Nachwuchsprobleme: Apotheker reden Klartext

21. Februar 2014
Teilen

Zwischen schlechter Entlohnung und überbordender Bürokratie: DocCheck wollte wissen, warum Jobs in öffentlichen Apotheken derart stark an Attraktivität eingebüßt haben. Jetzt reden die Apotheker – und kritisieren auch so manches schwarze Schaf der Branche.

Wenn Theorie auf Praxis trifft: Wissenschaftler des Instituts für Handelsforschung, Köln, berichteten schon vor einem Jahr, dass Inhaber mancherorts kaum Nachfolger für ihre Apotheke finden. „Das Problem wird uns tatsächlich in zirka zehn Jahren lahm legen“, sagt Brigitte Holtappels, Apothekerin aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt. „Ich bin jetzt 56. Mein Sohn hat zwar Pharmazie studiert, meine zugegeben kleinere Apotheke will er nicht.“ Andere Kollegen haben ebenfalls keine potentiellen Nachfolger, geschweige denn aus der eigenen Familie. Holtappels: „Die wissen auch, was auf sie zukommt: am Wochenende die Buchführung, die Zwangsfortbildung, der Notdienst.“

Neues von Kassenknechten

Einen nicht unwesentlichen Anteil an der „Lustlosigkeit, in deutschen Apotheken zu arbeiten“, haben laut Johannes Thomeczek, Herne, natürlich Rabattverträge: „Obgleich mittlerweile EDV-Systeme gut funktionieren, ist es für jeden im HV Tätigen nervig, wenn nach mehr als sechs Jahren ein harter Kern von Kunden unabhängig vom Alter, vom Geschlecht oder von der ethnischen Herkunft uns unnötige Diskussionen zumutet und uns von der Arbeit abhält.“ Doch der Kampf um jedes Rezept geht weiter. „Leider gab und gibt es einen kollegoiden Bodensatz, der den Leuten alles, was sie möchten, gerade so, als ob es keine Rabattverträge je gab, aushändigt“, moniert Thomeczek. Schwarze Schafe taxieren zwar Rabattarzneimittel, geben jedoch Präparate eines anderen Herstellers ab. Thomeczek spricht von „Brunnenvergiftern im eigenen Hause“ durch „jene Faulpelze, die alles nach Hause nachtragen, buckeln bis zum Abwinken, gratis Zeitungen verteilen, die man selbst bezahlt hat, und Sammelquittungen kostenfrei erstellen.“ Ein Umdenken beginnt vielleicht, sollte die letzte Landapotheke beziehungsweise Vorortapotheke verschwunden sein und es kaum noch Pharmaziestudierende mit Ambitionen für den HV geben.

Erfüllungsgehilfen – oder Heilberufler auf Augenhöhe

Immerhin sind entsprechende Probleme bei Regierungsvertretern angekommen. Sie planen, Apotheker stärker in die Versorgung mit einzubeziehen. Zum Vergleich der Status quo: „Wenn ich eine Bilanz der 26 Jahren ziehe, seitdem ich selbst Apothekenleiter bin, frustet es immer mehr, dass man nach einem anspruchsvollen Studium nicht nur lediglich als Erfüllungsgehilfe des Arztes, sondern mittlerweile der Krankenkassen und der häufig wechselnden Gesundheitspolitiker geworden ist“, so Peter Gicklhorn aus Hallstadt bei Bamberg. Möglicherweise erkennen Gesundheitspolitiker zu spät, was sie am Berufsstand haben. Gicklhorn: „Dann werden weniger gut ausgebildeten pharmazeutischen Mitarbeitern immer mehr Teilaufgaben der Apotheker übertragen, um dem Versorgungsauftrag der Bevölkerung mit Medikamenten nachzukommen zu können.“ Eine Möglichkeit: „Wenn die Aufklärungsarbeit der Apothekerkammern ehrlich und umfassend erfolgt, wird es auch weniger frustrierte Studienabbrecher geben.“

