zu Nervenzellen differenzieren. Anhand dieses Modelsystems zeigten die Forscher, dass UCP2 in den sich schnell vermehrenden Stammzellen noch vorhanden ist, ab dem Zeitpunkt der Differenzierung jedoch durch UCP4 ersetzt wird.

UCPs zur Krankheitsfrüherkennung

„In unserer Arbeit haben wir den natürlichen Prozess der Zelldifferenzierung von Stammzellen zu Neuronen untersucht. Wir wissen, dass sich bei der Zelldifferenzierung der Stoffwechsel ändert. Dass wir in dem einen Fall UCP2 und im anderen UCP4 fanden, beweist erstmals, dass diese Proteine mit unterschiedlichen Stoffwechselarten in Zusammenhang stehen“, beschreibt Elena Pohl. In Neuroblastomazellen fanden die Forscher beispielsweise nur UCP2. Das für Nervenzellen übliche UCP4 war nicht auffindbar. Am Weg zur sich schnell vermehrenden Krebszelle geht UCP4 in den veränderten Nervenzellen offenbar verloren.

Die Forscherin Rupprecht beschreibt die Relevanz ihrer Arbeit so: „Die Zusammensetzung der UCPs in den Zellen gibt Auskunft darüber, in welchem Zustand sich die Zellen befinden. UCP2 könnte deshalb schon im frühen Stadium anzeigen, ob sich eine Zelle auf dem Weg zur Krebszelle befindet. Auch eine Einstufung der Bösartigkeit von Tumoren wäre eventuell möglich. Ein gestörter Mechanismus in den Nervenzellen kann zu Funktionsstörungen und so etwa zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson führen.“

Originalpublikation:

Uncoupling Protein 2 and 4 Expression Pattern during Stem Cell Differentiation Provides New Insight into Their Putative Function
Anne Rupprecht et al.; PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0088474, 2014

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