Morbus Crohn: Prognose für Anti-TNF-Antikörper

4. März 2014
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Spezielle Antikörper gegen einen entzündungsfördernden Signalstoff (Anti-TNF-Antikörper) gelten als wirkungsvolle Therapiemöglichkeit bei Morbus Crohn. Bisher konnte nicht vorhergesagt werden, wie wirkungsvoll die Antikörper im Einzelfall sind, was Forschern nun gelang.

Einem internationalen Forscherteam unter Federführung der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie des Universitätsklinikums Erlangen ist es nun weltweit erstmals gelungen, die Bindung eines auf die Darmschleimhaut aufgesprühten fluoreszenz-markierten Anti-TNF-Antikörpers während einer Darmspiegelung mit einem konfokalen Laser-Endomikroskop (CLE) darzustellen. Dadurch konnte der Therapieerfolg einer nachfolgend durchgeführten Behandlung mit dem Anti-TNF-Antikörper bei Morbus Crohn-Patienten mit hoher Sicherheit vorhergesagt werden. Jetzt hoffen die Erlanger Wissenschaftler Prof. Dr. Markus F. Neurath und Prof. Raja Atreya, dass sich auf der Basis ihrer Forschungsergebnisse eine individualisierte Therapie bei Morbus Crohn-Patienten umsetzen lässt.

Der Tumornekrosefaktor (TNF) ist ein multifunktionaler Signalstoff (Zytokin) des Immunsystems, der an lokalen und systemischen Entzündungen beteiligt ist. TNF spielt eine entscheidende Rolle im Entzündungsprozess bei Morbus Crohn, der durch eine zunehmende, zerstörerische chronische Entzündung im Magen-Darm-Trakt charakterisiert ist. Dementsprechend hat sich mittlerweile die Behandlung des Morbus Crohn mit einem Anti-TNF-Antikörper bei einer Vielzahl von Patienten in der klinischen Praxis bewährt.

Bisher fehlte ein zuverlässiger Biomarker, um die individuelle Wirksamkeit auf eine Anti-TNF-Antikörper-Therapie bei Morbus Crohn-Patienten vorherzusagen. Da Anti-TNF-Antikörper über das membranständige TNF (mTNF) wirken, vermuteten die Forscher, dass die mTNF-Expression in der Darmschleimhaut eine Vorhersagekraft für den therapeutischen Erfolg hat. Diese Vermutung wurde im Rahmen einer ersten Patientenstudie nun überprüft und bestätigt.

Fluoreszenz-markierter Antikörper erstmalig in klinischen Studien eingesetzt

Im Rahmen des translationalen Vorgehens wurde der fluoreszenz-markierte Antikörper in der klinischen Studie weltweit erstmalig eingesetzt. Die fluoreszenz-endoskopische Bewertung der einzelnen Zielstrukturen erfolgte dabei im Darm des Patienten durch die konfokale Laser-Endomikroskopie (CLE). Bei diesem endoskopischen Untersuchungsverfahren entsteht ein optischer Querschnitt des Gewebes mit einer Eindringtiefe von 250 μm und einer 1.000-fachen Vergrößerung. Kombiniert mit dem Einsatz des fluoreszenz-markierten Antikörpers konnten Darmzellen, die die spezifischen mTNF-Oberflächenmoleküle tragen, endoskopisch sichtbar gemacht werden. Die molekulare Bildgebung nutzt somit die molekulare Signatur der zellulären Strukturen des erkrankten Gewebes zur Darstellung krankheitsspezifischer Veränderungen.

„Unsere Ergebnisse der klinischen Studie zeigen eindrucksvoll, dass die molekulare Bildgebung mit fluoreszenz-markierten Antikörpern den therapeutischen Erfolg der Anti-TNF-Antikörper-Therapie bei Morbus Crohn-Patienten vorhersagen lässt“, erläutern Prof. Atreya und Prof. Neurath. Jetzt hoffen die Wissenschaftler, dass sich auf der Basis ihrer Forschungsergebnisse die therapeutischen Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung des Morbus Crohn verbessern lassen.

Originalpublikation:

In vivo imaging using fluorescent antibodies to tumor necrosis factor predicts therapeutic response in Crohn‘s disease
Markus F. Neurath et al.; Nat Med, doi: 10.1038/nm.3462; 2014

29 Wertungen (4.17 ø)

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3 Kommentare:

Annemarie Lippert
Annemarie Lippert

@ Dr. Gschwender: Aufmerksam lesen hilft: hier geht es nicht um ein Medikament, sondern um ein Diagnostikum, das es ermöglichen soll, Patienten, die auf (bereits vorhandene) TNF-Antikörper nicht ansprechen würden, schon vor einem Therapieversuch auszusortieren. Also darum, unnütze Behandlungen zu vermeiden. Ich bezweifle, daß das den Umsatz mit den entsprechenden Präparaten erhöht.

Wenn Sie eine bessere Behandlungsoption haben, sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, deren Überlegenheit auch nachzuweisen, damit sie breiter eingesetzt werden kann. Vielleicht finden sich ja Fördermöglichkeiten (es gibt eine Menge öffentliche Töpfe, aber ja, es macht Arbeit, da ranzukommen), oder Sie bekommen das Geld über Crowdfunding zusammen.

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Brigitte Gotter
Brigitte Gotter

Sehr interessant Herr Dr. Gschwender. Wie weit gehen denn die Erfolge – auch bei IGg oder IGg4-vermittelten Unverträglichkeiten? Praktizieren Sie in Nürnberg oder in Erlagen?

#2 |
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Das ist ein sehr interessantes Vorgehen, aber letztlich wird dabei wieder ein “Medikament” herauskommen, mit dem die Pharmaindustrie Unsummen verdient und unser Gesundheitswesen ausraubt.
Wird der M. Chron durch diese Procedur geheilt? oder ist das eine Dauertherapie, die lediglich die Symptome etwas lindert?
Da wäre es doch besser die Kranheit an der Wurzel zu packen, also die Zellen auszuschalten, die überhaupt die Antikörper gegen die Darmzellen synthetisieren. Ein gesunder Mensch sollte keine einzige Plasmazelle (oder B-Zelle) besitzen, die in der Lage ist, Antikörper zu bilden, die auf körpereigenes Protein passen.
Ich habe zahlreiche Patienten mit der Apoptosereaktion auf “pathologische Plasmazellen” von ihrer Allergie befreit. Darunter sind auch einige M. Crohn Kranke: Nach den ersten drei Sitzungen traten keine Blutiungen mehr auf, das Cortison konnte abgesetzt werden, seit Ende der Behandlung sind die Patienten völlig beschwerdefrei und brauchen keine Medikamente mehr. Das ist nicht im Sinne der Pharmaindustrie, die die Forschungen wohl bezahlt. Unser Staat gibt leider den Universitäten zu wenig Geld, daß sie interessenfrei wirklich grundlegend forschen könnten. Ich wirke nur einen “Steinwurf” entfernt von der Uni Erlangen, aber für meine Ergebnisse interessiert sich niemand, nicht einmal bei “gemeinsamen Patienten”.

#1 |
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