Schalterbeamte mit Hungerlohn

Michael Erren, Freiburg, ist eher skeptisch – auch hinsichtlich entsprechender Studien von Prof. Kaapke Projekte. „Wenn die befragten Abiturienten wüssten, was sie erwartet, würden sie noch viel weniger diesen Beruf ergreifen“, vermutet er. Seine Erklärung: „Im Studium werden wir auf hohe Wissenschaft getrimmt, im Alltag der Apotheke sind wir zum Schalterbeamten der Kassen degradiert und auf Hungerlohn gesetzt.“ Was Politiker nicht zerstören, erledigten „skrupellose Kollegen, die ihr Heil im Verramschen suchen, um die anderen platt zu machen“. Thomas Arnet aus Baden-Baden stimmt zu. Für ihn wurden öffentliche Apotheken von „einer angesehenen und geschätzten Institution zu einer überregulierten, bürokratieverseuchten Arzneiabgabestelle degradiert, deren Inhaber aber weiterhin das unternehmerische Risiko zu tragen haben“. Mit jeder Gesundheitsreform verschlechterten sich ökonomische Rahmenbedingungen, verbunden mit „einer zunehmenden Enteignung bezüglich des Firmenwerts einer Apotheke“. Dem gegenüber stehen vergleichsweise niedrige Gehälter von Angestellten. Apothekeninhaber sind in ihrem wirtschaftlichen Erfolg zunehmend packungszahlen- und standortabhängig, zudem extrem stark der Willkür der Politik unterworfen.

„Unfähige und wirkungslose Standesvertretung“

„Die Aussicht auf Besserung dieses Zustandes ist eher gering, da wir eine unfähige und wirkungslose Standesvertretung haben, die auch jetzt aktuell lieber über Leitbilder philosophiert, als den gesellschaftlichen Wert und die Aufgaben einer Apotheke vermittelt und deren angemessene Bezahlung einfordert“, kritisiert Thomas Arnet. „Welche Motivation gibt es also für einen Abiturienten, diesen Berufsweg zu gehen?“

182 Wertungen (4.66 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

20 Kommentare:

Gisela Ausbüttel
Gisela Ausbüttel

Dem Kommentator Veit Eck möchte ich sehr gern ein freiwilliges Praktikum bei mir in der Apotheke anbieten – dann kann der Kollege echten Kundenkontakt ausprobieren und Patienten mit viel Freude und Liebe zum Beruf über die neuesten Änderungen an der Rabattvertragsfront aufklären und dergleichen mehr – als Krankenhausapotheker fehlt einem da vermutlich jede Routine ;-)) insofern sollte man sich mit derartigen Kommentaren nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Gisela Ausbüttel, Dortmund
(habe selber mal ein Praktikum in einer KH Apo absolviert)

#20 |
  0
Elvira Pfaff
Elvira Pfaff

Ich bin seit kurzem mit dem Studium fertig und muss ehrlicherweise sagen, das ich noch nicht so lange im Berufsleben bin. Der Artikel selbst beinhaltet Wahrheiten, das stimmt, jedoch finde ich die negativen Ansichten der Kollegen sehr deprimierend. Wenn man so auf Abiturienten zugeht muss man sich nicht wundern wenn man keinen Nachwuchs findet und seine Apotheke “verschenken” muss.
Jedem der mich fragt kann ich aus voller Überzeugung sagen, dass es die richtige Entscheidung war Pharmazie zu studieren! Das Studium war die beste Zeit meines Lebens und die Arbeit macht Spaß, mal mehr mal weniger. Ist in anderen Berufen nicht anders. Die haben auch Probleme, natürlich andere aber jeder beklagt sich über Situationen und Grundvoraussetzungen, die einem nicht passen. Warum dann nicht etwas daran ändern?? Die Notfallpauschale haben wir doch auch hinbekommen, warum diese Pauschale nicht als ersten Schritt sehen und daran anknüpfen??

