Schlaganfall: Jüngere zunehmend betroffen

25. Februar 2014
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Einen Schlaganfall, früher eine Erkrankung des höheren Alters, erleiden heute immer häufiger Menschen, die in der Mitte des Lebens stehen. Dies zeigt nun auch eine neue, weltweit ausgerichtete Auswertung.

In Deutschland ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für Behinderungen bei Erwachsenen. Weltweit haben im Jahr 2010 schätzungsweise 16,9 Millionen Menschen einen Schlaganfall erlitten und 5,9 Millionen von ihnen sind durch den Hirninfarkt gestorben. Die Gesamtzahl der „Lebensjahre mit Behinderung“, oder – anders ausgedrückt – der Verlust der Jahre in unversehrter Gesundheit, disability-adjusted life years (DALY) genannt, berechneten die Experten mit 102 Millionen Lebensjahren. Dies geht aus einer aktuellen Auswertung der „Global Burden of Disease“-Studie hervor. In den untersuchten 20 Jahren ist es weltweit zu einem Anstieg der Schlaganfälle um 68 Prozent gekommen. Die Zahl der Todesfälle nahm um 26 Prozent, die Zahl der Lebensjahre mit Behinderungen um 12 Prozent zu.

„Der Anstieg der Krankheitslast ist nicht allein die Folge der steigenden Lebenserwartung“, erläutert Prof. Dr. med. Gerhard F. Hamann, Vorsitzender der DSG und Direktor der Klinik für Neurologie an den Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. Erschreckend sei auch, dass immer mehr jüngere Menschen einen Schlaganfall erleiden. Betrug der Anteil der 20- bis 64-Jährigen 1990 noch 25 Prozent, so entfielen 2010 bereits 31 Prozent aller Schlaganfälle auf diese Altersgruppe. Zudem tritt mittlerweile weltweit jeder 20. Schlaganfall bei Jugendlichen und Kindern auf.

Mit dem Wohlstand wachsen auch die Risikofaktoren

„Die aktuelle Studie hat zwar nicht die Gründe für den weltweiten Anstieg untersucht, wir gehen aber davon aus, dass in vielen Ländern mit dem Wohlstand auch die Risikofaktoren gewachsen sind“, ergänzt Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen. Die häufigsten Ursachen von Schlaganfällen sind ein zu hoher Blutdruck und Vorhofflimmern, die durch eine gesunde Lebensweise vermieden oder durch medizinische Behandlung gebessert werden können. „Auch hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht und eine ungesunde Ernährung tragen zum Risiko bei“, fügt Diener hinzu. „Durch eine konsequente Beachtung und ggf. Behandlung aller Risikofaktoren könnten etwa 70 Prozent aller Schlaganfälle verhindert werden”, so Prof. Dr. med. Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Klinik der Asklepios Klinik Altona

Die meisten Schlaganfälle sind Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Der Blutfluss stockt, weil die Gefäße durch Verkalkungen verengt sind und durch ein Blutgerinnsel verstopft wurden. In etwa 15 Prozent kommt es zu Massenblutungen im Gehirn, bedingt durch zu hohen Blutdruck. Diese sogenannten hypertensiven Blutungen kommen hauptsächlich in Gehirnabschnitten vor, in denen sich Gefäße mit eher dünnerer Wand befinden. Eine weitere Auswertung der „Global Burden of Disease“-Studie in Lancet Global Health zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Todesfälle (51,7 Prozent) durch Hirnblutungen entstanden sind. Von diesen sind dem Bericht zufolge bevorzugt Menschen im mittleren Lebensalter betroffen.

Sterberate in Deutschland deutlich gesunken

Die Situation hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem in den Entwicklungsländern und den Schwellenländern verschlechtert, auch die Länder Osteuropas gehören dazu. In Russland ist die Zahl der Neuerkrankungen am Schlaganfall in den letzten beiden Jahrzehnten von 322 auf 371 pro 100.000 Einwohner gestiegen. In Deutschland ist die Inzidenz im gleichen Zeitraum von 176 auf 141 pro 100.000 Einwohner gesunken. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei der Sterblichkeit. In Russland kamen 1990 auf 100.000 Einwohner jährlich 137,7 Schlaganfalltodesfälle, in Deutschland waren es nur 21,1.

Originalpublikationen:


Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study 2010 (GBD 2010) and the GBD Stroke Experts Group. Global and regional burden of stroke during 1990-2010: findings from the Global Burden of Disease Study 2010
Valery L. Feigin et al.; Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(13)61953-4; 2014

Global and regional burden of first-ever ischaemic and haemorrhagic stroke during 1990—2010: findings from the Global Burden of Disease Study 2010
Rita V. Krishnamurthi et al.; Lancet Global Health, doi: 10.1016/S2214-109X(13)70089-5; 2013

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3 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

“erschreckend” ist moderner Journalismus.
Die Ursache ist ja bekannt. Es ist ganz sicher nicht der “Wohlstand”,
sondern der “westliche” life stile besonders bezüglich Ernährung und Bewegungsmangel, einschließlich unaufhaltsamen Anstieg von Drogenkonsum etc.,
USA als Vorbild immer feste im Blickfeld.
In USA steigt augenblicklich z.B. der Mariuana-Konsum schneller als der “Smartphone”-Verkauf, getarn als medizinische Indikation.
Auch hier wird ja in konsequentem Nachahmungsdrang heftig (unredliche) Reklame dafür gemacht, nicht erschreckend?
Intelligente Menschen leben länger.

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Medizinphysiker

Bei einem Aneurisma hilft eine gesunde Lebensweise allerdings nichts!

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Monika Geissler
Monika Geissler

Die beste Prävention ist u.a. auf eine gesunde Ernährung zu achten sowie Übergewicht meiden. Regelmäßige Bewegung und Sport sind wichtig, um körperlich gesund zu bleiben. Das muss nicht gleich Hochleistungssport sein. Radfahren, Walken oder Schwimmen halten den Körper fit, ohne ihn zu überfordern. Zu Alkohol sollte man besser nur sehr selten greifen und auf Zigaretten ganz verzichten. Auch sind Pausen sind wichtig, denn Stress begünstigt eine ungesunde Lebensweise und lässt den Blutdruck steigen. Wichtig ist auch, dass der Blutdruck regelmäßig kontrolliert wird.

#1 |
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