Migräne: Böse Bohnen

7. März 2014
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Seit Jahren versuchen Neurologen, Nahrungsmittel zu identifizieren, die Migräneattacken triggern. Das gelingt nicht immer, und viele Faktoren erweisen sich als unschuldig im Sinne der Anklage. Eine neue Studie zeigt, dass Isoflavone aus Sojabohnen Beschwerden auslösen.

Migräne und Ernährungsgewohnheiten – nicht immer stimmt ein vermeintlicher Zusammenhang. Bei etlichen Laien hielt sich über Jahre das Gerücht, Schokolade könne einen Migräneanfall heraufbeschwören. Ältere Untersuchungen haben gezeigt, dass dem so nicht ist. Probanden aßen unter verblindeten Bedingungen entweder normale Schokolade oder ein Ersatzprodukt, dass sich sensorisch nicht von der Leckerei unterscheiden ließ. Es war aber frei von klassischen Inhaltsstoffen. In beiden Gruppen berichteten Teilnehmer von ähnlich häufigen Kopfschmerzen. Neurologen argumentierten, dass nicht Schokolade selbst zu den Beschwerden führt. Vielmehr befinden sich Patienten bereits in der Prodromalphase ihres nächsten Schmerzschubs, sollten sie Heißhunger auf Süßes haben.

Weniger Kopfschmerzpatienten

Eine Studie befeuert das Thema Ernährung und Supplementation erneut. Neurologen befragten insgesamt 15.400 Menschen aus Taiwan nach ihren Gewohnheiten und nach Migräne. Erstaunlicherweise war die Inzidenz nur halb so hoch wie im weltweiten Durchschnitt. Frauen berichteten doppelt so häufig von Beschwerden wie Männer, was sich mit vergleichbaren Untersuchungen wieder in Einklang bringen lässt. Eine Erklärung für die geringe Zahl an Kopfschmerzpatienten bleiben alle Autoren momentan schuldig.

Tückische Nahrungsergänzungsmittel

Dafür fanden sie weitere Besonderheiten: Ein Viertel aller Befragten nahm in Eigenregie Nahrungsergänzungsmittel ein – Frauen deutlich häufiger (32 Prozent) als Männer (14 Prozent). Bei Migränepatienten standen Multivitaminpräparate, reines Vitamin C, Calciumsalze oder Kapseln mit Fischölen hoch im Kurs. Soweit – so wenig erstaunlich. Allerdings griffen Männer mit Migräne vier Mal häufiger zu Isoflavon-haltigen Präparaten auf Sojabasis als Geschlechtsgenossen ohne Beschwerden. Die Autoren kritisieren, Phytoöstrogene hätten eine ähnliche Wirkung wie Östrogene und könnten als Trigger fungieren. Belege für ihren Nutzen bei Kopfschmerzen gibt es hingegen nicht. Deshalb sollten Apotheker Patienten von Supplementen mit Soja oder anderen Quellen pflanzlicher Östrogene abraten. Bei allen anderen Nahrungsergänzungsmitteln fanden Forscher keine Belege, dass Kopfschmerzen ausgelöst werden.

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1 Kommentar:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Dass “Nahrung” auch die Gehirnfunktion beeinflusst, sollte nicht überraschen,
schon der Wassermangel (Diuretika) besonders im Alter beeinträchtigt die Hirnfunktion erheblich.
Wer etwas gegen Nahrungsergänzungsmittel sagen möchte, sollte dazu aber bitte harte Fakten bringen können!
Wenn das Gequatsche von den “Phytoöstrogenen” stimmen würde gäbe es nicht so viel Menschen in Asien.

#1 |
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