#19 |
  0
Apotheker Matthias F. Heufer
Apotheker Matthias F. Heufer

Guten Morgen –
ich stimme dem Artiel – leider – voll und ganz zu – ich suche auch nicht die Schuld nur bei anderen: aber es ist – ganz offensichtlich – in der Politik und auch bei den “Standesfürsten” schon längst klar, dass kleinere Apotheken überhaupt nicht überleben sollen – diese Kolleginnen und Kollegen, die große Apotheken managen sind weit ab von der Realität in einer kleinen Apotheke, sie können sich überhaupt nicht vorstellen, dass es interessant ist, in einem kleinen überschaubaren (auch finanziel) Betrieb intensiv für seine Kunden da zu sein und deren Partner zu sein.
Es gibt eben nicht nur die Motivation, möglichst viel Geld zu verdienen sondern in seinem eigenen Betrieb zu arbeiten und Entscheidungen schnell und unkompliziert treffen zu können ist eine der großen Antriebsfedern der kleinen Selbständigkeit.
Aber sie wird bald Geschichte sein und damit Besitzverhältnisse zementiert und ein sozialer Aufstieg vom Lohn- und Weisungsempfänger zum Entscheider nicht mehr möglich sein.
DAS ist die Konsequenz der Gesundheitspolitik – sowohl der Politiker wie der Standesfürsten. Das “Apothekensterben” läuft und viele schauen freudig zu und klatschen innerlich Beifall.

#18 |
  0
Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Ich bin PTA in Ausbildung und muss zugeben die Arbeitszeiten schrecken mich am meisten ab.. als junger Mensch ist es besonders schlimm Samstags zu arbeiten, da Freunde und Bekannte oft Freitags bereits Feiern gehen und man selbst nicht mit kann.. So verliert man den Bezug zu seinen Mitmenschen doch erheblich.

#17 |
  0
Heike Konrad
Heike Konrad

Leider hat der Autor recht. Unsere Fähigkeiten Patienten umfassend zu beraten, Fehlmedikation zu verhindern, gegebenfalls zum umgehenden Arztbesuch aufzufordern, werden eindeutig nicht gewürdigt, weil dann dürfte es keine Versandapotheken geben! Auch wir haben unseren Kindern nicht zum Pharmaziestudium geraten, obwohl es außerhalb der Apotheke durchaus interessante und entsprechend entlohnte Tätigkeiten für Apotheker gibt. Unsere Standesvertretung konzentriert sich so gut wie ausschließlich auf die öffentliche Apotheke und “vergisst” Industrie, Verwaltung und Wissenschaft.

#16 |
  0
Apotheker

Stimmt alles. Ich habe mich daher als Konsequenz bereits mit 60J. in Rente begeben, weil ich es nicht mehr aushalten wollte und konnte!

#15 |
  0

Friedrich Seifert, Aurachtal

Als Apothekeninhaber einer durchschnittlichen Landapotheke in Bayern, muss ich Herrn Thomas Arnet aus Baden-Baden leider eindeutig zustimmen.

Wir investieren zu viel Zeit z.B mit der Tatsache, dass wir Patienten erklären müssen, was derzeit nicht möglich ist (z.B.50-60 Arzneimittel die bei uns eigentlich jeden Tag gebraucht werden, aber nicht lieferbar sind). Natürlich müssen wir diese Tatsache auch noch gut dokumentieren, damit wir keine Absetzungen (sprich Enteignung von persönlichem Eigentum) von den Krankenkassen befürchten müssen. Natürlich ist noch eine sogenannte Reimportquote zu erfüllen etc. Dies ist nur eine von vielen Tatsachen die auch leider sehr viel Frust bei vielen meiner Angestellten erzeugen.
Natürlich hat unser Beruf in der Offizin noch hochmotivierende Gründe um diesen Beruf auszuüben. Wir sind wirklich diejenigen, die objektiv noch optimal beraten können, indem wir auch eine gute Qualität einhalten.
Auf lange Frist haben wir keine Chance für die Zukunft, wenn wir nur Billigstpreise und Nichtabgabe von Rabattarzneimitteln etc. betreiben.
Ich bin 56 Jahre alt. Auch ich habe Interesse daran, meine Apotheke einmal abzugeben. Allerdings haben die vielen Reformen im Gesundheitswesen eventuell auch dieses Standbein meiner Altersversorgung zerstört.

