Fötus: Geschlecht beeinflusst Plazentafunktion

6. März 2014
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Forscher haben untersucht, ob und wie das Geschlecht des Fötus die Funktion der Plazenta beeinflusst. Dies könnte eine Erklärung dafür darstellen, warum Schwangerschaftsprobleme bei männlichen bzw. weiblichen Föten unterschiedlich häufig auftreten.

Noch wenig erforscht ist derzeit der tatsächliche Einfluss der Plazenta auf das Immunsystem der Mutter. „Die Plazenta beeinflusst das mütterliche Immunsystem derart, dass es das Kind zwar vor Infektionen schützt, gleichzeitig jedoch das Immunsystem daran hindert, die Plazenta bzw. den Fötus als Fremdgewebe abzustoßen“, so Univ.-Prof. Dr. Gernot Desoye, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Universität Graz. Hier setzen die Forscher an und untersuchen den Einfluss des Geschlechts des Fötus auf die Funktion der Plazenta.

Erhöhtes Risiko in der Schwangerschaft bei männlichen Föten

Das Geschlecht des Fötus beeinflusst die Schwangerschaft maßgeblich. „Während der Schwangerschaft haben männliche Föten ein höheres Sterblichkeitsrisiko und sind auch von Schwangerschaftskomplikationen insgesamt stärker betroffen als weibliche Föten“, zählt Gernot Desoye die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Entwicklung des Embryos auf. Darum vermuteten die Wissenschafter geschlechtsspezifische Unterschiede in der Plazentafunktion, reguliert durch die Beeinflussung der Gene in der Plazenta durch das Geschlecht des Fötus.

Plazentafunktion stark vom Geschlecht des Fötus abhängig

In der Plazenta übernimmt eine Vielzahl an Genen bestimmte Aufgaben und steuert verschiedene Prozesse. Sowohl in Plazenten von männlichen als auch weiblichen Föten sind grundsätzlich dieselben Gene vorhanden, jedoch ist deren Vorkommen vom Geschlecht des Fötus beeinflusst. „Unsere Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass die Expression bestimmter Gene stark vom Geschlecht des Fötus beeinflusst wird“, erklärt Gernot Desoye. Die Genexpression beschreibt, wie ein Gen ein spezifisches Genprodukt ausbildet. Genprodukte in ihrer Gesamtheit wiederum steuern bestimmte Vorgänge im Körper. „Manche dieser Prozesse sind also essentiell vom Geschlecht des Fötus beeinflusst“, so die Wissenschafter.

Biologische Prozesse von geschlechtsspezifischen Genen gelenkt

Die daraus resultierende geschlechtsspezifische Funktion der Plazenta begünstigt das erhöhte Risiko für männliche Föten. Hauptsächlich werden biologische Prozesse, wie beispielsweise entzündliche Erkrankungen, aber auch Immunantworten von den geschlechtsspezifischen Genen gelenkt. Vermehrte entzündliche Prozesse stimulieren die Immunantwort der Mutter gegen die Plazenta und erklären das erhöhte Risiko von Schwangerschaftskomplikationen bzw. spätere Gesundheitsfolgen für die männlichen Föten. Konsequenzen dieser Ergebnisse für zukünftige Therapien bzw. für den Gesundheitsverlauf im Erwachsenenalter sind derzeit noch nicht ableitbar und werden Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.

Originalpublikation:

The Human Placental Sexome Differs between Trophoblast Epithelium and Villous Vessel Endothelium
Gernot Desoye et al.; PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0079233, 2014

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1 Kommentar:

grundsätzlich ist das aber nicht neu. best, JB

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