#14 |
  0
Apothekerin

Schon lange fordern viele Ärzte und Apotheker in Deutschland die Öffnung der Fallpauschalen für alle weltweit verfügbaren Therapiemethoden, um Krankheiten wie Krebs, Diabetes usw. nicht länger einer bisher in Deutschland praktizierten Chronifizierung und Behandlungskostenexplosion im deutschen Gesundheitssystem preiszugeben, sondern um den Patienten rasch, kostengünstig und möglichst rezidivfrei therapieren zu können.

Erst durch solch eine bürokratie unbevormundete bedingungslose Öffnung der heutigen ärztlichen Behandlungsfallpauschalen wäre ein fairer und v.a. protektionsfreier Wettbewerb unter allen weltweit verfügbaren Therapiemethoden in Deutschland möglich und würde ganz von selbst viele Ärzte und Apotheker reanimieren, sich diesbezüglich fortzubilden. Damit hätte auch die bisherige Chancenlosigkeit mittelständiscvher Pharmaunternehmen gegenüber den heute vom Staat protektionierten Pharmagroßkonzernen wie BAYER usw. ein Ende und auch diese Pharma-Multis müßten sich dann einer fairen Marktwirtschaft und Konkurrenz mit Chancengleichheit stellen, statt wie bisher praktiziert all diese kleineren Pharmaunternehmen mit ihren oftmals besseren Forschungskonzepten und Arzneimitteln in die Insolvenz zu treiben. Solch ein bisher staatlich protektioniertes mieses Verhalten hat schon lange nichts mehr mit Marktwirtschaft und fairem Wettbewerb zu tun.

Die Öffnung und Entbürokratisierung der heutigen Fallpauschalen einem fairen Wettstreit hin hätte sogar auch für Ärzte und Krankenkassen ein erhebliches Einsparungspotential zur Folge und käme in seinen Erkenntnissen und Ergebnissen auch der medizinisch-pharmazeutischen Forschung zu gute. Denn was nützt einem Patienten eine heute staatlich protektionierte Krebstherapie eines Pharmagroßkonzerns, wenn der Patient dadurch erheblichen Schaden erleidet, keine Rezidiv-Freiheit aufweist und zudem oftmals unter dieser Therapie noch schneller verstirbt, als wenn er den Krebs hätte unbehandelt gelassen ? Solch ein Wahnsinn mit seinen tausenden Krebstoten alljährlich müßte künftig nicht mehr sein, wenn auch zum Thema Krebs die Behandlungsfallpauschalen frei jeder weltweit zur Verfügung stehenden Krebstherapie-Mehtode geöffnet würden, um beim Beispiel Krebs mal zu bleiben zur besseren Veranschaulichung des Problems, unter dem heute in der deutschen Medizin nichts mehr funktioniert und aus Akut-Patienten teure chronifizierende Erkrankungen in unserem “Gesundheitssystem” entstehen.

Auch bei der Krebsbehandlung würden sich ohne die heutigen ergebnis-verfälschenden staatlichen Pharmakonzerne-Protektionen alsbald die besseren, kostengünstigeren und rezidivfreien Krebstherapien herauskristallisieren und würden so ausgehend aus ärztlichen Praxen und Kliniken weit bessere Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Fortschritte erzielen, als dies heute die praxisferne Laborforschungsarbeit der Pharmakonzern vermag mit ihren regelmäßigen Tiefschlägen wirkungsloser bis gesundheitsschädlicher Medikamente nach deren Zulassung und Loslassung auf den Bürger. All das müßte nicht mehr länger so sein, wenn auch Heilberufler vom Hausarzt bis hin zum Apotheker wieder mit in die wissenschaftliche Forschungstätigkeit eingebunden würden, statt derlei Forschung wie heute nur der erheblich überteuerten Forschungslabortätigkeit der Pharmagroßkonzerne zu überlassen. Denn wohlgemerkt wurden in der Historie von Medizin und Pharmazie die fundamentalen Entdeckungen und Fortschritte nicht etwa in den Forschungslaboren pharmazeutischer Unternehmen erzielt, sondern in der Hauptsache durch Zufall in Arztpraxen, Kliniken und Apothekerstuben. Und dies wäre heute nicht anders, wenn der Staat die verfassungsmäßige Chancengleichheit aller in Medizin und Pharmazie zulassen würde. Denn wie viele positive weiterführende Forschungsergebnisse gehen heute unter all der Bürokratenbevormundung und damit verbundenen Stressung der Heilberufler verloren, die in ihrer Weiterverfolgung nur einen geringen Forschungsetat benötigt hätten, während ein Pharmakonzern, wenn er denn mal nach Jahren zum selben Forschungsansatz gelangt, Aber-Millionen Euro Forschungsgelder hierfür sinnlos verheizt ? Mir sind hierzu schon eine Vielzahl von Patientenerlebnisse angetragen worden, die ihren Ärzten wertvolle Hinweise auf Heilmethoden gaben, die aber dann Ärzte in all ihrer heutigen Alltagsbürokratie und damit aufgebauten Arroganz und Ignoranz nicht weiter interessierte und nicht weiterverfolgt wurden.

So läßt sich beispielsweise Zahnausfall, Zahnfleischschwund und -vereiterung spielend leicht ohne all die teuren Medikamente mit frischen roten scharfen Chili-Schotenstücken aufgelegt auf den Entzündungsherd verhindern und ausheilen in nur wenigen Tagen Behandlungszeit, und das sogar unter Nutzung der schmerzbefreienden Wirkung von Chili. Und von wem habe ich diese tausende Euro Behandlungskosten sparende Therapiemethode ? Jedenfalls nicht von ignorant darüber schmunzelnden Zahnärzten ! Nicht von UNI-Professoren ! Nicht von der deutschen Pharmaforschung ! Nein, von einem Patienten erhielt ich diesen Hinweis. Und nach eigenen Selbstversuchen kann ich den Tipp dieses Patienten nur zu gut bestätigen.

Dieses Beispiel von tausenden zeigt uns, daß auch heute revolutionäre medizinisch-pharmazeutische Neuentdeckungen in der Regel nicht aus der abstrakten realitätsfernen überteuerten Pharmakonzerneforschung kommen mit all ihrem Lizenzen-Geblänkel und ebenso verbürokratisierten Handlungs- und Denkzwängen, sondern daß die fundamentalen Neuentdeckungen wie eh und je durch Zufall und in der Arztalltagspraxis erzielt werden. Und genau deshalb ist es auch so wichtig, daß auch der deutsche Klinikalltag ganz wesentlich wieder entstreßt und entschleunigt wird, damit auch da Ärzte wieder ein offenes Ohr für ihre Patienten und deren Hinweise auf Therapieverbesserungen haben können, statt wie bisher nur im Akkordtempo von Krankenzimmer zu Krankenzimmer zu hasten und die Patienten nur noch als Medizinware zu betrachten. Für einen Arzt in Praxen und Kliniken muß also auch wieder die nötige Zeit für eigene Forschungsprojekte zur Verfügung stehen, statt wie bisher nur mit entnervender ausufernder Bürokratie in den Berufsstandskollaps geführt zu werden. Nur auf diese Weise kann Deutschland mal zu eines der besten Medizinstandorte weltweit heranwachsen aus seinem derzeitigen Tiefpunkt, aus dem immer mehr Ärzte, Apotheker und Patienten ins Ausland abwandern.

#13 |
  0
Peter Michael Gottschall
Peter Michael Gottschall

Das was uns heute plagt ist nur die logische Konsequenz der Politik der letzten Jahre.
Wir haben ein akutes Nachwuchsproblem, nur in Apothekermanier hat sich dieses nicht laut donnernd sondern still und leise angekündigt. Ärzte schreien auf bevor einschneidende Änderungen an ihrem Berufsstand vorgenommen werden, wenden sie zumeist ab und holen am Ende sogar noch etwas für den Berufsstand positives heraus. Zeigen dadurch dem Nachwuchs, dass es sich immer noch lohnt, ein Arzt zu sein. Sie werden aber auch gehört und von der Politik ernst genommen. Apotheker schreien nicht, der Nachwuchs schreit auch nicht (mehr), der macht (jetzt einfach). Einerseits unfair Politik und der Gesellschaft gegenüber diese so vor vollendete Tatsachen zu stellen andererseits verständlich, denn wie du mir so ich dir. Wie es der Politik gelingen will diese Entwicklung aufzuhalten bzw. umzukehren weiss ich nicht, aber das mit dem Angebot und der Nachfrage hat sich wohl noch nicht bis dort rumgesprochen….. Ketten sind heute auch keine Alternative mehr, denn ob nun Lloyds, Walgreens Boots oder doch Rathaus Apotheke draussen dransteht, drinnen ist überall eine Offizin mit den heutigen Rahmenbedingungen die den Nachwuchs abhält und den sich eine Kette auch nicht unabhängig von den Absolventen der Unis backen kann.

#12 |
  0
Apothekerin

Die deutsche Regierung und deren “Gesundheitspolitik”, besser gesagt lobby-orientierte Gesundstoßungspolitik frackt nicht nur den Beruf des Apothekers ab auf das Niveau eines Schalterbeamten und Erfüllungsgehilfen von Krankenkassen-Bürokraten, sondern frackt auch all die anderen medizinischen Berufsstände vom Arzt bis hin zum Pflegepersonal ab.

Worin liegt nun aber die Grundursache des Übels und wie kann es beseitigt werden ? Nun, das wäre mit etwas weniger politischer Verbohrtheit denkbar einfach, sowohl dem Arzt seine Therapiefreiheit wieder zu gewähren, die Apotheken wieder aus ihrer Degration und all ihrem täglichen Frusttief herauszuholen, die Patienten aus ihrem chronifizierten Krankenstatus zu therapieren und die Qualität der deutschen Arztpraxen und Kliniken wesentlich zu verbessern. Und bei all dem könnten die Krankenkassen sogar noch eine Menge Geld einsparen, während auch in Forschung und Wissenschaft der entscheidende Hebel umgelegt werden könnte aus ihrem derzeitigen Dahin-Dümpeln inmitten allerlei lobbyquerelen, die alles andere als gut für die Patienten sind. Und so einfach klingt die Lösung für all das: Die heutigen Fallpauschalen bedingungslos allen verfügbaren Therapiemethoden öffnen und die bisherige verwerfliche Protektion einzelner untauglicher Therapiemethoden, allem voran in der krebstherapie, endlich beenden. Das bedeutet: ein Arzt könnte endlich sein Fachwissen und sein Berufstalent zum Nutzen der Patienten einsetzen und im Rahmen der Fallpauschale selber frei und und ohne Bürokraten-Vormund entscheiden, welche Therapiemethode von Schulmedizin über Homöopathe bis Naturheilkunde usw. für den Patienten die geeignetste ist. Ich beispielsweise habe so eine alles umfassende internationale medizinisch-pharmazeutische Ausbildung durchlaufen und kann daher selbst Krebs heute schnell und mit einfachsten Mitteln heilen. Doch was nützt mir in Deutschland all das Wissen ?: NICHTS ! Denn Deutschlands Bürokratie bedroht und verkrüppelt mich zu dem handlungsunfähigen Heilberufler, was auch Sie hier alle genauso alltäglich frustet und Sie daher folgerichtig niemandem mehr raten können, einen medizinisch-pharmazeutischen Beruf in Deutschland zu erlernen.

#11 |
  0
Apothekerin

Das ist alles sehr beunruhigend

#10 |
  0
Angestellter Apotheker

Es ist schon erstaunlich-keiner geht auf die “schwarzen Schafe” ein.
Ich habe 25 Jahre Vertretungen hinter mir.
Fazit: Die Apotheker sind eine Herde scharzer Schafe mit ein par weißen dazwischen.
Diese Feststellung hat mich Anschlußverträge gekostet (aktiv und passiv)

#9 |
  0
Apothekerin

Es ist jetzt schon sehr schwer kleinere Apotheken loszuwerden. Mein Vorgänger hat lange gesucht und erst kurz vor endgültiger Schließung seine Apotheke “Verschenkt”, so stand es in der PZ, also nur gegen Warenlager. Meiner eigenen Tochter habe ich vom Pharmaziestudium abgeraten, denn die Apotheken, wie sie heute sind, wird es nicht mehr geben, nur große Ketten in den Städten…

#8 |
  0

Leider bzw Gott sei Dank stimmt beides. Wir sind tatsächlich die “Schalterbeamten der Kassen” wie Michael Erren schreibt. Seit Einführung der Rabattverträge nimmt diese lästige Tätigkeit einen deutlich zu breiten Raum ein. Andererseits stimme ich Veit Eck zu “Diskussionen mit Patienten sind auch nicht lästig sondern Teil der Berufspflichten”. Wir nehmen sogar eine Zunahme des Informationsbedarfs der Kunden wahr. Dabei meine ich durchaus pharmazeutisch, medizinische Fragen. Die Entlohnung unserer Tätigkeit wird von den Politikern und deren “Beratern” als angemessen betrachtet. Dies mag, bezogen auf den “Schalterbeamten”, sogar zutreffend sein (Stichwort:Lehrergehalt), leider stellt uns die Politik jedoch nicht vom unternehmerischen Risiko frei. Die Komponenten fachlich, pharmazeutische Betreuung unserer Kunden und unternehmerischer Risikozuschlag werden von den geltenden Regelungen der Bezahlung schlicht ignoriert. Wobei diese Ignoranz Grundlage einer bewussten politische Entscheidung ist. Die abnehmende Bereitschaft den Beruf als Offizinapotheker und Unternehmer auszuüben, ist eine zwingende Folge dieser politischen Weichenstellungen.

#7 |
  0
Robert Penzis
Robert Penzis

Also gibt es für alle Apotheken keine Zukunft mehr…? Was soll denn diese Schwarzmalerei?
Aber wenn man mit so einer Einstellung Nachwuchs generieren möchte, dann hat man Erfolg: nämlich keinen. Und dann rumjammern, dass die Apotheke an Wert verliert und niemand sie übernehmen will.
Und noch zum Thema Studium: Leider verwechseln hier immer wieder einige Fachhochschule mit Universität.

#6 |
  0
Dr. Mehdi Keshavarz
Dr. Mehdi Keshavarz

Die kleinere Apotheken bluten aus und seit Jahren alle sehen zu, vorallem die s.g. Standesvertretung. Dort treffen die jenigen die Entscheidungen, die selbst oder ihre Ehefrauen/Ehemänner besitzer größeren Apotheken sind und nur ein Interesse verfolgen und zwar die kleinere Apotheken zu vernichten. Keine Solidarität unter den Apothekern, weil jede/r nur an sich denkt!!!

#5 |
  0
Hans Peter Dethlefs
Hans Peter Dethlefs

Freunde, kommt mal runter. Nur mit Jammern und Klagen ist noch nie etwas verändert worden! Handeln ist die Devise. Wir haben einen anspruchsvollen Job, ja; aber das haben hundert tausende auch… geht ran an den Kunden, beratet, macht Qualität und es wird euch wieder Spaß machen…

#4 |
  0
Apotheker

Ich stimme überhaupt nicht zu – das ist pure Polemik, die hier verbreitet wird und einer sachlichen betrachtungsweise nicht entspricht.

Wer seinen beruf ernst nimmt, ist weder Schubladenzieher oder Erfüllungsgehilfe. Und Diskussionen mit Patienten sind auch nicht lästig sondern Teil der Berufspflichten.

Typisch auch : immer die Schuld bei anderen zu suchen, selbst stellt man sich nicht kritisch in Frage

#3 |
  0
Apotheker Rolf Jägers
Apotheker Rolf Jägers

Leider hat der Autor in allem, was er schreibt, recht…
Auch ich würde heute um dieses Studium und den eigentlich tollen Beruf einen großen Bogen machen!

#2 |
  0
Johanna Möller
Johanna Möller

Unterschreibe ich zu 100%
Wenn ich heute nochmal die Wahl hätte, würde ich nie und nimmer Pharmazie studieren!

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: